Sonntag, 20. Januar 2013

Weit mehr als nur Wasser zu Wein - die Ekklesia im Brautglanz

"So machte Jesus zu Kana in Galiläa den Anfang mit seinen
Wundern und offenbarte seine Herrlichkeit" (Joh 2, 11). -
Hochaltar (Detail), Pfarrkirche St. Martin, Freiburg
Das Evangelium des zweiten Sonntags nach Epiphanie läßt uns nochmals auf das Hochfest der Epiphanie des Kyrios Christus zurückschauen. Der Bericht von der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-11) wird überwiegend auf das Zeichen hin ausgelegt, welches der Kyrios setzte, um unseren Glauben zu wecken und zu stärken. Zugleich zählt die damit verbundene Offenbarung des Logos in diesem Zeichen zu den Festmysterien der Epiphanie.
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Eine nochmals vertiefende Deutung dieses Geschehens begegnet uns mit der Antiphon zum Benedictus in den Laudes am Erscheinungstag:
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Hodie cælesti sponso iuncta est Ecclesia,
quoniam in Iordane lavit Christus eius crimina;
currunt cum muneribus Magi ad regales nuptias,
et ex aqua facto vino lætantur convivæ,
alleluia.
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Heute ist dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt worden,
denn im Jordan abgewaschen hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen zur königlichen Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.
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Die Menschwerdung des Logos wäre vergeblich, gäbe es nicht ein empfangendes Gegenüber: Die Ekklesia. Sie sammelt die einzelnen Erlösten zur Gemeinschaft des Leibes Christi und sorgt für das Wachsen des Reiches Gottes in der Zeit. Von dieser Ekklesia schreibt Paulus:
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Ekklesia geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie durch das Wort in der Wassertaufe zu reinigen und zu heiligen. Auf diese Weise wollte er sich die Ekklesia bereiten, strahlend rein, ohne Flecken, ohne Runzeln oder dergleichen, sondern heilig und makellos (Eph 5, 25-27).
Wie der Kyrios als Mensch in der Vereinigung mit der göttlichen Natur die Schuld des Menschen stellvertretend am Kreuz sühnen konnte, so konnte der Kyrios als Mensch  in der Vereinigung mit der göttlichen Natur auch die Taufe des Johannes "zur Vergebung der Sünden" (vgl. Mk 1, 4) stellvertretend für die Ekklesia empfangen; denn für sich selbst bedurfte er dieser Taufe nicht.
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Gab er sich am Kreuz für alle dahin, so vollzieht sich die Heiligung des Einzelnen in der Ekklesia nun an den Vielen, die ihrer Stimme und der Stimme ihres Bräutigams folgen und zu Gast sind am Tisch der königlichen Hochzeit, an dem Christus und die Ekklesia aus Wasser gewonnenen Wein ausschenken: Das aus dem Wein gewonnene Blut Christi, das - und nun blicken wir etwas voraus - gemeinsam mit dem Brot des Lebens Frucht ist der österlichen Mysterien. Die Taufe der Ekklesia wird ihren Abschluss und deren Sendung den Anfang finden im Myron: der Gabe des Heiligen Pneumas am Pfingsttag.
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Aber ist die Ekklesia wirklich ohne Flecken, ohne Runzeln, heilig und makellos? Sie es es heute bereits als triumphierende Kirche, sie wird es als leidende Kirche in fortwährender Läuterung. Sie ist als streitende Kirche aber stets angefochten vom Bösen und fällt in ihren Gliedern. Deswegen hat uns der Kyrios die Sakramente geschenkt, welche sein heilendes Handeln am Menschen immer wieder gegenwärtig setzen und erneuern - auf den einzelnen Christen bezogen in der Taufe, der Buße, der Firmung und der heiligen Ölung, auf das Gesamt der Ekklesia bezogen in der Eucharistie, in der Ehe und im Priestertum. 
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Diese Mysterien werden von der Ekklesia in Treue und Liebe zu ihrem Bräutigam fortwährend gefeiert und in ihr gespendet in Erwartung und Bereitung der Wiederkunft des Kyrios. Er wird alsdann durch die Ekklesia der Schöpfung Anteil geben an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8, 21), die ja Kinder der Ekklesia: "Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind" (Offb 19,9) - "Der Geist und die Braut sollen einstimmen: Komm" (Offb 22, 17).
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Heute ist dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt worden,
denn im Jordan abgewaschen hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen zur königlichen Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.

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