Donnerstag, 24. Januar 2013

Soirée ... Martha, Martha


  
Zu den schönsten deutschen Spielopern zählt unzweifelhaft Martha oder Der Markt von Richmond von Friedrich von Flotow, der heute vor 130 Jahren starb; das Werk erfreute sich weiland so großer Beliebtheit, daß davon sogar eine "international" (wir sind in der Welt der Oper!) brauchbare italienische Fassung erstellt wurde. Ab und zu ist das Werk heute noch auf Spielplänen zu finden, Loriot hatte es zum Beispiel am Münchner Gärtnerplatztheater inszeniert, wo auch ich mal in den Genuß davon kam. Als kleinen Höreindruck und zu Flotows seligem Angedenken gibts heute Abend das hübsche Finale dieser Oper in alter und dennoch frischer Aufnahme mit Erna Berger und Peter Anders in den Hauptrollen (Berlin 1944).
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Die Handlung kurz umrissen: Lady Harriet, ihres adeligen Alltags etwas überdrüssig, besucht mit ihrer Freundin Nancy den Gänsemarkt von Richmond. Aus einer Laune heraus verdingen sich die Damen als Mägde: Lady Harriet bei Lyonel und Nancy bei dessen Freund Plumkett. 
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Wie es so kommt: Lyonel verliebt sich auf den ersten Blick in seine neue "Magd Martha" und trägt ihr die Ehe an - ein Ansinnen, welches die Lady von Stand natürlich ausschlägt, ohne sich zu erkennen zu geben, obschon auch ihr Lyonel gefällt. Aber wie zuvor abgesprochen fliehen Lady Harriet und Nancy in der Nacht aus ihren neuen Jobs. 
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Lyonel wird in Folge zunehmend unglücklicher, zumal ihn bald darauf die Lady bei einem zufälligen Zusammentreffen rundweg verleugnet. Er beharrt schier aus Verzweiflung darauf, daß Lady Harriet seine entlaufene Magd sei und wandert, für irre gehalten, kurzzeitig in den Bau. 
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Nun plagen die Lady Gewissensbisse und sie sucht sich bei Lyonel zu entschuldigen. Wie es der Zufall so will, kommt zur selben Zeit ans Licht, daß Lyonel gleichfalls von Stand ist - sein Vater war ein in die Verbannung geschickter Graf. Einer Hochzeit stünde nun nichts mehr im Wege, jedoch weist der deprimierte Lyonel nunmehr Lady Harriet ab. 
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Plumkett und Nancy schmieden einen Plan: Der Markt von Richmond, jener Gänsemarkt, wird - und hier setzt das Finale ein - nachgestellt ... 
Hier die Buden , dort die Schenke, / hier die Zelte, dort die Bänke, / hier der Tisch für den Notar, / grade wie es damals war ...
... und die Uhr sozusagen zurückgedreht. Wieder verdingen sich Lady Harriet und Nancy als Mägde ...
Ich kann nähen, ich kann mähen, / ich kann säen, Fäden drehen, / ich kann bügeln, ich kann striegeln, / und versehen Hof und Haus!
... diesmal aber gesteht die Lady sogleich Lyonel ihre Liebe:
Ich kann entsagen / dem Glanz, dem Schimmer, / kann ohne Zagen sie fliehn auf immer. / Ich kann dem Treuen mein Dasein weihen, / Ich kann ihm sagen: Nur dir allein / will ich auf ewig sein.
Die Rechnung geht auf (Lyonel: "O Himmelglück!") - und da sich auch Plumkett und Nancy ineinander verliebt haben, steht einer Doppelhochzeit ganz offenkundig nichts mehr im Weg ...
Der Lenz ist gekommen, die Rosen erblühn. / Es strahlet die Zukunft in freundlichem Grün. / Es flattern die Bänder in heiterer Luft, / zum Heile, zum Glücke das Dasein uns ruft.

1 Kommentar:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Das ist schön. Erzählstoff wie aus dem richtigen Leben.
Vielleicht werde ich etwas ähnliches in die Handlung der gestiefelten Anni - reloaded einbauen.
:)