Sonntag, 20. Januar 2013

Sancte Sebastiane adiuva!

So ganz verstanden habe ich bislang nicht, warum ausgerechnet der hl. Sebastian, dessen Fest heute - neben dem hl. Papst Fabian - auch im Kalender steht, zum Patron der Schützen erkoren wurde. Nun gut, er war Soldat, ein hochrangiger gar, wie überliefert wird. Und entgegen landläufiger Meinung ist er auch nicht an den Pfeilen gestorben, die man im ersten Anlauf des Martyriums auf ihn abgeschossen hatte, obschon er laut der Legenda Aurea "so mit Pfeilen durchbohrt" wurde, "daß er wie ein Igel aussah". Einige Tage später stand er jedenfalls, so liest man weiter, erneut vor Kaiser Diokletian: "Der Herr hat mich für würdig befunden aufzuerstehen, um zu euch zu kommen und euch zu schelten wegen der Untaten, die ihr den Dienern Christi antut". Geholfen hat das offenkundig kaum, Diokletian ließ ihn als nächstes totschlagen mit Knüppeln. In die christliche Ikonographie eingegangen ist Sebastian aber als der von Pfeilen durchbohrte Blutzeuge um Christi willen; ein wenig Treppenwitz ist schon dabei, gerade Sebastian zum Fürsprech jener zu machen, die früher Pfeile und heute meist diverse Kaliber verschießen. 
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Was übrigens auch meinereiner, wie das zur Feier des Tages darein gegebene, wenngleich nicht ganz taufrische Poserbild nahelegt, reizvoll findet. Pulver und Blei rieche ich fast so gerne wie Weihrauch - leider komme ich derzeit eher selten in den Genuß erstgenannter gaudia
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Ehe wir also zur Abrundung dieses Festes noch einen Blick in eines der wahrhaft durchgeknallten Videos des Country Singers Steve Lee werfen (man beachte: der Knob Creek Machine Gun Shoot wird mit einem gemeinschaftlichen Gebet eröffnet!), sei es erlaubt, daß ich des hl. Sebastian Fürsprache im Blick auf ein irdisch gaudium jetzt und nachmals die gaudia cælorum erbitte - in diesem Sinne also: Sancte Sebastiane adiuva! Und jetzt ab zu Steve Lee: Die einen werden Spaß dran haben, anderen werden die Haare zu Berge stehen, politisch korrekte Zeitgenossen sollten besser jetzt schon weggucken ...
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Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Das ist der manchmal ziemlich schwarze Humor der Kirche. Judas Thaddäus wurde mit einer Keule erschlagen und ist Patron der hoffnungslosen Fälle. Und Bartholomäus, dem bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wurde, ist Schutzpatron der Gerber, Sattler und Handschuhmacher.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Stimmt, wenn man sich's so überlegt. Ferner: Heilige, die solche Martyrien hinter sich haben, werden wahrscheinlich auch hinreichend heroisch sein, diese etwas delikaten Patrozinien danach zu übernehmen ... ;-)

Anonym hat gesagt…

Da ist aber einer sehr politisch inkorrekt - Katholik und Schütze...
Gruß von einem Schützenbruder;-)

Wolfram hat gesagt…

Die Legenda Aurea ist nun allerdings - wie soll ichs sagen - eben legendär, Legende eben. Und an manchen Stellen vergißt sie glatt, die Schrift zu lesen, wie bei Simon Magus. Aber das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls macht dein Zitat Sebastians vor Diokletian ziemlich eindeutig klar, daß Sebastian durchaus von den Pfeilen zu Tode gebracht wurde - wie sonst hätte er "auferstehen" können?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Alter Textkritiker du! ;-)

Aber stimmt natürlich. Mir waberte noch eine andere Überlieferung im Kopf herum, nach welcher Sebastian nicht ganz tot geschossen worden war und von einer Christin mit Namen Irene wieder gesund gepflegt wurde, ehe Diokletian ihn dann erschlagen ließ. Diese Fassung präsentiert das Breviarium Romanum.





Pro Spe Salutis hat gesagt…

Käme ich eigentlich als Leser Deiner passwortbeschirmten Artikel in Frage oder sind das eher Interna nur für die ohnehin darin mehr oder minder Eingeweihten?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hallo Anonym - Gruß zurück übrigens ;-)

Alexander hat gesagt…

Sic semper tyrannis.

Ich muss bei der Diskussion um Waffen, immer an Ernst Moritz Arndt und sein "Der Gott der Eisen wachsen ließ" denken.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Alexander, leider sind Knechte in bestimmten Etagen der Politik sehr gewollt. Läßt man sich knechten, wird einem eine Sicherheit versprochen, welche diese Politiker aber bisher oft mehr schlecht als recht und in Zukunft noch viel weniger garantieren können. Das passiert auf den unterschiedlichsten Ebenen, von der Rente bis zu unserem - einer Kriminalisierung immer näher kommenden - Waffen-"recht" (allein dieses Wort ist schon Spott und Faustschlag ins Gesicht des freien Mannes).