Dienstag, 8. Januar 2013

Salz und Licht statt Öl und Honig

Würziges Salz sollten sie sein, aber sie sind lieber das Öl im Getriebe oder der Honig im Kuchen. Statt die christliche Alternative sichtbar zu machen, lieben sie den Kompromiss. Durch Nivellierung möchten sie unauffällig erscheinen und (ausgerechnet) um Gottes Willen keinen Anstoß erregen. (...) Sie erkennen nicht, dass man Menschen nicht durch Nachgeben, sondern durch Forderungen gewinnt. Der Verlust an Gewicht, den die Kirchen in der Geschichte erleiden müssen, hat darin ihren Ursprung, dass man zu wenig von der einschneidenden Härte der christlichen Botschaft gesprochen hat. Und zu wenig begeistert von der Verheißung. (...)
Die Worte vom Salz und vom Licht enthalten für sich genommen keine Forderungen. Vielmehr spricht Jesus über das, was die Jünger schon sind. Ausgerechnet hier, wo es um die äußere und äußerste Aktivität der Christen geht, spricht Jesus im Indikativ. Er warnt nur davor, die Kraft zu verlieren. Das Problem ist daher offenbar nicht die Kommunikation mit den anderen, sondern die Identität der Christen. Im Verhalten "auf dem Markt" kommt es nur darauf an, dass wir ohne Scheu ins Spiel bringen, was wir immer schon sind. Dass wir sichtbar werden lassen, wovon wir immer schon leben. Das Wort vom Salz der Erde spricht daher keineswegs von missionarischem Aktivismus, sondern von der Bewahrung der christlichen Identität, vom Erhalt der uns geschenkten Kraft.
¶ Klaus Berger: Jesus. München 2007. S. 34 ff.

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