Sonntag, 6. Januar 2013

Pindar und die Bratpfannen

Im Zug heute nach Basel hat mich mein aktueller Lieblingsautor Odo Casel auf zwei Zitate aufmerksam gemacht. Eines, recht bekannt, ist dem griechischen Dichter Pindar bei der zweiten pythischen Ode aus der Feder geflossen; es lautet: "Werde, der du bist". Das andere stammt von Goethe, der vom Menschen spricht als "geprägter Form, die lebend sich entwickelt" (Urworte, orphisch). 
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Danach mußte ich an Bratpfannen und ungeborene Kinder denken; beides zusammen hat Teile der Blogozese in den vergangenen Tagen beschäftigt - hier der ursprüngliche Fundort, da eine kleine Ergänzung.
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Fragen nach dem Bewußtsein ungeborener Kinder interessieren mich nicht. Ich erachte es ferner als hoch ärgerlich, Menschen gegenüber, die für sich in Anspruch nehmen, aufgeklärt zu sein, und die sich - ihr Ding! - im eigenen Lebenskreise selbst genügen, diesen Mitmenschen also gegenüber das Lebensrecht anderer Menschen verteidigen zu müssen, ganz gleich, ob die Letztgenannten in gewissen Entwicklungsstadien eher einer Himbeerknolle ähneln oder das Bewußtsein erst (weiter) entwickeln müssen (oder es schon wieder verloren haben). 
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Wer sich im Letzten selbst genügen will, der mag sich selbst genug sein, mag seine Kreise unverwiesen und autonom ausschreiten und selig in ihnen werden, sollte sich aber hüten, von den eigenen Möglichkeiten und den eigenen Grenzen aus auf andere zu schließen und diese der je anderen Potentiale und der damit im Wechselspiel begriffenen Individualität auch nur ansatzweise zu berauben. Stets gilt: "Werde, der du bist!" Im Werden, im Sein, im Vergehen.
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Früher kannte unsere Sprache übrigens noch das Wort "geborgen im Mutterschoß". In unserem ach so aufgeklärten Zeitalter ist es uns - gründlich, aber nicht grundlos - abhanden gekommen. Heute reden wir von Bratpfannen. Follie!

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