Sonntag, 6. Januar 2013

Participatio actuosa: Dreikönigskuchen

Dreikönigskuchen in forma extraordinaria
Die Schweiz gilt gemeinhin als einer der Urorte der Demokratie. Nicht aber an Dreikönig! Da werden auch unsere südlichen Nachbarn recht flächendeckend zu Monarchisten - wenn nicht gar zu Königen "für einen Tag". 
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Schuld daran trägt eindeutig der Dreikönigskuchen, von dem heuer, glaubt man den Prognosen, rund 1,5 Millionen verzehrt werden dürften: Gaudium maximum dem Schweizerischen Bäcker- und Konditorenverband. Der riß dem Kulturhistoriker Max Währen Ende der 1950er-Jahre ein altes Dreikönigskuchen-Rezept wahrscheinlich ziemlich begeistert aus den Händen und stampfte eine Werbekampagne für den alten Brauch aus dem Boden. Mit Erfolg - heute mampft die ganze Schweiz Dreikönigskuchen, 1,5 Millionen, Tendenz weiter steigend.
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Macht alsdann rund 1,5 Millionen Könige, den jedem Kuchen ist eine kleine Königsfigur eingebacken - wer sie findet, ist der König ... "für einen Tag". Die volkskundliche Herkunft ist nicht restlos klar, mitunter wird das Hefegebäck sogar in der Tradition der Römischen Saturnalien gesehen, eine Art Karneval, der Mitte bis Ende Dezember im alten Rom über die Bühne ging; dann feierten die Sklaven mit ihren Herrn gemeinsam. Im Mittelalter gab es zu Dreikönig dann Kuchen mit Bohnen drin. Wer eine abbekam, wurde, ja was? Bohnenkönig natürlich.
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Der originäre Dreikönigskuchen ist übrigens mit Rosinen drin und hat Zuckerstreusel obendrauf - der Rosinen wegen nicht ganz mein Fall. Meinereiner hat sich daher heute für eine jüngere (!) forma extraordinaria mit Schokolade entschieden. In Kürze werde ich mich im Rahmen intensivster paricipatio actuosa über den Kuchen hermachen, die Königfigur finden und mir die mitgelieferte Pappkrone aufsetzen ...

Kommentare:

Bellfrell hat gesagt…

Ich würd' auch den mit Rosinen nehmen...

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Die aufgesetzte Krone aber bitte mit Fotobeweis.

Wolfram hat gesagt…

Da gibts auch noch die "galette des rois", eine manchmal nicht ganz so flache Blätterteigscheibe mit Persipanfüllung, in der sich eben auch die "fève", also dicke Bohne, befindet oder neuzeitlich eher eine kleine Porzellanfigur, manchmal mit religiösen Motiven (wenn ich die Madonna wiederfinde, schicke ich sie dir), leider immer öfter kommerzielle (disney) Figuren.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Och, ich glaube, so eine Madonna bekommt Deinereiner auch ganz gut ...

;-)

Wolfram hat gesagt…

Wenn man die Haare fein spaltet, schätze ich die Theotokos sehr hoch, aber davon wird sie nicht ma Donna. :D

Allerdings kann ich nicht von "Notre Dame de la Galette" sprechen, die gibt es schon...