Mittwoch, 2. Januar 2013

Neujahreswechselblues

Bäume bar bunter Blätter beim Bahnhof
Schliengen im Markgräflerland am 1. Januar 2013
Alldieweil sich andere über den Jahreswechsel nicht nur offenkundig in forma extraexcessiva beömmelt und hernach Kunde davon gegeben haben (man schaue hier und da), will ich nicht nachstehen. Nur daß ich mich nicht erst in der Silvesternacht betrinke, sondern zumeist schon in den Stunden davor. Böse Zungen mögen jetzt natürlich behaupten, das Paulus-Zitat im letzten Eintrag des vergangenen Jahres (hier) müsse dann wohl ganz anders gelesen werden, als es ein frömmerer Sinn nahelege, und der "Sitz im Leben" scheine alsdann doch recht hanebüchen ...
.
Wie dem auch sei. Die feiernde Zurückhaltung in den allerletzten Jahresstunden hängt natürlich auch mit der Erfüllung von Standespflichten zusammen, denen am Neujahrtag ich zu obliegen hatte. Es reicht schon, wenn die Schola im Ordinarium spätvormittags um Halbzwölf konsequent stetig die Tonhöhe der Orgel untersingt; es muß dann nicht noch der Organist den Kater pfeifen lassen. Deswegen habe ich mich an Silvester bereits vor Mitternacht zu Bett verkrochen und mir das Feuerwerk von dort aus angesehen - günstiger Fensterblick machts möglich. Außerdem wollte ich mir das Erlebnis von vor zwei Jahren ersparen, als ich mezza notte im Sessel verdöste und beim Erwachen der Musikantenstoadl in den letzten Zügen lag und ich bald mit. Da fragt man sich schon, wie geistig man bereits weggetreten gewesen sein dürfte, als man die Glotze eingeschaltet hatte.
.
Das Hochamt zur Weihnachtsoktav nahm sich - organologisch gesehen - dann auch akzeptabel aus, sieht man einmal davon ab, daß ich während des deutschen Liedes nach dem Offertorium ein Röslein etwas rabiat habe entspringen lassen, nachdem ich mit meinen Quadratlatschen nicht nur den Schwelltritt, sondern auch den nebenliegenden Crescendo-Tritt in Aktion gesetzt habe. Aber wer weiß - vielleicht war, da ja schon der Flügelschlag eines Schmetterlings auf dem umfallenden Sack Reis einen Sturm am anderen Ende der Erde auslösen kann, vielleicht also war dieser kleine Fauxpas mit schuld daran, daß der Neujahrstag stimmungsmäßig nicht wirklich weiter in die Gänge kam ...
..............................................................................................................

Kommentare:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Puh! Jetzt bin ich aber beruhigt. Da hätte ich gar nicht an fürsorgender Mutter statt, die schönsten Antikaterrezepte ausdenken müssen.

Dem ein oder anderen mögen sie aber als Lebenshilfe im Neuen Jahr dienen.

Martinus hat gesagt…

Ich verbrachte Silvester zurückgezogen und josquinsche Vokalpolyphonie lauschend. Entsprechend war die Stimmung am Neujahrstag und zur Messe gehoben, wenn nicht euphorisch.

Hatte später sogar noch eine Orgel-CD eingelegt. Allerdings leider modernes Zeug (frühen Pärt, Cage etc), was Besseres war nicht greifbar.
Notiz an mich: muss besseren Heim-Orgel-Sound beschaffen!

Alles Gute im 2013!

Wolfram hat gesagt…

Orgelst du in Springerstiefeln?!? Machs wie ich, in dicken Wollsocken. Das gibt ein ganz neues Feeling.

Ich mag deine gesammelten B in der Bildunterschrift, das hat doch Stil.
Und heute ist die Stimmung hoffentlich wieder besser?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Freiburgbärin, ich fürchte, man würde spätestens beim Glibberbrei freiwillig aus dem Stand nüchtern, ehe man sowas äße ... *schüttel*

Martinus, wer ist Martinus? ;-)
... Aber kommenden Silvester werde ich es auch mal wieder mit so einem Rezept versuchen, vielleicht nicht de Pret, obwohl ... die Messe vom bewaffneten Mann ... und das bringt mich gleich zu:

Wolfram, nein, mit Springerstiefeln habe ich das noch nie probiert, nur einmal mit Arbeitsschutzschuhen - auch das hat noch irgendwie funktioniert, man muß nur eine ohnehin miese Pedaltechnik haben, dann kommt man auch damit noch durch.