Freitag, 18. Januar 2013

Keine anderen Probleme?

Der päpstliche Zeremoniar Guido Marini hat sich, wie hier auf Katholisches zu lesen ist, zu einigen mehr oder minder aktuellen liturgischen Phänomenen geäußert. 
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Die Gedanken zum Kalenda-Vortrag ist berechtigt. Das Problem läßt sich meines Ermessens umschiffen, wenn er als Element der Andacht der Mitternachtsmesse vorgelagert wird; der Priester sollte dann nicht das Meßgewand, sondern ein Pluviale (alternativ Chorrock samt Stola) tragen, um die Abgrenzung zur nachmaligen Meßfeier deutlich zu machen.
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Ein responsorial angelegtes Gloria scheint mir immer noch besser als irgendein anderes Tralala, das mit dem Text des Glorias eher wenig zu tun hat (Engel auf den Feldern singen usf.). Ich hoffe aber, das dieses Lourdes-Gloria nicht auf die Melodie des Lourdes-Lieds gesungen wird (Aua, aua, aua Gloriaaaa~aua, aua, aua Ma-ri-hi-ja oder so ;-)
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Gerade in traditionsfreudigen Kreisen feiert Volksfrömmigkeit in der Liturgie manchmal seltsame Urständ. Interessanterweise betrifft das eher die ordentliche Form des Römischen Ritus, die auch nach dieser Seite hin leichter mißbraucht werden kann; auch da können einem gelegentlich die Haare zu Berge stehen.
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Insgesamt kann ich mir aber - bei aller hohen Wertschätzung für Msgr. Guido Marini - eine Anmerkung nicht verkneifen: Haben wir wirklich keine anderen Probleme in der Liturgie? Ohne das eine gegen das andere ausspielen zu wollen ... aber ein klares Wort zu Lesungen aus Der kleine Prinz oder Der Prophet scheint mir wichtiger als das Thema Kalenda.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Also, um das Martyrologium von Weihnachten täte es mir leid. Auch kann ich Bischof Marini da nicht recht folgen: das Stundengebet hatte immer auch eine enge Verbindung zum Meßopfer, manche Tagzeiten können sogar damit verbunden werden bzw. werden seit alters her unmittelbar vorher gefeiert. Natürlich wäre es wünschenswert, mit der Gemeinde die Vigil von Weihnachten zu feiern, das Bestehen darauf wird aber meines Erachtens nur dazu führen, daß die feierliche Ankündigung völlig aus dem Leben der Pfarrgemeinden verschwinden wird. Come on, get a life!

(Deine Frage finde ich berechtigt… Als schöne Alternative empfinde ich die Antworten von P. McNamara auf Zenit, der ausführlich und sachkundig auf einzelne Fragen zur Liturgie eingeht, wie sie eben gestellt werden und ohne Zeigefinger.)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

BdL, wobei ich diese Verquickung von Messe und Stundengebet auch nie recht erquicklich finde. Es ist für die Planten besser, wenn sie um die Sonne kreisen.
Einen Wegfall der Martyrologiums-Lesung fände auch ich bedauerlich; aber man kann das ja, wie geschrieben, deutlich von der Messe abgrenzen.
Auf Zenit werde ich mal noch gucken gehen - Danke für den Hinweis!

Braut des Lammes hat gesagt…

Gefühlsmäßig finde ich direkt mit der Messe verbundene Tagzeiten, wie diese integrierten Laudes oder Vespern auch eher nicht günstig, ich wollte nur darauf hinaus, daß es die Möglichkeit prinzipiell gibt, wie auch Konvente, in denen vor der Heiligen Messe entweder Matutin und Laudes oder (abends) die Vesper gefeiert werden, hintereinander weg.

Beim Martyologium hab ich zwei verschiedene Varianten erlebt: den musikalischen Zelebranten, der die Ankündigung unmittelbar vor der Heiligen Messe am Portal selbst sang, und wir dabei mit Leuchtern, wie im Kloster. Dabei hat er das Meßgewand natürlich schon angehabt, weil gleich anschließend der Einzug folgte. Ministranten und Gemeinde waren dankbar, daß es das an einer so kleinen Kirche überhaupt gab und von der Form her war es wunderbar.

Ehrlich gesagt, kann ich nicht nachempfinden, wo da für die Gemeinde eine Verwirrung herkommen soll – man sieht doch, daß es ein zusätzliches liturgisches Element ist, das nicht alle Tage vorkommt, und der Cisiojanus wird auch in der Messe gesungen.

In der Kathedrale singt der Kantor das Martyrologium kurz vor dem Amt. Er singt natürlich im Chorgewand, während sich in der Sakristei die Statio bildet, zu der der Gesang per Lautsprecher übertragen wird. In diesem Jahr mußten ziemlich viele die Zeit des Gesangs allerdings unbedingt dazu nutzen, das eigene soziale Leben zu pflegen oder noch letzte zeremonielle Anweisungen zu geben. Außer mir hat, scheints, keiner zugehört. Keine Frage, welche Variante ich geglückter finde…

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hat meinen einen Kantor, könnte ich mir folgende Lösung vorstellen: Kantor singt vor der Liturgie vom Ambo aus, nachdem sich hinten Priester und Dienste zum Einzug bereits aufgestellt haben ... da sollte dann aber nichts mehr noch organisiert werden müssen, weil sich das 1. nicht gehört und 2. ein falsches Signal an die Gemeinde aussendet. Danach Glockenzeichen, Einzug ...