Samstag, 19. Januar 2013

In figuris præsignatur

Wie diese Gottheiten dem Menschen den wahren Adel, die echte Größe nicht durch Gebote und Lehren, sondern durch ihr bloßes Sein offenbaren, so eröffnen sie ihm durch dieses Sein auch die Tiefen und Weiten der Welt.
Damit treffen wir das Wesen der griechischen Gotteserfahrung. Die Götter zeigen dem, der ihnen ins Antlitz blickt, den unendlichen Reichtum des Seins. Sie zeigen ihn ein jeder nach seiner besonderen Art:
Apollon zeigt das Sein der Welt in seiner Klarheit und Ordnung, das Dasein als Erkenntnis und wissenden Gesang, als Reinheit von dämonischen Verstrickungen. Seine Schwester Artemis offenbart eine andere Welt von Reinheit und Dasein, die ewig jungfräuliche, spielende und tanzende, den Tieren befreundete und sie fröhlich jagende, die kühl abweisende und hinreißend bezaubernde. Aus Athenes Augen blitzt die Herrlichkeit der männlich-sinnvollen Tat, des Ewigkeitsaugenblicks alles siegreichen Vollbringens. Im Geiste des Dionysos tritt die Welt als Urwelt ans Licht, als uralte Wildheit und grenzenlose Beseligung. Im Namen Aphrodites ist die Welt golden, alle Dinge zeigen das Gesicht der Liebe, des göttlichen Zaubers, der zur Hingabe einlädt, zur Verschmelzung und Einswerdung.
So könnten wir fortfahren. Aber diese Bilder genügen. Sind das nicht alles Urgestalten des unendlichen Lebens der Welt, seiner Entzückungen und seiner dunklen Geheimnisse? (...) Und immer ist es die ganze Welt, die einer der Götter eröffnet. Denn in seiner besonderen Offenbarung sind alle Dinge beschlossen.
Walter F. Otto: Theophania. Der Geist der altgriechischen Religion. Hamburg 1956. S. 84 ff.

Kommentare:

Alexander hat gesagt…

Vier Weltzeitalter kennt die klassische Mystik.
Das Goldene war das Erste, auch das Heroische genannt. Zu der Zeit eroberte Achilles Troja und Apollo machte Urlaub in Hyperboreea.

Das Silberne ward, als Alexander die Welt eroberte.

Im Bronzenen trugen die Könige Zepter, statt Schwerter. Aber sie waren noch Könige. Immerhin.

Im eisernen Zeitalter, dem Letzten, kommt das Weib und mit ihnen endet die Zeit, denn auch sie ist nicht unsterblich, ewig. Die Zeit stirbt. Allein Gott kennt keine Zeit.
Ich bin kein Physiker, aber ich habe physikalische Chemie studiert und mir sind so die Hauptsätze der Thermodynamik gegenwärtig. Es gibt keine „Entwicklung“, alle Natur strebt nach dem thermodynamischen Gleichgewicht, dem weißen Rauschen, dem glücklichen Tod. Leben, wie wir es leben, ist eine Störung dieses Gleichgewichts, es wird sich auf Dauer nicht behaupten. Es gäbe kein Artensterben, wäre es anders.

Was unseren Ahnen vollkommen klar war, die Endlichkeit aller Existenz, ist heute selbst unter Christen verwischt.
Momento mori.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Fürwahr, fürwahr ...