Montag, 7. Januar 2013

Groll am ... Mittag: Das Liturgische Biedermeier oder: Die fiesen Rubriken

Fällt dieses Jahr flach: Taufe Jesu
Pfarrkirche St. Nikolaus, Elzach
Auch der Alte-Messe-Molch hat manchmal seine Probleme mit der "alten Liturgie", oder, in diesem Falle, mit dem liturgischen Kalender der außerordentlichen Form des römischen Ritus.
.
Pater Alex kündigte gestern vor der Predigt das Fest der Heiligen Familie für den kommenden Sonntag an. Ich zuckte innerlich zusammen, denn den (ehemaligen) Oktavtag von Epiphanie verbinde ich untrennbar und mit einer gewissen freudigen Erwartung mit dem Gedächtnis der Taufe des Herrn. Zuhause habe ich in den Kalender geschaut - tatsächlich: Familienfest. 
.
Alsdann versuchte ich, mir im feinen Gespinst der Rubriken mit ihren Klassifizierungen samt Okkurenztabelle einen Durchblick zu verschaffen. Nun scheint die Sache so, daß das Fest der Heiligen Familie (bewegliches Herrenfest 2. Klasse) das Gedächtnis des Taufe des Herrn (festes Herrenfest 2. Klasse) allein ob seiner "Beweglichkeit", die sich in diesem Falle aber recht unbeweglich ausnimmt, verdrängt. Das Familienfest ist beweglich, weil es stets am nächstfolgenden Sonntag nach Epiphanie gefeiert werden soll, das Gedächtnis der Taufe des Herrn hingegen fällt immer auf den 13. Januar. Beide Anlässe sind als "Herrenfeste" gleichwertig klassifiziert, in einer Rubrik jedoch werden bewegliche Feste den festen vorgeordnet, sofern beides aufeinander trifft. Warum das Fest der Heiligen Familie als Herrenfest gewertet ist, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. Ich würde es - halt aus dem Bauch heraus - als ein normales Fest 2. Klasse betrachten; dann übrigens müßte es seinen Platz räumen.
.
Auch wenn das - mit Blick auf das Thema - nicht ein übermäßig angemessener Ausdruck sein mag: Das stinkt mir jetzt. Wir haben auf der einen Seite eine ehrwürdige und theologisch sehr bedeutsame wie inhaltsreiche Gedächtnisfeier, quasi ein Schlußstein im engeren Zyklus der Weihnachtsfestereignisse: Das Kind von Bethlehem, das sich als erwachsener Mensch unter die taufende Hand des Johannes beugt, ist der Sohn Gottes, wie der Geist und die Stimme vom Himmel bezeugen (vgl. Mt 3, 13-17). Was aber wird gefeiert? Ein, so bedenkenswert das auch sein mag, Ideenfest aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts! Ich wäre beinahe versucht zu sagen: liturgisches Biedermeier - was natürlich nicht dem Festmysterium gerecht wird, leider aber oft dem Drumherum in der Liturgie. Soviel dazu: Mein Testament hat nun ein End' ... *grrr*

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Naja in Anbetracht der Angriffe auf die Familie, die heutzutage ja als Ursache allen Übels gilt und "bunten" Regenbogenpartnerschaften ewig unterlegen sei, könnte man dem Bidermeier ja durchaus prophetische Weitsicht zuordnen.
Im Übrigen, dass der menschgewordenen Gottessohn sich unter die Taufende Hand des JOhanes beugt ist schon beeidnruckend, aber das er Mensch geworden ist und sich der Autorität des heiligen Josef (der halt doch was anderes ist, als die "Stimme in der Wüste" der "König der Asketen" oder auch nur "der größte unter allen vom Weibe geborenen" oder wie man Johannes Baptista sonst noch bezeichnen will) das ist für den normalen Menschen viiiel beeindruckender, wenn man es recht betrachtet.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ester,
zeitbedingte gesellschaftliche Dekadenzphänomene und Pathologien haben in der an die Ewigkeit anknüpfenden Liturgie nichts verloren; die schlechten Zeiten sind mithin die schlechteste Rechtfertigung, das Fest der Heiligen Familie zu feiern.

Wollte man aber auf dieser Schiene argumentieren, dann könnte man ebenso sagen, gerade die zunehmende Zurückweisung des Gottmenschen Jesus Christus im ehemaligen christlichen Abendland mit all den daraus resultierenden Folgen bedürfe einer Feier, die den Anspruch unseres Kyrios stärker akzentuiert als das Familienfest, welches z.B. gerade in traditionellen Kreisen gerne ins Idyllische abgeleitet: "Jesuskind und Maria und Joseph et erat subditus illis. Amen".

Daß mit "unter die Hand des Joseph" beugen kann ich nicht so ganz mitvollziehen. Taufe des Herrn ist eines der Festmysterien des gestrigen Tages und damit ein Akt der Epiphanie, in der einerseits die Menschwerdung nochmals akzentuiert wird (Christus empfängt von Johannes, wie andere Menschen auch, eine Taufe), um dann deutlich in eine Gottesoffenbarung umzuschlagen. Da steckt weit mehr drin als frommes Nachsinnen über den Gehorsam des Jesuskindes seinem Nährvater gegenüber (was natürlich auch seine Berechtigung hat, aber eher quasi "privater" Natur ist).

Ludolph hat gesagt…

Interessanterweise ist das erst seit dem Kalender von 1962 so, vorher gewann die Oktave von der Erscheinung des Herrn (Taufe des Herrn) und die Hl. Familie wurde am 12. Januar gefeiert. Da war die Oktav noch privilegiert wie auch Wikipedia weiß (http://en.wikipedia.org/wiki/General_Roman_Calendar_of_1954#Octaves)

Wolfram hat gesagt…

Der lutherische (also einzig wahre ;)) Kalender erinnert am 1. Sonntag nach Epiphanias an die Taufe des Herrn. Auf den Tag der Heiligen Familie verzichtet er. (Evangelienlesung Mt.3, 13-17; Predigt Reihe V Joh. 1, 29-34)

Allerdings sehe ich in den aktuellen römischen Lesungen für kommenden Sonntag Lk.3, 15-22, also zumindest am Rande die Taufe des Herrn. Aber diese Lesepläne scheinen mir immer gräßlich moralinsauer...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ist ja zum Ältere-Messe-Molchen! Danke für die Info ... :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich weiß nicht, was das mit dem Fest der hl. Familie auf sich hat, genau über dieses Phänomen, daß ein Ideenfest der jüngeren Zeit im ordentlichen Kalender den altehrwürdigen Erzmärtyrer Stephanus verdrängen kann, haben wir uns neulich auch unterhalten. Glücklich ist das nicht und es fühlt sich liturgisch auch seltsam an, bei aller Verehrung der Heiligen Familie.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram, es würde mich jetzt auch in Erstaunen setzen, wenn ein von Benedikt XV. eingeführtes Fest in den lutherischen Kalender gewandert wäre - das wäre ja endlich mal Ökumene zum Liebhaben. ;-) In der ordentlichen Form des römischen Ritus, auf die Du dich wohl beziehst, ist das Fest schon über die Bühne gegangen.

BdL, ich denke, wir verstehen uns da prächtig!

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Stimmt schon. Es ist das Fest der Hl. Familie. "Höherwertig". Lässt sich nichts dran rütteln.

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Nachtrag:
Reaktiviere doch bitte Dein Diurnale Blog. Das Brevier bekomme ich nicht alleine "zusammengepuzzelt"

Ester hat gesagt…

Naja ich finde halt das Private prinzipiell wichtiger als das offizielle.
Bin da möglicherweise Kind meiner Zeit die in allem offiziellen eh immer wittert, das das nur so gesagt ist, weil man es halt so sagen muss.
Stichwort PC.
Mir schien das Fest der Heiligen Familie immer einfach das Geheimnis der Menschwerdung zu vertiefen.
Möglicherweise ist dieses Problem im neuen Ritus besser gelöst, da kommt sich beides nicht in die Quere.

Geistbraus hat gesagt…

Jau! Wider die biedermeierlichen Modernisten der 1. Jahrhunderthälfte! Und wider das ganze 19. Jahrhundert gleich mit dazu! Das "Herz-Josefi-Fest" brauche ich genausowenig wie "Mariä Labsal" oder "St. Anna Blutschweiß"...

aber wer bitte verdrängt den Hl. Erzmärtyrer?!? das hab ich ja noch nie gehört?

Ludolph hat gesagt…

Habe noch mal geforscht, das Fest der Hl. Familie wurde 1955 vorrangig gegenüber der Taufe des Herrn. Ursache ist die Abschaffung aller Oktaven (außer Weihnachten, Ostern und Pfingsten) durch Pius XII (siehe auch http://en.wikipedia.org/wiki/General_Roman_Calendar_of_Pope_Pius_XII#Octaves)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Nun ja, wir wollen nun nicht annibalesker werden als der Annibale und gleich das 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wegannibalisieren. Aber "Mariä Labsal" werde ich mir merken: Wäre ein perfektes Fest für Sedisvakantisten, die schon Pius XII. im Visier haben ...

Zum Diurnale kommt übrigens demnächst was.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ludolph, das Fest der Heiligen Familie kann im ordentlichen Kalender das Fest des hl. Stephanus verdrängen (ich glaub, wenn letzeres auf einen Sonntag fällt und es sonst in der entsprechenden Zeit keinen Sonntag mehr gibt, auf den das Fest der hl. Familie fallen könnte). Das war vor einigen Jahren oder so der Fall und fühlte sich, wie gesagt, äußerst merkwürdig an. Mir schiene es einfacher, das Fest der hl. Familie nachzuholen, denn Stephanus wird jedenfalls nicht nachgefeiert. Zu der Verdrängung kommt es, weil das Fest der Heiligen Familie ein Herrenfest ist und die Feste des Herrn im Rang höher stehen als die seiner Heiligen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Tschuldigung, Geistbraus hatte das gefragt, nicht Ludolph.

Ludolph hat gesagt…

@Braut des Lammes: Wenn ich es richtig lese, kann der Hl. Stephanus auch im außerordentlichen Kalender vom Sonntag in der Weihnachstoktav verdrängt werden. Beide sind im Kalender von 1962 Klasse II und der Sonntag geht vor. Auch hier hat es aber eine Veränderung gegeben, in meinem Schott von 1954 hat der Hl. Stephanus noch Vorrang, was meinem persönlichen Empfinden eher entspricht. Ich vermute, dass der Sonntag auch schon 1955 durch Pius XII den Vorrang bekommen hat, kann es aber nicht genau sagen.