Sonntag, 6. Januar 2013

Ecce advenit - der Kommende ist der geworden, der "da ist"!

Das himmlische Jerusalem - Glasfenster
(Ausschnitt) im Münster zu Breisach
"Ecce advenit Dominator Dominus - Siehe gekommen ist der Herrscher, der Herr!" Der Kyrios ist da! Er ist in seiner Stadt, und Jerusalem leuchtet vom Lichtglanz seiner Gegenwart. "Illuminare Jerusalem, quia venit lumen tuum, et gloria Domini super te orta est - Werde Licht, Jerusalem, denn gekommen ist dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir aufgegangen" (Is 60, 1). So ruft der Prophet Sion zu, so jubelt die Kirche im Graduale der Festmesse. Die Welt ist freilich auch jetzt noch finster: "Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker" (Is 60, 2; Epist.). Aber dieser Finsternis steht die Lichtstadt gegenüber, von der es heißt: "Super te autem orietur Dominus, et gloria eius in te videbitur - Über dir aber wird der Herr aufstrahlen!" - er ist aufgegangen - "und sein Glorienlicht erscheint in dir" (ebd.).
Eine wunderbare Schau bietet sich dem Auge des Glaubens dar: Aus dem tiefen Dunkel des Abgrundes, in den die Welt versinkt, erhebt sich die strahlende Gottesstadt auf dem Gottesberge, ganz erleuchtet von der Gegenwart des göttlichen Urlichtes, so daß die Stadt, obwohl sie das Licht von oben empfängt, aus sich selbst zu leuchten scheint. Sie wartet nun nicht mehr auf das Licht, sondern erstrahlt im eigenen Lichte, das die Gabe des Kyrios an sie ist. Denn Gott ist ihr nicht mehr bl0ß von oben nahe, sondern er ist in ihr, so daß sie vom himmlischen Lichte leuchtet. 
Bräutigam und Braut sind ein Licht geworden. Ein wirkliches Hochzeitsfest wird gefeiert: "Heute wird dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt" (Ant. zum Bened.). Der "wunderbare Austausch", der sich zuerst im Gottmenschen vollzog, als die Person des Logos sich einer menschlichen Natur einte, so daß diese vergöttlicht ist, wird nun auf die ganze Ekklesia übertragen. An dem ganzen Leibe vollendet sich, was am Haupte geschah, und heute sehen wir nicht nur den verklärten Eingeborenen vor uns, nicht nur "die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wirklichkeit" (Joh 1, 14); heute sehen wir auch seine Braut, sein Weib, seinen heiligen pneumatischen Leib, der an seiner Glorie teilhat. Heute schauen wir den einen Christus, den Herrn und seine Ekklesia. (...)
Im Mysterium ist wahrhaft schon vorhanden, was der heilige Johannes in der Apokalypse schaute: "Siehe das Zelt Gottes mit den Menschen, und er wohnt in ihnen" (Offb. 21, 3). Himmel und Erde sind eins geworden in der Gloriengegenwart Gottes.
Der Kommende ist der geworden, der "da ist"! "Ecce advenit - Siehe er ist gekommen!" "Ecce adsum - Siehe ich bin da!"
Odo Casel OSB: Die Stadt auf dem Berge (Auszug). in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [nach 1952]. S. 225 f.

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