Freitag, 4. Januar 2013

Die Mysterien des Lichtes

Geburt Jesu - Hochaltarbild (Detail),
Kirche St. Columba, Pfaffenweiler
Das Wort vom Licht spielt in den liturgischen Texten des Weihnachtsfestes eine nicht geringe Rolle: Immer wieder ist vom Aufscheinen, vom Strahlen, vom Leuchten die Rede: In der Nacht umstrahlt die Herrlichkeit des Herrn die Hirten (Lk 2, 9). Der Logos wird als vor dem Morgenstern im Glanz der Heiligen gezeugt bekannt (vgl. Communio der ersten Weihnachtsmesse). "Licht leuchtet heute über uns, denn geboren ist uns der Herr" singt der Introitus der zweiten Weihnachtsmesse, deren Graduale verkündet, daß der Herr selbst "uns leuchtet". Von einem großen Licht, welches auf die Erde herabgestiegen sei, spricht der Alleluia-Vers der dritten Weihnachtsmesse. Es ließen sich noch viele weitere Belege anführen, auch dann, wenn wir im Festkreis weiterschreiten - etwa zur Lesung des Epiphanie-Festes ("Werde Licht, Jerusalem" - Jes 60, 1) bis hin zu den Worten des Simeon am Ende des Weihnachtszeit, der das "lumen ad revelationem gentium" besingt, das "Licht, das den Heiden offenbar wird" (Lk 2, 32).
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Die Texte selbst machen bereits deutlich: Dieses Licht, welches da allwegen beschworen wird, ist nicht nur Ornament, Dekoration oder Kulisse der Menschwerdung des Logos, sondern Teil seines Wesens: Der Logos ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet und in die Welt gekommen ist: Der Logos ist Fleisch geworden, hat unter uns gewohnt und wir schau(t)en seine Herrlichkeit (vgl. Joh-Prolog Joh 1, 9; 14).
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Noch könnten wir uns quasi als die Zuschauer (und späteren Nutznießer) dieses himmlischen Dramas fühlen - würde uns nicht die Oratio der ersten Weihnachtsmesse in diese Lichthaftigkeit des Geschehens, in dieses Aufstrahlen und Leuchten und Glänzen hineinreißen:
Deus, qui hanc sacratissimam noctem veri luminis fecisti illustratione clarescere: da, quæsumus, ut cuius lucis mysteria in terra cognovimus, eius quoque gaudiis in cælo perfruamur ...
Gott, du hast diese hochheilige Nacht im Glanz deines wahren Lichtes hell gemacht. Wir bitten: Wessen Mysterien des Lichtes wir auf der Erde erfahren haben, dessen Freuden mögen wir auch im Himmel genießen ...
Lucis mysteria - Mysterien des Lichtes! Wenn von Mysterien des Lichtes die Rede ist, dann nicht, weil es sich um "mysteriöse" Vorgänge handelte, über die wir nichts zu sagen hätten. Diese Mysterien beinhalten einen kultischen Vollzug an uns: Wir haben sie "erfahren". Freier nun fürwahr, aber den Sinn gewiß nicht verfehlend, könnte man auch "sie sind uns widerfahren" übersetzen. Denn die Oratio der zweiten Weihnachtsmesse konkretisiert die "Erfahrung" näher:
Da nobis, quæsumus, omnipotens Deus: ut, qui nova incarnati Verbi tui luce perfundimur, hoc in nostro resplendeat opere, quod per fidem fulget in mente ...
Gewähre, wir bitten dich, allmächtiger Gott: Daß in unseren Werken - die wir mit dem neuen Licht deines fleischgewordenen Logos durchströmt sind - das widerleuchte, was durch den Glauben in unserem Geist erstrahlt ...
Wir sind also hineingenommen in die Mysterien des Lichtes, werden von ihnen durchströmt und sie nehmen Einfluß auf unser Tun und Denken: Erweisen wir uns dieser Mysterien würdig, so werden sie auch in unseren Werken aufleuchten. Jenseits der Sakramente - oder besser: aus deren Quellen sind dies sakramentale Vollzüge am Menschen, die uns in der Feier der Heiligen Liturgie zuteil werden, Momente des Heils und der Heiligung, welche die Würde des erlösten Menschen untermauern. Der Logos wirkt sie an uns durch den Geist, das Pneuma.
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Nach Hans Urs von Balthasar meine Paulus "mit dem Sohn Gottes je immer den Menschgewordenen (...), in dessen Licht und Herrlichkeit sich die trinitarische Fülle Gottes vergegenwärtigt und mit ihrer Herrlichkeit die erlöste Schöpfung erfüllt" (Herrlichkeit I, S. 420). Balthasar kommt dann auf eine Paulus-Stelle zu sprechen, die uns helfen kann, den Vollzug der Mysterien des Lichtes an uns Menschen näher zu betrachten:
Wir alle schauen mit unverhülltem Antlitz den Glanz des Herrn (tèn dóxan kyríou) und werden von Glanz zu Glanz (apò dóxes eis dóxan) zu dem gleichen Bilde umgestaltet werden, nämlich durch des Herrn Pneuma (2 Kor 3, 18).
Dies geschieht nicht zuletzt durch die Teilnahme an der himmlischen Liturgie, was uns heute bereits im Rahmen der Liturgie der pilgernden Kirche möglich ist durch den Beistand des Pneuma. Dies umreißt den Rahmen, in welchem sich an uns - "von Glanz zu Glanz" - jene Mysterien des Lichtes vollziehen, an die wir in diesen Tagen erinnert werden.

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