Samstag, 5. Januar 2013

Die große Weihe

Johannes tauft Jesus im Jordan
Pfarrkirche St. Johannes Baptist
Oberrotweil am Kaiserstuhl
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Weihegebet über das Wasser am Hochfest Epiphanie in der orientalischen Kirche - ein reicher Text, für den man sich Zeit nehmen sollte ...
An dem vorhergehenden Feste sahen wir dich als Kind; an dem gegenwärtigen schauen wir dich vollendet, den vollkommenen Gott aus dem vollkommenen Gott, der uns erschienen ist.
Heute ist die Festzeit da. Der Chor der Heiligen bildet mit uns die Gemeinde und die Engel feiern zusammen mit den Menschen.
Heute ist die Gnade des heiligen Pneumas in Taubengestalt auf die Wasser herab gekommen. Heute ist die Sonne, die nie untergeht, aufgegangen, und die Welt wird vom Lichte des Herrn bestrahlt. Heute schimmert der Mond mit lichtem Strahl über die Welt. Heute zieren die blinkenden Sterne mit heiteren Licht den Erdkreis. Heute träufeln die Wolken vom Himmel der Menschheit den Regen der Gerechtigkeit.
Heute läßt sich der Ungeschaffene von seinem Geschöpf  freiwillig die Hand auflegen. Heute tritt der Prophet und Vorläufer zum Herrscher, steht aber zitternd, da er Gottes Herablassung zu uns sieht. Heute wird das Jordanswasser zum Heilswasser durch die Gegenwart des Herrn. Heute wird die ganze Schöpfung von mystischen Strömen benetzt. Heute werden die Sünden der Menschen in den Jordanwassern abgewaschen. Heute steht das Paradies den Menschen offen und die Sonne der Gerechtigkeit leuchtet uns.
Heute wurde das unter Moses bittere Wasser für das Volk süß durch des Herrn Gegenwart. Heute wurden wir gelöst von der alten Trauer und heil als neues Israel. Heute wurden wir von der Finsternis losgekauft und sind licht vom Strahle der Gotteserkenntnis. Heute wird das Dunkel der Welt weggenommen durch die Epiphanie unseres Gottes.
Heute strahlt die ganze Schöpfung von oben her. Heute ist der Irrweg beseitigt und die Ankunft des Herrschers wirkt uns den Heilsweg, Heute feiert das Obere mit dem Untern und begegnet das Untere dem Obern. Heute jubelt die heilige und laut singende Gemeinde der Rechtgläubigen.
Heute eilt der Herrscher zur Taufe, um das Menschengeschlecht zur Höhe zu führen. Heute neigt sich der Unneigbare vor dem eigenen Sklaven, um uns von der Sklaverei zu befreien. Heute wurden wir froh des Himmelreiches, denn der Herrschaft des Herrn wird kein Ende sein. 
Heute teilen sich Erde und Meer in die Freuden der Welt und das All ist voll Jubel. Es schauten dich die Wasser, o Gott, es schauten dich die Wasser und zitterten.
Der Jordan wandte sich rückwärts, da er sah, wie das Feuer der Gottheit leibhaftig herabkam und in ihn einging. Der Jordan wandte sich rückwärts, da er das heilige Pneuma in Taubengestalt herabkommen und um dich fliegen sah. Der Jordan wandte sich rückwärts, als er den Unsichtbaren sichtbar, den Schöpfer im Fleische, den Herrn in Sklavengestalt sah. Der Jordan wandte sich rückwärts und die Berge hüpften, da sie Gott im Fleische sahen. 
Die Wolken ließen ihre Stimmen erschallen, voll Staunen über den Angekommenen, Licht vom Lichte, wahrer Gott aus wahrem Gott, da sie schauten die Versammlung um den Herrscher im Jordan; wie dieser den Ungehorsamstod und den Irrtumsstachel und die Höllenfessel in den Jordan versenkte und die Heilstaufe der Welt verlieh.
Du, o Gott, du Unumfaßbarer, du Anfangloser und Unaussprechlicher, du kamst auf die Erde, nahmst Sklavengestalt an, wurdest den Menschen gleich. Denn nicht ertrugst du es, o Herrscher, in der Fülle deiner Barmherzigkeit, zuzusehen, wie das Menschengeschlecht vom Teufel tyrannisiert wurde. Sondern du kamst und heiltest uns.
Wir bekennen die Gnade, wir verkünden das Erbarmen, wir verhehlen nicht die Wohltat. Die Entstehung unserer Natur befreitest du: den jungfräulichen Schoß weihtest du durch deine Geburt. Die ganze Schöpfung sang dir Lieder, als du erschienst. Denn du, unser Gott, ließest dich schauen auf Erden und verkehrtest mit den Menschen. Du weihtest auch die Jordanfluten, indem du vom Himmel dein allheiliges Pneuma sandtest, und zerschlugst die Häupter der darin hausenden Drachen.
Du selbst, du menschenliebender König, sei auch jetzt gegenwärtig durch die Herabkunft deines heiligen Pneumas und weihe dieses Wasser.
Gib ihm die Gnade der Erlösung, den Segen des Jordans. Mach es zum Jungbrunnen, zur Gabe der Weihe, zur Lösung der Sünden, zum Heilmittel der Krankheiten, zum Verderben der Dämonen, unzugänglich den Widersachern, erfüllt mit Engelskraft ...
Als du, o Herr, im Jordan getauft wurdest, da wurde die Anbetung der Dreifaltigkeit offenbart. Denn die Stimme des Erzeugers zeugte von dir und nannte dich geliebter Sohn. Das Pneuma bestätigt in Taubengestalt die Zuverlässigkeit des Wortes.
Christus, unser Gott, du erschienst und machtest licht die Welt. Herrlichkeit dir!
Odo Casel OSB: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [nach 1952]. S. 188 ff.

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