Mittwoch, 23. Januar 2013

Der Martin, die Toren und das Tor

Das Tor rechts im Bild unten links ist das Martinstor von Süden aus. Das Martinstor ist eines der zwei erhaltenen Freiburger Stadttore aus dem Mittelalter; genauer: die untere Hälfte ist original, der oberer Teil wurde in der Epoche des Historismus drauf gesetzt. Auf der nördlichen Seite des Tores befindet sich über dem Bogen eine ehemals mit einem ansehnlichen Wandbild bemalte Fläche. Zu sehen war der hl. Martin. Das letzte Martinsbild stammte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und befand sich Ende der 1960er-Jahren in so beklagenswertem Zustand, daß man es herunterklopfte. Seither rätselte man in der Stadt und riet, wer einen neuen Martin malen solle oder könne, und man rätselt und rät im Durchschnitt alle zehn Jahre auf Neue - bis dieser Tage.
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Denn nun brachte die Arbeitsgemeinschaft Stadtbild das Thema wieder aufs Parkett: Das Bild solle nach einem Entwurf des spätbarocken Freiburger Malers Simon Göser ausgeführt werden. Gösers Entwurf sei, da ist man sich sicher, für das Martinstor entstanden; ob er je ausgeführt wurde, ist derweil ungewiß. Aber gut; die Idee findet aktuell sogar eine Ratsmehrheit aus CDU, SPD, den Freien Wählern und der FDP.
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Der linksgrünen Kulturschickeria schmeckt das garnicht: Unzeitgemäß, dieses Ansinnen, so tönt es, weder ästhethisch noch inhaltlich. Ästhetisch nicht, da Göser kein wirklich bedeutender Künster gewesen sei. Das mag stimmen. 
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Göser war sozusagen ein Vertreter der hiesigen freien Kunstszene vor rund 200 Jahren; seine Bedeutung - oder eben Unbedeutsamkeit - teilt er geradezu mit der Freiburger Kulturschickeria unserer Tage. Ob allerdings von deren Schaffen in 200 Jahren noch die Rede sein wird, steht derweil auf einem anderen Blatt. Für Maria Viethen jedenfalls, Fraktionsfrontfrau der GrünInnen im Freiburger Gemeinderat, ist Gösers Bild "ein Werk, das von seiner Entstehungszeit im späten 18. Jahrhundert her und dem künstlerischen Kontext mit dem Martinstor und seiner mittelalterlichen Ausgestaltung nicht in Einklang zu bringen" sei. Erinnern wir uns mal kurz: Das halbe Martinstor ist ein Kind des 19. Jahrhunderts - wenngleich aufs deutsche Butzenglasmittelalter getrimmt. Frau Viethen nimmt überdies auch wahr, daß Gösers Bild eine "süßliche Darstellung" sei. Ja weiß Gott, was Fraktionsfrontfrau Viethen so alles raucht ...
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Ich vermute, daß dies nur vorgeschobene Argumente sind. Das Bild des seinen Mantel teilenden Soldaten, ein Heiligenbild obendrein, scheint weder ob seines militaristischen Hintergrundes, noch der Botschaft wegen gelitten. Es illustriere, so Viethen, ein "nicht mehr zeitgemäßes Verständnis der sozialen Probleme in einer Gesellschaft und der Haltung, die der Freiburger Gemeinderat dazu entwickelt hat", und reduziere soziales Handeln auf "die Barmherzigkeit der oberen Zehntausend". Selbst ein Freiburger Lokalblatt konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, man müsse bei letztgenannter Ablehnung "schon etliche Gehirnwindungen bemühen". 
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Aber natürlich haben Viethen und die GrünInnen auch Alternativen auf Lager: Den südbadischen Bauernführer Jos Fritz könnte man ans Tor malen, und "wenn es denn ein Martin sein soll, warum nicht Martin Luther King? Ein Kämpfer für Bürger- und Menschenrechte auf dem Martinstor, welch schönes Zeichen!" Aus einer anderen Ecke der Kulturschickeria kam überdies der Vorschlag, man könne auch Jahr um Jahr einen Graffiti-Contest am Martinstor durchführen ...

Kommentare:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Hui, wieder Erdbeben in Freiburg? Oder hat der Herr Fotograf bei McDonalds zu viel Coca getrunken.
Auf jeden Fall wäre es knorcke, wenn dieser geschichtsfälschenden grünen Mischpoke mal das Fell über die Ohren gezogen wird.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Nix Erdbeben oder Mäctonnels ... mach mal einen Schnappschuß morgens beim Umsteigen, wenn die eine Bahn erst aus der Sicht fahren muß und die andere, zu der man sich sputen muß, schon ranrollt ...

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Ich mache fast nie Schnappschüße, außer ich kann bei Blende 4 - 8 mit einer 200stel (besser 400stel, je nach Brennweite) Sekunde fotografieren.
Ansonsten STATIV
(ist aber ein bisschen teurer als ein Kabel)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich mache in der Regel alles Freihand; ein Stativ steht aber unter ferner liefen auf meiner Anschaffungsliste. Hier gings nur drum, rasch ein Bild zu organisieren zwecks Illustration ... ;-)

Severus hat gesagt…

Wenn Blödheit weh täte, müssten diese GrünInnen permanent brüllen vor Schmerzen ...!