Freitag, 30. November 2012

Das Kreuz, das über die ganze Welt aufstrahlt - Fest des hl. Apostels Andreas

Der hl. Apostel Andreas
Münster Unserer Lieben Frau
zu Villingen im Schwarzwald
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Videns crucem Andreas 
exclamavit, dicens:
O crux admirabilis,
O crux desiberabilis,
O crux, quæ per totum mundum rutilas:
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Suscipe discipulum Christi,
ac per te me recipiat,
qui per te moriens me remedit.
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O bona crux,
quæ decorem et pulchritudinem
de membris Domini
suscepisti.
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Suscipe discipulum Christi,
ac per te me recipiat,
qui per te moriens me remedit.
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Gloria Patri et Filio 
et Spiritui Sancto.
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Suscipe discipulum Christi, 
ac per te me recipiat, 
qui per te moriens me remedit.

Im Angesicht des Kreuzes rief Andreas: Du wunderbares Kreuz, du ersehntes Kreuz, du Kreuz, das du über die ganze Welt aufstrahlst, nimm hin den Jünger Christi. Mich sollst du durch dich dem zurückgeben, welcher durch dich sterbend mich erlöst hat. Gutes Kreuz, erhalten hast du deinen Glanz und deine Schönheit von den Gliedern des Herrn!
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¶ Breviarium Romanum,
neuntes Responsorium in der Matutin am Fest des hl. Apostels Andreas
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Allen, die heute Namenstag haben, von Herzen Gottes Segen!

Donnerstag, 29. November 2012

Wachet!

Christus Kyrios und das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen
Münster Basel, Tympanon über dem Portal des nördlichen Querhauses
Wachet! Wachsein ist der Zustand, den der Herr uns immer wieder empfiehlt. "Wachet, denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde!" (Mt 25, 13). Noch am letzten Abend seines irdischen Lebens sagt er vorwurfsvoll zu den Jüngern, die schlafen: "So konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, damit ihr nicht in die Versuchung eintretet! Das Pneuma ist bereit, das Fleisch aber schwach" (Mt 26, 40 f.). Bald darauf fand er sie wieder im Schlafe und sagte zu ihnen: "Schlafet nur und ruhet! Siehe, die Stunde ist nahe, und der Menschensohn wird in die Hände der Sünder gegeben. - Auf! Laßt uns gehen; siehe mein Verräter ist nahe!"
Wunderbar plastisch sehen wir hier Menschenwelt und Gotteswelt gegenübergestellt: Christus, der Sohn Gottes, wacht für die schlafende Welt; aber da diese schläft, wird er der Macht der Sünde übergeben. Durch ihren Schlaf zieht die Menschheit den Heiland hinein in ihr Elend, ihre Sündenschuld; da er ihr Heiland werden will, muß er sich der Macht der Finsternis überliefern. Aber er schläft nicht im Dunkel der Sündennacht ein; wachend und aufrecht geht er in sie hinein und trägt  darum die Zuversicht des Sieges in sich.
So muß auch die heilige Kirche wachend und betend in das Dunkel des Kampfes mit Welt und Sünde schreiten. Wer schläft, liefert sich dem Feinde wehrlos aus. Wer wacht, ist zwar auch in Gefahr, aber er weiß ihr zu begegnen; er hat Aussicht, sie zu besiegen.
Die heilige Kirche Christi, die weiß, daß diese Welt keinen Bestand hat, daß sie untergehen wird, wacht. Wer schläft, der glaubt, daß diese Welt immer bestehen wird; er richtet sich in ihr ein, er will in ihr sicher und geruhsam leben - und deshalb schläft er. Mitten in der Nacht aber ergeht der Ruf: "Seht der Bräutigam kommt!" (Mt 25, 6).
Odo Casel OSB: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [1952]. S. 56.

Mittwoch, 28. November 2012

Donum Ritae

Herr im Himmel, Rita Waschbüsch! Mutter unser, gibt's die auch noch?
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Offenkundig, denn in wenigen Tagen rückt die ehemalige Zettdeka-Vorsitzende meiner Heimat auf die Pelle und hält einen Vortrag zum Thema "Christen in Politik und Gesellschaft - das Beispiel Donum Vitae" - in der Kooperatur am Münsterplatz, also in den Gemeinderäumen der Freiburger Dompfarrei. Drauf, drüber und auf das zehnjährige Bestehen der DV-Sektion Freiburg machte mich Der Sonntag aufmerksam und schob gleich noch einen Vierspalter zum Thema nach. Dieser speist sich nicht wenig aus einem Gespräch, welches das Gratisblatt im Vorfeld des Waschbüsch-Auftritts mit Hubert Bellert führte, seines Zeichens ehrenamtlicher Geschäftsführer und Initiator des hiesigen DV-Ablegers.
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Das alles ist selbstredend hochinteressant! Frau Waschbüsch redet über Christen in Politik und Gesellschaft und über das Beispiel Donum Vitae und Herr Bellert redet - Zitat aus dem Artikel - davon, das man dies alles wohl nicht allzu ernst nehmen sollte:
Die Arbeit für Donum Vitae hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit der Wertschätzung von Frauen, die in einer Notlage Hilfe suchen.
So ähnlich dürften ihrerseits auch die Jungs und Mädels von pro familia argumentieren und so ähnlich stelle ich mir unzweifelhaft das lebendige Zeugnis von Christen in Politik und Gesellschaft und das Beispiel Donum Vitae vor! Daß die Arbeit von DV nichts mit Glauben zu tun hat, kann ich übrigens bestens nachvollziehen ...
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Apropos ... 288 Frauen hat DV in Freiburg im Jahr 2011 beraten; der Artikel zieht zum Vergleich die entsprechenden Zahlen von pro familia Freiburg heran, dort waren es 841 Beratungen. Bellert, der sich erfreut zeigt, daß sich viele der Schwangeren, die zunächst keinen Ausweg sähen, am Ende doch dafür entschieden, Mutter zu werden, fügt im selben Atemzug etwas unvermittelt hinzu: 
Gynäkologen sagen mir immer wieder, dass Donum Vitae die offenste Beratungsstelle sei.
Reimt man sich dies im Kontext zusammen, so scheint Bellert die Ergebnisoffenheit der Beratung zu meinen, was - eine Frage der Perspektive! - so oder so ein bezeichnendes Licht nicht allein auf die Arbeit von DV, sondern auch auf das Wirken von pro familia werfen würde ...

Dienstag, 27. November 2012

Daß man solche Approbationen ...

... heute wieder in einer aktuellen Ausgabe lesen kann, ist nicht zuletzt - magno cum gaudio orbis terrarum - dem Heiligen Vater zu danken:
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Worum geht es? Pater Martin Ramm FSSP hat eine sehr ansehnliche, gleichwohl praktikable und überdies verhältnismäßig wohlfeile Neuausgabe des Missale Romanum für die außerordentliche Form des römischen Ritus veranstaltet, die Bischof Vitus Huonder von Chur hiermit approbiert und angelegentlich vermerkt, daß selbstverständlich auch die Karfreitagsfürbitte pro judæis gemäß der geltenden Fassung enthalten ist ... sozusagen das aktuellste Meßbuch am Markt! In den nächsten Tagen werde ich nochmals darauf zurückkommen, hier aber schon einmal die Bezugsadresse ...

Wer noch einen Buchtip braucht ...

... oder generell der Erleuchtung harrt, womit man sich in diesem Jahr lese-, fest- und erwägungsmäßig auf Weihnachten vorbereiten könnte ...
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Der Verleger Manuel Herder bei der Übergabe der deutschen Fassung des ersten Bandes des Jesus-Buches an den Heiligen Vater anlässlich der vatikanischen Buchpräsentation in der vergangenen Woche - Bild: L' Osservatore Romano 

Unterwegs ... zu Unserer Lieben Frau auf dem Giersberg

Ein wundersamer Gesang rührte, so erzählt die Legende, um das Jahr 1700 einem Hirtenjungen, der am Brigittenwald bei Kirchenzarten Vieh hütete, das Ohr. Er trommelte einige Freunde zusammen; sie gingen der Stimme nach, als man plötzlich im Stamm einer Föhre ein kleines Marienbild fand und eine Stimme den Forschenden auftrug, man solle der Gottesmutter hier ein Heiligtum errichten. 
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Das Volk aus und um Kirchzarten nahm diese Weisung eifrig auf und man errichtete - übrigens gegen den Widerstand des Pfarrers - eine erste hölzerne Kapelle. Ein Einsiedel zog hinzu, die Pilgergänge gewannen rasch an Fahrt, so daß man 1737/38 jene Kapelle aus Stein mit einem Bruderhaus daneben errichtete, die heute noch auf dem Giersberg zu sehen ist. Um das kleine Gnadenbild herum schuf der St. Märgener Barockbildhauer Matthias Faller einen schönen Altar, was spätere Generationen freilich nicht daran hinderte, die Komposition auseinander zu sägen, um die Messe ad occidentem feiern zu können. Aber immerhin: Die Kirchzartener verteidigten Kapelle und Gnadenbild gegen zeitweiliges Streben sich aufgeklärt wähnender Obrigkeit, die Wallfahrt und alles, was dazugehört, platt zu machen. Meine kleine getarnte Wallfahrt startete am Samstag beim Bahnhof von Kirchzarten und führte über den Stationenweg zu diesem marianischen Heiligtum über dem Dreisamtal.
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Montag, 26. November 2012

Die getarnte Wallfahrt

Am Samstag ging es mal wieder ins Gelände: Auf den Giersberg. Eine Bekannte hatte mich weiland vor dem "steilen Aufstieg" gewarnt, was mir damals schon spanisch ankam, ist der Giersberg doch eher ein etwas zu hoch geratener Hügel. Auf dem Scheitel steht eine Wallfahrtskapelle Unserer Lieben Frau, und da wollte ich jetzt - mehr als weg- und wettermäßig nötig gut verpackt und halb getarnt - mal hin ... 
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¶ Sententiæ XIV

... Ohne die Zeiten der Feier wäre das Wort Gottes nur eine erbauliche Erinnerung, und die Kommunion in der Agape ein unerschwingliches Ideal, einer Quelle gleich, angesichts derer wir Durstes stürben. Denn es fehlt die Epiklese, in der sich die dreifache Synergie von Geist und Braut zusammenfaßt: es gäbe keinerlei Ereignis.
Ohne Feier sänke der Glaube in Theismus zurück, die Hoffnung wäre vom Anker losgerissen, die Liebe würde sich in Philanthropie auflösen. Feierte die Kirche ihre Liturgie nicht, so hörte sie auf, Kirche zu sein und wäre nichts weiter als eine soziologische Körperschaft, ein geisterhaftes Überbleibsel des Leibes Christi ...
Jean Corbon: Liturgie aus dem Urquell. Einsiedeln 1981. S. 96.

Sonntag, 25. November 2012

Hohe Messe in Sankt Antonius ...

... am letzten Sonntag nach Pfingsten ... Dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen ... (aus dem Evangelium - Mt 24, 30).

Freitag, 23. November 2012

Requiem

Grabmal auf dem Alten
Friedhof - Freiburg im Breisgau
Vor einiger Zeit bat ich um Euer Gebet für eine schwer an Krebs erkrankte Frau aus unserer Gottesdienstgemeinde von St. Antonius. Ich danke allen, die Ihrer seither gedacht hatten.
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Heute mußten wir sie zur ewigen Ruhe betten; sie ist vor einigen Tagen verstorben - "mit spürbarem Gottvertrauen", wie ich in der Todesanzeige lese ... ihr Leiden "ertrug sie gefasst und ergeben, man kann beinahe sagen fröhlich und heiter und die strahlte eine große Ruhe aus". Das bekräftigt all das, was ich über sie und die Zeit Ihres Leidens während der letzten Wochen gehört hatte.
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Das Requiem konnten wir im Dom zu Arlesheim feiern. In seiner Predigt sprach P. Martin Ramm auch davon, daß er selbst, wenn er die Erkrankte besucht habe, als Beschenkter gegangen sei. Mir kommt ein Buch in den Sinn, genauer, der Titel eines Buches, das ich vor langer Zeit gelesen hatte: Die Herrlichkeit des christlichen Sterbens - hier hat sie uns alle berührt.
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Neige, Herr, dein Ohr 
unseren Bitten,
mit denen 
wir in Demut 
dein Erbarmen anrufen:
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Laß die Seele 
deiner Dienerin Hildegard,
die du aus dieser Welt 
ziehen hießest,
im Land des Friedens 
und des Lichtes wohnen
und gib ihr Anteil 
an der Gemeinschaft 
deiner Heiligen.

Mittwoch, 21. November 2012

Dies ist das himmlische Zelt! ... Mariä Opferung

Mariä Opferung - Altarblatt am Seitenaltar der Kirche zu Sachseln
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Die Darstellung Mariens im Tempel - Mariä Opferung - zählt zu den besonders alten Marienfesten, zumindest in der Ostkirche. Zurückverfolgen läßt es sich bis in das Jahr 543; damals wurde unter Kaiser Justinian am 21. November in Jerusalem eine Marienkirche geweiht. Rund 200 Jahre später ist die Festfeier für Konstantinopel bezeugt. Verhältnismäßig spät fand sie Eingang im Abendland, nachdem sie Gregor XI. 1372 in den Kalender der Kurie aufnahm. Der Papst zeigte sich beeindruckt von den Schilderungen des Philipp von Maizières, der von der Pracht der Feier berichtete, die dem Fest im Orient eigen ist - der "Eintritt Mariens in den Tempel" ist eines der vier Hauptfeste der Orthodoxie zu Ehren der Gottesgebärerin.
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Das "Faktum" des Festes, die Geschichte, nach der Maria als dreijähriges Mädchen dem Herrn dargebracht und der Schar den Tempeljungfrauen zugezählt worden sei, ist fromme Erfindung des apokryphen Jakobus-Evangeliums. Weder gab es einen entsprechenden Brauch noch Tempeljungfrauen zu Jerusalem. Was aber soll uns dann dieses Fest?
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Maria selbst ist der dem Herrn geweihte Tempel, in welchem Gott Wohnung nehmen und Mensch werden mochte. Das Fundament ist die vom Makel der Erbsünde unberührte Empfängnis Mariens im Schoß ihrer Mutter Anna. Nun stellt uns die Liturgie Maria als kleines Mädchen - sozusagen an der Schwelle des Vernunftgebrauchs - vor Augen, als kleines Kind, das nun selbst beginnen wird, mit der Gnade, ja Gnadenfülle mitzuwirken und in eine ganz besondere Gottesbeziehung einzutreten, aktiv, mit Herz und Verstand quasi: In eine Gottesbeziehung, welche zuletzt in die große oblatio, in die große Hingabe - auch das "Mariä Opferung"! - bei der Verkündigung durch den Engel münden wird: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort" (Lk 1, 38). 
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Maria ist Tempel und Opfer zugleich und weist mithin auf Christus, dem sie Mutter werden wird. Denn er wird im tiefsten, umfassendsten Sinn Priester, Altar und Opfergabe sein und damit auch dem "Opfer" Mariens dessen letzten, höchsten Sinn verleihen ... die orthodoxen Christen singen am heutigen Tag:
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Der reinste Tempel des Erlösers,
die ehrenvolle Brautstätte und Jungfrau,
die heilige Schatzkammer göttlicher Herrlichkeit
wird heute geleitet ins Haus des Herrn,
und mit ihr tritt ein die Gnade des göttlichen Geistes.
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Ihr singen die Engel entgegen:
Dies ist das himmlische Zelt!
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(Kontakion am Fest des Eintritts Mariens in den Tempel)

Montag, 19. November 2012

Anderswo aufgeschnappt: Wer wo was toleriert ...

Die Kirche ist intolerant in ihren Prinzipien, weil sie glaubt. Aber sie ist tolerant in ihrer Praxis, weil sie liebt. Die Feinde der Kirche sind tolerant in ihren Prinzipien, weil sie nicht glauben, aber sie sind intolerant in der Praxis, weil sie nicht lieben (Reginald Garrigou-Lagrange OP).
... aufgeschnappt auf
VoxClamantisInDeserto

Sonntag, 18. November 2012

Die trocknen Brunnen wieder speisen

Papst Pius XII. vor dem Heiligen Joseph in schwieriger Zeit
Josephsaltar, Pfarrkirche St. Nikolaus, Lenzkirch im Schwarzwald
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AN DEN HEILIGEN VATER [1944]

Wann wirst du betend zu den Gräbern reisen
Und durch die Trümmerstädte segnend ziehn?
Sieh, wie die Dürstenden am Wege knien
Und die Zerknirschten dich als Retter preisen!
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Du wirst die trocknen Brunnen wieder speisen
Am großen Tag, da die Entzweier fliehn;
Wo des Verderbers ganze Macht erschien,
Lenkst du den Geist nach rein bewahrten Kreisen.
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Doch pilgre weiter bis zum fernsten Saume,
Da in der Steppe trüb der Brand verschwelt,
Geh' arm, verfolgt, in Christi Herrlichkeit!
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Dein Segen baut am unsichtbaren Raume,
Den göttlich Leid und Menschenleid beseelt.
Wo du erscheinst, vollendest du die Zeit.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 140.

Samstag, 17. November 2012

Grüße aus Vorder-Österreich

Die Seite von Sacerdos viennensis berichtet hier von den aktuellen Leopold-Feierlichkeiten in Klosterneuburg. Im Chorumgang des Freiburger Münsters schaut der Heilige - nebst einer Reihe vornehmlich frühneuzeitlicher Herrscher des Hauses Habsburg - aus einem Glasfenster herunter. Was er sich dabei denkt, möchte ich besser nicht wissen.
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Er möge Fürsprech sein unserer Zeit - und das verknüpfe ich mit einem herzhaften Gruß aus weiland Vorder-Österreich an alle Leser aus dem östlichen Nachbarland!

Unterwegs ... Winterschneekreuz

Auf eine Kuppe nächst der Stadt Löffingen steht die Wallfahrtskirche Winterschneekreuz. Der Name rührt von der alten Gewannbezeichnung "Witarsne" her. Dort rang ein Wanderer während eines Schneesturmes im Winter 1740 um Orientierung und gelobte einen Kreuzstock, sollte er aus der Gefahr gerettet werden. Das Geläute der Löffinger Kirche soll ihn auf den rechten Pfad geführt haben, Holzfäller führten ihn überdies der Stadt zu. Daran erinnert die Wallfahrtskirche Winterschneekreuz. Der heutige neuromanische Bau wurde von 1894 bis 1897 errichtet. Vor einigen Tagen war ich dort ...
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... Daß das Kreuz Himmel und Erde trennt, wird sich bei der zweiten Parusie zeigen, wenn das Kreuz vom Himmel auf die Erde herableuchtet und seine Getreuen sammelt, der Welt aber das ewige Urteil spricht. (Odo Casel OSB - Verweis).

Im Himmel ist ...

In DRadio Kultur hörte ich soeben ein Stück weit einem Gespräch mit einem Bestatter zu. Der zählte am Anfang auf, was nach dem Tod eines Angehörigen auf die Trauernden in der Regel binnen kurzer Frist alles - sozusagen - einprasselt. Ein Zitat stelle ich einfach mal in den Raum ...
"Und dann kommt der Pastor und erzählt: Im Himmel ist Kirmes" ...

Donnerstag, 15. November 2012

Die zwei Tische: Wort contra "Brot"?

Dieser Tage las ich in einem Blogeintrag, daß es - sinngemäß - eigentlich keinen großen Unterschied ergäbe, ob man nun eine Heilige Messe mitfeiere oder nur einer Wort-Gottes-Feier beiwohne. Daran mußte ich denken, als ich vorher das folgende Zitat von Reinhold Schneider las ... ein interessanter Gedanke ...
Es genügt nicht, das Wort als Brot des Geistes zu empfangen: wir müssen es essen. So hat es Christus gewollt. Die völlig unbegreifliche und unbeweisbare, über dem Beweis stehende Tatsache der Menschwerdung kann in uns nur wirklich werden im Sakrament und aus dessen Macht. Ist das Sakrament nicht Christi Fleisch und Blut, empfange ich sie nicht, so wird mir die Menschwerdung wahrscheinlich entgleiten.
 Reinhold Schneider: Verhüllter Tag. Köln und Olten (4) 1956. S. 149.

Sonntag, 11. November 2012

Heilquellen - oder die purpurnen Flüsse?

Erholungsort seit fast 2000 Jahren - so sieht sich Badenweiler, seit die Römer dort um 75 n. Chr. an der Kante des Südschwarzwalds auf der Höhe des Markgräflerlands Heilquellen fanden und den Ort Aquae Villae nannten. Ich war noch nie dort - bis heute. Verhältnismäßig gut erhaltene Reste der römischen Therme sind noch zu sehen.
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Da die unterschiedlichsten Grundherren Besitz in Südbaden hielten, ist die Region ein konfessioneller Flickenteppich. In Badenweiler hielt weiland die Reformation Einzug; an den Türen der neuromanischen Pauluskirche konnte man nur rütteln. Die katholische Kirche St. Peter wurde von 1958 bis 1960 errichtet, nachdem die im 19. Jahrhundert für Kurgäste und Hotelangestellte erbaute Marienkapelle sonntags aus allen Nähten platzte. Ich weiß eigentlich nicht, wie ich auf den Gedanken kommen, aber so stelle ich mir sonst eher Stadthallen in NRW vor. ;-)
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Einen Turm gibts allerdings auch; der ist zur Straße hin abgesetzt. Betritt man die Kirche durch eines der Portale, welche die Taufkapelle flankieren, öffnet sich eine eliptische Raumschale mit eher verhaltener Lichteinstrahlung.
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Die Gestaltung des Presbyteriums ist von Joh 12, 32 inspiriert: "Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen".
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Der Rubrizist in mir schüttelt ob der Abwesenheit einer etwas gängigeren Kreuzesdarstellung den Kopf; andererseits ist die Komposition insgesamt recht wirkungsvoll, wenngleich ...
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... ich mich, warum auch immer, an die beiden Thriller Die purpurnen Flüsse erinnert fühlte. Nun gut, die Filme sind jüngeren Datums als die Kirche. Übrigens: Bei so starker Orientierung auf diesen - wahrhaft in der Schwebe gehaltenen -  gekreuzigten und auferstandenen und verklärten Christus ist eine celebratio versus populum wirklich ein Unding. Wenn diese Komposition wirklich das Bibelwort ins Bild setzen soll, dann darf ihr der Priester - streng genommen - nicht den Rücken zu- und sich damit abkehren.
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Ein letzter Blick noch in die eingangs erwähnt Marienkapelle. Der russische Dramatiker Anton Tschechow, der 1904 in Badenweiler verstarb, wurde in diesem kleinen Gotteshaus aufgebahrt.

Sankt Martin auf dem Sterbebett

Der hl. Martin auf dem Sterbebett
Pfarrkirche St. Martin, Feldkirch im Breisgau
... Erhabener jedoch ist jener Turm, der zur Himmelsburg / führte den Martinus auf gestirnten Pfaden. / Er ging voran in den Himmel und heiligte den Weg, / von dort ruft er die Völker zu den Gütern Christi.
(ehemalige Inschrift am Turm der Martinskirche von Tour)

Samstag, 10. November 2012

Pretium mundi ... und Wäsche im Kilo

"Original Oberammergauer Holzschnitzarbeit" verheißt ein Kleber auf der Rückseite - was auch immer man sich über Kunstwerke im Zeitalter von deren technischer Reproduzierbarkeit darunter auch vorstellen mag. Fast einen halben Meter hoch, lag das Kreuz schon einige Wochen in einer Vitrine des gern besuchten Sozialladens. Nicht, daß ich kein Kreuz hätte, ich habe einige. Manche kann man hängen, andere stellen, nicht wenige mit sich herumtragen. 
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Oder wird man von einigen getragen? Sei es drum. Ursprünglich wollte ich mir schon lang ein Kreuz für meine geplante neue Andachtsecke beschaffen, welches mir Christus als den Kyrios zeigt: Regnavit a ligno Deus, Gott herrscht vom Kreuz, das Kreuz - ein Siegeszeichen. Womöglich ist ein Sozialladen der falsche Ort für solch ein Ansinnen. 
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Ich hätte mich auch einkleiden können. Sonderaktion heute: Jedes Kilo Wäsche ein Euro - und der Laden brummte. Ich weiß da nicht recht, ob ich Gott nun danken soll, daß ich meine Kleider nicht im Kilo kaufen muß, sondern die Muse habe, einfach nach Büchern und schönen Dingen zu stöbern? Ich habe die "Holzschnitzarbeit" gekauft. 3,5o Euro hat das Kreuz gekostet: quem in mundi pretium ...

Das habe ich nicht im Lotto gewonnen!

Manche Diskussionen über Glauben und Kirche münden ins ganz große Tennis - zumal, wenn die Dispute auf den Seiten jener Schwestern und Brüder im Bloggen stattfinden, die zur Lehre der Kirche ein ebenso locker kritisches Verhältnis hegen wie die Mehrheit der jeweiligen Leser. 
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Hat das Spiel einmal an Fahrt gewonnen, ist es in der Regel nur eine Frage kurzer Zeit, bis der erste Vertreter der Gegenseite mit der Behauptung aufschlägt, man müsse seinen Glauben offenkundig entweder im Lotto gewonnen oder vom Heiligen Geist höchstselbst haben. 
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Als offenbar tumber Springinsfeld der heilen Glaubenswelt habe man wenig bis keine Ahnung von Glaubenswegen, - biographien und -brüchen, geschweige denn vom Zweifel, der einem - weil man zu unbekümmert, unbefangen, unreflektiert oder einfach nur zu doof dazu ist? - niemals heimsuche. Daher sehe man sich, klare Sache, auch niemals gezwungen, den eigenen Blick-"Winkel" und das ganze römische Gedöns auch nur um ein Jota in Frage zu stellen: Heile Weltsicht allenthalben, mit der man den anderen, die das viel kritischer und darob differenzierter sehen, noch päpstlicher als der pratzige Papst auf die Pelle rücke und sie übelst und arrogant inquisitioniere.
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Eingelullt und aufgebrezelt von einem exklusiven, traditionellen und überholten Kirchenbild fehle obendrein das Verständnis für die Anforderungen der Zeit, was im Zweifelsfall mit der Neigung zu traditionellen Liturgieformen und dem sonstigen Pomp vergangener Tage kompensiert werde, ohne daß man erkannt habe, worauf es im Glauben eigentlich ankomme.
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So reden manche (nicht alle!), die sonst gerne von Dialog, Toleranz, Rücksicht und Nächstenliebe schwatzen und die sich tödlich aufregen, wenn ihnen oder ihresgleichen das Prädikat "katholisch" abgesprochen wird, weil das, was sie vertreten und verkünden, der Lehre der Kirche bis in die Haarspitzen widerspricht. Dieselben haben aber wenig Hemmung, anderen verantwortetes Christsein faktisch abzusprechen - denn was bliebe von solchem verantworteten Christsein noch übrig, träfe all das oder auch nur die Hälfte von dem zu, was da tiefgreifend unterstellt wird?
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Meinen Glauben habe ich nicht im Lotto gewonnen - die Sache ist nämlich noch viel mehr doller! Ich werde in Kürze in einem hoch exklusiven und bisher strengstens geheim gehaltenen Report gnadenvoll offenlegen, warum ich selbstverständlich nie auch nur den geringsten Zweifel am Glauben - oder an mir selbst - hege, und warum ich ebenso selbstredend bis zum Erbrechen unfehlstbar bin! Amen.

Donnerstag, 8. November 2012

Den Schleier auf uns herabziehen - Maria Schutz

Schutzmantelmadonna
Pfarrkirche Christkönig, Titisee-Neustadt
Dem Fest Maria Schutz begegnen wir zum ersten Mal in der griechischen Kirche. Dort wurde in der Blachernenkirche zu Konstantinopel neben einem Kleid auch der Kopf- und Schulterschleier, das Maphorion, der Gottesmutter aufbewahrt. Die Legende erzählt, im 10. Jahrhundert sei einem gewissen Andreas während eines Nachtgottesdienstes in dieser Kirche eine Vision zuteil geworden: Maria sei aus dem Altarraum der Kirche an den Ambo getreten und habe für das Volk gebetet. Dann soll sie ihren Schleier, der wie ein Blitz aufleuchtete, vom Haupt genommen und über das gläubige Volk ausgebreitet haben. Daraus hat sich das Patronat und Fest Maria Schutz entwickelt - ein Fest, das in der griechischen Kirche am 1. Oktober gefeiert wurde, ehe es in Vergessenheit geriet. Die russische Kirche pflegte diese Tradition jedoch weiter; in der Neuzeit fand es auch wieder Eingang in den griechischen Festkalender. Auch das Abendland kennt dieses Fest für den heutigen Tag, den 8. November. Näheres dazu bei VoxClamantisInDeserto.
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In der griechisch-orthodoxen Liturgie wird heute unter anderem das folgende Kontakion gesungen:
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Der Gottesgebärerin wollen wir Gläubige uns nun nahen
und ihren Schleier auf uns herabziehen,
ihr Lob verkündend in Hymnen, wie es sich gebührt.
Denn ihr Schutz kommt über alle Gläubigen und hüllt sie ein;
er schirmt vor mannigfachen Gefahren jene, die rufen:
Freue dich, helleuchtender Schutz!

Mittwoch, 7. November 2012

Bedeppert Euch!

Jesus, gelitten, gekreuzigt, begraben. Basta. Der protestantische Theologe Peter Zimmerling hat dieser Tage (hier gelesen) kritisch und zugespitzt angemerkt, daß bei vielen seiner reformationsfrohen Mitchristen der Glaube an Christus auf diese drei Aussagen zusammengeschrumpft sei ... ja, der Jesus ... wenn es ihn denn wirklich gab, möchte man den bereits verdunsteten Glaubensartikel beinahe nachrufen.
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Wer Christus aber allein in die Grenzen von Welt und Natur bannt und über Natur und Welt nichts gelten lässt (und was sollte da überhaupt auch gelten?), der sollte konsequent genug sein, die Botschaft Jesu nur in den Grenzen von Welt und Natur zu denken. Und Hand auf's Herz: Sollte man dann die Botschaft der Bergpredigt wirklich auf die Menschen loslassen und verantworten, daß sich die einen von den anderen dauerhaft zu Deppen machen lassen?
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Aber nein doch! Werden diese Entmythologen antworten, es sollen sich schließlich alle daran halten, und wenn sich alle daran halten, dann ist niemand eines anderen Depp. Ach ja? Träumt weiter!
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Die Bergpredigt läßt sich nur verantworten, wenn Christus nicht nur als irgendein dahergelaufener Rabbi mit ziemlich realitätsfremden Einfällen und Lehren daherkommt, sondern wenn er einst kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten.

Dienstag, 6. November 2012

Werden, was wir sind?

Christus Kyrios
Gengenbach, ehem. Abteikirche St. Marien
Auch im Geistigen und Religiösen können Genotyp und Phänotyp auseinanderfallen; wie wir vererben können, was wir nicht darstellen, so können wir auch sein, was wir einmal werden und was unseren Überzeugungen und Worten widerspricht. Die sakramentale Prägung, die ich unwissentlich getragen hatte, setzte sich durch. Christus hat das Leiden vergöttlicht. Er hat die Wundmale des Hasses und der Schande als Siegeszeichen der Liebe emporgetragen in das Geheimnis der Gottheit. Sein Kreuz ist aufbehalten in den Himmeln. Es wird ihm voranleuchten, wenn er wiederkommt. Und mit den Wundmalen wird er vor uns, vor den Spielern des ausgespielten Weltendramas, erscheinen. Dieser Anblick wird uns vernichten. Dieser Anblick wird uns retten.
Reinhold Schneider: Verhüllter Tag. Köln und Olten (4) 1956. S. 130.

Sonntag, 4. November 2012

¶ Sententiæ XIII

Die "modernsten" Dinge, die im Bereich des "Gesinnungsterrors" heute in der Welt geschehen, berechtigen zu keinerlei Überheblichkeit gegenüber dem Mittelalter. 
Josef Pieper: Hinführung zu Thomas von Aquin. Zwölf Vorlesungen. München 1958. S. 57 f.

Samstag, 3. November 2012

Soirée: Der Spur der Toten

Der Spur der Toten bin ich nachgegangen;
So hab ich mich und meinen Pfad gefunden
Und leise Kühle auf verborgnen Wunden
Und oft der Schwermut brennendes Verlangen.
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Denn Großem nur vermocht ich anzuhangen,
Und alles Große war dahingeschwunden:
So lebt ich der Entrückung flüchtige Stunden
Und schwerer Jahre unverwindlich Bangen.
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Die Dichter führten mich verschlungne Pfade,
Und Helden winkten mir; ich stand in Träumen
Am Weg der Könige, die nicht wiederkommen;
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Dann zogen Heilige mich ins Reich der Gnade,
Und wo sie starben, in geweihten Räumen,
Hab ich das Kreuz erschauernd angenommen.
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 Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 60.

Einwurf ... die Standhaften und meinereiner.

Einen ungefähren Eindruck über die Zusammensetzung einer Gottesdienstgemeinde gewinnt man meistens während des Hochgebets. Wer mit dem Geschehen nicht viel anzufangen weiß,  neigt dazu, sich hinzusetzen. Die "Konservativen" wie meinereiner knien sich hin, während die "engagierten" Katholiken gerne stehen bleiben - was durch den Römischen Kanon aber voll und ganz gedeckt ist, wenn es heißt, der Herr möge auch "aller Herumstehenden" (et omnium circumstantium) gedenken. 
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Aber warum müssen sich die engagierten Katholiken dann ausgerechnet in die vordersten Reihen stellen? Schauen wollen (in unserem Fall: schauen können) ist auch eine Art der participatio actuosa, auch wenn diese Form des contemplari seit der Liturgiereform etwas aus der Mode gekommen ist.

Freitag, 2. November 2012

"Es kommt seinem Leibe, der Kirche, zugute" - Allerseelen

Auf dem Friedhof von Freiburg-Haslach
Gott nimmt uns Menschen unbedingt ernst - was sich unter anderem daran zeigt, daß er uns einen freien Willen gegeben hat und uns dann bis in Tiefe unserer Natur hinein so nahe wie möglich gekommen ist, um sein Geschöpf zu sich zu holen. Gott also nimmt uns Menschen ernst, und darum gibt es keine billige Gnade und keine wohlfeile Tünche. Es bedarf immer auch eines Schrittes, den der Mensch auf Gott hin tut - im Glauben vor allem, den Taten und Werke als aufrichtig erweisen. 
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Aber womöglich auch in Taten und Werken, welche die Sehnsucht des Menschen nach dem Heil - jenseits aller Glaubensakte - insofern zum Ausdruck bringen, als daß der Mensch immer wieder selbst versucht, etwas "heil" zu machen. Von daher scheint es mir gar, daß ein eindeutig zu bekennender Glaube nicht unbedingt immer jene zentrale Rolle spielt, die wir ihm gerne zumessen:
Dann werden die Gerechten ihn fragen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder nackt und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und sind zu dir gekommen? (Mt 25, 37-39).
Der Gedanke tröstet mich - gerade auch, wenn ich das Los von Verstorbenen bedenke, die mir sehr lieb sind und die - alles in allem - gute und auf Gutes hin ausgerichtete, aber nicht im gemeinhin gültigen Sinn "fromme" Menschen waren. Wenn jemand die Macht hat, dieses Gute aufzunehmen und zu verwandeln, dann der den Menschen liebende Gott. 
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Vielleicht ist das ein Zugang zu dem, was wir "Fegefeuer" nennen? Ein Ort, an dem die Seele "gerichtet" wird, sofern diese zu Gott hin offen ist - sofern sie sich öffnen konnte. Denn nicht nur die über die Konsequenzen ihres guten Handelns erstaunten "Gerechten" kommen mit ihren Fragen im obigen Gleichnis zu Wort - auch die anderen erheben ihre Stimme. Wie gesagt: Es gibt keine billige Gnade, die den Menschen und dessen Willen ignoriert, nicht im Schlechten, nicht zum Guten.
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Gott aber will vom Menschen nicht lassen. Und so kann sich selbst die unscheinbarste Knospe, wenn denn nur irgend ausgebildet, sich Gott noch öffnen und erblühen - im Prozess der Läuterung, der freilich ein schmerzlicher ist. Aber das Feuer, das in diesen Seelen brennt, ist ein immer weiter um sich greifendes, sehrendes und reinigendes Feuer, das die Communio zwischen Gott und Mensch in Ewigkeit möglich macht. Es ist das Feuer der Liebe.
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Auch uns wird dieses Feuer Not tun - selbst wenn wir vielleicht den Weg zum Ziel deutlicher sehen und dem Ruf Gottes und der Stimme der Kirche zu folgen versuchen. "Wer kann vor dir bestehen," fragt der Psalmist, "wenn du der Sünden achten wolltest, Herr?" (Ps 129, 3). Doch "beim Herrn ist Gnade und Erlösung viel bei ihm" (v. 7).
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Wir können die Seelen in der Läuterung im Geist der Liebe unterstützen und Ihnen Werke der Barmherzigkeit in Gebet und Opfer tun:
So freue ich mich nun der Leiden, die ich für euch erdulde, und erfülle damit am eigenen Fleische, was am Leidensmaße Christi noch abzutragen ist. Es kommt seinem Leibe, der Kirche, zugute (Kol 1, 24).

Donnerstag, 1. November 2012

Epiphanie von Pfingsten - Allerheiligen

Apotheose des hl. Fridolin
Fresko von Franz Joseph Spiegler, Fridolinsmünster Bad Säckingen
Über den Heiligen Geist, den wir im Credo als den bekennen, "der lebendig macht", schreibt Basilius der Große in seiner 13. Predigt über den Glauben, er wirke ...
... in den Propheten, macht die Gesetzgeber weise, weiht die Priester, verleiht den Königen Kraft, führt die Guten zur Vollkommenheit, verleiht den enthaltsam Lebenden Würde, wirkt die Gabe des Heilens, macht Tote lebendig, befreit die Gefesselten, macht die zu Kindern Gottes, die ihm fern standen. Das alles bewirkt er durch sein himmlisches Schaffen.
Wenn vom Festtag aller Heiligen die Rede ist, so sollte auch ihm, dem oftmals "vergessenen Gott", ein Wort gelten. An einer anderen Stelle komprimiert Basilius die Bedeutung des Heiligen Geistes auf die knappe Formel, er sei "der Ort der Heiligen". 
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Alle Heiligung geschieht durch den Geist, zumeist im Verborgenen und soweit wir dem Geist Raum geben, durch die Gnade in uns zu wirken: Taufe und Firmung legen hierbei die Grundsteine - Wiedergeburt aus Wasser und Geist (vgl. Joh 3, 5). Wenn wir den Blick zu den Heiligen heben und sie um ihre Fürsprache bitten, dann mögen wir auch daran denken, daß wir noch im Spannungsfeld zwischen Geist und Welt leben und der Geist das Werk der Heiligung auch an uns vollenden möchte.
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Diese Vollendung bei einer großen Schar der Erlösten feiern wir heute: Gott, der Heilige, offenbart sich uns in den Heiligen, macht offenbar das Wirken seines Geistes in den Menschen. Allerheiligen ist, wie es hin und wieder zu hören ist, tatsächlich die Epiphanie von Pfingsten.