Dienstag, 30. Oktober 2012

Wir feiern das Konzil 1: Früher wars auch nicht besser

Und was die Bischöfe betrifft (...), so konnte immerhin ein durchaus respektabler Löwener Dominikaner-Prior, übrigens vielleicht ein Mitschüler des heiligen Thomas aus der Kölner Studienzeit bei Albertus Magnus, folgendes schreiben: Im Jahre 1248 sei es in Paris geschehen, daß ein Kleriker vor einer Synode von Bischöfen habe predigen sollen; und während er nach einem passenden Stoff gesucht habe, sei ihm der Teufel erschienen: "Sage ihnen einzig dies: Die Fürsten der höllischen Finsternis entbieten den Fürsten der Kirche ihren Gruß. Wir sprechen ihnen freudig unseren Dank dafür aus, daß sie uns ihre Schutzbefohlenen zuführen und daß durch ihre Nachlässigkeit fast die ganze Welt der Finsternis anheimfällt" ...
Josef Pieper: Hinführung zu Thomas von Aquin. Zwölf Vorlesungen. München 1958. S. 15 f.

Montag, 29. Oktober 2012

Danke, Hans Küng!

Der Schweizer Kapuzinerbruder Pater Walter Ludin berichtet uns dankenswerter Weise hier von der Konziliaren Versammlung und von Hans Küng kürzlich in Frankfurt. Bemerkenswert ist nicht nur die fragende Geste im Résumé des Beitrages ("Lieber Hans, wir werden deine Stimme vermissen?" - so stand es jedenfalls heutigen Tages um 13.12 Uhr zu lesen), interessant ist auch folgende Information:
Zu seinem 85. Geburtstag, so kündigt Küng den 1.000 Zuhörern an, werde er von der "großen Bühne abtreten und Platz machen für die nächste Generation", die Kirche mit Reformen von unten zu retten", ruft der 84-Jährige ...
Geschenkt die vielleicht ohnehin überspitzte Feststellung, daß sich Hans Küng angelegentlich in eigener Person und Sache als Bühnenstar outet, geschenkt auch die Frage, was in den Augen des mutmaßlich selbsterfühlten größten Weltethikers unserer Zeit unter "Kirche" zu verstehen sei und warum man das dann überhaupt "retten" sollte ... 
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Wie gesagt, all dies sei geschenkt und verziehen dafür, daß Küng und Ludin unsere Vermutung glanzvoll bestätigen, er handle sich bei all den Reformgruppen, Reformrotten und Reformkränzchen vornehmlich um Seniorentheater. Oder wie soll ich mir die "nächste Generation" vorstellen, die hier ein 84-jähriger beschwört?

Sonntag, 28. Oktober 2012

Christkönig wieder wegpacken ...

Beim Rasieren heute in der Früh deckte mich das Radio mit einem Adenauer-Zitat aus den ganz frühen Jahren der Bundesrepublik ein. Sinngemäß stellte der erste Bundeskanzler den Deutschen zwei Alternativen vor: Das künftige Deutschland werde entweder durch einen marxistisch-materialistischen Geist oder durch christliche Werte geprägt, wie sie das Programm der CDU formuliere. Wahrscheinlich hat der Alte im Traum nicht dran gedacht, wie sehr die CDU im Lauf der Zeit verludert. Was etwa ist heute in diesem Staat noch nicht von Adornos "Kritischer Theorie" infiziert? Selbst die allermeisten "Konservativen" (sowohl die, die behaupten, sie seien "konservativ", als auch jene, die das tatsächlich von sich glauben) denken, reden und brüten allein in jenen umschränkten Winkeln, die ihnen vom linken Meinungsdiktat im Rahmen der politischen Korrektheit gestattet werden, von einer Reaktion darauf kaum eine Spur, von der Reaktion erst recht nicht. 
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Der folgende Satz mag aufschrecken: Zum Glück gab es das Dritte Reich ... nicht, weil's  so schön gewesen wäre oder man es - Gott bewahre! - wiederhaben wollte, sondern weil wir diese Negativfolie zwischenzeitlich dringend auch brauchen, um uns diese Demokratie schön zu saufen trotz der Selbstverständlichkeit, mit der in diesem Land seit Jahren abgetrieben, mehr und mehr selektiert, von Staats wegen gegendert, öffentlich entschämt und gehurt und gelogen und geheuchelt wird.
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Wie lange werden wir es uns noch leisten können, den Christkönigsgedanken nur zu feiern?

Christkönig

Mittelschrein des Hochaltars
Pfarrkirche Christkönig, Titisee im Schwarzwald
So unaussprechlich groß ist die werbende Liebe Gottes, die er uns immer wieder im Mysterium anbietet. Und trotzdem gibt es viele, ja die große Masse, die vor dieser Sonne die Augen verschließen, vor dieser Wärme sich in die kalte Höhle der Selbstsucht verkriechen. Der Stolz ist finster und kalt; er will lieber in den selbstgemachten Höhlen des Hasses und des Hochmuts hausen als in der Sonne Gottes zu wandeln. Lieber will der Mensch sein eigener Herr sein als durch den "Sohn der Agape" (Kol 1, 13) geliebter Sohn des Vaters zu werden.
So wird dann notwendigerweise aus der Sonne der ersten Ankunft der Blitz der zweiten Ankunft für all jene, die sich der Sonne Christi entziehen. Wundern wir uns nicht, daß seit der Menschwerdung Gottes das Leid auf Erden nicht geringer geworden ist, daß gerade heute die Ströme des Leides die Welt überfluten. All das ist nur die Kehrseite der Agape. Gottes Liebe ist ein gewaltiger Glutstrom; aber denen, die sie ablehnen, wird sie zum "fressenden Feuer" (Is 33, 14). Aus dem milden, lebenweckenden Sonnenlicht wird ein greller, fressender, tötender Blitz.
Die Menschen werden nach den drastischen Worten der Heiligen Schrift "trocken vor Furcht und Angst" (Lk 21, 26); so kann der Blitz in sie hineinfahren und sie zur Flamme des Zornes entfachen. Sorgen wir dafür, daß uns die zweite Ankunft des Herrn nicht im Blitz erscheine, weil wir die Liebe Gottes vernachlässigten, ihr nicht aus ganzem Herzen entsprachen, sondern lieber den Weg der Selbstsucht gingen. Vielmehr wollen wir in der Milde der göttlichen Sonne tun, was die Schrift sagt: "Schauet auf und erhebet eure Häupter; siehe es naht eure Erlösung!" (Lk 21, 28).
¶ Odo Casel OSB: Advent der Gnade und Advent des Zornes (zum ersten Adventssonntag 1943) in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. (Imprimatur 1952). S. 90.

Samstag, 27. Oktober 2012

Junggesellige Abendverpflegung

Nachdem die "Toskana Deutschlands" unter dem ersten Schnee verschwindet und mir der Metzger noch zwei Schweineschwänzchen obendrauf gepackt hat, läute ich das Christkönigsfest mit einem Eintopf ein. Das Rezept ist einfach: Fleischwurst würfeln, Dose öffnen, Doseninhalt samt Fleischwurst in einen Topf werfen und eine Weile rumköcheln lassen. Bei den Ringeldingern bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich - zumindest eines davon - auch einfach in den Topf schmeißen oder zuerst das Fleisch abschaben soll? Ersteres scheint rustikaler, zweiteres zweckmäßiger. Hat wer einen Tipp auf Lager?
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Für Wolfram

... es ist ja keineswegs so, daß meinereiner Schriftstellen grundsätzlich nur aus Vulgata-Übersetzungen zitieren würde ...
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Freitag, 26. Oktober 2012

Frisch.Fromm.Fresse halten? Eine kleine Polemik in eigener Sache ...

Sankt Hieronymus -
Deckenbild in St. Cosmas
und Damian, Jechtingen

Ich kann auf meinen Papieren jedwedes ungereimte Zeug niederschreiben ... Solange ich das nicht publiziere, sind die Beleidigungen keine Verbrechen,
 ja nicht einmal Beleidigungen, da die 
anderen davon ja nichts mitkriegen. 
(Sankt Hieronymus, Brief 57, 4)
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Der heilige Hieronymus war eine streitbare Natur, ein wenig der Radaubruder unter den Kirchenvätern, der Vulgata ihr Sido, um es einmal zugespitzt zu formulieren. Also irgendwie das, was katholische Blogger - mit Ausnahme des Prädikats "Kirchenvater" - von Zeit zu Zeit ähnlich oder anverwandt auch sind oder sein können. Hieronymus schaffte es dennoch zur Ehre der Altäre, was wir so trostreich finden mögen wie etwa ein Wort aus einem Roman von Stefan Andres: "Wir sind Gottes Utopia. Aber eines im Werden".

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Gelegentlich wird's auch schwierig- zum Beispiel, wenn traditionsfrohe Katholiken päpstlicher als der Papst aufsatteln. Kommt immer wieder vor. Ehe ich jetzt weiterschreibe ... ich will nicht wissen, confiteor! wie oft schon meine Zeitgenossen meinereiner als selbsterkiestes Superdogma mit aktivem Nöl-, Unk- und Stunkmodus wahrgenommen haben ...
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Wie dem auch sei, im Blick auf den eigenen Stall fühlt man sich hin und wieder entfernt an ein Szenario aus dem Alten Testament und an den Ahnherrn gottgefälligen Eifers erinnert, an jenen Pinechas, der ein götziges Rumsdibums unterband, indem er "in den Hurenwinckeln" ging, wie Luther übersetzte, "und durch stach sie beide den Jsraelischen man / und das Weib durch jren bauch" - von höherer Worttreue getragene Verdeutschungen lassen die Stellung des Pärchens zumeist besser erahnen, aber das nur am Rande, wen's interessiert: Num 25, 1-10).
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Daß wir frisch und fromm die Fresse nicht halten können, mag in diversen Fällen angezeigt sein; in manch anderen wäre es freilich besser. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine recht rüde Schelte nach einer Heiligen Messe in einer dieser "Slumkapellen", in denen die "alte Messe" die ersten dreißig Jahre der Liturgiereform überlebt hat. Ein älterer Herr schnauzte mich Halbwüchsigen in (wehrmachtsgestähltem?) Komisston an, wie ich es nur wagen könnte, zur Heiligen Kommunion zu treten, ohne mir zuvor eine Krawatte umgebunden zu haben und ob ich noch nie etwas vom "hochzeitlichen Gewand" gehört hätte, von dem unser Herr im Evangelium spräche? Da versteht man plötzlich, warum die ausgelutschte Parole "Frohbotschaft statt Drohbotschaft" im anderen Lager seinerzeit so beliebt war. Ob's zur Krawattenfrage eine Rubrik, gar eine Enzyklika gibt? Strangulatus cum gaudio ad thronum gratiæ ... oder so ähnlich? 
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Oder nehmen wir jene in Treue zum Glauben verbundene Schwestern und Brüder, die sich als außerordentlich rührige Sachwalter ihrer eigenen apostolischen Pönitentiarie sehen. Sie scheinen mit einer besonderen Gnadengabe ausgezeichnet, unter der weiland schon Goethes Mephisto stöhnte, als er sich von Gretchens Mutter derbst in den Hintern gekniffen sah: "Die Frau hat gar einen feinen Geruch, / Schnuffelt immer im Gebetbuch, / Und riecht's einem jeden Möbel an, / Ob das Ding heilig ist oder profan ..." Weh dem, der sich vor der Einladung zum Psalterbeten am monatlichen Fatimatag drückt oder die jüngste Gelegenheit zu einem Sühneabend in der Beiz versoffen oder bei der Wandlung nicht mindestens drei Kreuze geschlagen hat: "Es gibt ein Aug', das alles sieht, selbst was in dunkler Nacht geschieht" - aber nicht das Auge Gottes, sondern das Auge von Frau Horch oder Herrn Guck, unterwegs im Auftrag des Herrn zur Aufrechterhaltung der katholischen Ordnung (der Herr Guck sieht selbstverständlich auch, wer zur Kommunion eine Krawatte trägt und wer nicht und welches Mädel Hosen).
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Kommen wir noch kurz auf das Heilige Offizium zu sprechen. Gerade traditionsfreudige Katholiken stapfen zuweilen gerne in dessen Spuren herum. So muß ein Theologe in einem Buch oder ein Priester in seiner Predigt oder anderer Blogger auf seinem Blog noch nicht einmal etwas Falsches geschrieben, gesagt oder verzapft haben - zur Bestätigung von Glaubensabfall oder Modernismus oder Apostasie oder allem zusammen reicht es unbekümmert hin, daß er irgendeinen wichtigen Aspekt nicht auch erwähnt hat. Wer dem dräuenden Verdikt ein Schnippchen schlagen möchte, sollte beispielshalber - und spräche oder schriebe er auch nur wenige Zeilen zu einem dieser Themen - nie vergessen, im Falle des Protoevangeliums auf jeden Fall das Dogma der Unbefleckte Empfängnis als Dogma, im Falle der Guten Werke die Verdiensthaftigkeit derselben oder im Falle der Meßliturgie das Kreuzesopfer explizit zu thematisieren; ganz egal, ob er an anderer Stelle ausführlichst auf die genannten Aspekte eingegangen ist. Wer nämlich - um die andere Seite in den Blick zu nehmen - in seiner Freizeit sämtliche Kräfte bündelt, den Glauben effizient davor zu schützen, von mutmaßlichen Irrlehrern gekapert zu werden, hat nicht immer im gleichen Maß die Muse, sich mit irgendwelchen Wälzern und Schwarten der übelst Verdächtigen herumzuschlagen.
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Soweit diese kleine, ebenso zugespitzte wie andererseits ziemlich unzureichende Bestandsaufnahme. Wahrscheinlich steckt in jedem von uns katholischen Bloggern, die wir die Kirche lieben und uns an ihr freuen, etwas von den beschriebenen Typen. Manchmal ist das - angesichts der Zeiten - notwendig und gut, manchmal ist es des Guten zuviel, oder genauer: zu wenig an Glaube, an Hoffnung, an Liebe. 
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Gottes Utopia. Im Werden.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Deprimentum oder Lichtblick?

Manche Worte scheinen von erschütternder Aktualität, auch wenn sie vor mehr als 350 Jahren zu Papier gebracht wurden. Das hier zum Beispiel:
Ich gestehe, daß ich viel für die Propagierung der Kirche in den Ländern der Ungläubigen übrig habe, aus der Auffassung heraus, daß Gott die Kirche hier nach und nach zugrunde gehen läßt, und dies unseres sittlichen Tiefstandes und der neuen Lehren wegen, die mehr und mehr anwachsen.
Das Zitat stammt aus einem Brief des hl. Vinzenz von Paul vom 31. August 1646. Der Heilige fürchtet überdies, "daß wir (...) in hundert Jahren die Kirche in Europa ganz verlieren". Alldieweil sich diese konkrete Mutmaßung letztlich nicht erfüllt hat, mag man für unsere Zeit immerhin noch Hoffnung hegen ...
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Hans Kühner: Vinzenz von Paul als Gestalt des Grand Siècle. Im Spiegel seiner Briefe, Vorträge und Gespräche. Köln 1963. S. 242.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Sankt Raphael - ein Lächeln des Heiligen

Tobias' Reise im Geleit des Erzengels Raphael
Deckenbild im St. Fridolins-Münster, Bad Säckingen
Ich will vor euch nichts mehr verbergen. Ich sagte schon: Gar schön ist's, das Geheimnis eines Königs zu bewahren; doch ehrenvoll ist's, Gottes Taten kund zu tun. Nun, als du betetest und deine Schwiegertochter Sara, da brachte ich eures Gebetes Gedächtnis vor den Heiligen. Als du Verstorbene begrubest, war ich gleichfalls bei dir. Als du nicht säumtest, aufzustehen und deine Mahlzeit zu verlassen, zu gehen und den Toten zu verbergen, entging dies gute Werk mir nicht. Ich war bei dir. Jetzt hat mich Gott gesandt, dich und die Schwiegertochter Sara heil zu machen. Ich bin ja Raphael, von jenen sieben heiligen Geistern einer, die hochempor der Heiligen Gebete tragen und vor des Heiligen Herrlichkeit einherschreiten (Tob 12, 11-15).
Kein großes Szenario, keine Himmelsschlacht, keine Verkündigung von Erlösung, sondern nur der Alltag eines nicht eben leichten Lebens mit seinen Sorgen, Herausforderungen und Drangsalen, mit seinen Sehnsüchten und Hoffnungen - das ist der Rahmen, in welchem uns St. Raphael begegnet, jener Erzengel, dessen eigenes Fest in der außerordentlichen Form des römischen Ritus bis heute bewahrt blieb. Unter den Erzengeln scheint er gewissermaßen der "menschlichste" zu sein, folgt man den Erzählungen des Buches Tobias: Ein Engel, der sich zu uns gesellt, der das Gute im Menschen sieht und darum die Welt für diese Menschen ein kleines Stück besser zu machen sucht, indem er den Fluch der Sünde mildert: quasi ein Lächeln des Heiligen, vor dessen Herrlichkeit er sonst einherschreitet. 

Anderswo aufgeschnappt: Ideelle Unterschiede

"Ich fühle es, also ist es wahr" ... welche Konsequenzen kann eine solche Aussage bei Fragen des Glaubens zeitigen? MC von Demut jetzt! hat sich zum Thema Glauben nach Gutdünken? hier einige Gedanken gemacht und vertieft den ein oder anderen Aspekt weiter.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Glauben nach Gutdünken? Teil 2: Nochmals zur "anthropologischen Wende"

In der aktuellen Katechismusdebatte ist Ameleo von Frisch.Fromm.Frau gestern (hier) auch auf meinen Beitrag (hier) eingegangen. Ameleo schreibt:
Als Ursache für heutige Probleme mit dem Glauben der Kirche wurde in einem Post die „anthropologische Wende“, also der Blick vom Menschen her, diagnostiziert. Aber war es nicht Gott selbst, der vor 2000 Jahren diese „anthropologische Wende“ eingeleitet hat? Das Besondere an unserem Glauben ist doch, dass wir davon überzeugt sind, dass Gott selbst Mensch geworden ist und sich – salopp formuliert – die Sache der Menschen mal mit deren eigenen Augen angeschaut hat.
Der saloppen Formulierung muß ich scharf widersprechen. Das Besondere an unserem Glauben ist fürwahr, daß Gott Mensch geworden ist, aber nicht, dass er sich "die Sache der Menschen mal mit deren eigenen Augen" hätte anschauen wollen oder müssen. Gott ist auch nicht Mensch geworden, weil es notwendig gewesen wäre, sich - unter anderem - irgendwie in seine Geschöpfe tiefer einzufühlen oder sie besser zu verstehen. Ich erinnere an das Credo, welches den entscheidenden Grund in drei Worten formuliert: propter nostram salutem - "um unseres Heiles willen ist Er hinabgestiegen". 
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Der hl. Augustinus stellt dazu eine Frage: "Wollt ihr nicht, da das Leben zu euch herabgestiegen ist, aufsteigen zu ihm und leben?" (Conf. 4, 12). Der Mensch, also der Transzendenz fähig, soll aufsteigen! Allerdings hält die "anthropologisch gewendete" Pastoral und Verkündigung unserer Tage dazu wenig Hilfestellungen bereit, bedenkt man etwa den Reichtum der Gnadenmittel, die dazu auch zu Gebote stehen, aber als solche kaum thematisiert (im schlimmsten Fall hingegen belächelt) werden. Wenn der Mensch vor lauter Rücksicht auf bestimmte Lebenssituationen überdies in irregulären Lebensverhältnissen belassen oder bestärkt wird, dann wird den Betroffenen endgültig ein Bärendienst erwiesen.
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Daß Gott in der Menschwerdung - aus unserem Horizont heraus betrachtet - dem Menschen so nahe wie möglich gekommen ist, kann man sicher auch mit Ameleos Worten beschreiben, es sei "vor 2000 Jahren" eine "anthropologische Wende eingeleitet" worden. Aber wie gestaltet sich diese anthropologische Wende konkret aus?
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Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die uns erschienen ist (vgl. Titus 3, 4), redet den Menschen keineswegs nach dem Mund. Christus enttäuscht letztlich die Erwartungen der meisten seiner Zeitgenossen, entspricht nicht der öffentlichen (oder auch veröffentlichten) Meinung im Volk Israel. Er schüttelt das Joch der römischen Besatzung nicht ab, um das Bundesvolk wieder in die Freiheit zu führen. Er errichtet kein messianisches Friedensreich. Sogar Johannes im Kerker läuft Gefahr, an ihm irre zu werden, obwohl der Täufer (oder vielleicht: gerade weil er?) vom Wirken Christi hörte (Mt 11, 2-10): "Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir einen anderen erwarten?".
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Christus erkennt, ein weiteres Beispiel, im reichen Jüngling (Lk 18, 18-27) einen Menschen, der zwar alle frommen Gebote hält, aber dessen Herz vom Besitz - von seinem Schatz - regiert wird und dem er klipp und klar rät: "Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Dann wirst du einen Schatz im Himmel haben". Christus fühlt sich - nach unserem Dafürhalten - in diesen Menschen nicht gerade übermäßig ein: "Bei jenen Worten wurde jener ganz traurig; denn er war sehr reich".
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Ein drittes Beispiel: Christus entlastet nicht einfach die Ehebrecherin (Joh 8, 1-11) oder verbietet die Steinigung, sondern spielt, so möchte man fast sagen, auf Risiko. Er beläßt die Situation in der Schwebe und die herangeschleppte Delinquentin damit in Todesangst, während die Menge das Gesetz in die Waagschale wirft: "Meister, diese Frau ist beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt worden. Moses hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen! Was sagst du dazu?" Und Christus sagt erst einmal garnichts: "Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf den Boden. Da sie weiter mit Fragen in ihn drangen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!" Und er bückte sich wieder und schrieb auf den Boden. Ist das jetzt Einfühlung im Sinne einer "anthropologischen Wende"? Die klare Ansage am Ende des Berichts nicht zu vergessen: "Geh hin und sündige fortan nicht mehr!".
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Nein, die "anthropologische Wende" Gottes zum Menschen hat wenig mit der allzu menschlichen Bedröppelungspastoral unserer Tage zu tun: Der Mensch gewordene Gott ist ein Zeichen, dem widersprochen wird (Lk 2, 34), weil es den Widerspruch herausfordert: In jedem einzelnen von uns ebenso wie vor der Geschichte. Hier wie dort gilt: "Diese Rede ist hart! Wer kann sie hören?" (Joh 6, 60).

Sonntag, 21. Oktober 2012

St. Wendelin - nicht nur fürs liebe Vieh ...

St. Wendelin - Ottilienkapelle,
Feldkirch im Breisgau
Der Eintrag kommt einen Tag zu spät, aber einen kurzen Gedanken zum hl. Wendelin, dessen Fest gestern gefeiert wurde, möchte ich jetzt nicht ein Jahr lang auf Eis legen. 
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Wie viele andere "lokale" Heilige begegnet uns Wendelin im Kontext der iroschottischen Mission. Eine Wallfahrt führte den jungen Mann zu den Heiligtümern von Trier - auf der Heimkehr aber änderte er seine Lebensplanung radikal: 
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Als er, so weiß die Legende zu berichten, an das Tor eines Gehöftes klopfte und um einige Bissen Brot bat, herrschte ihn der Hausvater an, ein kräftiger Mann wie er, Wendelin, solle nicht um Brot betteln, sondern dafür arbeiten. Fortan verdingte sich Wendelin als Hirte und wurde im wahrsten Sinn des Wortes als Beter und Arbeiter heilig - in einem Beruf, der seinem Herkommen und seiner Ausbildung auf den ersten Blick wenig entsprochen haben dürfte, in dem er aber Gottes Ruf an ihn erkannte.
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Vielleicht ist Wendelin ja nicht nur ein Fürsprech für das liebe Vieh und dessen Hüter, als der er in ländlichen Regionen, so auch in hiesiger Gegend, gerne verehrt wird - vielleicht kann er uns auch in jenen Augenblicken durch sein Beispiel mit dem Alltag versöhnen, wo wir uns unterfordert oder ignoriert achten und darob grämlich werden mögen?

Fanomenal!

Gerade noch schrieb man (ab), welche zusätzlichen Bekleidungsstücke für ein päpstliches Amt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus nötig wären, und prompt taucht heute eines davon - der Fanone - aus der Versenkung auf: Zu sehen hier oder hier. Der liebe Gott liest offenbar mit (die geheimen Wünsche des Schreibers inklusive). 
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So sehr ich mir ferner wünschen würde, der Heilige Vater zelebrierte in St. Peter einmal feierlich "im alten Ritus", so sehr wollte ich ihm dennoch die Stimmungsmache der üblich Verdächtigen ersparen, welche sich darob hintendrein und vorneweg wie die Hyänen auf Benedikt XVI. stürzen dürften ...

Freitag, 19. Oktober 2012

Glauben nach Gutdünken? Teil 1

Viel ist vom Glauben die Rede und vom Katechismus in der Blogozese dieser Tage - Ameleo von Frisch.Fromm.Frau hat das Thema aufgebracht; zuletzt hat sich Sophophilo von Invenimus Messiam eingeschaltet und Position bezogen. Frischer Wind mischt auch mit.
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Meines Dafürhaltens liegt des Pudels Kern bei dieser Debatte in dem, was gelegentlich mit dem Wort einer "anthropologischen Wende" in der Theologie ummantelt wird: Glaube und Glaubensinhalte werden nicht mehr sub specie æternitatis betrachtet, sondern vom Menschen her und dessen vermeintlichen - oder behaupteten - Möglichkeiten gesehen. 
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Diese Haltung kommt nicht von ungefähr. Zumindest zum Teil ist sie eine Reaktion auf Pastoral und Verkündigung früherer Zeit, die - um es einmal zugespitzt darzustellen - nicht selten sich damit begnügte, den Lehr-, Moral- und Dogmenknüppel auszufahren, wo "Glaube" und "Leben" bei den Menschen Gefahr liefen, aus dem Gleichgewicht zu geraten; was freilich die schlechteste aller Lösungen darstellt, um ein Individuum wieder in die Lehre der Kirche zu integrieren. Warum war dieser rabiate Ansatz oft zum Scheitern verurteilt? Weil bereits zuvor die Lehre der Kirche nicht "über-zeugend" in das Individuum integriert worden war! 
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Oder anders gesagt: Allzu oft wurden "Katechismuswahrheiten" eingepaukt, ohne damit - und darüber hinaus - wirklich Glauben zu wecken, zu fördern, fruchtbar werden zu lassen. Mit wachsendem Lebensalter war dieser so vermittelte Glaube alsdann nicht stark genug ausgebildet, um Inhalte und Ansprüche der Glaubenslehre gerade auch da hinein nehmen zu können, wo sie innerhalb einer Lebenspraxis oder eines Lebensentwurfes zu einer Herausforderung wurden, wo vielleicht sogar Umkehr oder Neuorientierung Not getan hätten. Der Mensch entfremdete sich der Kirche und dem Glauben bei formaler Wahrung oder aber Aufgabe äußerer Formen.
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Später wollte man - auch als Konsequenz dieser Entwicklung - den Menschen "ernst nehmen", ihn "da abholen, wo er steht", ihn "nicht überfordern" oder gar "manipulieren", ihm nicht "zu nahe treten" und stets "Grenzen respektieren". Daß zwischenzeitlich überdies jenseits der Kirche das Indiviuum als ein Autonomes postuliert wurde und wird, hat diese Haltung zusätzlich befördert. Die damit verbundene Sicht auf den Menschen wird heute auch in der Kirche allzu oft kritiklos übernommen.
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Was ehedem zum Heile fest zu glauben war, wird zunehmend zur Verfügungsmasse des Einzelnen - zumindest wird das depositum fidei so behandelt. Selbst zentrale Glaubensaussagen gelten hierbei nicht per se als individuell "glaubwürdig". Maßstab der jeweiligen "Glaubwürdigkeit" ist alsdann auch nicht die Offenbarung und nicht die damit untrennbar verbundene Lehre der Kirche, nicht mithin das unverstellte Wort Gottes und die verheißene (Ein-) Führung des Geistes, sondern Maßstab ist das eigene "Für-wahr-halten", das eigene Empfinden und Erfahren, die aktuelle theologische Forschung (mit ihrer historisch-kritischen oder soziologischen Schlagseite) oder die eigene Einsicht, der eigene Intellekt, der eigene Wunsch, das eigene Weltbild, der eigene Lebensentwurf oder auch nur die eigene Bequemlichkeit. Es geht hier, aber das nur am Rande bemerkt, also nicht um den Glaubenszweifel, nicht um das Ringen im Glauben oder um Glaubenssätze, was - vor Gott getragen, vor Gott ausgestanden - auch Zeichen des Glaubens ist. Letzteres ist - wenngleich es Schnittmengen geben kann - etwas anderes als jener zuvor umrissene Glaube "nach eigenem gusto", jener stückwerkende "Glaube" des sich vor allem autonom glaubenden Individuums.
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Die Kirche wußte, warum sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts anverwandte Tendenzen unter dem Sammelbegriff "Modernismus" scharf verurteilte und - mit nicht immer glücklichen Mitteln - auszumerzen versuchte. Wenn sich nämlich jeder seinen Glauben nach Gutdünken zurecht legen kann, so führt dies zwangsläufig zum Zusammenbruch des "katholischen" Glaubens im Sinne einer umfassenden "Gemeinschaft" in Fülle und in jener Vielfalt, die dieser Fülle entspringt und zugleich aus dieser Fülle das Maß empfängt.
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(Fortsetzung folgt - als nächstes geht es voraussichtlich - quasi als Gegenmodell zur anthropologische Wende - um Gott als den Urheber des Glaubens, um den Glauben als göttliche Tugend und alsdann um den Menschen als denjenigen, der sich dem Glauben öffnen kann).

Einwurf ... die dunkle Seite des Kapitalismus

Ohne gleich Wasser auf die Mühlen der linken Weltverbesserer schütten zu wollen - was bei Tretmühlen ohnehin nicht hülfe ... aber wenn laut Badischer Zeitung für Bernd Dallmann, seines Zeichens Freiburgs oberster Förderer für Wirtschaft und Tourismus, der fortwährende Leerstand eines Cafés in Bestlage am Münsterplatz nicht nur „eine Schande für die Stadt und den Standort“ ist, sondern obendrein „die dunkle Seite des Kapitalismus“ repräsentiert, dann fragt man sich manchmal, welch tiefgreifende Sorgen die Spaßgesellschaft wohl sonst noch umtreiben könnte.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Das eine Opfer und die vielen Messen

Jene eine Tat auf Golgotha ist ein für allemal geschehen, ist, wie jede andere geschichtliche Tat, als solche in der Vergangenheit versunken. Sie kann unmöglich wieder zur Wirklichkeit werden. Sie kann auch nicht wiederholt werden; denn dann müßte Christus ja nochmals sterben; aber er ist ein für allemal durch sein Opfer in die ewige Verklärung eingegangen und sitzet zur Rechten des Vaters. 
Soll sie aber doch für die Gläubigen, die nicht unter dem Kreuze standen, wirklich gegenwärtig sein, so kann das nur geschehen im Mysterium, das heißt in ritueller Symbolhandlung. 
Hier tritt also die Liturgie als notwendig ein. Liturgie ist Symbol, rituelle Begehung göttlicher Tat. Im Symbol ist es möglich, die eine Tat, nicht nach ihren zufälligen geschichtlichen Einzelheiten, sondern in ihrem ewigen Kerne wiederhinzustellen, so daß sie vor unserem Auge sich vollzieht; freilich, unser äußeres Auge sieht nur den Ritus, das Glaubensauge aber sieht dahinter die Wirklichkeit. Das Mysterium besteht also aus Äußerem und Innerem, Bild und Inhalt, Begehung und Wirkung, Feier und Gnade.
Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Ausgewählt u. eingeleitet von Theophora Schneider. Mainz 1961. S. 221.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Startet jetzt die Euro-Inflation ...

... oder ist "das Konzil" vor lauter Jubiläum schon so im Wert gestiegen?
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Dieser saugünstige Paperbackschmöker ist auf Buchfreund.de zu haben - Angebot und Screenshot heutigen Tages, wen's interessiert ...

Siehe dieses Herz ... hl. Margarita Maria Alacoque

Ecce hoc cor quod homines adeo dilexit -
Siehe dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat!


Die hl. Margarita Maria Alacoque schaut das Herz Jesu
- Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Wittnau bei Freiburg
"Siehe dieses Herz!" ... 
... Erst dann kann uns aufgehen, was es bedeutet, wenn wir die Botschaft hören: Gottes ewiger Logos hat ein menschliches Herz, er hat sich selbst auf die Abenteuer eines menschlichen Herzens eingelassen, bis es durchbohrt von der Sünde der Welt ausgeronnen war, bis es die Vergeblichkeit und Ohnmacht seiner Liebe am Kreuz ausgelitten hatte und damit das ewige Herz der Welt geworden war. 
Seitdem ist das Wort Herz nicht nur mehr ein Wort, das den Menschen in der Mitte seines Daseins trifft, sondern ein Wort, das im ewigen Preis Gottes selbst nicht mehr ausfallen kann und darin - mitten darin - auch das Herz eines Menschen meint. 
Viele Worte werden verstummen, weil das Gemeinte nicht lohnen wird, daß man davon redet. Aber es gibt menschliche Worte, die, weil sie menschliche Dinge meinen, eigentlich doch nur menschlich gesagt werden können.
Und wenn sie ein Menschliches meinen, das in Ewigkeit Gott selbst ist, dann sind solche menschlichen Worte Worte der Ewigkeit, die die Menschen nie aufhören können zu sagen, hier und in Ewigkeit nicht. Und zu solchen Worten des irdischen Anfangs und des ewigen Endes gehört das Wort, das Gott zu uns Menschen noch in Ewigkeit sagen wird: "Siehe dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat" (Karl Rahner SJ).

Dienstag, 16. Oktober 2012

Sankt Gallus, ein Bär und das Brot

Der hl. Gallus - Pfarrkirche
St. Gallus, Lenzkirch-Kappel
Auffällig viele Kirchen im Breisgau und im Schwarzwald stehen unter dem Patronat des hl. Gallus, dessen Festtag heute ist - Erinnerung an Zeiten, da die Abtei St. Gallen hierzulande Grund und Boden hielt.
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Gallus zählt zu den bedeutenden Heiligen der iro-schottischen Mission hier im Südwesten. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts in Ulster geboren, kam er mit dem hl. Kolumban dem Jüngeren um das Jahr 610 an den Bodensee. Nach nicht ganz glücklichen Missionsversuchen wandte sich Kolumban nach Italien, Gallus aber zog es als Einsiedler in die Bodenseeregion. Er errichtete in der Mühleggschlucht eine Klause, in welcher er fortan lebte und - fast hundertjährig - starb. Weiter Eremiten siedelten sich an; die Abtei St. Gallen erwuchs daraus.
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Einen furchtbaren Bären soll der Heilige in Christi Namen in den Griff bekommen und ihm aufgetragen haben, Feuerholz heran zu schaffen. Den Bären hat der Heilige danach - je nach Lesart der Legende - mit einem Brot und der Mahnung, sich nie mehr blicken zu lassen, von dannen geschickt ... nach anderer Überlieferung aber habe er den Bären behalten und ihm jeden Tag ein Brot versprochen, wenn er keinen Ärger mache und die anderen wilden Tiere abwimmle. Die Ikonographie hat sich für den Bären als ständigen Begleiter des hl. Gallus entschieden; manchmal hält der Heilige überdies ein Brot in seiner Hand.
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Gallus war nie Bischof und nie Abt. Er blieb stets, was er sein wollte: Ein einfacher Einsiedel. Der Stab, den er auf vielen Bildern trägt, war ein Geschenk seines Mentors Kolumban - besser gesagt: eine Versöhnungsgabe. Die Weigerung des Gallus, Kolumban nach Italien zu begleiten, führte zu einer Entzweiung; denn Kolumban sah für sich und seine Mönche das Ideal christlichen Lebens in einer Verbindung aus Mission und Pilgerschaft. Als Konsequenz wurde dem "abtrünnigen" Gefährten Gallus die Feier der Heiligen Messe verboten. In einer Vision soll Gallus wenige Jahre später vom Tod des Kolumban erfahren haben; der Stab des Freundes wurde ihm hernach überbracht und mit ihm die Erlaubnis, wieder die Messe feiern zu dürfen. Kolumban hatte - womöglich erst auf dem Sterbebett - seine Entscheidung revidiert: Heilige sind eben auch nur Menschen - und Menschen können trotz mancher Menscheleien Heilige werden, wie man meinen möchte ...

Montag, 15. Oktober 2012

Der Pfeil der heiligen Teresa

die hl. Teresa von Ávila
Dom zu St. Blasien im Schwarzwald
Man muß wissen, daß Gott der Seele geheime Liebesberührungen in Gestalt feuriger Pfeile zukommen läßt, die sie durchbohren, verwunden und ganz vom Feuer der Liebe verbrannt zurücklassen. - Sie entflammen den Willen und die Neigung so sehr, daß die Seele erglüht im Feuer und in der Flamme der Liebe und sich in dieser Flamme zu verzehren scheint. Es ist, als träte sie aus sich heraus und werde ganz erneuert, so daß sie übergeht in eine neue Seinsweise, dem Vogel Phönix gleich, der sich verbrennt und neu geboren wird (St. Johannes vom Kreuz, Geistlicher Gesang 1, 17).
Man nimmt ganz deutlich wahr, daß im Innern jemand ist, der diese Pfeile schleudert, mit denen er dem Leben Leben gibt; und daß da eine Sonne ist, die von innen ein großes Licht in die Seelenvermögen sendet" (St. Teresa von Ávila, Seelenburg VII, 2, 8).

Sonntag, 14. Oktober 2012

Weihrauch ...

Unser Gebet ist oft unzulänglich. Die Gedanken schweifen häufig ab, wir ehren Gott mit den Lippen, aber das Herz ist fern. Während heute der Introitus gesungen wurde und der Priester, das Rauchfaß in der Hand, den Altar nach seinen Seiten abschritt, dachte ich bei mir, das wir all die Unzulänglichkeit unseres Betens in dieses Opfer hineinlegen dürfen, sie Gott anbieten können wie die verharzten Klumpen, welche in läuternder Glut - im Geist der Demut und mit reumütigem Herzen - ihren Wohlgeruch entfalten: "Laß mein Gebet wie Weihrauch vor dich kommen und meine Andacht gleich dem Abendopfer" (Ps 140, 2) ...

Samstag, 13. Oktober 2012

Soirée: Priesterlose Gottesdienste

Am Sonntag, sehr früh, versammelten sich die Leute in der Kirche. Alle standen oder knieten - rechts die Männer, links die Frauen -, und auf ein Zeichen von Thomas begann die alte, asthmatische, schnurrbärtige Karabassen mit lauter Stimme ein Paternoster. Aber ach, kein Priester kam aus der Sakristei ... Die Karabassen hatte den Altar gereinigt, sie hatte Kruzifix und Leuchter geputzt und auch die beiden riesigen schwarz-rosa Muscheln, die an Balg und Tier und Kiesel und Diamant erinnerten und als Schmuck den Blumenflor glücklicherer Gegenden ersetzten. Auch das Meßglöckchen stand bereit - auf der untersten Altarstufe rechts -, denn man war doch schließlich hier in einer christlichen Gemeinde und kannte sich aus. Wenn, ja wenn man nur einen Priester hätte!
Die pfeifende Stimme zählte jetzt die "Intentionen" auf: um Strandgut - um Regen - um einen Priester für die Insel - um viele Fische in Netz und Reuse. Dann löste eine Großtante von Thomas die Karabassen ab und sagte, ohne zu stocken, auswendig die lange Liste der "Gebetsmeinungen" her sowie ein Paternoster, ein Ave und ein De Profundis für die darin genannten Verstorbenen. Hierauf - nach einer Pause - stimmte die Karabassen ein bretonisches Kirchenlied an, und sofort fielen sämtliche Stimmen - näselnd die der Frauen, dröhnend die der Männer - mit ein. Sie hatten beträchtlich zu hoch eingesetzt, aber das schadete nicht: an den schwierigen Stellen gerieten die Frauen eben ins Kreischen oder gaben Kopftöne von sich, die sie für seraphisch hielten, während die Männer einfach eine Oktave hinuntergingen und die Melodie nur mitbrummten. So wurden vier oder fünf Lieder gesungen, worauf zum zweitenmal erwartungsvolle Stille eintrat.
Da schlug die Karabassen ein großes Kreuz und - als wären alle Privatandachten zur gleichen Sekunde beendet worden - es beeilte sich jeder, ihrem Beispiel zu folgen. Als sie sich umdrehte, sah sie diejenigen, die nahe dem Ausgang gestanden waren, bereits draußen, und in einem Zug leerte sich die Kirche.
In der Woche danach, die sehr neblig war, scheiterte eine große Barke an einer Klippe nahe von Sein. Strandgut trieb ans Ufer: Ruder, Stücke vom Schiffsrumpf, ein gut erhaltene kleines Rettungsboot, Fässer mit Trinkwasser, ein kleines Fäßchen mit Rotwein und drei Leichen ...
Henri Queffélec: Gott braucht die Menschen (dt. von Hermen von Kleeborn).

Papstmesse in St. Peter

Antonio Kardinal Cañizares Llovera wird also das Pontifikalamt im außerordentlichen römischen Ritus in St. Peter am 3. November feiern. Insgeheim hegten manche ja die Hoffnung, Benedikt XVI. würde zelebrieren. Das wäre natürlich wundervoll gewesen. Streng genommen kann aber der Heilige Vater nicht einfach ein gregorianisches Hochamt im Petersdom feiern wie ein Kardinal. Die Hohe Messe des Papstes in St. Peter hatte eine eigene liturgische Ausprägung, die wohl zu berücksichtigen wäre. Das fängt bei den liturgischen Gewändern an ...
Zwei Kleidungsstücke sind dem Papst vorbehalten, das Subcinctorium, ein mit einem Lamm und einem Kreuz besticktes Zierstück, das links am Cinculum befestigt wird, und der Fanone, ein rot und gold verziertes Schultergewand aus weißer Seide, das nach der Albe angelegt, mit seinem Kragen aber über der Kasel ausgebreitet wird.
Auf ihrem Weg zum Hochaltar hält die Prozession an. Dann erteilen die drei jüngsten Kardinalpriester dem Papst jeweils den Friedenskuss. Nach Stufengebet, Confiteor und Inzensation erhält der Papst von den drei diakonalen Kardinälen den Friedenskuß und begibt sich zur großen Kathedra in der Apsis. Epistel und Evangelium sind jeweils lateinisch und griechisch zu singen. Zum Offertorium wird über den Altar ...
...vom Subdiakon ein großes, mit Gold verziertes Tuch gebreitet, auf das erst später das Korporale gelegt wird. Ein besonders auffälliger Ritus ist die sogenannte Praegustatio (...). Der päpstliche Sacrista reinigt am Kredenztisch die Patene, den Kelch und die Kännchen, und der päpstliche Mundschenk gießt in einen anderen Kelch Wein und Wasser und kostet davon. Dann erst füllt er die Messekännchen, die er einem Akolythen gibt, damit sie zum Altar getragen werden. Der Kardinaldiakon legt am Altar drei Hostien auf die Patene und gibt zwei davon dem Sacrista, der, zum Papst gewendet, beide genießen muß. (...) Dann gießt der Diakon Wein und Wasser in den Meßkelch und reicht ihn ebenfalls dem Sacrista zum Genuß.
Der Papst verläßt nach der Händewaschung die Cathedra und feiert das Hochamt bis zum Friedensgruß wie jeder andere Bischof. Nun ...
... begibt sich der Papst (...) zur Kathedra zurück. Der Zeremonienmeister hat über die Patene (...) den zwölfstrahligen Asteriskus, einen sternförmig gestalteten Deckel, gelegt, und so nimmt sie der Diakon, hebt sie empor, zeigt sie dem Volk und übergibt sie dem Subdiakon, der sie kniend in Empfang nimmt, um sie zum päpstlichen Thron in der Apsis zu tragen. Dann nimmt der Diakon den Kelch, erhebt ihn und trägt ihn ebenfalls in die Apsis. (...) Stehend genießt der Papst die Hälfte der heiligen Hostie und trinkt mit Hilfe der Fistula (eines goldenen Röhrchens) aus dem Kelch. Dann teilt er den Rest der Hostie in zwei Teile und reicht den ersten dem stehenden Diakon, den zweiten dem knienden Subdiakon. Hierauf tauscht er mit beiden den Friedenskuß.
Es gibt noch einige weitere Eigenheiten. So tritt am Ende der Erzpriester von St. Peter mit zwei Domherren vor den Papst und überreicht ihm eine seidene Börse mit 25 Silberstücken: "die gewohnte Summe für die gut gesungene Messe".
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Johannes Pinsk / Carl Johann Perl: Das Hochamt. Sinn und Gestalt der Hohen Messe. Bonn o.J. (nach 1938). S. 186 ff.

Freitag, 12. Oktober 2012

Verpixelte Aussichten - sinnreiche Sätze

Einen mit "transparenter" Werbung verkleisterten Nahverkehr finde ich wenig prickelnd. Wer mag schon verpixelte Aussichten? Jüngst, während einer Fahrt durch den Schwarzwald, faltete ich im Geiste bereits den Protestbrief an ein Unternehmen, welches eine ganze Busflanke mit den Segnungen seines Produktes verpappt hatte. Nachdem ich mir tags darauf aber nicht mehr sicher war, wer da überhaupt wofür nochmal geworben hatte, beließ ich es dabei. Bitter vielleicht für das PR-Konzept, aber ich saß ja überwiegend im Bus und sah die Werbebotschaft in etwa so deutlich wie die Landschaft; und überdies verschicken in der Regel ohnehin nur Querulanten mit zuviel Freizeit solche Briefe.
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Heute stach mir diese Straßenbahn samt sinnreichem Satz einer Fitnesskette ins Auge. Zu Ende denken sollte man das vielleicht besser nicht ... 

Dienstag, 9. Oktober 2012

Schrift und Katechismus und Tradition und Trient am Schluß

Das Jahr des Glaubens ist noch nicht eröffnet, längst aber der Reigen der Kritik. Das Konzept sei oder scheine zu wenig auf die Heilige Schrift und zu stark auf den Katechismus ausgerichtet, wird etwa - auch innerhalb der Blogozese - moniert. Das erinnert fast ein wenig an das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Auseinandersetzung über das Verhältnis von Schrift und Tradition. Das "Wirken des Geistes auf dem Konzil" will zum Beispiel Karl Rahner SJ unter anderem in der Vermeidung von Texten erkannt haben, die ihm "selber theologisch unrichtig und ökumenisch schädlich erschienen wären, wie etwa eine Erklärung über das genauere Verhältnis von Schrift und Tradition, die der Tradition eine größere Bedeutung als der Schrift gegeben hätte" (Vom Wirken des Geistes auf dem Konzil. Beobachtungen eines Teilnehmers in: Wer wird das Antlitz der Erde erneuern? Spuren des Geistes in unserer Zeit. Freiburg 1983. S. 86). Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, daß die Heiligen Schriften - auch und gerade jene des Neuen Testaments - Wort Gottes sind, das uns durch Tradition überantwortet ist. Der protestantische Exeget Oscar Cullmann rechnete es den Katholiken geradezu hoch an, daß sie - im Gegensatz zu Theologen der Reformation - "niemals ganz vergessen haben, daß die Tradition dem Evangelium vorausgeht".
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Wir feiern in Kürze ein Jahr des Glaubens - kein "Jahr der Heiligen Schrift", kein "Jahr der Offenbarung", kein "Jahr der Bibel" oder dergleichen Anverwandtes, so fruchtbringend und nicht minder lohnend und heilsam solche Jahresfeiern gewiß wären. Ist es nun abseitig, wenn bei einem Jahr des Glaubens der Katechismus als Richtschnur in den Vordergrund gerückt wird? Zumal dieses Jahr nicht allein vom Jubiläum des letzten Konzils geprägt ist, sondern ebenso an die Promulgation des Katechismus der Katholischen Kirche vor 20 Jahren gemahnt? Die aus diesem Anlass damals veröffentlichte Apostolische Konstitution formuliert die Zielsetzung dieses Werkes klar und deutlich. Es bestehe 
in der Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird (Fidei depositum 4).
Der Katechismus der Katholischen Kirche ist bei alledem keineswegs eine lehramtlich "spröde" oder meinethalben "dürre" Zusammenfassung der Tradition in Glaubensformeln - er ist ein Buch, das - wie kaum ein anderer Katechismus - aus den Worten der Heiligen Schrift schöpft und gerade von der Heiligen Schrift her den Kosmos der katholischen Lehre dem Glauben erschließt. Der Katechismus der Katholischen Kirche zählt hierbei, dies nur am Rand bemerkt, der Tradition ebenso zu wie zum Beispiel der Neutestamentliche Kanon.
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Was ist ein Katechismus eigentlich? Ein Lehrbuch, fürwahr - aber nicht irgendein Lehrbuch, sondern eine Zusammenfassung der traditio in mehr oder minder komprimierter Form. Anzumerken, daß die Heilige Schrift im Rahmen der traditio einen hohen Stellenwert einnimmt und die traditio ohne das Wort Gottes ebensowenig denkbar ist wie das Wort Gottes ohne die traditio vorstellbar, hieße Eulen nach Athen tragen. Ohne hier unzulässig verallgemeinern zu wollen - aber wer mit dem Katechismus ein Problem hat, hat meiner Erfahrung gemäß auch eines mit der Lehre und der Überlieferung der Kirche. Nicht im Sinne der Zweifels und des Ringens um Glaubenssätze, was auch mir nicht fremd ist, sondern im Sinne einer Trotzhaltung. Aber wie gesagt: Das will ich jetzt nicht verallgemeinert wissen; es ist ein subjektiver Eindruck meinerseits.
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Ich hege überdies keine Befürchtungen, die Heilige Schrift - das in alle Unzulänglichkeit der Menschen hinein gesprochene Wort des lebendigen Gottes - könnte im Jahr des Glaubens auf den Katzenplatz verwiesen werden. Gerade mit Benedikt XVI. dürfen wir einen Papst erleben, dessen Spiritualität tief im Wort Gottes verankert ist; wer offenen Herzens die Katechesen oder etwa auch die Jesus-Bücher des Heiligen Vaters liest, wird dies kaum bestreiten wollen.
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Es sei zuletzt auf das Konzilsjubiläum vorgegriffen. Lassen wir "das Konzil" sprechen! Was wiegt schwerer - Schrift oder Tradition? Oder: Ist das eine geringer zu veranschlagen als das andere? 
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Das "Wirken des Geistes" - um auf Rahners Diktum zurückzukommen - bekräftigte in der Dogmatischen Konstitution Dei Verbum (2, 8-9), daß die traditio "von den Aposteln stammt" und sich "in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes weiter" entwickelt, nicht zuletzt "aufgrund der Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt die sicherer Gnadengabe der Wahrheit empfangen haben". Dann heißt es:
Die Aussagen der heiligen Väter bezeugen die lebenspendende Gegenwart dieser Überlieferung, deren Reichtümer sich in Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießen. Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt, in ihr werden die Heiligen Schriften selbst tiefer verstanden und unaufhörlich wirksam gemacht (...).
Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. 
Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde. Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich, daß die Kirche ihre Gewißheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. 
Nach diesen drei Passagen aus dem Konzilstext mag es interessant sein, die oben zitierte Passage aus Fidei depositum zur Rückbindung des Katechismus der Katholischen Kirche an die Heilige Schrift, an die apostolische Überlieferung und an das Lehramt der Kirche nochmals zu lesen und hernach die Stellung und den Wert dieses Buches zu ermessen, welches es im Rahmen der Verkündigung - der Weitergabe, der traditio des Glaubens - hat. Oder haben könnte. Zurück aber zu Dei Verbum.
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Im Anschluß an das Konzil von Trient (Dekret über die Annahme der heiligen Bücher und der Überlieferung aus der 4. Sitzung, 8. April 1546) bekräftigen die Konzilsväter am 18. November 1965 zum Thema Schrift und Tradition - und das könnte man angesichts der aktuellen Diskussion auch auf das Verhältnis Schrift und Katechismus cum grano salis aggiornamentieren:
Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden (Dei Verbum 2, 9).

Montag, 8. Oktober 2012

Soirée: Geschlechterverhältnisse

Obwohl jeder der Männer die Ereignisse in der Version seiner Frau erfuhr, waren sie sich doch einig darüber, daß die Dummheit und Streitsucht der Weiber an allem schuld sei. Viele ließen diese Ansicht zwar daheim nicht verlauten - teils aus Augst vor ihren Frauen, teils, weil sie die Gegenwart anderer Männer brauchten, um sich über die eigenen Ansichten klar zu werden -, alle aber waren, wie gesagt, im Grunde einer Meinung: es ist ein Jammer mit diesen Weibern!
Henri Queffélec: Gott braucht die Menschen (dt. von Hermen von Kleeborn).

Sonntag, 7. Oktober 2012

Der Stab in unserer Hand - zum Rosenkranzfest

Maria als Himmelskönigin mit dem
hl. Dominikus und dem hl. Papst Pius V. -
Rosenkranz-Altarblatt in der Pfarrkirche
St. Gallus in Lenzkirch-Kappel
Moses erwiderte und sprach: Wenn sie mir aber nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern sprechen: "Der Herr ist dir nicht erschienen!"? Da sprach der Herr zu ihm: Was hast du da in deiner Hand? Er sprach: Einen Stab. Da sprach Er: Wirf ihn zur Erde! Er warf ihn zur Erde. Da ward er eine Schlange, also daß Moses vor ihr floh. Da sprach der Herr zu Moses: Reck deine Hand! Greif sie am Schwanz! Er reckte seine Hand und packte sie. Da ward sie in seiner Hand zum Stab. Dies sei, damit sie glauben, daß er Herr, der Schutzgott ihrer Väter, dir erschien, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.  Und diesen Stab nimm in deine Hand, mit ihm die Zeichen zu tun! (Ex 2, 1-5; 17).
Die Sendung, die ihm die Stimme aus dem brennenden Dornbusch aufträgt, ist eine große und Moses sich mehr als nur unsicher, ob er sie zu erfüllen vermag. In diesem Kontext steht das obige Schriftwort. Wenn sich heute der Rosenkranz durch unsere Hand schlängelt, wenn wir - entlang der einzelnen Geheimnisse - das Leben des Herrn betrachten oder zumindest die fünfzig Ave Maria - allem ablenkendem Wechselspiel unserer Gedanken zum Trotz - ordentlich aufzusagen versuchen, so wird dieses Gebet zum Stab in unserer Hand: Stütze bei der Sendung unseres Lebens und Waffe gegen allerhand Anfechtungen.

Samstag, 6. Oktober 2012

Unterwegs ... durch Laufenburg

Der Weg nach Zürich, dies hat sich so gefügt, führt mich in der Regel über Laufenburg am Hochrhein. So wieder am Freitagabend ...
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... und am Samstagmorgen im Rahmen der Rückfahrt, in deren Abschluss ich die Schritte gen St. Blasien wendete. Demnächst werden hierzu noch einige Bilder folgen ...

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Anderswo aufgeschnappt: Das Konzil, was es ...

wollte und was andere wollen, daß es gewollt haben sollte oder wollen täte - hier eine nette Einstimmung auf die V2-Jubelfete von Alexander Kissler.

"Das Schiff Esperanza" ...

... lautet der Titel eines Hörspiels, welches in meinen jüngeren Jahren gerne an Schulen gelesen wurden. Im Mittelpunkt steht eine Vater-Sohn-Geschichte und ein verrotteter Frachter, der für unzählige illegale Auswanderung zur Todesfalle wird: Statt sie nach Amerika zu bringen, läßt sie der Kapitän auf hoher See aussetzen. Dort ertrinken sie. 
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An Das Schiff Esperanza mußte ich denken, als ich hier las, marokkanische Behörden versuchen aktuell, ein holländisches Abtreibunsgschiff von der Küste fernzuhalten. Hinter dieser schwimmenden Abtreibungsklinik, die in internationalen Gewässern mörderisches Handwerk anbietet, steckt der Verein Women on Waves.
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Women on Waves klingt so hoffnungsvoll wie Das Schiff Esperanza, aber in Wirklichkeit schwimmt auf den Wellen der Tod, schwimmen die Leichen der Kleinsten der Kinder, denen das nicht erlaubt wird, was für ihre Mörder selbstverständlich ist: zu leben.
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Ein perverses Angebot, ganz auf der Linie jenes pervertierten Geistes, der das Abendland im Würgegriff hält.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Soirée: Maritimes

Nun glitt das Boot in den Meerstrom von Sein. Die See ging bald hohl und bald hoch, die Wellen tanzten und sprangen und warfen sich gegen Sandbank und Riff. War die Strömung heilig oder verflucht? Auf weite Sicht hin zürnte das Meer, kochte und scholkte, hob sich, entzog sich, im monotonen Rhythmus der Trunkenheit. Was ging hier vor? Weshalb diese Wut? Weshalb dieser traurige Tanz? 
In der Ferne, dem Horizont dicht angeschmiegt, begann die Insel, nicht ob dem Meere zu ragen, nicht aus dem Meere zu steigen, nur sich erraten zu lassen. Wie ein Kind des Kontinents, wie ein Festlandjunges schwamm sie näher. Aus den Wassern errettet. Und nicht, wie der Pfarrer von Audierne behauptete, ein düsterer Ort! Wer spottete über den Glauben der Insel? Schlechte Christen, sie, die Gott jeden Tag bewahrt?
In weitem Bogen spie Thomas seinen Kautabak ins Wasser. Das Boot schlingerte dauernd in einer hohlen See, hie und da aber stampfte es auch, vornüberfallend wie ein knieweicher Greis, sich aufbäumend wie ein scheues Tier - höher - noch höher -, blieb einen Augenblick in der Schwebe - gab dann den schweren Meeresketten nach, die es niederzogen ins nächste Wellental.
Henri Queffélec: Gott braucht die Menschen (dt. von Hermen von Kleeborn).

Läßt sich eine "göttliche Liturgie" reformieren?

Natürlich kann man eine "göttliche Liturgie" reformieren. Fragt sich nur ... warum und wozu? Von der Lust an liturgischen Veränderungen schienen mir die (getrennten) orthodoxen Kirchen jedenfalls bislang weitestgehend verschont - und dies, obgleich deren gottesdienstliche Feier weit hermetischer deucht als ein gregorianisches Hochamt. 
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Wie ich aber hier lesen muß, hat der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim Joanta bereits 2010 in einem Vortrag zum Thema Orthodoxie und Moderne auch der liturgischen Erneuerung das Wort geredet. Nebst einer Vereinheitlichung des orthodoxen Kalenders und einem öfteren Empfang der heiligen Kommunion wird auch der Einführung der Muttersprache in die Liturgie und dem lauten Vortrag des Hochgebets das Wort geredet. Zudem soll der Vollzug der Liturgie katechetisch besser und regelmäßiger erläutert werden.
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Wie mag der Abendländer sowas nennen? Déjà-vu? Vor potentiellen Folgen einiger Ideen kann ich jedenfalls nur warnen, auch wenn mir aktuell der orthodoxe Klerus geistlich genug gerüstet scheint, um nicht die Ikonostasen einzureißen oder einen fragwürdigen Abklatsch der Göttlichen Liturgie des hl. Johannes Chrysostomos zu feiern und sich dazu rote Pappnasen aufzubinden.
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Ordentliche Katechesen zum Vollzug der Liturgie sind hingegen allemal zu begrüßen - zumal man sich dann das Herumändern an der Liturgie sparen kann.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Dialog ohne Rom am verlängerten Eintopfsonntag

"Das ist es, was uns trennt: Sie sind römisch-katholisch. Ich nicht, ich bin nur katholisch" ... Wüßte ich nicht, wann und wo dieser Satz gefallen ist und wer denselben wem geflüstert, ich würde Stein und Bein schwören, ein Altkatholik stecke dahinter. Ich komme in Freiburg oder Basel oft genug an den Schaukästen der alt- beziehungsweise christkatholischen Kirche und an der hier wie dort zentral ausgestellten Propaganda vorbei: "Katholisch ohne Rom!"
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Katholisch ohne Rom? Eine dreiste Irreführung in meinen Augen, aber das nur am Rand. "Christlich indifferent mit katholischer Dekoration" wäre weit angemessener und - im Vergleich zur privativen "Romlosigkeit" - eine positive Aussage obendrein. Allzu laut mag ich das aber nicht beschreien, denn um so manche nominell "römisch-katholische" Institution steht es heut und hierzulande keinen Deut besser; an den damit verbundenen Skandal haben wir uns bereits gewöhnt: Der Fels, auf den Christus seine Kirche gebaut hat, er hat bei vielen ausgedient und wurde durch Luftkissen oder Lotterbetten ersetzt.
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Gelegentlich wird der Skandal aber so handfest, daß man ihn kaum ignorieren kann. Der eingangs erwähnten Satz ist diesmal keineswegs altkatholischer Spießigkeit Frucht, sondern Bekenntnis eines Mitglieds aus dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK). Gefallen ist er im Rahmen der jüngsten Dialoggrütze in Hannover, gerichtet war er an Bernhard Mihm, welcher als Vertreter des Forums Deutscher Katholiken an diesem verlängerten Eintopfsonntag teilnahm: "Sie sind römisch-katholisch. Ich nicht, ich bin nur katholisch", alles hier nachzulesen.
Wenn dieses ZDK-Mitglied schon selbst auf den Trichter kommt, daß diese feine Unterscheidung "trennt", dann stellt sich die Frage, was dieser Zeitgenosse en detail im ZDK und en gros mit der römisch-katholischen Kirche zu dialogisülzen oder - tickt der Rest denn so anders? - dieses ZDK mit der römisch-katholischen Kirche überhaupt zu schaffen hat ... und warum sich solche Zeitgenossen nicht endlich zu den Altkatholiken verkrümeln, mithin dorthin, wo man nach Herzenslust "katholisch ohne Rom"oder meinethalben auch "nur katholisch" sein zu können glaubt? Und komme mir jetzt bitte niemand mit irgendwelchen Wurzeln oder konfessioneller Heimatverbundenheit - bei liebestollen Priestern, die ihren Schniedel nicht mehr in ihr Zölibatsversprechen, sondern in diverse Feuchtgebiete integrieren wollen und darob den Gefechtsstand wechseln, spielt das im Ernstfall auch keine große Rolle.
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Bemerkenswert nahm sich auch der bischöfliche Zuspruch aus, der Mihm zuteil ward. In einer Arbeitsgruppe, welcher der Forums-Vertreter zugelost wurde, habe ein Bischof ihm gesagt, man höre von seiner Seite "immer nur Bedenken". Rücken wir die Sache einmal gerade: Da läuft eine Generaloffensive - weit mehr als nur ein hochkomprimiertes Kondensat an zeitgeistig unterfütterten "Bedenken" - gegen Lehre und Disziplin der Kirche Gottes vom Stapel. Wer dagegen zu opponieren wagt, der wird als "Bedenken"-Träger abgemeiert. Abgemeiert? Das mag übertrieben klingen, aber diese gewissen Kreisen sehr eigentümliche Fröhlich-in-den-Abgrund-Mentalität ist mir ebenso hinlänglich geläufig wie es die hintervotzigen Argumentationstricks und die plumpen Betroffenheitsschlingen sind, derer man sich dabei gerne bedient. Vielleicht unterstelle ich hier zu Unrecht dem besagten Bischof nicht ganz lautere Absichten - aber täte ich es nicht, ich müßte ihn eine apostolische Dumpfbacke heißen, und dies wäre ebenfalls nicht übermäßig schmeichelhaft.
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Ein anderer Bischof bescheinigte Mihm immerhin, er sei "mutig" gewesen, sich zu äußern, da doch "alle gegen" ihn gewesen seien. Ich hoffe, dieser Wächter (episcopus) vor dem Herrn fand Mihms Auftreten nicht nur deswegen "mutig", weil hier eine Eigenschaft zu Tage trat, die ihm selbst fremd sein könnte.