Dienstag, 28. August 2012

Der Zauberschlüssel - zum Gedächtnis an Peter Wust

Und wenn Sie mich nun noch fragen sollten, bevor ich gehe und endgültig gehe, ob ich nicht einen Zauberschlüssel kenne, der einem das letzte Tor zur Weisheit des Lebens erschließen könne, dann würde ich Ihnen antworten: "Jawohl". - Und zwar ist dieser Zauberschlüssel nicht die Reflexion, wie Sie es von einem Philosophen vielleicht erwarten möchten, sondern das Gebet.
Das Gebet, als letzte Hingabe gefaßt, macht still, macht kindlich, macht objektiv. Ein Mensch wächst für mich in dem Maße immer tiefer hinein in den Raum der Humanität - nicht des Humanismus -, wie er zu beten imstande ist, wofern nur das rechte Beten gemeint ist. Gebet kennzeichnet alle letzte "Humilitas" des Geistes. Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt. Beten lernen aber kann man am besten im Leiden ... Lesen Sie nach, was Seuse im Büchlein von der "göttlichen Weisheit" (1. Teil, 13. Kap.) über den Adel des zeitlichen Lebens sagt und seinen Zusammenhang mit dem Gebet.
 Am 18. Dezember 1939 verfasste der katholische Existenzphilosoph Peter Wust, von Oberkieferkrebs unheilbar und zum Tode gezeichnet, ein "Abschiedswort" an seine Schüler, aus dessen letzten Seiten obige Passage entnommen ist. Wust starb am 3. April 1940 in Münster; heute vor 128 Jahren wurde er in die Zeit geboren.

Fest des hl. Augustinus

St. Augustinus
Pfarrkirche St. Cosmas und Damian
Jechtingen am Kaiserstuhl
Denn ein größeres Wunder ist die Leitung des ganzen Welt als die Sättigung von fünftausend Menschen mit fünf Broten, und doch staunt darüber niemand; dagegen staunen die Menschen über das letztere, nicht weil es größer ist, sondern weil es selten ist. 
Denn wer anders ernährt auch jetzt die ganze Welt als er, der aus wenigen Samenkörnern die Saaten hervorbringt? Er wirkt also wie Gott. Denn womit er aus wenigen Samenkörnern die Saaten vervielfältigt, damit hat er in seinen Händen die fünf Brote vervielfältigt.
Die Macht nämlich war in den Händen Christi, jene fünf Brote aber waren gleichsam Samenkörner, die zwar nicht der Erde übergeben, aber von dem, der die Erde gemacht hat, vermehrt wurden.
So sollen wir den unsichtbaren Gott durch die sichtbaren Werke bewundern und, zum Glauben erhoben und durch den Glauben gereinigt, auch auf unsichtbare Weise ihn zu sehen verlangen, den wir aus den sichtbaren Dingen als unsichtbar erkennen sollen.
 St. Augustinus: Vorträge über das Johannesevangelium 24, 1

Noch eine kleine Empfahlung: Eine kleine, aber wohlgestalte Blütenlese einiger Zitate dieses großen Bischofs bietet hier Bellfrell dar.

Montag, 27. August 2012

Putinkritisch mit drei Jahren

Das Abendesssen habe ich heute in der Pizza Box zu mir genommen; während ich auf meine Lasagne wartete (gebracht wurde mir eine Pizza "Vier Jahreszeiten"), blätterte ich in der herumliegenden Printausgabe des Stern, es war, glaube ich, die Nummer 34. Natürlich gings auch um Pussy Riot und eine weitere Verklärung und Ikonisierung der Krawallvotzen, jedoch scheint der Artikel nicht online zu stehen.
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Unter anderem schlug Nadeschda Tolokonnikowa, einer selbstverständlich heldenhaften jungen Mutter, die unverhohle Sympathie der Journaille entgegen, zumindest solange, bis meine zur Pizza mutierte Lasagne herbei getragen wurde - wonach ich auf weitere Lektüre des Textes aus Gründen verzichtete, die ich hier nicht näher erläutern möchte, die aber etwas damit zutun haben, daß ich den anderen Gästen und mir selbst peinlichen Unbill ersparen wollte.
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Die Rede war dann auch von der kleinen Hera, jener Tochter, mit der Tolokonnikowa 2008 im achten Monat schwanger ging, als sie sich im Moskauer Biologischen Museum aus Protest gruppenlustig durchrödeln ließ. Bereits als Baby war Hera, so der Stern, bei den weiteren Protestaktionen von Pussy Riot auf dem Arm der Mutter häufig mit dabei. Mit drei Jahren, Mama wird stolz gewesen sein, brabbelte Hera die ersten Putin-kritischen Sätze.
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Höre ich da, upps, irgendwo den sonst üblichen Aufschrei gegen frühzeitige Indoktrination von Kindern?

Sonntag, 26. August 2012

Herz-Jesu-Tomate

... ich weiß, einige werden diese Assoziation womöglich mittelschwer haarsträubend finden und mich schelten wollen. Als ich aber jene Tomate, die mir heute ein Gläubiger nach der Heiligen Messe in die Hand drückte ... und ich weise vorsichtshalber darauf hin, daß ich nicht ob meines Orgelspiels damit beworfen wurde! ... weiter im Text: als ich diese wunderschöne Gottesgabe etwas näher betrachtete, kam mir das so in den Sinn. Da schau an, eine ... Herz-Jesu-Tomate!
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Ein gutes Pfund bringt das Früchtchen auf die von Oma ererbte Vorkriegs-Küchenwaage (funktioniert noch immer). Man achte überdies auf die Proportionen. Und da ich bereits von den Tomaten verkosten durfte, die der gute Spender in seinem Garten anbaut, weiß ich, was an Köstlichkeit auf mich zukommt: Omne delectamentum in se habentem
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Fast möchte man sagen, das Wort vom "Paradeiser" trifft hier wie die Faust aufs Auge. Jedoch mußte ich gerade feststellen, daß "Paradeiser" nichts mit "Paradies" zu tun hat, sondern sich vom griechischen para to teichos - "entlang der Mauer" herleitet; mithin wäre  eine Tomate bestenfalls eine Variation von Mauerblümchen. Aber wen schert das? Mit ihrem delectamentum möge sie mich auf die paradisi gloria verweisen, und dann paßt auch der Gedanke mit der Herz-Jesu-Tomate und so schließe sich also der Kreis der Assoziationen, Amen.

Unterwegs ...

... in Saig, einem Dorf nächst Lenzkirch im Schwarzwald, war ich am vergangenen Donnerstagnachmittag. Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer war leider wegen Renovation geschlossen, weswegen ich mit der Kamera ein wenig auf Äußerlichkeiten ausweichen mußte ...
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Samstag, 25. August 2012

Die Ikonen des Ostens und die Ikonen des Westens

Bereits vor einigen Tagen hatte Johannes hier auf Thermometer auf den Symbolgehalt des Ortes hingewiesen, denn sich die anarchogeilen kommunistischen Krawallfotzen von Pussy Riot für ihr sogenanntes "Punkgebet"ausgesucht hatten: Die unter Stalin 1931 gesprengte und ab 1995 wieder aufgebaute Christ-Erlöser-Kathedrale (Internetpräsenz)  in Moskau, eines der wichtigsten Gotteshäuser der russisch-orthodoxen Kirche. Ich denke, daß nebst der Absicht, die diesen Affentanz ausgerechnet an einem Ort geschehen ließ, welcher einst stalinistischer Hybris zum Opfer fiel, noch ein anderes Moment bedacht werden sollte, um die elende Geschmacklosigkeit dieser Aktion abschätzen zu können.
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Das Anklage und Verurteilung begründende Wort "Rowdytum" klingt in unseren Ohren ein wenig verschmockt. Vielleicht eher würde man die Verletzung dieses geheiligten Ortes als geistigen Vandalismus bezeichnen. Denn wie man nicht nur mit Waffen Gewalt üben kann, sondern auch mit Worten, so kann man nicht nur handfest, sozusagen materiell, einen Ort verwüsten, sondern zeitweilig auch mit obszönem Gebrüll und Mummenschanz - nicht zuletzt im Altarbezirk, unter den Augen der Ikonen.
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Zufällig ist mir dieser Tage ein kleines Buch in die Hände gefallen, Christa Schaffers Gott der Herr - er ist uns erschienen. Der Liturgiker Klaus Gamber steuerte darin ein Vorwort bei, welches dem westlichen Leser auch den Sinngehalt der orthodoxen Ikone nahe zu bringen sucht. Dies mag helfen, noch besser zu verstehen, was mit "Rowdytum" gemeint sein könnte - gewiß mehr als nur ein unbotmäßiger Akt, eine penetrante Ruhestörung oder die Erregung irgendeines "öffentlichen Ärgernisses". Gamber schreibt:
Die Orthodoxie sieht in der Ikone ein "erfülltes" Bild, durch das das Himmlische für den Menschen sichtbar, ja gleichsam gegenwärtig wird. (...) "Bild meint hier", wie J. Tyciak ... sagt, "also mehr als nur deutender Hinweis. Bild heißt gefüllte Gegenwart einer verborgenen Macht. Eine mystische Kommunikation verbindet die Ikonen mit der jenseitigen Welt. (...) Nur der erleuchtete, geheiligte, demütige Mensch schaut das göttliche Geheimnis. Im Bilde schaut ihn das Antlitz des Ewig-Verborgenen an. Wer immer seine gläubigen Blicke auf die Ikone richtet, der wird selber vom geheimnisvollen Dämmerschein des Göttlichen umweht, der wird zutiefst ein Bild, eine Ikone Gottes".
Etwas weiter unten wird mit Alexej Hacken einer, so Gamber, "der besten Kenner der Ikonen-Theologie" ange:führt
"Die Ikone ist somit niemals nur religiöse Darstellung, sondern immer ein vom geheimnisvollen Sein erfülltes Bild" (ebd.).
Diese "Ausstrahlung" der Ikonen schlägt auch in unseren Breiten Gläubige in ihren Bann, womöglich ja eine Spielart der "Faszination", die sich aus dem mysterium tremendum et fascinosum, aus der Erfahrung des Heiligen herleitet?
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Gamber, der dem gängigen abendländischen Heiligenbild einen nur pädagogischen oder dekorativen, keinesfalls aber den Charakter eines Kultbildes zuspricht, vergleicht die Bedeutung der Ikone in der Orthodoxie letztlich mit der Verehrung der heiligen Eucharistie in der katholischen Kirche:
Statt der Ikonen wurden im Abendland ab der Romanik das Kreuz, die plastische Darstellung des Gekreuzigten, sowie die Reliquien der Heiligen verehrt. Da es aber von Christus selbst keine Reliquien gibt, er aber unter der Gestalt des eucharistischen Brotes gegenwärtig ist, kam es wegen des Fehlens der Bilderverehrung bei uns mehr und mehr zu einer Verehrung der Eucharistie auch außerhalb der Messe (...), was die orthodoxe Kirche nicht kennt. Während hier der Christ den erhöhten Herrn im Bild verehrt, tut dies der abendländische Gläubige in der Verehrung der Eucharistie, die es aus eben diesem Grund, wie ein Bild, anschauen möchte. So kam es in der Messe zur Elevation (Erhebung) der heiligen Gestalten nach der Konsekration. Die Orthodoxie will dagegen das Mysterium bewahren und verhüllt daher stets die eucharistischen Gaben (S. 10). 
Vielleicht ist durch diesen Vergleich noch ein wenig mehr deutlich geworden, wie zutiefst skandalös der Pussy-Auftritt auf Menschen wirken muß, die in der reichen geistlichen Tradition der Orthodoxie stehen. Selbst wer nicht viel auf Religion hält, aber sich einen Rest an Respekt davor bewahrt hat, was andere Menschen in den Tiefen der Seele berührt, wird womöglich diese Einschätzung teilen.
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Aber die Medien und Meinungen des Westens haben sich längst andere Ikonen erkoren: Drei kreischende Frauen, die künstlerisch das zelebrieren, was sie politisch - mit vielerlei wohltönenden Begriffen verbrämt - heraufführend wollen: Das Diktat des Chaos, die Herrschaft des Häßlichen. Eine andere Welt, so lassen uns die Linken gerne wissen, sei möglich - muß man noch fragen, wie diese aussehen wird, sintemal der Blick auf Pussy Riot gerichtet wird?
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Christa Schaffer: Gott der Herr - Er ist uns erschienen. Das Weihnachtsbild der frühen Kirche und seine Ausgestaltung in Ost und West. Regensburg 1982.

Freitag, 24. August 2012

Mittwoch, 22. August 2012

Nationalhymne, alle drei Strophen ...

Land des Glaubens, deutsches Land,
Land der Väter und der Erben,
Uns im Leben und im Sterben
Haus und Herberg', Trost und Pfand,
Sei den Toten zum Gedächtnis,
Den Lebend'gen zum Vermächtnis,
Freudig vor der Welt bekannt,
Land des Glaubens, deutsches Land!
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Land der Hoffnung, Heimatland,
Ob die Wetter, ob die Wogen
Über dich hinweggezogen,
Ob die Feuer dich verbrannt,
Du hast Hände, die da bauen,
Du hast Herzen, die vertrauen,
Lieb' und Treue halten stand,
Land der Hoffnung, Heimatland!
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Land der Liebe, Vaterland,
Heil'ger Grund, auf den sich gründet,
Was in Lieb' und Leid verbündet
Herz mit Herzen, Hand mit Hand.
Frei, wie wir dir angehören
Und uns dir zu eigen schwören,
Schling' um uns dein Friedensband,
Land der Liebe, Vaterland!

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Zum 50. Todestag des Dichters Rudolf Alexander Schröder. Nicht viel hätte gefehlt, und dieser Text wäre in den Gründerjahren der Bundesrepublik zur Nationalhymne geworden. Hier ein - wenngleich unzureichender - Eindruck von der Melodie.

Dienstag, 21. August 2012

Ein Kirchenbau im Dritten Reich: Christkönig in Titisee II

Im Jahr 1922 veröffentlichte der Großstadtseelsorger und nachmalige Kölner Caritas-Direktor Johannes van Acken seine Schrift Christozentrische Kirchenkunst. Ein Entwurf zum liturgischen Gesamtkunstwerk - in Zusammenarbeit mit dem Architekten Dominikus Böhm, der bald darauf zum wichtigsten Kirchenbaumeister der Moderne avancierte. Im Zentrum der Überlegungen stand eine Kirche, die den Altar zum Volk hin rückt und auf den Altar bezogen ist, was durch eine Circumstantes-Architektur erreicht werden sollte (gegen die der Mysterientheologe Odo Casel OSB prompt polemisierte). Als Alternative trat das Modell der Wegkirche hinzu, die dem traditionellen Kirchenbau mehr entgegen kam. Ein typisches Beispiel für erstere Bauform ist St. Engelbert in Köln-Riehl (1930-32), als (dörfliche) Anverwandlung des zweiten Konzepts lässt sich zum Beispiel die Christkönigskirche von Titisee (1935-37) begreifen (*). Leider konnte ich nirgendwo ausfindig machen, wer bei dieser Kirche als Architekt verantwortlich zeichnete.
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Der Hochaltar mit Tabernakel und dezidiert christologischem Programm zieht unweigerlich den Blick auf sich. Das Kirchenschiff selbst ist als gestaffelte Halle mit zwei niedrigeren Seitenzonen organisiert. In der nahen und beinahe zeitgleich entstandenen Pfarrkirche von Lenzkirch entfallen dann auch die Holzträger, welche in Titisee die sich von der Rück- bis zur Chorwand ziehenden Längsträger stützen. Typisch ist auch die Hervorhebung des Presbyteriums als Lichthalle im Vergleich zur Lichtgebung des Kirchenschiffs. Nicht nur der Hochaltar mit seiner liturgisch vorgegebenen Stufenanlage, sondern der gesamte Chorbereich ist deutlich (und über das sonst Übliche hinaus) erhöht.
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Vielleicht unterstreicht gerade ein Rückblick durch das Kirchenschiff, wie vergleichsweise stark die Blickführung in die Gegenrichtung wirkt. Nicht einmal die Orgel (Dold, 1937) mit ihrem schlichten, aber sehr geschmackvollen Freipfeifenprospekt (leider scheint ein Neubau geplant) vermag auch nur annähernd den Blick derart auf sich zu ziehen, oder besser gesagt: zu zwingen, wie dies beim Hochaltar der Fall ist. 
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Interessant sind die in der höheren Mittelzone angebrachten Aposteldarstellungen: eher karge, entzehre und zerfurchte Gestalten, in denen man einerseits die Züge harter Landarbeit und damit durchaus Reminiszenzen an den bäuerlichen Lebensraum erblicken, welche aber andererseits auch als Absage an das germanische Herrenmenschideal verstanden werden könnten. Manche der Figuren scheinen dem einen oder anderen jener Kunstideale zumindest entfernt anverwandt, die das Dritte Reich als "entartet" verdammte. 
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Klar und keineswegs sublim unterläuft das an der Gotik orientierte Retabel des Hochaltars die politische Ideologie seiner Entstehungszeit. Der Gedanke des Königtums Christi wird nicht nur anhand des Neuen Testaments, sondern auch durch alttestamentarische Szenen illustriert. Gehört das Opfer Melchisedechs noch zu den klassischen Topoi christlicher Ikonographie an Altären, so stellt die Salbung Sauls zum König und der zur Harfe singende König David (unter dem Personal im Hintergrund ist deutlich eine Person mit einem - mittelalterlicher Bildtradition entnommenen - "Judenhut" zu sehen) die jüdische Verwurzelung des christlichen Glaubens und die Kontinuität des Königtums Christi zum Königtum des Alten Bundes besonders heraus. Zwei Prophetengestalten runden dieses Bildprogramm ab.
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(*) In wieweit der Typus der "Wegkirche" bei Böhm auch damit zusammenhängt, daß er in der Zeit des Dritten Reiches sich sowohl bei kirchlichen Instanzen (das Erzbistum Köln erteilte ihm nach dem Bau von St. Engelbert bis 1945 keine weiteren Aufträge) als auch bei den weltlichen Machthabern um sein Auskommen sorgen musste, mag offen bleiben. Hubertus Adam spricht in einem Artikel der NZZ von "basilikalen Kirchenburgen", die Böhm in den 1930er-Jahren gebaut habe und die mehr Broterwerb als Herzensangelegenheit gewesen sein könnten.

Montag, 20. August 2012

Linke Flaschen, tumbe Flaschen, Flaschengeister

Sonst schreien sie sich die Kehle heißer ("Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat") und regen sich lautstark über allerhand "Repressionen" auf, aber in Berlin stehen sie bei einer "Gegendemo" (bei der es einmal mehr vor allem darum ging, der anderen Seite das Recht auf Meinungsfreiheit zu beschneiden) lammfromm im Kreis, während in ihrer Mitte der "repressivste" Gebetsgestus, der sich überhaupt denken lässt, vollzogen wird: Die Proskynese, vollzogen von den Anhängern einer Religion, deren Eigenname "Unterwerfung" (besser bekannt als: Islam) bedeutet. Zu sehen hier.
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Derweil - Dank an Nepomuk für den Hinweis - hatte die Kirchengemeinde St. Mariä Geburt in Mülheim einen Gast, der wahrscheinlich ganz genau und vor allem aus eigener Erfahrung und Anschauung weiß,wovon er spricht: den emeritierten syrisch-katholischen Erzbischof Flavien Joseph Melki. Jedoch sagte der geistliche Herr in Sachen Unterwerfung Islam keineswegs, was die dialogbedröhnten Schranzen in Kirche, Politik und Medien hören wollen. Liest man hier die anschließende mediale Hirnwäsche zu diesem Besuch, hat man am Ende ein wenig den Eindruck, Exzellenz "wetterte" nicht nur, sondern sei in seinem fortgeschrittenen Alter eben nicht auf der Höhe der Zeit und obendrein halt etwas fundamentalistisch verbohrt, leider Gottes.
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Manchmal wünsche ich mir fast den Geist aus der Lampe mit den drei Wünschen. Wunsch eins: Das linke Gesindel samt unserer Euro-Islam-Agenten mögen eines Morgens in einer Scharia-Zone, meinetwegen irgendwo in Großbritannien, aufwachen und zum Bleiben genötigt werden. Wunsch zwei: Ali Baba und die vierzig Räuber oder Bin Laden und die zwanzig Taliban oder eine burkabezaubernde Bombenjungfer mögen die Truppe ordentlich aufmischen. Wunsch drei: Allah möge im Anschluß das Engagement der "Ungläubigen" meinetwegen trotzdem paradiesisch belohnen, bin ja kein Unmensch. 
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Insofern bin ich froh, daß es zumindest keine Flaschengeister gibt, die mich in Versuchung führen könnten. Aber das allein löst das Problem leider noch nicht ...

Fest des hl. Bernhard von Clairvaux

St. Bernhard von Clairvaux
Pfarrkirche Liebfrauen, Freiburg-Günterstal
Mag das Geschöpf auch weniger lieben, weil es kleiner ist, so fehlt ihm doch an der Fülle der Liebe nichts, wenn es mit seinem ganzen Wesen liebt.
St. Bernhard von Clairvaux

Sonntag, 19. August 2012

Ein Kirchenbau im Dritten Reich: Christkönig in Titisee I

Zwei, drei kurze Anmerkungen vorab: Anfang des Monats hatte Stanislaus im Rahmen seiner Kirchentouren unter anderem eine - cum grano salis -  "Nazikirche" auf seinem Blog (Zutritt für Berechtigte: hier) thematisiert ... gemeint war damit nicht mehr und nicht weniger als ein Kirchenbau aus der Zeit des Dritten Reiches. Einen christlich-sakralen Stil, den man sich zum Beispiel analog zu den architektonischen Plänen eines Albert Speer denken wollte, hat es natürlich nicht gegeben. 

Blick über den Titisee
Wohl aber hat sich ein kirchliches Stilempfinden entwickelt, in das sowohl theologische und liturgische, aber auch politisch-ideologische Momente hinein spielten. Spätestens die Einführung des Christ-Königs-Festes 1925 rückte die Gestalt Christi - hier in der objektivierbaren Funktion des Herrschers - neu in das Zentrum des Glaubens und überwand, nur ein Beispiel, den stark subjektiven Zug, der sich etwa der Verehrung des Herzens Jesu im 19. Jahrhundert bemächtigt hatte: An Stelle des "süßesten Herzens" trat das "Herz des Königs aller Welt".  Diese christologische Ausrichtung bestimmte die nächsten Jahrzehnte in verschiedenen Variationen, von der Wiedergewinnung des Gedankens von der Kirche als mystischer Leib Christi bis letztlich hin zum "kosmischen Christus" eines Teilhard de Chardin SJ - um nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil einem dogmatisch ziemlich anspruchslosen und sehr kuscheligen Gegenbild Platz zu machen: die Zeit einer säkularen Mensch-Jesus-Minne sozialorientierter Utopiegläubiger brach herein.
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Zurück zu den Altvorderen: Die "hohe" Christologie erhielt aus dem Widerstand gegen die nationalsozialistische Ideologie einen zusätzlichen Schub. Dem "tausendjährigen Reich" stellte man den Herrn der Geschichte gegenüber, der gottvergessenden Hybris der Führer den gottmenschlichen Christkönig, einer pervertierten Aufmarsch-Liturgie die sogenannte "Wegkirche" mit Christus im Fluchtpunkt - kurz: dem der Zeit erwachsenen Zerrbild das überzeitliche Urbild. Das bedeutet auch: Es gibt eine Verwandtschaft zwischen den Stilen, die in der Abhängigkeit des Einen vom Anderen bedingt ist, aber auch ein Wechselspiel beider evoziert hat. 
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Unter diese geistigen und geistlichen Prämissen kann man, denke ich, Bau und Gestalt der Christkönigskirche in Titisee gestellt sehen. Der Kirchenbau tat Not, seit der Tourismus den Mittelgebirgssee für sich entdeckt hatte und im Lauf des 20. Jahrhunderts aus einer unter dem Namen Viertäler zufälligen Ansammlung einzelner Schwarzwaldhöfe die Gemeinde Titisee entstanden war. 
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"Almosen geben armet nicht" - diese Worte stehen am Schluss eines Aufrufes des Pfarrkuraten Wendelin Gihr vom August 1935, in dem er seine Gemeinden zu Spenden für den Kirchenbau bat. Seit zehn Jahren wirkt Gihr in Titisee und nutzt dazu die Bärenhofkapelle als Notkirche, die bestenfalls 120 Personen fassen kann - zu wenig für Bewohner und Gäste des Ortes. Wenige Monate zuvor hatte der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber Titisee rückwirkend zum 1. Oktober 1934 zur Pfarrei erhoben. Am 26. Juli 1936 konnte der Grundstein gelegt werden; ein gutes Jahr später wurde das Gotteshaus benediziert.
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... demnächst: Das Innere der Kirche.

Hohe Messe de tempore

Basel, St. Antonius
De fructu operum tuorum, Domine, satiabitur terra: ut educas panem der terra, et vinum lætificet cor hominis: ut exhilaret faciem in oleo, et panis cor hominis confirmet.
Von der Frucht Deiner Werke, Herr, wird satt die Erde. Du lässest Brot der Erde entsprießen, und des Menschen Herz erfreut der Wein; das Öl gibt seinem Antlitz heiteres Leuchten, und Brot macht stark des Menschen Herz.
(Communio-Antiphon vom 12. Sonntag nach Pfingsten)

Samstag, 18. August 2012

ROBVSTAE MENTIS ESSE ... mit Glückwünschen

Ist ja der reinste Medaillenregen, der aktuell die Blogozese überschwemmt - Olympia fand ich da weit weniger spannend. Manche Vergabe verwundert mich zwar etwas, in einem Fall kann ich nur mit dem Kopf schütteln (aber so kommt das halt, wenn man sich auf Demokratie einläßt), die meisten Ergebnisse (alles hier) hingegen kann ich voll und ganz teilen und freue mich allemal und aller Bedenken zum Trotz ausnahmslos für alle, die eine Robusta in Gold, Silber oder Bronze gewonnen haben! Allen voran - hochverdient - Josef Bordat von Jobo72's Weblog.
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Besonders freut mich aber, daß in der Kategorie Augenhonig Sacerdos Viennensis offenkundig nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen doch noch eine silberne Robusta abbekommen hat; stand es doch unter anderen auch bei mir auf der Nominierungsliste. 
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Wie könnte man nun dem Spiritus rector dieser Aktion danken? Vielleicht mit einem kleinen Zitat, welches Urban VIII. in den Sockel jenes putzig verrüsselten Elefanten einschlagen ließ, dem Bernini obendrein einen kleinen Obelisken aufgebrummt hat?
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QVISQVIS HIC VIDES
DOCVMENTVM INTELLIGE
ROBVSTAE MENTIS ESSE
SOLIDAM SAPIENTIAM SVSTINERE
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... was Reinhard Raffalt so übersetzt: "Der du dies zu sehen bekommst, erkenne darin den Beweis, daß man schon einen kräftigen Geist haben muß, um die Last der Weisheit zu ertragen". Die resolute Schwester und deren Schöpfer scheinen mir solch Geistes Kinder. Und jetzt schnappe ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank und geh auf euch einen heben. Pro sit!

So geht katholisch ...

... eine der Hinweistafeln für Kirchenbesucher, deutlich aber dennoch dezent postiert, in der Pfarrkirche St. Nikolaus zu Lenzkirch im Schwarzwald - schöne Idee, wie ich meine. Überhaupt hat mich die "zweite" nachkonziliare Umgestaltung dieser Kirche beeindruckt - mehr dazu samt Bildern vielleicht in den kommenden Tagen.

Militaria am Mittag ...

Manche Bilder haben ihren Reiz, auch wenn sie eigentlich "nix" geworden sind; folgenden Versuch, einen Brunnen ins Bild zu bannen, würde ich hinzu zählen ...
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Bei dem Herrn, welcher - das Gewehr zur Hand - in die Ferne späht, handelt es sich übrigens um den Fürstlich Fürstenbergischen Forstmann Kolumban Kayser (1753-1824). 
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Während eines schweren Gefechts auf der Kappeler Höhe bei Lenzkirch im Zweiten Koalitionskrieg führte Kayser am 4. April 1799 einen österreichischen Trupp heraus aus der Umklammerung durch die Franzosen unter General Moreau. Lenzkirch hat ihm dafür wenigstens einen Brunnen mit Blumen drumherum beschert ...
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Donnerstag, 16. August 2012

Fest des hl. Joachim

der hl. Joachim - ehem.
Abteikirche St. Marien / Gengenbach
Das Fest des hl. Joachim wurde einst von Papst Julius II., der den Grundstein zur heutigen Peterskirche legte, in den Kalender aufgenommen und auf den 20. März gesetzt, so daß es in engem Bezug zum Fest des hl. Joseph tags zuvor und dem bald folgenden Fest der Verkündigung stand
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Clemens XII. verschob es auf den Sonntag nach Mariä Himmelfahrt; von dort verlegte es der hl. Pius X. bei seiner Reform des Breviers auf den 16. August. 
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Womöglich spielte ein kleiner Halbsatz in einer Predigt des hl. Johannes von Damaskus (Oratio I de virginis nativitate) eine nicht unwesentliche Rolle, daß zumindest das Fest des Vaters der allerseligsten Jungfrau ganz nah an den hohen Tag der zur "Herrin der Engel" erhobenen Gottesmutter gerückt wurde ...?
An der Frucht eures Leibes werdet ihr erkannt. Ihr habt fomm und heilig hienieden gelebt, und einer Tochter, die erhabener als die Engel und jetzt Herrin der Engel ist, habt ihr das Leben gegeben.

¶ Sententiæ XI

Wahre dir in allen Dingen die Freiheit des Geistes. Schiele in nichts auf Menschenurteil, sondern halte deinen Geist innerlich so unabhängig, daß du stets auch das Gegenteil von dem tun könntest, was du gerade tust.
St. Ignatius von Loyola

Mittwoch, 15. August 2012

VIRGO TRANSSUPERANS - zum hohen Fest Unserer Lieben Frauen Himmelfahrt

Merdingen, Pfarrkirche St. Remigius
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Virgo transsuperans ... Angelicos choros,
Iam tandem superis ... inclita, civibus
Adspectanda venis, ... mirificum decus:
..... Salve, digna Dei Parens!
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Jungfrau, über dem Chor ... strahlend der Engel all,
Die du an Glanz besiegst, ... heute nun zeigend dich,
Wunderherrlich geschmückt, ... himmlischer Bürgerschaft:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Te circum radiis ... lucifluis suam
Sol stipans Dominam, ... lunaque mystica
Te noscit pedibus ... candida sub tuis:
..... Salve, digna Dei Parens! 
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Eine Krone von Gold ... windet der Sonne Hand
Ihrer Herrin ums Haupt; ... aber der bleiche Mond,
Unterm Fuße dir, schaut ... auf dich geheimnisvoll:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Fulges stelligero ... iam diademate
Et Regina poli ... sceptrigera manu
Designata potens, ... carmine nobilis:
..... Salve, digna Dei Parens!
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Sternenblinkender Reif ... macht dich erglänzen schon
Und als Herrin der Welt ... führest das Zepter du
Als ein Sinnbild der Macht, ... wie du im Liede lebst:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Tu cæleste iubar, ... quæ reparas diem
Solis iustitiæ, ... diva Puerpera,
Depressos releva, ... qui tibi pangimus:
..... Salve, digna Dei Parens!

Himmelsstrahl, der den Tag, .... wo der Gerechtigkeit
Sonne leuchtet, du hast, ... Göttliche, ihn gebracht,
Hilf uns, wenn wir zu dir ... rufen in unserm Leid:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Placatem Subolem ... fac, petimus, tuam,
Sublimi solio ... proxima cui sedes,
Prosit dulcisono ... gutture psallere:
.... Salve, digna Dei Parens!
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Höre unser Gebet, ... mach uns den Sohn geneigt,
Dem du sitzest zunächst ... auf dem erhabnen Thron,
Höre süßen Gesangs ... preisen dich unser Lied:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Duc nos, virgo potens, ... quo superi chori
Te spectant cupidis ... visibus arduam,
Ne fatum miseris ... hoc melos eximat:
.... Salve, digna Dei Parens!
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Führ uns gnädig dahin, ... mächtige Jungfrau du,
wo der Seligen Chor ... freudigen Blicks dich schaut,
Daß uns Armen der Tod ... enden nicht mach das Lied:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Uni quem triplicem ... nomine credimus,
Sit laus digna Deo, ... dehinc Mariæ suus,
Assumptæ sit honor, ... cui resonant chori:
.... Salve, digna Dei Parens!
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Du alleiniger Gott, ... dreifach von uns geglaubt,
Dir sei würdiges Lob, ... Ehre, Maria, dir,
Dir zum Himmel hinauf ... schwebend, du hörst den Sang:
..... Heil dir, Gottesgebärerin!
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Amen.
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Hymnus De Beata Virgine 
des Humanisten Adam Wernher von Themar (1462-1537).
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Richard Zoozmann (Hg.): Lobet den Herren. Altchristliche Kirchenlieder und geistliche Gedichte. München 1928. S. 466 ff.

Dienstag, 14. August 2012

Vigil - zur Einstimmung auf Unserer Lieben Frauen Himmelfahrt

Pfarrkirche St. Cosmas und Damian, 
Jechtingen am Kaiserstuhl
Die Gemein-schaft der Heiligen - das ewige Urbild zu dem vergänglichen Gleichnis menschlichen Gemein-schaftslebens - und die erbarmende Liebe in der Gestalt der Himmels-königin: sie vermögen nichts anderes, als die Ströme der Gnade weiterzuleiten, die am Stamme des Kreuzes entspringen, aus dem geöffneten Herzen des Erlösers, das unsere Sünden durchstachen.
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St. Teresia Benedicta a Cruce -
Welt und Person

Montag, 13. August 2012

Anderswo aufgeschnappt: Größenverhältnisse ...

Clemens Pickel, der Bischof vom Bistum St. Clemens in Saratow, hat in einem seiner Beiträge beiläufig erwähnt, wie man sich sein Bistum räumlich vorstellen kann:
Um zu verstehen, wie selten katholische Kirchen bei uns sind, müßte man sich ganz Deutschland mit insgesamt sieben Kirchen und Kapellen vorstellen! (Quelle)
Pickels Bistum ist nun aber - über den Daumen gepeilt - rund viermal so groß wie die Bundesrepublik.
Gott, du Hirt und Lenker aller Gläubigen, schaue gnädig herab auf Deinen Diener Clemens, den Du zum Hirten der Kirche von Saratow bestellt hast; laß ihn, wir bitten Dich, durch Wort und Beispiel seine Anbefohlenen fördern, auf daß er mit der ihm anvertrauten Herde zum ewigen Leben gelange - durch unseren Herrn Jesus Christus ...

Fest Unserer Lieben Frau, Zuflucht der Sünder

Wir wissen nicht, was uns im Leben noch bevorsteht. Wir wissen nicht, ob unser Glaube wirklich fest genug ist, damit er nicht eines Tages wanke. Wir wissen nicht, ob wir unter all den Verstörungen und Bedrängnissen, die das Leben mit sich bringen kann, unsere Hoffnung bis ans Ziel tragen. Wir wissen nicht, ob wir die Liebe zu Gott stets lebendig halten werden, stets lebendig halten können. Wir wissen nicht, wie es um unsere letzte Stunde bestellt sein wird. Sicher, jeder Mensch erhält von Gott die für das Erreichen des letzten Zieles notwendigen Gnaden. Aber werden wir im Glauben entsprechend mitwirken? Werden wir das uns anvertraute Pfund mehren? Wir wissen es nicht. Gott allein weiß darum.
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Wenn wir das Ave Maria beten, so schließen wir es mit den Worten: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes". Es mag gut sein, sich hin und wieder ins Gedächtnis zu rufen, was wir da eigentlich erbitten: Um die Fürsprache Mariens für den gegenwärtigen Augenblick ... und für einen Moment, der irgendwann einmal - aber unweigerlich - kommen und von dem wir heute nicht wissen, unter welchen äußeren Umständen und in welcher inneren Verfassung er uns ereilen wird. 
Wie wird sie werden, die "Stunde unseres Todes"?
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Ich finde es ungemein tröstlich, daß uns die Kirche so zu sprechen lehrt ... "bitte für uns Sünder, jetzt" und bitte für uns Sünder "in der Stunde unseres Todes". Ich glaube: Wenn wir heute und alle Tage, wann immer wir es können, ehrlich und aufrichtig darum bitten,  Maria möge uns in hora mortis nostrae, wie immer auch diese Stunde uns vorfinden mag, zur Seite stehen - dann werden wir vor jenem unbestimmten "morgen" keine Angst haben müssen.
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Maria, die Zuflucht der Sünder - sie wird für uns einstehen, uns an der Hand nehmen und zu ihrem Sohn führen, selbst wenn wir uns womöglich selbst aufgegeben haben und zu fallen drohen.

Samstag, 11. August 2012

Vergil

Den vorderen Seiten meiner Ausgabe der Werke Vergils hatte ich, die Worte bewegten mich einst und bewegen mich bis heute, einige Zeilen einer Sequenz eingeschrieben. Sie sind entnommen einem Meßformular zu Ehren des hl. Apostels Paulus aus einem mantovanischen Missale des 15. Jahrhunderts und schildern einen - historisch nicht verbürgten - Besuch des Apostels am Grabe des Dichters:
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Ad Maronis mausoleum
ductus fudit super eum
piæ rorem lacrimæ:
"Quem te", inquit, "reddidissem,
si te vivum invenissem,
poetarum maxime!"
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(Geführt an des Vergilius Grab, sprach er unter einem Strom frommer Tränen: "Wozu hätte ich dich machen können, hätte ich dich lebend angetroffen, du Größter der Dichter!")
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Vergil galt der abendländischen Christenheit über lange Zeit als eine anima naturaliter christiana und als heidnischer Herold des Erlösers - und mancher reaktionäre Katholik, wie ich einer sein mag, steht bis heute zu dieser Annahme.
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Gereon von Pulchra ut Luna hat das schöne Vergil-Büchlein von Theodor Haecker, welches ich ebenfalls bereits gestreift hatte, gelesen und empfiehlt es hier wärmstens weiter - ein wunderschöner Beitrag, nicht nur über das Buch selbst, sondern auch in Erinnerung an einen großen katholischen Denker!

Donnerstag, 9. August 2012

Einwurf ... zur Vigilfeier des hl. Laurentius

Der einzige Tag im Jahr, an dem ich womöglich geneigt sein könnte, mich über das "Diakonat der Frau" zu unterhalten, ist das morgige Fest jenes heiligen Diakons, welcher auf einem Rost gegrillt wurde ... 

Die hl. Teresia Benedicta a Cruce

St. Teresia Benedicta a Cruce
Fenster im  Chorumgang
des Freiburger Münsters























Das Kreuz ist nicht nur Zeichen -
es ist auch starke 
Waffe Christi, 
der Hirtenstab,
womit er machtvoll
das Himmelstor aufstößt.
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Dann umfangen 
Ströme des göttlichen Lichtes
alle, die im Gefolge
des Gekreuzigten sind.
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St. Teresia Benedicta a Cruce
Kreuzeswissenschaft

Tag der emsigen Spinne (mit Bildern!)

Um Sozialakzeptanz und Gleichberechtigung der Randgruppe "Spinnen" zu fördern, sei feierlichst verkündet: Der neunte Tag im August gelte künftig als der "Tag der emsigen Spinne". Denn die Spinne ist ein Tier, bei dem die Kompetenz-Cluster kräftigst knattern! Als echte Vernetzungsaktivistin kann sie mehr als Hund und Katz und anderweitig Schmusgetier erfolgreiche Strategien aufzeigen, um die Gesellschaft erst konsequent einzuspinnen und danach auszusaugen. Damit ist die Spinne geradezu prädestiniert, gesellschaftliche Transformationsprozesse (wie etwa gender mainstreaming) zu illustrieren, verstehbar zu machen und zu begleiten (Und außerdem gibt es in Deutschland sowieso schon jede Menge spinnerter Gedenktage und Betroffenheitstermine, da kommt es auf einen mehr oder weniger nicht mehr drauf an). 
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Mittwoch, 8. August 2012

Alles für die Katz

Irgendwo habe ich gelesen, heute sei "Weltkatzentag". Gibt sicher Schlimmeres und scheint mir vom Motiv her allemal dankbarer als der "Tag des deutschen Butterbrots" (am letzten Freitag im September) oder der "Tag der Allergien" (20. Februar). Schieben wir also, ehe der Zeiger die Mitternacht umstreicht, noch ein paar Kätzchen auf die Seite ...
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Vorwarnung: Den morgigen 9. August deklariere ich zum Tag der emsigen Spinne ...

Kalenderfragen - in eigener Sache

In geistlichen Fragen sorge ich eher ungern für Irritationen, aber hin und wieder passiert es doch. Gerade wurde in einem Kommentar zum letzten Beitrag der Vorschlag herangetragen, quasi den Kalender zu wechseln. Wer hier mitliest, hat wahrscheinlich bereits festgestellt, daß Sonntage auf Pro Spe Salutis nicht "im Jahreskreis", sondern "nach Pfingsten" gezählt werden, und daß sich hier Heiligenfeste ein Stelldichein geben, die seit dem Konzil an anderen Tagen (oder garnicht mehr) gefeiert werden - so wie das Fest des heiligen Pfarrers von Ars. Jetzt mag ich das aber nicht bei jedem Post immer eigens dazuschreiben ...
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Ich tue mich - zugegeben - schwer damit, hier auf den nachkonziliaren Kalender zu wechseln. Dahinter stecken keineswegs nostalgische - kaum auch ideologische - Gründe. Die Liturgie in ihrer außerordentlichen römischen Gestalt prägt nur meinen Alltag wesentlich mehr als der nachkonziliare Ritus - vor allem durch das Stundengebets, soweit ich daran teilnehme.
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Der tiefste Grund, warum ich dem Vorschlag kaum nachkommen kann, liegt letztlich hier: So eine Blogseite ist ja stets auch ein Spiegel dessen, von was man aktuell bewegt wird. Da zählen natürlich auch die Feste jener liturgischen Tradition dazu, welcher ich mich zugehörig zähle. Es geht also nicht einfach darum, hier den einen Kalender durch den anderen auszutauschen. Diese Seite will unter anderem von meinem Glauben erzählen und zeugen - und dieser läuft seit mehr Jahren in der "vorkonziliaren" Schiene, als er zuvor der nachkonziliaren Entwicklung entsprang. Nur bei neueren Heiligenfesten folge ich - allerdings nicht im liturgischen Vollzug - den Vorgaben des neuen Kalenders, mangels alternativer Lösung.
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Vielleicht sollte ich irgendwo auf der Seitenleiste einen Hinweis auf die "altrituelle" Ausrichtung dieser Seite anbringen? Ob das helfen würde, Irritationen zu vermeiden?
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Jedenfalls hoffe ich, daß der unbekannte Kommentator dennoch von Zeit zu Zeit hier gerne vorbeischaut, auch wenn ich die gewünschte Umstellung nicht vollziehen werde ...

Zum Fest des hl. Pfarrers von Ars




































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Die Wahrheit nur wird an die Herzen dringen,
Und wirken wird das Wort nur, das gelebt;
Wenn keine Stimme weisend sich erhebt,
Dann ist die Zeit, dann will ich es vollbringen.
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Ich fühl' der Liebe ewige Kreise schwingen
Und wie das Licht zum Lichte rastlos strebt
Noch eh' von morgen mich ein Hauch umschwebt,
Der Erde und des Lebens Fesseln springen.
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Und schon entrückt von gnadenvollem Leide,
Möcht' an der Schwelle ich von Liebe sagen,
Die allen dient und keine Schuld mehr wägt.
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Mit meines Schicksals fast verzehrtem Kleide
Bleibt eines Bettlers Gut, ein Herz zu tragen,
Dem sich die Wahrheit mächtig eingeprägt.
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Dieses Sonett ("Epilog") von Reinhold Schneider hat erst einmal nichts mit dem Heiligen des heutigen Tages zu tun; doch wenn wir einige dieser Worte quasi transparent werden lassen, so glaube ich dahinter auch die Gestalt des heiligen Pfarrers von Ars zu entdecken.
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¶ Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 57.

Dienstag, 7. August 2012

Katholische Gegenwartsliteratur?

Goethe-Denkmal (Detail)
Berlin, Tiergarten
Beim Schnüffeln in Wühlkisten ist mir dieser Tage der Roman Der Papst aus dem Ghetto von Gertrud von le Fort in die Hände gefallen, übrigens nebst Ernst Jüngers Afrikanische Spiele - Wühlkisten scheinen heute mitunter besser sortiert als so manche Buchhandlung.
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Aber bleiben wir bei Gertrud von le Fort - jetzt verfolgt mich der Gedanke, daß es einmal einen sehr respektablen und über den eigenen Stall hinaus angesehenen katholischen Literaturbetrieb gab, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts seinen Zenit freilich erreicht haben dürfte. 
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Nebst der bereits benannten Gertrud von le Fort darf man gewiß auch die Namen Reinhold Schneider oder Werner Bergengruen in Erinnerung rufen. Hinzu treten - ein Blick über Grenzen - einige Vertreter des Renouveau catholique wie Paul Claudel oder Georges Bernanos, dann aber auch in der anglo-amerikanischen Welt Graham Greene. 
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Das Ringen zwischen Gnade und (gefallener) Natur scheint mir zu den wichtigsten Motiven der entsprechenden Romane und Erzählungen zu gehören; vielleicht mit ein Grund, warum diese Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg die Menschen besonders zu berühren schien. Und vielleicht ein Grund, warum diese Autoren und deren Arbeiten im Verlauf der 1960er-Jahre zunehmend aus der Mode kamen. Die Welt setzte alsbald auf andere Themen und Thesen und Theorien. In der Kirche wiederum schienen das gaudium und die spes zunehmend angesagter als das Bild der zerrissenen und verjammerten Menschen vor seinem Schöpfer. Aber all das ist nur Mutmaßung meinerseits.
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Dennoch überlege ich nun zeitweilig, ob es heute noch namhafte Autoren gibt, von denen man sagen könnte, sie stünden - hierzulande oder anderswo - mehr oder minder deutlich in der Tradition dieses vergangenen literarischen Phänomens? Martin Mosebach womöglich? Ich selbst kenne von ihm, eingestanden sei's, nur Häresie der Formlosigkeit. Aber das ist kein Roman. Hat jemand Vorschläge?

Gengenbach [3] - Kanzel und Orgel

Zu den sicher reizvollsten Ausstattungsstücken der ehemaligen Gengenbacher Abteikirche zählt die neogotische Kanzel von 1900: Durch den Bildhauer Jacob Busch in Ton modelliert und gebrannt erregte sie die Bewunderung ihrer Zeit, zumal ein Duplikat auf der Pariser Weltausstellung gezeigt wurde und dort als "unstreitig eine der bedeutendsten keramischen Leistungen der Gegenwart in ganz Deutschland" gewertet wurde. Dieses Kopie wurde danach übrigens in der Freiburger Herz-Jesu-Kirche installiert. Nach Kriegsschäden dort wurde diese Kanzel demontiert - die Reste sind aber bis heute eingelagert. Bemerkenswert ist nicht zuletzt der Kanzelaufgang mit Szenen des Leidenswegs Jesu von der Ölbergsnacht hinauf nach Golgatha.
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Die Orgel (III/38)  ist ein weitestgehend erhaltenes spätromantisches Werk der Überlinger Firma F. W. Schwarz aus dem Jahr 1898; 1985 erfolgte eine Restauration samt Ergänzung einiger Register durch die Orgelbaufirma Fischer & Krämer aus Endingen, wobei die Kegelladen von pneumatischer auf elektrische Steuerung umgesetzt wurden. Weitere Informationen zu dieser Orgel sind hier als PDF hinterlegt.
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Abschließend noch ein Blick auf die Vierung samt Choranlage. Trotz späterer Zutaten ist die an der Hirsauer Bauschule orientierte romanische Grundordnung mit Hauptapsis und insgesamt vier Nebenchören bis heute erkennbar geblieben.
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Montag, 6. August 2012

Der feierliche Abschluß des Hochgebets - unsere Taborstunde

Verklärung Christi
Wandbild im Hauptschiff der ehem. Abteikirche St. Marien in Gengenbach
 
Wollte man in der Heiligen Messe einen Moment suchen, der den heilsgeschichtlichen Moment der Verklärung Christi ganz besonders verdichtet und in unsere Zeit vergegenwärtigt, so wäre dieser, denke ich, am Ende des Kanons zu finden. Der Priester hält - und es ist dies die ursprüngliche elevatio, lange bereits in Übung, ehe die heilige Gabe dem Volk beim Akt der Konsekration gezeigt wurden - der Priester also erhebt Leib und Blut des Herrn und spricht:
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Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm
wird Dir, Gott, allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes,
alle Ehre und Verherrlichung
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
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Was einst auf dem Tabor geschehen, erneuert sich in jeder Heiligen Messe auf dem Altar. Der Altar ist nicht allein die Stätte des Opfers, ist nicht nur Golgatha, er ist auch Berg der Verklärung. Das Hochgebet wird zum Pascha, zum Vorübergang der Heilsmysterien: Tod, Auferstehung, Himmelfahrt - Erlösung, Erneuerung, Vollendung. 
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Was die drei Jünger auf dem Berge Tabor geschaut haben, den Herrn in der Verklärung, "erklärt" sich ihnen und uns in seiner Größe und Erhabenheit erst vom Ende her, vom Blick auf den zur Rechten Gottes erhöhten Herrn. Durften Petrus, Jakobus und Johannes dies in unmittelbarer (Vor-) Schau erleben und später bezeugen, so ist uns ein Vorausblick zumindest unter dem Siegel des Mysteriums möglich: 
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Denn die dem Vater im Heiligen Geist am Ende des Kanon feierlich entbotene Gabe verweist uns auf die eschatologische Fülle, auf die Vollendung, auf - vita venturi sæculi -  das Leben der kommenden Welt; und dieses vergegenwärtigte Opfer unserer Erlösung wird durch den Vater bestätigt - auf dem Tabor wie auf dem Altar: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe" (Mt 17, 5). Der feierliche Abschluß des Hochgebets - unsere Taborstunde!
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Ich wäre versucht, diesen Gedanken sogar noch ein Stück weiter zu spinnen, aus dem, sagen wir einmal, Geist mittelalterlicher Deutungen der Riten der Heiligen Messe heraus. Denn unmittelbar vor der großen Doxologie steht eine Segensformel, die nicht recht ins Gefüge des Ganzen zu passen scheint:
Durch Ihn erschaffst Du, Herr, immerfort all diese Gaben, heiligst, belebst, segnest und gewährst sie uns. Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm ...
Man geht davon aus, daß diese Formel ursprünglich Bestandteil einer Speisesegnung war und in diesem Augenblick - von den Gläubigen beim Opfergang dargebrachte - Naturalgaben gesegnet wurden: Mithin auch eine Art Erntedank, wobei von der eucharistischen mensa ein besonderer Segen auf diese Speisen übergehen sollte. 
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Ein "Erntedankgedanke" begegnet uns womöglich auch im Evangelium von der Verklärung Christi, wenn von Petrus berichtet wird, er habe drei Hütten bauen wollen: Dem Herrn "eine, Moses eine und Elias eine" (Mt 17, 4). Mitunter wird daraus der Schluß gezogen, die Verklärung habe sich zur Zeit des jüdischen Laubhüttenfestes (Sukkot) ereignet. Was aber war Ursprung und Inhalt dieses Festes? Dank und Segen für die Ernte. Wer nun mag, kann auch hier einen Bogen geschlagen sehen ...