Donnerstag, 31. Mai 2012

¶ Sententiæ IV


Hat doch der Gottesstaat, solange er noch auf Erden pilgert, auch solche bei sich, mit ihm verbunden durch die Gemeinschaft der Sakramente, die nicht mit ihm das ewige Los der Heiligen teilen werden. Teils sind sie verborgen, teils auch offenbar und scheuen sich nicht einmal, gegen Gott, dessen Zeichen sie tragen, mit den Feinden zu murren, und füllen bald mit ihnen die Theater, bald mit uns die Kirchen.
St. Augustinus, De Civitate Dei 18, 51

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - Ausklang

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Salve Regina - Maialtar in der Pfarrkirche Liebfrauen, Freiburg-Günterstal
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Und fast möchte man meinen, 
der Jesusknabe winkt
uns zu ...
Danke allen, die bei 
Los Wochos - Mai-Altäre 2012
mitgemacht haben!

MM* 12: Am Fest Maria Königin

Pfarrkirche St. Jakobus, Eschbach im Schwarzwald
... Das christliche Volk hat auch in den vergangenen Jahrhunderten mit Recht geglaubt, daß diejenige, die den Sohn des Allerhöchsten gebar, der "im Hause Jakobs ewiglich herrschen wird", als "Friedensfürst", als "König der Könige und Herr der Herrscher", mehr wie jede andere Kreatur an Gnade und einzigartigen Privilegien empfangen hat. Es zog dabei die enge Verbindung in Betracht, welche die Mutter mit dem Sohn eint, und hat ohne Mühe die königliche Erhabenheit der Mutter Gottes über allem erkannt ...
... Die heilige Liturgie als treuer Spiegel der von den Vorfahren übernommenen und im christlichen Volk, in Ost und West, durch die Jahrhunderte gewachsenen Lehre hat immer und bis heute ohne Unterlaß die Lobpreisungen der Himmelskönigin gesungen.
Aus dem Orient klingen die glühenden Akkorde: "O Mutter Gottes, heute bist du zum Himmel aufgefahren im Triumphwagen der Cherubim, die Seraphim dienen dir, die himmlischen Heerscharen neigen sich vor dir". Und ferner: "O gerechter, o glücklicher (Joseph), auf Grund deiner königlichen Herkunft wurdest du auserwählt zum Bräutigam der reinen Königin, ich möchte mich ihr in Freuden nahen, um in Jubel ihre Wunder zu besingen ... O Herrscherin, unsere Zunge kann dich nicht würdig preisen, denn du bist erhabener als die Seraphim, die du Christus, den König, geboren hast ... Heil dir, o Königin der Welt, heil dir, o Maria, unser aller Herrscherin".
Im äthiopischen Meßbuch liest man: "O Maria, Mittelpunkt des Universums ... du bist größer als die Cherubim mit ihren unzähligen Augen und die Seraphim mit ihren sechs Flügeln ... Der Himmel und die Erde sind ganz erfüllt von deiner Herrlichkeit und deiner Glorie".
Die lateinische Kirche singt das alte und wohlvertraute Gebet des "Salve Regina" und die frohen Antiphonen "Ave, Regina cælorum", "Regina cæli, lætare", und auch die von den Festen der heiligen Jungfrau: "Die Königin sitzt zu deiner Rechten im goldenen Kleid, geziert mit mannigfaltigem Schmuck". "Heute ist die Jungfrau Maria zum Himmel aufgestiegen: Freuet euch, denn sie herrscht mit Christus auf ewig".
 Pius XII. im Rundschreiben Ad cæli reginam vom 11. Oktober 1954 - hier zitiert nach: Michael Schmaus: Katholische Dogmatik. Fünfter Band. Mariologie. München 1955. S. 373 ff.
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Ehrwürdigste Königin der Welt, Maria,
immerwährende Jungfrau, 
tritt ein für unseren Frieden 
und unser Heil, 
die du Christus, den Herrn 
und unser aller Erlöser geboren hast! 
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(Benedictus-Antiphon in den Laudes des heutigen Festes).
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*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

Mittwoch, 30. Mai 2012

Katholische Argumente in der Abseitsfalle?

Seit einiger Zeit drängen sich mir immer wieder diverse Gedanken zur Diskussions- und Debattenkultur im Lande auf. Was kann man tun, um in diversen Aus-einander-setzungen nicht unter die Räder zu kommen? Es geht dabei weniger darum, die „besten Strategien, um auf jeden Fall Recht zu haben“ zu entwickeln. Es geht eher darum, gern genutzte Strategien der Gegenseite zu durchschauen, um darauf reagieren zu können.

Siehe, ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen; so seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben (Mt 10, 16) ...
... leider scheint bei den Schafen manchmal nur der zweite Teil der Zuratung dieses Herrenworts anzukommen.
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Die eigene Position gerät in vielen Diskussionen und Gesprächen rasch unter einen Rechtfertigungsdruck. Warum, um es an einem Beispiel zu illustrieren, hält man das traditionelle Familienbild hoch, welches – so der Standpunkt der Gegenseite - in seiner trauten Glückseligkeit schließlich nur ein phantasieumwobenes Produkt des bürgerlichen Zeitalters sei und überdies so traut und glückselig nicht war, schließlich sei es auch ein Repressionsinstrument im Geschlechterverhältnis?
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Nehmen wir an, wir haben uns dies nun angehört und gehen darauf ein. Was ist da passiert?
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Unser Gegenüber hat sich gleich zu Anfang ein gutes Stück Deutungshoheit des Begriffs „Familie“ an Land gezogen. Er deutet den Begriff auf dem Hintergrund eines Ausschnittes der geschichtlichen Entwicklung; in seinem Fall bietet ihm dies die Gelegenheit, kein gutes Haar daran zu lassen. Wenn wir jetzt – dieser Strategie gegenüber unkritisch – darauf eingehen, sitzen wir sozusagen sofort in der Abseitsfalle.
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Denn wer sich jetzt auf genau diese Diskussion einlässt, hat bereits zu Anfang zur Hälfte verloren. Warum? Weil man sich sofort und ohne Not der Diskurshoheit der Gegenseite unterwirft. Die Gegenseite gibt eine klare Stoßrichtung, den Ton und die dazu passenden Begriffe und Bilder vor, unter denen das Thema zu betrachten sei. Wir finden uns dabei unversehens in die Defensive abgedrängt. Ich denke, dass wir sehr oft, womöglich aus einer falsch verstandenen „Dialogbereitschaft“ heraus, unserem Gegenpart hier ins Netz gehen, zumeist unbewusst und einfältig wie die Tauben.
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Manchmal können wir uns wieder freischwimmen, häufig aber laufen wir Gefahr, uns darin zu verheddern.
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Wenn wir Glück haben, dann gelingt es uns, die Diskussion wieder von dieser Schiene herunter zu hieven. Wie das? Wir müssen unser Gegenüber damit konfrontieren, dass wir kein Interesse haben, einen Begriff nur unter den Vorzeichen seiner tatsächlichen oder vermeintlichen geschichtlichen Fehlentwicklungen zu diskutieren. Vielmehr sei sinnvoll(er), sich zuerst einmal auf die dem Begriff zugrunde liegende Idee einzulassen. Von der Idee aus – und einer möglichst klaren Vorstellung derselben – könne man sich dann (zu einem späteren Zeitpunkt der Debatte) gerne auch über die jeweilige geschichtliche Anverwandlung und über die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, samt sinnvoller Korrekturen unterhalten.
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Unser Gegenüber wird – das lehrt leider die Erfahrung – trotzdem oft versuchen, das Gespräch auf eine historische Betrachtungsebene zu ziehen; das scheint einerseits inhaltlich spannender und andererseits einfacher obendrein - und ist übrigens nicht immer einer gezielten Absicht, sondern mitunter einfach einer Gewohnheit geschuldet.
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Wir werden bei diesem Abgleiten immer wieder daran erinnern müssen, dass sich schwerlich Phänomene in dieser unserer Welt finden lassen, über die man nur Gutes sagen könnte. Erlauben wir uns, dies in diesem Fall sogar an einem geschichtlichen Beispiel zu erläutern: Das Deutsche Rote Kreuz hat sich nur zu gerne vom Dritten Reich inszenierte humane Zustände in Konzentrationslagern vorführen und Sand in die Augen streuen lassen – dennoch würde heute kaum jemand generell dieser Organisation Sinn und Verdienst absprechen. Denn die Idee, die hinter dem Roten Kreuz steckt, ist gut.
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Tückischer wird die Lage, sobald unser Gesprächspartner signalisiert, er habe keine Lust oder die Zeit sei nicht vorhanden, das Thema sozusagen „von Adam und Eva“ an zu betrachten. Da hilft nur ein Ruf an die geistige Regsamkeit. Oder man erinnert an die Erfahrung, dass jede fruchtbare Diskussion einer Arbeitsgrundlage bedarf, die von beiden Seiten akzeptiert werden kann. So sagt zum Beispiel Konfuzius:
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Wenn die Worte nicht stimmen,
stimmen die Begriffe nicht.
Wenn die Begriffe nicht stimmen,
wird die Vernunft verwirrt.
Wenn die Vernunft verwirrt ist,
gerät das Volk in Unruhe.
Wenn das Volk unruhig wird,
gerät die Gesellschaft in Unordnung.
Wenn die Gesellschaft in Unordnung gerät,
ist das Gemeinwesen in Gefahr..
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Soviel für heute zu diesem Thema. Würdet Ihr die obige Einschätzung teilen? Oder gar ergänzen wollen? Welchen Strategien begegnet Ihr in diversen Gesprächen immer wieder? Wäre es lohnend, diese Strategien hier zu durchleuchten? Und sich an der Entwicklung von Gegenstrategien zu versuchen?

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - Sankt Bartholomäus in Heitersheim

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Salve Regina - Maialtar in der Pfarrkirche St. Bartholomäus, Heitersheim

¶ Sententiæ III

 
Die Verwirklichung des wunderbaren Lebens im Heiligen Geist ist auch auf unser Vertrauen gestellt. Wir sind trotz des Geistes, der uns innewohnt, oft so müde und furchtsam, weil wir dem Geist Gottes nicht zutrauen, aus uns etwas zu machen.
Wir glauben den eigenen Dürftigkeiten mehr als den schöpferischen Impulsen des Gottes, der in uns unser Leben mitlebt.
Alfred Delp SJ

Dienstag, 29. Mai 2012

MM* 11: Marienlob der äthiopischen Kirche

Madonna - Konviktskirche in Freiburg
Maria
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Immerwährender Tempel
Priesterlicher Vorhof
Erwählte Säule
Grüner Baum
Garten des himmlischen Sohnes
Leuchte des Weltalls
Sternenlicht
Unzerbrechliche Mauer
Ausdehnung des Himmels
Schleier von feinem Leinen
Juwelenstadt
Himmelsbraut
Goldenes Weihrauchfaß der Seraphim
Ernte der Prophetien
Mutter der Gerechtigkeit
Lehre des Friedens
Wein aus süßen Trauben
Mutter der herrlichen Sonne
Buch des Lebens
Gefäß unseres Reichtums
Überfluß zur Zeit der Frucht
Ausgleich in den Jahren der Hungersnot
Sättigung der Hungernden
Königin der Liebe
Pforte zum Paradies
Hilfe der Sünder
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Maria
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Karl Färber (Hg): Neues Brevier zum inneren Leben. Frankfurt am Main 1963. S. 215.
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*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

Benedikt, der Buhmann, und der Geist des Papstes Johannes

In der Schweiz rumorte es zuletzt wieder ein wenig, nachdem das Bistum Chur unter Bischof Vitus Huonder zu den sogenannten "Pfarrblättern" auf Distanz gegangen war. Dazu muß man wissen, daß es  in der (deutschsprachigen) Schweiz nicht die bei uns üblichen Pfarrblättchen der einzelnen Gemeinden gibt. Stattdessen bekommt jedes Kirchenmitglied über die Schiene der staatsrechtlich installierten und von den Diözesen verhältnismäßig unabhängigen Kirchenverwaltungen eine Kirchenzeitungen zugestellt. Diese "Pfarrblätter" bestehen aus einem regional orientierten Mantelteil und aus Seiten, zu denen die einzelnen Ortsgemeinden Inhalte beisteuern. Dies alles muß nicht zwingend den Vorstellungen des jeweiligen Diözesanbischofs entsprechen.
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Zu diesen Publikationen zählt auch Kirche heute, das Römisch-katholische Pfarrblatt der NordwestschweizUnter dem Titel Der Geist, der den Schwachen auf die Beine hilft bringt die Zeitung in seiner Pfingstausgabe einen durchaus lesenswerten Artikel über Paulus und die Grundlinien im Römerbrief.
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Als ich die Seiten mit den Beiträgen der einzelnen Kirchgemeinden überflogen habe, bin ich über das folgende "Pfingstgebet" gestolpert ... es stammt von einem Theologen, welcher in besagter Pfarrei arbeitet, und spielt u.a. mit einigen Passagen der Pfingstsequenz und dem nahenden Konzilsjubiläum:
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Veni Sancte Spiritus
Komm herab, o Heiliger Geist
Reisse Tür und Fenster auf
wie einst in Jerusalem
und in Rom
Geist des Papstes Johannes
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Brich das Rigide auf
Vertreibe den Winter
Lass uns aufstehen und hintreten
wie Petrus
Befreie dein ungesagtes Wort in unserem Mund
Dass das Leben nicht erstickt
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Und entwinde, Geist der Freiheit,
den Unglückspropheten deine Kirche
und gib sie deinem Volk zurück,
der du auf alle herabgekommen bist
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Und lass in diesem Jahr,
im Fünfzigsten - pentekoste -
Pfingsten - werden!
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Nun kann jeder davon halten, was er mag. Ich meinesteils vermute, aber das ist reine Spekulation, daß Papst Johannes, könnte er heute zur Kirche sprechen, sich auf die Seite von - ich meinesteils verstehe diesen Text nämlich so: Buhmann - Benedikt (Rigide? Wintermäßig? Lebenserstickend? Unglücksprophetisch? Kirche-an-sich-reißend?) stellen würde. Oremus pro Papa nostro.

Montag, 28. Mai 2012

Pfingstmontag

Da mich heute keine Orgel haben wollte, war die Gelegenheit nochmals günstig, wie bereits an Himmelfahrt ein Choralamt in St. Lioba mitzufeiern - mithin noch einmal die Ostermesse Lux et origo zu singen, eingefaßt von Proprium samt Sequenz (in Basel stand gestern populo delectandi causa die Missa de Angelis auf dem Programm). In der Predigt wurde unter anderem dazu ermutigt, für das "Geschenk der Kirche zu danken",und da es sich beim Zelebranten um einen Neupriester handelte, wurde nach der Messe noch der Primizsegen gespendet.
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Danach bin ich wieder eine Weile im Kloster- und Kräutergarten der Benediktinnerinnen herumspaziert ...
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Hohe Messe am Pfingstsonntag in St. Antonius

  
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Zelebrant war Pater Martin Ramm FSSP. Und ein Pfingstgeschenk gab's obendrauf extra: Wie mir zugetragen wurde, würden einige Männer gerne Choral singen. Somit stünde der Gründung einer Männerschola - bislang engagieren sich nur die Damen - nichts im Weg!

Was Sie schon immer über Geistzungen wissen wollten, aber ...

... bisher wahrscheinlich in keiner Predigt wirklich überzeugend dargelegt bekommen haben, erklärt heute Pater Ignatius Ertl OESA. Es geht um die Frage, warum der Heilige Geist am Pfingsttag in Gestalt von Zungen herabgekommen sei ... Pater Ignatius' Erläuterungen legen Ihnen nicht nur nahe, sich baldigst einen Hund zu kaufen; nach der Lektüre dieser Predigtpassage können Sie zum Beispiel auch süße Bärchen korrekt entbinden. Der Augustiner-Eremit will Ihnen dabei gewiß keinen Bären aufbinden; er argumentiert auf der Höhe seiner Zeit - und, wer weiß? Vielleicht können Sie einige eher zeitlose und bedenkenswerte Gedanken ja mitnehmen ...
Es erschien der Heilige Geist in Zungengestalt, dann er wollte denen Aposteln weisen, daß er ankomme, unsere menschliche Seelenwunden zu heilen.
Was ist heilsamer als ein  Hundszungen?
Hundszungen? Warum jetzt Hundszungen? Was predigt
der denn da heute für ein Zeugs zusammen?
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Putto mit Bienenkorb als Allegorie auf die Redekunst
des hl. Ambrosius - an der Kanzel von St. Trudpert, Münstertal
Wann ein Hund einem beschädigten Menschen seine Wunden lecket, werden selbe bald ausheilen und haben sogar die Hund dem armen Lazaro mit ihrer Zungen  seine Geschwär und offenen Schäden gelecket und geheilet: canes veniebant et lingebant ulcera ejus.
Tut das die viehische Hundszungen, wie viel mehrers hat Gott der Heilige Geist mit seiner anheut erscheinenden Zungengestalt sowohl denen Aposteln als uns allen sündigen Menschenkindern die innere Seelenwunden geheilet? Sana, quod est saucium, singet die katholische Kirch in ihrer heutigen Sequenz, heile und mache gesund, was krank und schadhaft ist. Oder es erschien der Heilige Geist in Zungengestalt, denn er wollte allen Unform und Ungestalt von denen noch unvollkommenen Aposteln und andern Sündern hinweg nehmen und uns sametlich zu wohlgestalteten Kindern Gottes machen.
Wann die Bärin ihre Jungen wirft, so ist ihre Geburt nur ein grobes wildes Stuck Fleisch, so weder einem Bären, noch andern Tier gleich siehet. Worauf kommet der alte Bär, putzet und lecket so lang an diesem unformlichen Stuck Fleisch, bis endlich der Kopf, die Pratzen und Füß herfür kommen und ein junges Bärlein daraus wird.
Was waren die noch unvollkommenen und ungeschickte Apostel, was waren wir alle sündige Menschen vor der Ankunft des Heiligen Geistes als eine unformliche Mißgeburt, mit allen Sündernmängeln umgeben? Kaum aber ist anheut die göttliche Zungen des Heiligen Geistes über uns kommen, kaum hat uns die Gnad des Heiligen Geistes berühret, da haben sowohl die Apostel, als wir sündige Menschen, die rechte und schöne Tugendgestalt, Form und Weis der frommen auserwählten Kinder Gottes überkommen.
Der Heilige Geist hat mit seiner reformierenden Gnadenzungen alle Häßlichkeit, Grobheit und Unwissenheit von unsern Verstand, Herz und Seelen hinweg genommen und aufgehebt. Und das sei von dem Puncto gesagt, warumen Gott der Heilige Geist in Zungengestalt ob den Jüngern erschienen seie. 
Georg Lohmeier (Hg): Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967.

Sonntag, 27. Mai 2012

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - mein persönliches Highlight

 
Salve Regina - Maialtar in der Pfarrkirche St. Alban, Bad Krozingen ...
.... unter jenen Schmuckstücken Unserer Lieben Frau, denen ich bislang über den Weg gelaufen bin, das bislang schönste. Zumal die Blütenzier auch deutlich Wohlgeruch verströmte (klar, Flieder).
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PS Ein wohl "blogloser" Leser hat unter einem früheren Beitrag einen Picasa-Link zum Maialtar der Kirche Mariä Himmelfahrt in Regensburg gepostet. Ich erlaube mir, diesen Verweis hier nochmals zu setzen, da er ja auch in den Kommentaren öffentlich ist, dort aber meines Ermessens etwas unter die Räder zu kommen droht. Dank an Konrad für das schöne Bild!

Das heilige Pneuma - zum hohen Pfingsttag

Die Pentecoste, die fünfzig Tage des "Festes" sind heute zu Ende, oder vielmehr, sie sind erfüllt, vollendet, zum Gipfel, zur Reife geführt. Das ganze Fest, das so ungeheuren Inhalts voll ist, ist heute abgeschlossen, hat uns seine ganze Fülle offenbart und hinterläßt uns als reife Frucht das Pneuma. 
Das Pfingstwunder - Pfarrkirche St. Martin, Feldkirch im Breisgau
Nun werden wir mit den Aposteln in alle Welt entsandt, um überall, jeder in seiner Weise, von der Kraft des Pneumas zu künden. "Er sandte sie in die ganze Welt, zu predigen und Zeugnis abzulegen" (Mk 16, 15). Und was sollen wir bezeugen? "Wer glaubt und getauft wird, der wird heil sein" (Mk 16, 16). Durch Glauben und Taufe gelangen wir zum Heile, zum ewigen Leben. So verbreitet das Pneuma die Kunde von Pascha in alle Welt, denn Glauben und Taufe sind Gaben des Pascha, Gaben des Kreuzes, Gaben der Auferstehung.
Der heutige Tag faßt also noch einmal die ganze Fülle des Pascha zusammen. Was ist aber Pascha? Pascha ist die Offenbarung Gottes an die erlöste Menschheit. Was heißt Offenbarung? Offenbarung ist, wie der Ausdruck der Schrift besagt, "Entschleierung" des göttlichen Mysteriums und damit dessen Mitteilung an uns. Gott hat den Schleier gelüftet, der sein Wesen verbirgt; er hat uns durch Christus einen Blick in sein Geheimnis gestattet.
Wir waren blind und taub und stumm. Wir waren wie Menschen, die in der Sonne wandeln und die Sonne nicht sehen. Wir waren versenkt in die dunklen Abgründe der Sünde und Unwissenheit. Das unendliche Leben Gottes flutete an uns vorbei, und wir bemerkten nichts davon; ja wir hielten sogar unser eigenes Licht, das doch nur Finsternis war, für besser und größer als die Sonne Gottes. 
Wir kannten nichts von der unendlichen Liebe Gottes. Das Feuer der Ewigkeit brannte, und wir saßen in der Kälte. Wir wußten nichts von der Wahrheit, sondern saßen im Schatten des Todes und des Irrtums. Wir ahnten nichts von der Schönheit Gottes, die doch allein beseligen kann, wir quälten uns ab mit den scheußlichen Zeichen der Verworfenheit oder begnügten uns mit der Scheinschönheit dieser Welt, die voll ist von Moder und Totengebein. 
Da erbarmte sich unser der allmächtige und barmherzige Gott und lüftete den Schleier. "Gott hat nie einer gesehen. Eingeborener Gott, der im Schoße des Vaters ist, er hat Kunde gebracht" (Joh 1, 18). Er sieht seit Ewigkeit den Vater, er ist das Erzeugnis seiner Liebe und ewigen Zeugung; es konnte uns berichten von dem, was er schaut. Aber auch er konnte uns nicht sofort alles zeigen. Denn unser Auge war unfähig, das Göttliche zu sehen. So mußte er uns heilen, unser Auge befreien, es stärken, es für den Anblick des Mysteriums befähigen. Deshalb bestieg er zuerst das Kreuz ... Als er dort unsere Todeskrankheit von uns genommen hatte, da konnte es den Vorhang lüften, der uns das Reich Gottes verbarg. 
Vorher war an ihm selbst das Licht Gottes noch verborgen. Jetzt wurde seine Menschheit zum leuchtenden, durchsichtigen Vorhang, durch den hindurch wir das Licht Gottes sehen können, ohne zu erblinden. "In deinem Lichte schauen wir das Licht" (Ps 35, 10) ...
Der zum Pneuma gewordene Herr, d. h. der ganz verklärte und zu Gott aufgenommene Gottmensch, ist unser Mystagoge, der uns in das innere Heiligtum einführt, uns das ewige Leben Gottes schenkt. "Das ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und deinen Apostel Jesus Christus" (Joh 17, 3).
Wer nun gibt uns diese Erkenntnis? Das heilige Pneuma! Er läßt uns zunächst den Abgesandten des Vaters, den Gottmenschen, in seinem wahren Wesen, d. h. als Pneuma und Gott, erkennen. Niemand sagt: Kyrios Jesus! außer im heiligen Pneuma. (1 Kor 12, 3).
Odo Casel OSB: Das christliche Festmysterium. Paderborn 1941. S. 169 ff.
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Gesegnete Pfingsten euch allen!

Samstag, 26. Mai 2012

¶ Sententiæ II

Nur wer die unendliche Sehnsucht der Kreatur zugleich mit ihrer endlichen Kümmerlichkeit erfahren hat, wird diesen Flehruf  "Veni, Sancte Spiritus! - Komm, Heiliger Geist!" echt anstimmen. Und nur so wird es wirklich ein Ruf, auf den Antwort und Erfüllung folgt.
Alfred Delp SJ

Hans Küng: Die Weihen vom Donaudampfer sind ungültig

Tiefe Sorge treibt, das wissen wir dank Südwestpresse seit einigen Tagen, Hans Küng um: Die Sorge um die Einheit der Kirche, die Sorge um einen schismatischen Akt des Papstes. Und die Sorge, ungültig geweihte Priester könnten in die Kirche eingegliedert werden. Denn die Priester der Piusbruderschaft seien nicht nur unerlaubt, sondern auch ungültig geweiht. Was allerdings kaum am Weiheritus liegen kann.
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Ungültig geweiht? Was würde das bedeuten? Gelinderenfalls wäre dann die Messe eines Piusbruders nicht viel mehr ist als eine Wortgottesfeier mit außerordentlicher Choreographie-- also sozusagen Ringelpiez, nur eben ohne Anfassen und auf Latein.
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Allerdings könnten dann auch Christine Mayr-Lumetzberger und Ida Raming (und die weitere bestolte Damenwelt) ihre Meßutensilien (ggf. mitsamt Bischöfinnenmützen) wieder wegpacken.
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Schließlich - nehmen wir einmal an, Küng läge richtig - gilt: Gleiches Recht für alle, ergo gleiche Ungültigkeit bei allen, oder? Ach ja, in den reform- und kirchenvolksbewegten Medien schien mir Küngs Position schnurstracks auf Zustimmung zu stoßen, vielleicht etwas voreilig ...

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - Freiburger Münster

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Salve Regina - Maischmuck im Münster Unserer Lieben Frau, Freiburg im Breisgau

Freitag, 25. Mai 2012

¶ Sententiæ I

Wir bitten den Geist, daß er das Dunkel des Abfalls zerteile, das vom Schwert nicht zerteilt werden kann, und sich der Blinden erbarme;
daß ein einzig Mal, und sei es auch über alles Begreifen, das Trachten der Menschen sich wende und sie die Erde erblicken wie im Blitze des Gerichtes;
daß sie einmal sich den Traum von der Stirne reiben und sich der Ewigkeit stellen, eh die Ewigkeit über sie hereinbricht (Reinhold Schneider).

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - St. Martin in Staufen

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Salve Regina - Maialtar in der Pfarrkirche St. Martin, Staufen im Breisgau.
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Bei zwei Mitbloggern habe ich schöne Übersichten zueinigen bisher entdeckten Mai-Altären entdeckt: Hier bei Frischer Wind und da bei Preiset den Herrn. Danke!

Donnerstag, 24. Mai 2012

MM* 10: Heute zwei Marienfeste

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Gleich zwei Marienfeste stehen am 24. Mai im Kalender. Weniger bekannt dürfte das Fest Unserer Lieben Frau vom Wege sein. Es rührt von einer kleinen römischen Kirche, Santa Maria della Strada - Heilige Maria vom Wege. Der hl. Ignatius entdeckte diese Kirche und deren günstige Lage für die Seelsorge in der Stadt; zugleich schloß er das Marienbild ins Herz, welches bereits damals von vielen Menschen verehrt wurde. Als an Stelle der kleinen Kirche die Jesuitenkirche Il Gesù errichtet wurde, übertrug man das Marienbild in das neue Gotteshaus und wies ihm dort einen Ehrenplatz.
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Das andere Festgedächtnis ehrt Maria als Hilfe der Christen. Wir kennen diese Anrufung aus der Lauretanischen Litanei; der hl. Pius V. fügte sie nach dem Sieg über die Türken in der Schlacht bei Lepanto (1571) den anderen Anrufungen bei. Das Fest selbst geht jedoch auf Pius VII. zurück, der es aus Dankbarkeit für die Rückkehr nach Rom am 24. Mai 1814 - nach dem Ende einer sechsjährigen Verbannung durch Napeleon - gestiftet hatte.
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Mich begleitet dieses Gebet, ihr kennt es wahrscheinlich sowieso alle, täglich auf dem Weg (manchmal sind es auch Um- oder Abwege) durch mein Leben. Ich bitte Unsere Liebe Frau um Ihren Beistand und darum, daß sie mir den Weg zeige - oder auch im Weg stehe, wenn ich das falsche Ziel ansteuere - und daß sie mich führe (und ich mich führen lasse) zu ihrem Sohn:
Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesmutter. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern löse uns jederzeit aus allen Gefahren, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau.
Unsere Liebe Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! Führe uns zu deinem Sohn, empfiehl uns deinem Sohn, stelle uns vor deinem Sohn. Amen.
*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

Mittwoch, 23. Mai 2012

Einwurf II

Schaut man sich die Querelen um die künftige Führung der Linkspartei an, so scheint es keineswegs allein ein Kampf um die besten Köpfe und Konzepte zu sein. Schielen da nicht zwischen all den - selbstverständlich: unzweifelhaft guten - Absichten knallharte Machtinteressen durch?
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Aber wie soll Kommunismus funktionieren, wenn der Sozialismus schon bei denen nicht rund läuft, die ihn doch am vorbildlichsten praktizieren könnten?
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Humanistische Weltanschauungen scheinen mir für menschliche Schwächen umso anfälliger, je weniger sie sich diese erlauben dürften.

Dienstag, 22. Mai 2012

In Stein gegraben: Nach dem Katholikentag ...

... von Reinhold Schneider

Gute Menschen publik machen

Jede Internet-Seite hat ja so ihre Klientel, die gerne vorbeischaut. Ich vermute zum Beispiel, daß sich die Leser von Publik-Forum angesichts solcher Seiten eher in Zurückhaltung üben, derweil nicht unbedingt auf Publik-Forum surft, wessen Herz beim "König des Popschlagers" klopft. Eine Mutmaßung, zugegeben, aber eine, die den Lesern von Publik-Forum meinerseits sogar gewisse Sympathien entgegenbringt. Wie gesagt, ich denke, daß all diejenigen, die Publik-Forum ansteuern, in der Regel auch absichtlich dahin wollen.
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Sind nicht dies gerade jene Menschen, die sich dem Frieden und der Geschwisterlichkeit verschrieben haben und deren Herz brennt von Zivilcourage? Die uns Achtsamkeit lehren wollen und Entschleunigung und für die es kein richtiges Leben im falschen gibt und kein gutes Gewissen bei mangelhafter Mülltrennung? Die stets das Wohl unseres blauen Planeten im Auge haben, da wir Mutter Erde nur von unseren Kindern geborgt haben?
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Von jenen Kindern, die man in solchen Kreisen offenkundig mehrheitlich bereits mit zwei und drei Jahren in staatliche Krippen abschieben will ...
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Screenshot publik-forum.de, 22. Mai 2012, ca. 21.40 Uhr

Montag, 21. Mai 2012

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - Maria-Magdalena-Kirche in Freiburg-Rieselfeld

 
Salve Regina - Maischmuck im katholischen Kirchenraum der ökumenischen Maria-Magdalena-Kirche in Freiburg-Rieselfeld ... einer der drei Gotteshäuser der Seelsorgeeinheit, zu welcher ich gehöre.

Samstag, 19. Mai 2012

MM* 9: ... du aber sagst getrost zum Herrn: "Mein Sohn!"

Hocherhabene, seligste Jungfrau! Du thronst auf dem himmlischen Sitze des Seligen. Allem Irdischen bist du entrückt, bekleidet mit dem Gewande der Unsterblichkeit, gleich dem Ewigen alterst du nie.
Sei gegrüßt, o Königin, Glück der Erdgeborenen, Hilfe der Christen, einzige Hoffnung der Sünder, Wonne des Alls, jungfräuliche Mutter, schöner als alle Jungfrauen, erhaben über die himmlichen Mächte, Herrscherin, Allkönigin, Entzücken der Menschheit.
Bleibe stets huldvoll geneigt zu deinem Geschlechte, sei mir allenthalben Zuflucht und Heil, und allen erzeige deine Hilfe: Trost den Kleinen, Kraft den Schwachen, Schutz den Bedrängten, Leben den Sterbenden.
Wie gut, daß der Herr dich, selige Jungfrau, sich erlesen hat, deren Seele mit aller Tugend geschmückt ist! Ein großes Wunder bist du, o Maria. Was ist im Himmel und auf Erden je größer und herrlicher, als du bist? Nicht die Propheten und Apostel, die Märtyrer und die Jungfrauen - keines der erschaffenen Wesen, in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Wieviel, o Königin des Himmel, Maria, überragst du alle Scharen der Engel: jene nahen Gott mit scheuer Ehrfurcht, ihr Antlitz verhüllend; du aber sagst getrost zum Herrn: "Mein Sohn!"
Darum sei gegrüßt, Jungfrau Mutter, du Schirmerin und Ruhm und Zierde der Kirche. Amen. 
hl. Johannes Chrysotomus
*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

Christian Weisner, Wir-sind-Kirche und das Beispiel der Niederlande

Hin und wieder bekommt man Argumentationslinien vor die Nase gesetzt, bei denen man nicht weiß, ob deren Verfechter darin dumm, verblendet oder womöglich sogar böswillig agieren. Bei Christian Weisner von Wir-sind-Kirche drängte sich diese Mutmaßung wieder einmal auf. 
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Die Schwäbische Zeitung veröffentlichte vor einigen Tagen ein Agenturgespräch mit Weisner. Abgesehen davon, daß ihm "die Rahmenbedingungen in der katholischen Kirche" offenkundig nicht zusagen, er Erzbischof Zollitsch gegen Rom und einige weitere deutsche Bischöfe auszuspielen sucht (zu Recht oder nicht, das sei dahingestellt) und für ihn die katholische Kirche ohne Luther "nicht überlebt" hätte und "im Morast versunken" wäre (was nicht nur Mt 16, 18 wider-, sondern auch einer Geschichtsspekulation vom Wert eines Windeis entspricht), also davon abgesehen haben mich die folgenden beiden Aussagen besonders beeindruckt:
Wenn die Bischöfe jedoch aus falsch verstandener Loyalität gegenüber Rom keine neuen pastoralen Lösungen finden für ihre jeweilige Kirche vor Ort, dann macht jeder Seelsorger, was er will. Das ist wie in jedem Betrieb: Wenn der Chef seiner Leitungsfunktion nicht gerecht wird, kann man nicht gut arbeiten und es läuft alles kreuz und quer.
Wie man an der Katholischen Kirche Deutschlands unschwer erkennen kann, machen schon heute - auch ohne neue pastorale Lösungen - viele Seelsorger, was sie wollen. Wenn dann alles "kreuz und quer" läuft, dann hat dies in der Tat auch damit zu tun, daß "der Chef seiner Leitungsfunktion nicht gerecht wird" - allerdings in einem ganz anderem Sinn, als Weisner hier glauben machen möchte. 
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Aber das ist nur Vorgeplänkel, über welches man hinweg lesen könnte. Denn dann steht da noch folgende Anmutung im Raum:
Wir haben das Beispiel der Niederlande, wo es in der Zeit des Konzils eine sehr aktive katholische Kirche gab. Diese Kirche ist von Rom durch konservative Bischofsernennungen an den Rand gedrängt worden, sie spielt in der holländischen Gesellschaft keine Rolle mehr.
Spätestens jetzt kann man sich nur noch an den Kopf greifen! Da wird doch - dreist oder drollig? - das eklatante Versagen dieser ganzen holländischen Reformsause den zuletzt ernannten Bischöfen in die Schuhe geschoben, die den Gaul aus jener Scheiße ziehen müssen, in den ihn diese Konzilsgeister geritten haben. 
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Wo war denn diese "aktive katholische Kirche", wo war die gesellschaftliche Relevanz dieser Konzilsgeister, als ab den 1970er-Jahren die Abtreibungskliniken im Lande ungeschoren ihr mörderisches Handwerk anboten und damit eine Vorreiterrolle in Mitteleuropa einnahmen, Abtreibungstourismus inklusive? Und wo waren sie, als dieser Praxis 1981 eine entsprechend liberale Gesetzgebung nachgereicht wurde? Die Dekadenz ließe sich fortschreiben bis ins Jahr 2001, als die Niederlande das Gesetz zur aktiven Sterbehilfe auf den Weg brachten.
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Ein Blick in den Holländischen Katechismus - diese erste niederländische Pestbeule des Konzilsgeistes erschien bereits 1966 - könnte einen Hinweis geben, wohin sich die gesellschaftliche Relevanz des holländischen Katholizismus seither verflüchtigt hat: ins schwafelnd beliebige Blabla. Daß unsere "Qualitätsmedien" Weisners geschichtsklitternden Unsinn nicht hinterfragen, spricht überdies Bände. 

Freitag, 18. Mai 2012

Los Wochos - Mai-Altäre 2012 - Sankt Martin in Freiburg

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Salve Regina - der Maialtar in der Pfarrkirche St. Martin in Freiburg.

Unterwegs ... nach Sankt Lioba

 
Gestern, am Hochfest der Himmelfahrt des Herrn, hatte ich, selten ist es an Feiertagen der Fall, nirgendwo eine Orgel zu schlagen. Wohin also zur Heiligen Messe? Die Feier eines verlässlichen Theologieprofessors in einer Freiburger Innenstadtkirche war mit mit 7.30 Uhr eindeutig zu früh. Zur Überlegung standen ferner einige Landgemeinden rund um Freiburg, die nach der Himmelfahrtsmesse noch Bittprozessionen im Programm hatten oder das Kapitelsamt im Freiburger Münster. Entschieden habe ich mich für eine Meßfeier, bei der ich ohnehin schon immer mal vorbeischauen wollte: Choralamt bei den Benediktinerinnen von der hl. Lioba in Freiburg-Günterstal.
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Ab und an war ich schon einmal zu den Vespern dort. Für das Hochfest war es eine sehr gute Wahl ... Proprium, das dritte Ordinarium, das erste Credo, alle Lesungen, eine ansprechende Predigt obendrein, die über weite Strecken den Katholikentag ignorierte. Ordo novus in Hochform sozusagen.
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Auf meinem alten Blog hatte ich schon mal etwas zu St. Lioba geschrieben. Das Kloster ist in einer großzügigen Villa untergebracht, errichtet im toskanischen Stil. Das wundervolle Anwesen mit Parkanlage war den Schwestern irgendwann anno Dunnemal vermacht worden. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein großer, sich über mehrere Stockwerke erstreckender und durch Säulengängen umgrenzter Lichthof - er dient den Benediktinerinnen als Gotteshaus.
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Du König der Herrlichkeit, Herr der Heerscharen,
der Du heute als Sieger 
über alle Himmel empor gestiegen bist,
laß und nicht als Waisen zurück,
sondern sende uns den vom Vater Verheißenen,
den Geist der Wahrheit.
Alleluia!
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(Antiphon zum Magnificat der zweiten Vesper)

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Donnerstag, 17. Mai 2012

Die erlöste Menschheit ins Gottesreich hinübertragen - Christi Himmelfahrt

Auf alten Bildern der Himmelfahrt Christi sehen wir, wie der Herr zum Vater emporsteigt, während er einen Kreuzesstab auf der Schulter trägt. Oder das Kreuz schwebt hinter ihm, während er selbst die Arme in Kreuzesform weit ausgebreitet hält. Oft fehlt das Kreuz, aber die Orantenhaltung des Herrn stellt es dar ... Mit einem Kreuz also steigt Christus in mächtigem Triumphe zum Sitz seiner Glorie auf ...
Wie ist das zu verstehen? Der Herr hat doch gerade das Kreuz überwunden, alles Erdenleid und die Todesqual hinter sich gelassen, alle Schmach mit ewiger Herrlichkeit vertauscht! Was soll das Kreuz, das Zeichen der Schmach, die bittere Frucht dieser Erde, das Werkzeug des Todes, in der Glorie des Himmels, in der Wonne der zukünftigen Welt, in der ewigen Freude des göttlichen, unsterblichen Lebens? Sollte das Kreuz nicht unten bleiben, vergraben und vergessen?
Aber der Heiland trägt es triumphierend zum Thron empor, und die Kirche stellt das heilige Holz auf ihre Altäre und singt sein Lob. Auch die Kirche, die mit ihrem Herrn und durch ihn gesiegt hat und mit ihm zum Vater emporsteigt, trägt das Kreuz in ihrer Hand, wie wir es ja auch in der ältesten symbolischen Kunst sehen, wo die Ekklesia die Kreuzesfahne schwingt. Wie der Bräutigam,so rühmt sich auch die Braut im Kreuze. "Nos autem gloriari oportet in cruce Domini nostri Iesu Christi - Wir aber müssen uns rühmen im Kreuze unseres Kyrios Jesus Christus".
Wie kann man sich aber einer Sache rühmen, die das Niedrigste und Schmachvollste ist, was es gibt? ... Rühmen ist doch höchster Lebensausdruck, ein Jauchzen aus überströmender Lebenskraft. Das Kreuz aber ist Unterdrückung jeden Lebens und damit aller Freude, ist Traurigkeit und Schmerz und Tod! Alles Leben ist in diesem harten, kalten Stamm erstorben, und was man an ihn heftet, dem wird der letzte Lebenshauch mit dem letzten Blutstropfen ausgepreßt. Und doch singt die Kirche: In unserem gekreuzigten Herrn Jesus Christus ist uns Heil, Leben und Auferstehung.
Hier erkennen wir, daß die Kirche wirklich etwas Himmlisches ist. "Ecclesia in coelis - Die Kirche ist im Himmel". Vom Himmel steigt sie herab, und vom Himmel aus ruft sie uns zu: Im Kreuz ist Heil, Leben und Auferstehung! Denn nur vom Himmel aus, aus der Tiefe Gottes, aus seiner so ganz anderen, abgründlichen Weisheit heraus sind solche Worte verständlich; von der Erde aus gesehen sind sie Torheit und Unsinn.
Erst vom Himmel aus offenbart uns das Kreuz seinen wahren Sinn, sein Mysterium. Und deshalb trägt der Herr bei der Himmelfahrt das Kreuz in den Himmel empor.
Das Kreuz schwebt zwischen Himmel und Erde. Es steht tief drunten in der Erde, aber es ragt empor bis in den Himmel hinein. Es verbindet Himmel und Erde, und es trennt Himmel und Erde. Daß es Himmel und Erde verbindet, zeigte sich besonders bei der ersten Parusie des Herrn im Fleische, als der Menschensohn zwischen Himmel und Erde an ihm hing und sich als Opfer für die vom Himmel getrennte Menschheit darbrachte. Daß das Kreuz Himmel und Erde trennt, wird sich bei der zweiten Parusie zeigen, wenn das Kreuz vom Himmel auf die Erde herableuchtet und seine Getreuen sammelt, der Welt aber das ewige Urteil spricht.
Aber auch bei der ersten Parusie hat das Kreuz nur dadurch vereint, daß es trennte. Das Kreuz ist immer der Grenzpfosten zwischen Gott und Welt. Gott kann in die Welt nur hinabsteigen, wenn er diese Grenze überschreitet; und der Mensch kann nur dann zu Gott emporsteigen, wenn er seinerseits diese Grenze überschreitet. "Welt" ist hier das Reich der Sünde, die widergöttliche Welt, die sich gegen Gott erhoben hat und nichts von ihm wissen will. Als Gott dieser Welt sein Heil wieder anbot, stieg sein eingeborener Sohn hinab in diesen furchtbaren Bezirk der Sünde und der Finsternis; er wurde der gefallenen Menschheit gleich, soweit das für den Reinen möglich war. Er wurde in allem uns Sündern gleich - doch ohne Sünde. Er nahm das Fleisch der Sünde auf sich mit all seinen Schrecken, der Trübsal, dem Leiden und dem Tode. Das heißt: Er nahm das Kreuz auf sich. Indem er aber seinen unschuldigen, aus dieser Welt genommenen Leib ans Kreuz heftete, hat er die Welt selbst der Sünde entrissen. Das Kreuz hat also getrennt und vereint: getrennt, insofern es den furchtbaren Abgrund, der zwischen Gott und Welt besteht, aufs eindringlichste predigte und betonte - die Welt mordet Gott! Gott stirbt um der Sünde willen! -, vereint aber, insofern nun der siegreiche Kreuzträger in seinem Leibe die erlöste Menschheit in sein Gottesreich hinübertrug. "Hodie mecum eris in paradiso - Heute wirst du mit mir im Paradies sein".
 Odo Casel OSB: Mysterium des Kreuzes. Paderborn 1954. S.234 ff.
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Montag, 14. Mai 2012

MM* 8: Wir grüßen dich, heilige Mutter

Glückselig bist du, Maria, denn durch dich sind gelöst die von den Propheten verkündeten Geheimnisse und Rätsel! Moses wies auf dich hin im Dornbusch und in der Wolke, Jakob in der Himmelsleiter, David in der Bundeslade, Ezechiel in der verschlossenen und versiegelten Pforte; jene geheimnisvollen Andeutungen sind erfüllt, da du den Sohn Gottes auf wunderbare Weise geboren hast.
Wir grüßen dich, heilige Mutter, die du geboren den König, der über Himmel und Erde in alle Ewigkeit herrscht. Selig bist du, denn du hast ihn empfangen. Selig bist du, denn du hast ihn geboren. Selig bist du, denn du hast ihn genährt, den Allernäher. Selig bist du, denn in deinem Schoße hast du den Gewaltigen getragen, der durch seine Macht die Welt trägt, den, der alles lenkt und leitet. Selig bist du, denn aus deinem Schoß ging ein Glanz hervor, der den ganzen Erdkreis überstrahlt und dein Lob verkündet.
Sei gegrüßt, du Morgenröte des Heils, du Ursache unserer Freude. Sei gegrüßt, unsere Zuflucht. Sei gegrüßt, unser Ruhm. Durch dich ist unser Geschlecht zum Himmel erhöht worden.
Bitte Gott, der aus dir geboren wurde: Er solle seiner Kirche Schutz verleihen. Durch die Kraft deines Gebetes, Mutter des Allerhöchsten, möge er der Erde und ihren Bewohnern völligen Frieden schenken.
Lob sei ihm, der da kam und aus dir aufging, dich zu seiner Mutter machte und durch dich zum Kinde ward. Gebenedeit sei der König der Könige, der Mensch geworden ist und das Menschengeschlecht zur Höhe des Paradieses erhoben hat. Lob sei dem Vater, der ihn gesandt hat zu unserer Erlösung, und Preis dem Heiligen Geiste, der unsere Sünden tilgt. Amen.
Altchristliches Marienlob in einer Fassung aus dem Magnificat. Gebet- und Gesangbuch für die Erzdiözese Freiburg (1960), Nr. 783
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*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

LOS WOCHOS Start - Mai-Altäre 2012

Maialtar - Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Wittnau bei Freiburg
Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob man zum Verkünden der Los Wochos nicht irgeneiner blogozesanen Missio canonica bedarf oder ob man das nur auf dem Elsa-und-Alipius-Level bringen kann ... aber ich probier's einfach mal und rufe eine neue Runde Los Wochos aus. Thema:
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Mai-Altäre 2012
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Die Regeln: Es zählen nur Altäre, die man in diesen Tagen selbst photographiert (hat) - also keine Google-Bildsuche oder dergleichen. Und: Vor jedem Maialtar muß nach dem Ablichten zumindest ein Salve Regina für Papst Benedikt XVI. gebetet werden. Das könnte zu bewerkstelligen sein, oder? 
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Also, schnappt euch eure Handys, Smartphones, Kameras und zieht los! Zeit habt ihr bis zum 31. Maien - den Maialtar oben habe ich übrigens gestern in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Wittnau entdeckt ...

Sonntag, 13. Mai 2012

MM* 7: Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Sakrament

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Der 13. Mai ist in diesem Jahr nicht nur dem 5. Sonntag nach Ostern verbunden. Dieser Tag ist generell auch ein Marientag; nicht allein der Erscheinungen Mariens in Fátima wegen, deren erste am 13. Mai 1917 stattfand. Der 13. Mai wird auch durch das Fest Unserer Lieben Frau vom Heiligsten Sakrament ausgezeichnet. Unter diesem Namen verehrte der hl. Pierre Julian Eymard (1811 - 1865) die Gottesmutter. Für die von ihm gegründete Kongregation vom Allerheiligsten Sakrament ist dieser Tag ein Festtag. Hier ein Wort aus den Betrachtungen des hl. Pierre Julian Eymard:
Maria hatte wie jede Mutter die Pflicht, Jesus aufzuziehen. Gewiss bleibt die Art und Weise, wie sie diese Aufgabe erfüllte, ein unaussprechbares Geheimnis. Wenn aber der Sohn Gottes in der vollen Wahrheit der Sohn Mariens war, dann muss diese in ihrer Beziehung zu ihm und in den Augen der Leute die Haltung einer wahren Mutter eingenommen haben.
Maria begleitet Jesus auch in allen Phasen und Situationen seines Lebens. Sie war arm mit ihm in Bethlehem, verborgen in Nazaret, verfolgt während seines evangelischen Lebens, hingeopfert in der Stunde seines Leidens; sie wird sich später vereinigen mit seinem eucharistischen Leben, dem Ziel und der Krönung aller Geheimnisse Jesu.
Auch der Priester muss Jesus in den Seelen nähren, damit er in ihnen lebe und wachse. Aber wie könnte ihm das gut gelingen, wenn er nicht selber von Jesus lebt, wenn er sich nicht seinen Geist und sein Herz in der Vertraulichkeit mit Jesus Christus, dem Hohenpriester, nährt?
Eine seiner Hauptsorgen muss es sein, Priesterberufe zu entdecken und zu formen, sowie die Neugeweihten des Priesteramtes zu leiten. Er möge darin mit der Jungfrau Maria zusammenarbeiten; er vertraue der Liebe Mariens besonders für den jungen Priester.
Sie hat ihn in der Jugendzeit vor dem Bösen bewahrt, um in ihm die Tugend zu erhalten, welche den Priester kennzeichnet: indem sie seine Frömmigkeit nährte, seine Liebe anregte, ihn gleichsam an der Hand bis in die Nähe des Altars, bis zu Füßen des Hohenpriesters führte und ihn wie einstmals ihren Sohn im Tempel ihm vorstellte; indem sie ihn in den tausend Opfern des Studiums, der Kämpfe und Ängste zum Priesterberuf ermutigte.
O wie herrlich: ein Priester, der durch Maria geformt wurde! Dies ist ein guter und heiliger Priester, Jesus wird ihn freudig aufnehmen und in ihm seine Mutter bleiben.
 Weitere Informationen über den hl.  Pierre Julian Eymard und die von ihm gegründete Kongregation sowie Texte sind auf den Seiten der Eucharistiener zu finden.
Sei gegrüßt, Maria, du aus reinem Gold gegossener Schatzbehälter. Du umschließt die lieblichste Süßigkeit unserer Seele, Christus, der das Manna ist (St. Germanus).
Maria, vas honorabile, du ehrwürdiges Gefäß - bitte für uns! (Lauretanische Litanei)
*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

Der schwarze Kanal - Diesseitsfixierung

... Diese Diesseitsfixierung hat einen für die Kirche unschönen Nebeneffekt: Mir der Verschiebung des Erlösungshorizonts, der sich nunmehr ganz aufs Heute richtet, setzt sie sich der Konkurrenz zu weltlichen Glaubensorganisationen aus, die dem Bedürfnis nach entschiedenem Handeln sehr viel besser nachkommen können. Warum nicht gleich Mitglied bei Greenpeace, Peta oder Amnesty werden? Eine Antwort war lange die spirituelle Autorität der Kirche und ihre Auskunftsfähigkeit über das Jenseits. Dieses Privileg aufgegeben zu haben, hat sich für sie als ziemlich kostspielig erwiesen, wie ein Blick auf die Zahl der Gläubigen zeigt. Die evangelische Kirche scheint dennoch fest entschlossen, die Verharmlosung der Religion, und nichts anderes bedeutet ja ihre Politisierung, weiterzutreiben. Echtes Engagement scheut keine Kosten.
Jan Fleischauer: Der Schwarze Kanal. Was Sie schon immer von Linken ahnten, aber nicht zu sagen wagten. Reinbek 2012, Seite 87.

Freitag, 11. Mai 2012

Bei der documenta schlägt's jetzt aber 13

Carolyn Christov-Bakargiev fühlt sich "bedroht". Von Kunst. Genauer: Von einer lebensechten menschlichen Plastik auf einer aufgespießten goldenen Kugel, die man am Kirchturm der Kassler Kirche St. Elisabeth installiert hat. Das Ding sieht, zugegeben, schon ein wenig danach aus, als ob ihm samt Spieß und Kugel und Mann jeden Augenblick der Absturz droht, und selbstverständlich wünsche ich Frau Carolyn Christov-Bakargiev keineswegs, daß sie justamente unterm Turm herumspaziere, auf daß sie keinen weiteren Schaden nehme. Jedoch dürfte etwa der Aufenthalt zu Füßen gotischer Kathedralen ohnehin gefahrenträchtiger sein; denn da droht - es nagt der Zahn der Zeit - öfter mal Kunst runter zu fallen. Hin und wieder bleibt es nicht nur bei der Drohung.
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Trotzdem fühlte ich mich von gotischen Kathedralen bislang nicht bedroht. Und ich spreche aus Erfahrung, in Freiburg steht schließlich eine rum und ich lebe immer noch. Allerdings scheint mir der Dame gefühlte Bedrohung nicht einstürzenden Kunstwerken, sondern eher vertiefter Sensibilität geschuldet. 
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Carolyn Christov-Bakargiev fühlt sich also bedroht. Von Kunst. Das muss man jetzt nicht unbedingt verstehen, denn die Frau ist eigentlich voll vom Fach, macht selbst ganz furchtbar viel in Kunst und leitet die demnächst startende Kassler documenta13, die weltallerwichtigste zeitgenössische Zusammenrottung diverser Künstler und derer Werke. Sie alle, dies muss man natürlich auch sehen, sie alle und Frau Christov-Bakargiev vornweg, sind natürlich Menschen, die weitaus sensibler fühlen und empfinden als Holzklötze von meinereiner Statur und Neigung, der ich im Zweifelsfall den Porsche Cayenne oder das alte G3 bei der Bundeswehr künstlerisch wertvoller finde als ein zu Schrottkunst bzw. Kunstschrott verklärter Kabelsalat oder ein Abend bei den Donaueschinger Musiktagen, der documenta feinfühlender Ohren für Neue Musik. Wer so fühlt wie dort das Publikum, fühlt natürlich mehr. Aber wer so fühlt wie ich, fühlt sich von Kunst wenigstens nicht bedroht - höchstens genervt.
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Die künstlerische Leiterin fühlt sich hingegen bedroht. Sie hat also - wo solche Ursache, muß auch Wirkung sein - Angst. Das ist sehr nützlich, denn Angst stehe, so der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer, in der heutigen "Debatte hoch im Kurs" und sei "als Gefühlswort allerersten Ranges geeignet, sofort jede Diskussion zu bestimmen". Denn nichts wirke "so unschlagbar authentisch wie das Bekenntnis, sich zu fürchten". Mit anderen Worten: Wer so daherkommt, macht sich in der heutigen "Gefühlskultur" in jeder Hinsicht unanfechtbar - ethisch, moralisch, in jedem Diskurs, in jeder Debatte, von der Bürgerversammlung gegen Handystrahlen bis in den Bundestag hinein. Nur am Stammtisch blamiert man sich damit, aber dort hocken wieder nur die Holzklötze.
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Es ist ja auch eine bodenlose Unverschämtheit ... da wird geplant und hin und her kuratiert, um eine ganze Stadt zum Kunstraum, ja zum Weltraum zeitgenössischer Kunst zu gestalten - und dann kommen die Pfaffen daher und installieren ungefragt was dazu. "Ein Eingriff in die Freiheit der documenta", deklariert der dazugehörige Geschäftsführer Bernd Leifeld. Ich kann nur staunen! Inmitten der suizidgefährdeten Langeweile einer anything-goes-Gesellschaft schwingt sich die documenta-Zentrale zu absoluter Größe empor, ermächtigt sich zu alleiniger Sinnstiftung, bricht quasi die Diktatur des Relativismus, der es jedem erlauben will, auf eigenem Grund und Boden nach Belieben Kunstwerke auf- und auszustellen. Merke, Mensch: Wir sind die Kunst. Du sollst keine andere Kunst neben uns haben! Und wenn du doch eine neben uns hast, beschneidest du uns in unserer Freiheit. Bereits im vergangenen Jahr habe er bei Gesprächen mit den Kirchen "gefordert", diese sollten "auf zeitgenössische Kunst verzichten", sonnt sich Leifeld weiter in auktoritaler Verfügungsmasse. "Die evangelische Kirche" habe "das verstanden". Wen wundert's auch?
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Aber immerhin - diese documenta-Revue hat Klasse! Hat Stil. Auf diesen Anspruch ist nicht einmal der Absolutismus gekommen: Ein Recht darauf zu haben, daß ein anderes Gut von vornherein nicht sei und nicht werde. Dies erst scheint mir die volle, die letzte Verwirklichung einer wahrhaft autonomen "Freiheit von ..." Auf diesen kulturellen Totalitarismus  muss man erst einmal kommen. Um sowas durchsetzen zu wollen, muss man sich in der Tat fürchten. Am besten vor sich selbst.

Während sich die documenta-Leiterin meinethalben weiter fürchten mag, sieht sich Bernd Leifeld von der Kirchenaktion mutmaßlich eher belästigt ... belästigt durch Kunst! Davon kann der grobschlächtige Durchschnittskatholik natürlich ein garstig langes Liedlein singen. Lassen wir einmal die kirchliche Gebrauchskeramik mit ihrer (Be)Ton-Steine-Scherben-Ästhethik der vergangenen50 Jahre beiseite und kommen gleich zu aufregenderen Kreationen ...
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Was alles durften wir uns im Reich der Kunst nicht schon anschauen ... in Urin ersäufte Wandkreuze, kondomgeschürzte Madonnen, gekreuzigte Kröten, in Schweineblut getunkte Paramente, den schwulen Jesus, geistliche blowjobs und anderes mehr. Wer dagegen anstänkert, beschneidet stets die Freiheit der Kunst und ist ein totalitärer Dunkelmann. Die Kunst nämlich darf sich alles aneignen, anverwandeln und als Dreck behandeln, was und wie es ihr beliebt. Aber wehe, die Kirche eignet sich die documenta an, manipuliert sozusagen die heiligen Kühe des Konzepts und kocht ein unerlaubtes Süppchen. Das schmeckt nach Sakrileg! Bei dem Bohei, welches Frau Christov-Bakargiev und Herr Leifeld rund um die Kunst im Kirchturm veranstalten, lässt sich glatt auf einen gesteigerten Tabubruch seitens der Kirche schließen. 
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Doch wie heißt es schließlich immer so schön? Kunst muss auch Weh tun können und provozieren. Na, klappt doch wieder wunderbar!