Samstag, 31. März 2012

Liturgische Bewegung - Anfänge

Wie stellt man sich als "Alte-Messe-Molch" zur liturgischen Bewegung? Diese Frage habe ich neulich angerissen. Es ist gewiß kein Schaden, sich vorab kurz die Entwicklung der liturgischen Bewegung anzuschauen. Meines Ermessens lassen sich zumindest drei Phasen ausmachen:
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(1) Die Anfänge in den Klöstern ab Mitte des 19. Jahrhunderts. (2) Eine zunehmende Rezeption liturgischer Maßstäbe in den Pfarrgemeinden nach dem Ersten Weltkrieg. (3) Der immer deutlichere Ruf nach liturgischer Veränderung, der vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg an Fahrt gewinnt. 
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(1) Die Anfänge in den Klöstern. Die französische Benediktinerabtei St. Pierre zu Solesmes ist bis heute vor allem ob der Wiederherstellung und Pflege des gregorianischen Chorals namhaft, ein Engagement, welches auf die Anregung Dom Prosper Guéranger, seines Zeichens ersten Abt des 1833 neu gegründeten Klosters, zurückgeht. Diese Aufgabe überließ Dom Prosper jedoch kundigen Mönchen, während er selbst Texte und Zeremonien der römischen Liturgie erforschte - nicht zuletzt, um sie für das geistliche Leben wieder fruchtbar zu machen. Die Liturgie sei "die unaufhörliche Stimme der Kirche", in ihr enthüllten sich "in sichtbaren Wirklichkeiten die unsichtbaren Wirklichkeiten". Die Quelle der Liturgie befinde sich in der Heiligen Dreifaltigkeit und als das Gebet der Kirche erreiche sie unmittelbar das Herz Gottes. Wegweisend für eine neue Wertschätzung der Liturgie in Frankreich - wie kurz darauf auch in Deutschland - wurde vor allem Dom Prospers vielbändiges Werk zum Kirchenjahr: L’année liturgique. Um es etwas zugespitzt zu formulieren ... als Dom Prosper sich auf seine liturgische Entdeckungsreise begab, war es etwa in Süddeutschland in der Folge der Spätaufklärung noch nicht so lange her, daß die Pfarrer ihre Gemeinde von der Kanzel herab über Tugend und Anstand und Ackerbau und Viehzucht informierten.
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Das Anliegen von Solesmes wurde in Deutschland vor allem durch die Arbeit des Beuroner Benediktiners Anselm Schott gefördert, dessen lateinisch-deutsches Volksmeßbuch erstmals 1884 erschien (zwei Jahre zuvor wurde bereits ein lateinisch-französisches Meßbuch von der belgischen Abtei Maredsous veröffentlicht). Dieser neue Zugang zur Liturgie dürfte aber noch einige Zeit auf monastisch und akademisch geprägte Zirkel beschränkt geblieben sein. Die sonstigen Gesang-, Andachts- und Erbauungsbücher aus der Zeit der Jahrhundertwende sind noch weitgehend "liturgiefrei", wenngleich zumindest musikalisch - dies aber vor allem eine Folge des Cäcilianismus - Choralmelodien wieder auf dem Vormarsch sind und katholische Hausbücher wie etwa der traditionsreiche Goffiné auch Meßorationen, Episteln und Evangelien der Sonntage und diverser Festtage darbieten. Aber Werke wie das 1880 erstmals erschienene Buch Das heilige Meßopfer dogmatisch, liturgisch und aszetisch erklärt von Nikolaus Gihr fanden, obwohl sich der Verfasser ausdrücklich auch an Laien richtete, noch kaum in die Breite des Kirchenvolks. Wenn überhaupt, dann speiste sich dort das Wissen über die Heilige Messe wahrscheinlich eher aus des Kapuziners Martin von Cochem blumig-barocker Erklärung des heiligen Meßopfers und anverwandter aszetischer Literatur der Altvorderen.
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Die Volksmeßbücher waren anfänglich, so darf vermutet werden, keine Selbstläufer. Wohl auch auf diesem Hintergrund ist jene Rede von Dom Lambert Beauduin zu sehen, in welcher sich der belgische Benediktiner 1909 bei einem Kongreß in Mecheln für die Verbreitung dieser Bücher in die Bresche warf und die in die Annalen der liturgischen Bewegung einging. 
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Eine andere Persönlichkeit darf an dieser Stelle auf keinen Fall vergessen werden - der hl. Pius X. Nicht wenige Reformen und Anregungen des Papstes betrachteten die Väter der liturgischen Bewegung als Ermutigung. Dazu zählen zum Beispiel die unter seinem Pontifikat vollendeten Reformen des Breviers und des Chorals, die klaren Anweisungen zur Kirchenmusik, die Förderung einer möglichst frühen Erstkommunion der Kinder, die Ermunterung zum täglichen Empfang der heiligen Kommunion (damals keineswegs selbstverständlich) und nicht zuletzt die Ermahnung des Papstes zu einer "partecipazione attiva" des Volkes bei der Messe - eine Forderung, die nachmals als participatio actuosa, als "tätige Anteilnahme der Gläubigen" zu einem zentralen Desiderat der Liturgiereform geworden ist. Kolportiert wird in diesem Zusammenhang gerne ein echtes oder vermeintliches Zitat von Pius X.: "Die Menschen sollen nicht in der Messe, sondern sie sollen die Messe beten".
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Vielleicht ist es abschließend noch sinnvoll, auf einige Strömungen aufmerksam zu machen, die für die Anfänge der liturgischen Bewegung womöglich auch eine Rolle gespielt haben dürften. Zu nennen wäre etwa die Romantik mit ihrem Rekurs auf das Mittelalter, die aufblühende Archäologie und - eher philosophisch - die Besinnung auf Idealismus (außerkirchlich) und Scholastik (innerkirchlich) nach einer eher naturalistisch-positivistischen Epoche.

Freitag, 30. März 2012

Zum Gedächtnis der sieben Schmerzen Mariä

"Jesus begegnet seiner Mutter" ... Als sie den Spruch erfuhr, der ihren Sohn zum Tode verurteilte, wollte sie so lange als möglich bei ihm bleiben, darum stellte sie sich an seinen Weg. Konnte es in seiner letzten Stunde einen größeren Trost haben?
Maria, die Mutter Christi, ist auch meine Mutter. Zärtlicher und liebevoller als die Mütter der Erde wird die Mutter Gottes, deren Tod so sanft war, daß die Kirche ihn ein "Einschlafen" nennt, den schrecklichen Augenblick meines Scheidens erleichtern.
Vesperbild
Pfarrkirche St. Gallus, Merzhausen
Maria wird allen ihren Kindern helfen. Aber mit welcher Liebe wird sie sich über jene neigen, die alle Tage ihres Lebens daran dachten, ihr zu sagen: "Heilige Maria, bitte für mich in der Stunde meines Todes!"
Marcel Bories: Das Kreuz und mein Leben. Kreuzweg im Licht der sieben Sakramente - aus der fünften Kreuzwegandacht Die letzte Ölung. Freiburg 1955.

Donnerstag, 29. März 2012

Das Kultmysterium

Wie wird man ein Glied Christi?
In letzter Linie ist jene Teilnahme ein Werk der Gnade Gottes, der ewigen Vorherbestimmung. Auf dieser Gnade beruht der erste Anfang des Heilsweges: der Glaube. Aber er gibt noch nicht die Einverleibung in den mystischen Leib Christi, diese erteilt vielmehr das Mysterium der Taufe. Hier stößt der Christ zum ersten Mal auf das Kult-Mysterium.
Christus ist durch sein Leiden auch seiner Menschheit nach zum Pneuma geworden, d. h. zum verklärten Kyrios, zum Hohenpriester, zum Austeiler des Pneumas und damit zum Haupt seiner Kirche.
Durch das Leiden wurde er "geheiligt" (Joh 17, 19), "verherrlicht" (Joh 7, 39; 12, 23); denn jetzt legte er mit seinem irdischen Fleische die freiwillig angenommene "Sünde" ab, er, der für uns "zur Sünde geworden war", indem er die Last der Sünde (...) trug.
Diesen Heilsweg müssen auch wir gehen, aber in Christus. Er ward für uns zum vollkommenen Vorbild, aber nicht bloß zum moralischen, sondern zum Modell, dem wir in allem gleich werden sollen, auch in seinem Sein, soweit das der bloßen Kreatur möglich ist. Dieses aber können wir nicht aus uns, sondern nur durch den Erlöser. Die Erlösung Christi muß also auch an uns Wirklichkeit werden.
Dies aber geschieht nicht durch eine bloße "Applikation", bei der wir uns rein passiv verhielten, durch eine "Rechtfertigung" rein aus dem "Glauben" oder durch eine Zuwendung der Gnaden Christi, bei der wir nur negativ die Hindernisse wegzuräumen hätten, um sie zu empfangen. Sondern es ist eine lebendige, tätige Teilnahme an der Erlösungstat Christi notwendig, die passiv ist, insofern als der Herr sie an uns wirkt, aktiv, insofern wir tätig daran durch eine Handlung teilnehmen. Dem Wirken Gottes an uns (opus operatum) soll unser in Gott gnadenhaft vollzogenes "Mitwirken" (opus operantis) entsprechen.
Wie ist es aber möglich, dieses erhabene Werk zu wirken, wo Gott und Mensch wahrhaft Mitarbeiter sind (und jeder seiner Art entsprechend: Gott als der eigentliche Werkmeister, der Mensch aber als der in Gottes Kraft das Werk empfangende und zugleich daran mitwirkende Teil)?
Dazu gab uns der Herr die Mysterien des Kultes, d.h. heilige Handlungen, die wir vollziehen, die aber zugleich der Herr (durch den Dienst der Priester der Kirche) an uns vollzieht. Durch diese Handlungen ist es möglich, daß wir aufs intensivste und konkreteste in materiell erkennbarer Weise und zugleich in spirituellster Form an den Heilstaten des Herrn teilhaben.
Odo Casel: Das christliche Kultmysterium. Regensburg 1935. 29f.

Papstreise - Gegensätzlichkeit der Betrachtung

Das eine Medium - die Salzburger Nachrichten - meckert mal wieder, wie Bellfrell hier schreibt, andere Zeitungen sehen den Papstbesuch in Mexiko und auf Cuba aber auch anders, wie hier in der Badischen Zeitung nachgelesen werden kann.
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Interessant ist nicht zuletzt die Gegensätzlichkeit der Betrachtung ...

Sonntag, 25. März 2012

Mariä Verkündigung

Der Engel trat bei ihr ein und sprach: Gegrüßet seist du, voll der Gnade! Der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Frauen. Als Maria dies hörte, erschrak sie über seine Worte und dachte nach, was dieser Gruß bedeuten sollte. Der Engel aber sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben (Lk 1, 28-31).
"Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten
dich überschatten" - Pfarrkirche St. Gallus, Merzhausen bei Freiburg
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Wenden wir die Situation für einen kurzen Augenblick auf uns an. Sicher, wir sind nicht Maria. Aber gehen wir dennoch einfach davon aus, der Engel würde bei uns eintreten und uns einen Gruß entbieten, etwas so: "Gegrüßt seist du ... ja, genau, dich meine ich: Du, in der Taufe von Gnade überflutet. Der Herr ist mit Dir - oder wäre es zumindest gerne". Wenn wir dann über diesen Gruß wirklich nachdenken würden, dann wäre bereits einiges erreicht. Und nehmen wir an, der Engel würde weitersprechen: "Fürchte dich nicht, Du hast hast Gnade gefunden bei Gott ..." Klar, hier geht es um eine inwendige Menschwerdung Gottes, aber könnte nicht gerade unsere Bereitschaft dazu die schönste - und uns täglich aufs neue herausfordernde - Antwort auf das "Ja" Mariens sein?
Die Kirche ist schwanger und liegt in Wehen, bis Christus in uns gestaltet und geboren wird, damit ein jeder der Heiligen durch die Teilnahme an Christus zu Christus wird (Methodius von Olympos, Symposion 8,8).

Wie man die Verkündigung tunlichst nicht malen sollte ...

Mehrmals vergreifen sich die Maler, wann sie sollen die höchstgebenedeite Mutter Gottes vorbilden. Da sollten sie all ihre Macht aufbieten, daß Gott und sein werte Mutter recht vorgestellt wurde. So geschicht aber auch da vielfältig das Widerspiel. Muß etliche Muster ihres ungeschickten Pensels anziehen.
Wie malen sie den Englischen Gruß? ... ungereimt gnug. Vor dem Engel Gabriel geben sie Mariä einen Beter in die Hand, gleich als hätt sie eben am Rosenkranz gebet, wie ihr der himmlische Botschafter erschien. Reim dich oder ich werf dich die Stiegen ein!
Wie hats den Rosenkranz beten können, von dem man dazumal noch nichts gewußt? Hat nicht Christus erst lang hernach das Vaterunser vorgeschrieben und noch später aus des Engels Gruß die Kirch ein formlichs Gebet gemacht? Zudem, wie hat sie den Rosenkranz beten sollen? Sie hätt ja sich selbst müssen anrufen und verehren. Wer kann aber zu solchen Händeln ja sagen!
Da Maria ihren Willen drein geben und gesagt: Ich bin ein Dienerin des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort, ist in ihrem heiligen jungfräulichen Leib augenblicklich Gott Mensch worden, so nachmals in ihr fort und fort, wie andre Kinder gewachsen, bis er gar die Welt sichtbarlich bezogen. Dies wollen die Maler bedeuten, wenn sie eben die Hochheilige Dreifaltigkeit vorstellen, von dannen in schönen Strahlen ein bloßes Kind herabfährt, als wollte es dem heiligen, jungfräulichen Leib zureisen. 
Wer sieht aber nicht, daß man mit diesem fleischigen Kind, so vom Himmel herab Mariä zufliegt, Tür und Tor eröffnet den alten, heillosen Ketzern, so man die Valentiner, Apollinaristen und Gnosticos genennt, welche vorgeben, Gott hab ein himmlischen und göttlichen Leib schon mit sich herabbracht und seie mit solchem in den jungfräulichen Leib hinein, wie Epiphan erzählt und Iren, auch Justin. Wann dem also sein soll, so kunnt ja Maria kein Mutter sein, weil sie ihr Fleisch und Blut nicht hergeben hätt, sondern den ganzen himmlischen Leib Christi von Himmel herab empfangen, so aber ein handgreifliche Ketzerei ist.
Ferners mit diesen Gemäl wurd man auf ein neues dem schon längst zu Augustini Zeiten verdammten Ketzer Appelles und seiner höllischen Rott die Stangen halten, als hätt er gar recht geredt, daß er gesagt und ausgegeben, Christi Leib sei aus den vier Elementen, nicht aber aus dem Fleisch und Blut Mariä zusammengericht, daß er also mehr ein fantastischer als ein wahrer Leib zu nennen. 
Darneben so findt man noch heut hin und her solche Gemäl auch in großen Altären und was mehr ist, auch bei denen, die kräftig meinen, mit ihnen wären alle Wissenschaften erwachsen, mit ihnen sollen alle zugleich absterben, andere wären gegen ihnen greit nur lauter Pfifferling (...).
Ach, so helf Gott dem ärgerlichen Künstler, der solches Bild bei sich behalten und andern gewiesen! Es wird heißen: Sanguis ejus de manu tua requiretur, sein Verderben wird auf deine schlimme Hand gelegt werden, mit der du solches Bild verfertigt oder aufgehängt. Also wirds dem Hehler gehen wie dem Stehler, dem Räter wie dem Täter. So von uns gnädig abwenden wolle, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen. 
Andreas Strobl (1641 - 1706), zuletzt Pfarrer in Buchbach 
Georg Lohmeier (Hg): Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967.

Samstag, 24. März 2012

My weekly Wochenschau ... Woche 12

Sonntag ... Laetare ... Eine Messe, voll von Bewegung: "Freue dich, Jerusalem, kommt alle zusammen, die ihr es liebt" (Introitus) - "Wie freute ich mich, da man mir sagte: Wir ziehen zum Haus des Herrn" (Graduale) - "Jerusalem, ... Gottes Stämme wallen dort hinauf, zu preisen Deinen Namen, Herr" (Communio) ... Wohin hinauf? Zur heiligen Stadt, "Jerusalem, das von oben stammt" (Lesung), der Kirche! Von unten, von den Menschen, kann keine Kirche wachsen, ein Verein vielleicht oder schlimmstenfalls eine Sekte. Die Kirche aber wächst von Christus den Menschen zu, lädt ein, nimmt auf. Als Antwort im Schlußlied: Ein Haus voll Glorie schauet
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Sonntagabend ... genug gefreut. Der Spiegel schlägt auf den Trierer Bischof Stefan Ackermann ein (bei Elsa nachzulesen) und liefert dabei ein Musterbeispiel für Tendenzschmiere, indem er unter anderem schreibt, auf "einem Kongress in Rom" hätten sich neulich "ranghohe Katholiken mit dem Missbrauchsskandal" beschäftigt. Der grammatikalische Anschluß des darauf folgenden Satzes ist nun sehr interessant: "Denn die zahlreich bekannt gewordenen Fälle ... haben die katholische Kirche ... mehr als zwei Milliarden Dollar ... gekostet". Bekanntermaßen leitet die Konjunktion "denn" einen Hauptsatz ein, der den Grund für das angibt, was zuvor festgestellt wurde. Was also versucht das Magazin dem Leser vorzuspiegeln? Die Kirche habe einen Kongress veranstaltet, weil die Kosten aus dem Ruder liefen! Der Gedanke, es könne mehr dahinter stecken als der pure Mammon, darf erst gar nicht aufkommen. Vielleicht ist solch argumentative Engführung aber auch dem Umstand geschuldet, daß man sich beim Spiegel den Rest der Welt nicht anders denken kann als den eigenen Schweinestall.
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Montag ... das Hochfest des heiligen Joseph - eine gute Gelegenheit, wieder einmal an die Erzbruderschaft vom heiligen Joseph für die Sterbenden zu erinnern. Wer nicht nur jammern, wenn Menschen (mitunter sehr plötzlich) aus dem Leben gerissen werden, sondern für diese Menschen auch geistlich etwas tun möchte, kann sich gerne hier kundig machen und anmelden. Ite ad Joseph, geht hin zu Joseph (Ex 41, 55) ... wobei ich den Heiligen daran erinnern möchte, daß ich ihm mit einem Anliegen jetzt auch schon eine ganze Weile auf die Pelle rücke.
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Dienstags oder mittwochs habe ich mir diese Seite mal auf anderen Browsern angeschaut. Ich mag's ja gerne etwas aufgeräumt, was man womöglich nicht glauben würde, sähe man das gelegentliche Anwachsen eines Wäschebergs im Schlafzimmer, den Dauerzustand meines Arbeitszimmers oder das aktuelle Chaos auf dem Küchentisch. Ist aber trotzdem so. Jedenfalls habe ich diese Seite auf meinem derzeitigen Hausbrowser Google Chrome eingerichtet; und alles ist am rechten Fleck. Doch im Internet-Explorer fangen bestimmte Einträge an, aus den gesetzten Rahmen zu schwabbeln, und Firefox variiert die Titelzeilen in tumben Buchstaben anstelle der gewählten Schrifttype. Beide Browser verteilen überdies den Blogtitel, der mittig ziemliche exakt die Breite der Seite füllen sollte, auf zwei Zeilen. Offenbar spielen die Folgen der Erbsünde sogar in Layoutfragen hinein. Ich seufze mit dem Rest der Schöpfung, wobei dem Rest der Schöpfung dieses Darstellungsproblem wahrscheinlich ziemlich schnuppe ist.
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Manchmal wundert man sich über jene unbegreiflichen Abgründe, die sich bei Frauen, mit denen man sich eigentlich gut zu verstehen glaubt, urplötzlich auftun können. In einem tranfunzligen Moment habe ich es jedenfalls versäumt, einer Kollegin, die mir halbwegs auf den Fuß folgte, eine Tür aufzuhalten, worauf die mittelprächtig ausgerastet ist. Bei jüngeren Semestern hätte ich es der Biologie in die Schuhe geschoben, aber hier scheint ein anderer Groll gezündet zu haben. Aber welcher? Sei's drum, der Donnerstag war eh nicht mein Tag.
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Und am Freitag dann diese Rede! Keine Frage, um Joachim Gauck wurde in letzter Zeit ein gewaltiger Wirbel entfacht, alle Augen blickten gespannt auf den neuen Bundespräsidenten. Keine leichte Situation. Und was machte Gauck daraus? Eine Sonntagsrede. Quasi die offiziöse Bestätigung des Verdachts, das Amt des Bundespräsidenten sei das des ersten Grüß-Augusts seines Staates. Was für Themen hätten aufgegriffen werden können, nicht zuletzt auf dem Hintergrund der Vorgeschichte dieser nicht gerade planmäßigen Vereidigung. Aber die Politprominenz bekommt zu hören, was zu hören sie nicht stört. Und die Medien bekommen zu hören, was zu hören sie nicht stört. Unter alles die Vokabel "Freiheit" kräftig unterrührt, ein wenig abendländischen Geist über alles gestreut und der Braten multikulturell garniert. Alle Anwesenden dürfen sich auf die Schulter geklopft fühlen bis auf die ohnehin nicht geladenen Nazis, für die der übliche antifaschistische Grundkonsens erneut wohlfeil zelebriert wird. Demokratie ist toll und wir brauchen mehr Europa, und offenbar ist damit genau jenes Europa gemeint, wie wir es jetzt schon haben, aber nie darüber abstimmen durften.
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Gaucks Rede klingt so verheißungsvoll, wie ein Fertiggericht auf der Packung aussieht. Wer es allen recht machen will, macht nichts richtig.
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Samstag ... welches Album das bessere sei, "das von Madonna oder das von Lady Gaga", fragt der Moderator von DRadio Kultur, während ich in der chaosfreien Ecke meines Küchentischs ein Brötchen schmiere. Mann, ist das Abendland zwischenzeitlich gaga ...

Freitag, 23. März 2012

Pay Equal Day Bashing ;-)

Heute findet in Deutschland der pay equal day statt: "Dieser Tag markiert das Datum, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus weiterarbeiten müssten, um rechnerisch auf das durchschnittliche Jahresgehalt eines Mannes zu kommen" (Quelle). Leider überkommen mich just keine frauensensibel passenden Gedanken hierzu. Aber wie der Zufall so will, fiel mir heute ein Büchlein in die Hände, und so übergebe ich das Wort an Pater Georg Stengel SJ:
Menander, ein griechischer Poet, schlagt sehr übel auf seiner Lauten für die Weiber, er hat schier gar zu hoch den Ton angestimmet. Er sagt: Tot cum mari terraque sint passim ferae, Fera omnium ipsa maxima extat femina.
Im Meer, auf Erden ist nichts böser / Als ein Weib, merks wohl mein Leser! 
Der Weise Salomon ist allererst in seinem Alter in die Abgötterei gefallen. Ach, wer hat diesen weisisten König unter allen Menschen in diese größte Torheit gestürzet? Die Weiber. Also bezeugt es die Heilige Schrift: cumque jam esset senex, da Salomon nun alt ware, wurde sein Herz verführet von den Weibern, daß er den fremden Göttern nachginge. Da waren wiederumb die Weiber ein Tür des Teufels und ein Weg zu der Bosheit. Hat der weise Salomon unter so vielen Weiberen, die er gehabt hat, kein gutes können finden, ach, wie wird es allererst anderen, die so weis nit seind, ergehen? Es wird freilich der mehrere Teil ein schlechtes War bekommen, wann sie nicht alle mögliche Behutsamkeit anwenden.
Alphonsus, der weise König in Spanien hat vermeint, er habe endlich ein Paar Ehevolk gefunden, welches zum Besten zusammen taugte, da er pflegte zu sagen, daß alsdann ein gute Ehe könne gestiftet werden, wann der Mann Gehör los wäre, daß er des Weib Zanken nicht anhören müßte und das Weib blind wäre, damit sie dem Mann in seinen Geschäften nicht einreden konnte. Dann die Weiber allzeit gescheiter als die Männer sein wollen, da sie doch so wenig Hirn haben als ein Strohbutz auf dem Acker, der für die Vogelscheu ist hinaus gestellet worden.
Der berühmte und von allen Staatserfahrnen hochgeschätzte Tacitus hat von den Weibern diese Wort schriftlich hinterlassen: neque enim imbecillis tantum et impar laboribus sexus est, sed, si licentia adsit, saevus, ambitiosus, potestatis avidus, omnium rerum libertatem, imo licentiam, si vera dicere volumus, desiderat, das weibliche Geschlecht ist zwar schwach und nicht tauglich große Arbeiten zu versehen, aber lasse dasselbige die Oberhand bekommen, so wirst du sehen, was du für einen Herrn, oder wann ich also reden darf, Herrin bekommen hast, sie wird dich wollen in ein Bockshorn schieben, mit dir als wie ein Tyrann umbgehen, dir kein Ehr, kein Freiheit, keinen Gewalt überlassen, alles wird sie dir nehmen und ihr vorbehalten.
 Georg Lohmeier (Hg): Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967.
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PS Die Wiedergabe dieser Kanzelreden-Auswahl versteht sich auch als Reaktion auf die dröge politische Konsenskorrektheit, die unser frischvereidigter Bunderpräsident heute verbreitete - als ob es in diesen Tagen nicht genug Themenfelder gäbe, die a) aufzugreifen wären und mit denen man b) garantiert irgendwo mächtig aneckt. Der Grüß-August ließ grüßen. Aber das nur am Rande ...

Donnerstag, 22. März 2012

Liturgische Bewegung - kann man da mitturnen?

Leserinnen und Leser, die mein Vorgängerblog kennen, wissen, daß ich "rituell" vornehmlich "außerodentlich-römisch" gepolt bin; entsprechend fühle ich mich in der Ecclesia-Dei-Welt eher wohl als im "Gottesdienst mit Eucharistiefeier" (so heißt das seit einiger Zeit in einer Baselbieter Pfarrei im Gegensatz zum vermeintlich gleichwertigen "Gottesdienst mit Kommunionfeier"). Also: die Meßordnung Pauls VI. ist nicht unbedingt mein Ding. Neben einigen Reformen, die ich ganz gelungen finde, gibt es vieles, was meiner Ansicht nach früher schlicht besser war.
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Und da ich zudem einerseits dem Überraschungsei-Alter entwachsen bin und mir andererseits nie sicher sein kann, was in dieser oder jener Pfarrei gerade liturgisch en vogue ist, halte ich eine gewisse, sagen wir mal, emotionale Distanz. Meine Prägung durch die Priesterbruderschaft St. Pius X., mit der ich einen guten Teil meiner Jugend verbracht habe, spielt da sicher auch eine Rolle. Daß dies alles keineswegs heißt, die besseren Katholiken turnten automatisch dort oder bei Ecclesia Dei rum, versteht sich von selbst.
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Als ich hier nun meine Schlafzimmertüre einen Spalt auftat und meine aktuelle Nachtschrank-Lektüre präsentierte, schrieb mir Freiburgbärin kurzerhand einen Kommentar, genauer: eine gewiß interessante Neuerscheinung des Sarto Verlags (eine Veranstaltung der Piusbruderschaft), ins Stammbuch:
Der Nuntius Eugenio Pacelli hat die liturgische Bewegung (Casel und Guardini aus Maria Laach etc) zu recht 1929 kritisiert: „Besagte Bewegung übertreibt die Bedeutung der Liturgie, indem sie die äußeren Formen gleichsam an die Stelle des wesentlichen Inhaltes des katholischen Glaubens setzen will.“ Auch in den 30ern sind die Aktivitäten in Maria Laach Gegenstand herber Kritik des Kardinalstaatsekrätärs Pacelli. Aus: Das 2. Vatikanische Konzil, eine bislang ungeschriebene Geschichte.
Wer nun, wie weiland ich zum Beispiel, aus der Pius-Ecke kommt, kennt die Vorbehalte, welche der "Liturgischen Bewegung" mitsamt deren Stichwortgebern und Protagonisten häufig entgegen gebracht werden. 
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Hat sich nicht Romano Guardini, nach eigenen Angaben dieser Idee zuerst sehr abgeneigt und hernach davon sehr angetan, von Johannes Pinks zur Zelebration zum Volk hin überreden lassen? Von jenem Pinsk, der einerseits beim Wiederaufbau seiner kriegsversehrten Berliner Pfarrkirche Mater Dolorosa einen Volksaltar fest installieren ließ und andererseits sich weigerte, in einer anderen Pfarrei eine Vertretung wahrzunehmen, weil die dortige Gemeinde anstelle gregorianischen Chorals nur deutsche Kirchenlieder singen konnte? Und was ist mit dem Klosterneuburger Chorherren Pius Parsch, der gleichfalls im Rahmen seines "Volksliturgischen Apostolats" die celebratio versus populum übte und zudem sich für volkssprachliche Elemente in der Liturgie aussprach? Wie steht es mit Theodor Schnitzler, der (Die Messe in der Betrachtung) wunderbare Bändchen zur Liturgie schrieb und später als Liturgiker die Liturgiereform nach Kräften beförderte? 
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Oder eben der Benediktiner Odo Casel, über dessen Mysterientheologie der eine Teil der Fachwelt raunt, sie habe die große Liturgieenzyklika Mediator Dei von Pius XII. ungemein befruchtet, während der andere Teil die These vertritt, Pius XII. habe ihm damit ungemein eins über die Rübe gezogen? Jener Odo Casel, den manche gerne als Leitstern über der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium schweben sehen ... wobei ich glaube sicher sein zu dürfen, daß Casel angesichts der mancherorts herrschenden realexistierenden Improvisationitis auf schnellstem Weg wegschweben und die Kurve kratzen würde ...
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Fragen über Fragen, demnächst mehr dazu ...

Mittwoch, 21. März 2012

Benedikts Geburtshaus wird verkauft!

All jene, die 2006 beim Verkauf des Geburtshauses unseres Heiligen Vaters zu kurz kamen, weil sie nicht genug Kohle auf der Kante und/oder sinnvolle Konzepte im Kopf hatten, können jetzt aufatmen: Die Immobilie ist wieder im Angebot, und obendrein zu wohlfeilem Preis ...
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Objekt Nr. 3828: Die vollsanierte historische Immobilie aus dem Jahr 1701
besticht durch ihren behaglich-ländlichen Wohnwert auf drei Etagen.
Atmen Sie zudem den Geist der Geschichte: In diesem Haus wurde 1927
Papst Benedikt XVI. geboren. Weitere Auskünfte erteilt Firma Vollmer.
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Für einen dezidierten Blick ins Angebotsportfolio einfach hier klicken. Weitere Informationen zur aktuellen Nutzung der Immobilie können hier eingesehen werden. Auffi gehts, zugreifen, soag i, frohlocken und 'luja singen!

Sankt Benedikt

Vere dignum et iustum est, æquum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere, Domine, sancte Pater, omnipotens,  æterne Deus. Honorandi patris Benedicti gloriosum celebrantes diem, in quo triste sæculum deserens ad cælestis patriæ gaudia migravit æterna; qui Sancti Spiritus repletus dono decoro monachorum gregi dignus pater effulsit et quidquid sacris monuit dictis, sanctis implevit operibus, ut quam divinis inchoaverat oraculis semitam, exemplis monstraret lucidis ut gloriosa monachorum plebs paterna intuens vestigia ad perpetua lucis æternae præmia venire mereretur, per Christum Dominum nostrum ...
Der hl. Benedikt als Fürsprech in der Todesstunde
ehem. Klosterkirche St. Peter im Schwarzwald
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"In Wahrheit ist es würdig und recht, angemessen und heilsam, daß wir Dir, Herr, Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und allerorts danken, da wir den herrlichen Tag des verehrungswürdigen Vaters Benedikt feiern, an dem er dieses traurige Zeitalter verließ und den ewigen Freuden der himmlischen Heimat entgegeneilte: Er, der erfüllt war von des Heiligen Geistes schmückender Gabe, der als würdiger Vater der Schar der Mönche erstrahlte und, was er in heiligen Unterweisungen mahnend verkündigte, in heiligen Werken vollendete, auf daß er den Weg, welchen er auf göttliche Eingebungen hin betreten hatte, durch leuchtende Beispiele weise und so das ruhmvolle Volk der Mönche im Anblick der väterlichen Wegspuren zum immerwährenden Lohn ewigen Lichtes gelange, durch Christus, unseren Herrn ..."
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Präfation zum Fest des Heimgangs des hl. Benedikt 
aus dem Sacramentarium Fuldense (10. Jh.).
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 Alban Dold OSB: Sursum Corda. Hochgebete aus alten lateinischen Liturgien. Salzburg 1954.

Dienstag, 20. März 2012

Neues vom Nachttisch: Kult

Was Odo Casel OSB (1886 - 1948), seines Zeichens liturgischer Beweger und Vater der Mysterientheologie, wohl zu diversen aktuellen liturgischen Bewegungen (ich denk da mal an Schweinfurter Pappnasenmessen und dergleichen) sagen würde? Ich werd's wohl vorerst nicht erfahren. Aufgrund meiner aktuellen Bettlektüre vermute ich aber, daß sich Casel die Früchte der liturgischen Bewegung etwas anders vorgestellt hat ...



Kostprobe?

Es gibt keine Religion ohne Opfer. Religion ist die Ordnung zwischen Gott und Kreatur. Gott neigt sich zum Menschen hinab, und der Mensch steigt zu Gott empor. Diese Wechselbeziehung wird ausgedrückt und bewirkt im Opfer. Das Opfer wird Gott dargebracht; indem Gott es annimmt und in seinen Besitz übernimmt, heiligt und weiht er die Opfergabe. Ist der Opferer von Sünde befleckt und dadurch am Opferdienst gehemmt, so muß das Opfer zunächst Sühne sein. Es vollzieht sich daher in diesem Falle in Form einer vorausgehenden Reinigung, durch die das Opfer erst annehmbar wird. "Ohne Blutvergießen kein Nachlaß" (Hebr 9, 22) und kein Opfer des sündigen Menschen. Das durch die Sühne gereinigte Opfer kann zu Gott emporsteigen. Letzte und eigentliche Hingabe ist der Mensch selbst, d. h. die volle Hingabe seines freien Liebeswillens an Gott; denn dieser allein ist eine Opfergabe, die in dieser Weise Gott noch nicht gehört. Der Mensch will ja zu Gott emporsteigen und von ihm geheiligt werden. Nur wo der Mensch nicht selbst Opfer sein will oder kann, nimmt er einen Ersatz. So war es bei den Juden und Heiden. Im Christentum wurde die ursprüngliche reine Opferidee wiederhergestellt dadurch, daß der erhabenste Vertreter des Menschengeschlechtes, der Gottmensch Jesus Christus, sich selbst am Kreuze Gott als Ganzopfer darbrachte.
Christus ist Gott gegenüber Vertreter des Menschengeschlechtes; da er aber zugleich Gott und Gottes Sohn ist, steht er der Menschheit als Gesandter des Vaters gegenüber. Ein bloßer Mensch hätte Gott kein wohlgefälliges Opfer darbringen können. Auch im Paradiese war Adams Liebesopfer Gott nur angenehm, weil Gottes Pneuma in Adam war und dieser so Gott das Seinige zurückgab. Erst recht konnte seit der Sünde der Mensch kein Opfer mehr darbringen. Wohl nahm Gott Abels und der andern alttestamentlichen Frommen Opfer an, aber nur im Hinblick auf das kommende Opfer Christi ...

 Odo Casel: Das christliche Kultmysterium. Regensburg 1935.

Sonntag, 18. März 2012

Sankt Joseph

... erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: 
"Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was in ihr gezeugt ist, stammt vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Denn Er wird Sein Volk von seinen Sünden erlösen" (Mt 1, 21-22).
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Ein Engel erscheint dem heiligen Joseph im Traum
Münster Sankt Fridolin, Bad Säckingen

In den Worten der nächtlichen "Verkündigung" vernimmt Joseph nicht nur die göttliche Wahrheit über die unaussprechliche Berufung seiner Frau, sondern er hört außerdem wieder die Wahrheit über die eigene Berufung. Dieser "gerechte" Mann, der ganz im Geist der vornehmsten Traditionen des auserwählten Volkes die Jungfrau aus Nazaret liebte und sich mit ihr in ehelicher Liebe verbunden hatte, wird von Gott nochmals zu dieser Liebe berufen.

"Joseph tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich" (Mt 1, 24); das Kind, das sie erwartet, "ist vom Heiligen Geist": muß man nicht aus diesen Aussagen schließen, daß auch seine Liebe als Mann vom Heiligen Geist neu belebt wird? Muß man nicht daran denken, daß die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in das Herz des Menschen ausgegossen ist (vgl. Röm 5, 5), jede menschliche Liebe in vollkommenster Weise gestaltet? Sie gestaltet auch - und das in einzigartiger Weise - die bräutliche Liebe der Ehegatten, indem sie in ihr all das vertieft, was menschlich würdig und schön ist, was die Merkmale der ausschließlichen Hingabe, der Verbundenheit der Personen und der echten Gemeinschaft nach dem Vorbild der Dreifaltigkeit an sich trägt.

der sel. Johannes Paul II.
im Apostolischen Schreiben Redemptoris Custos (mehr hier)

Konzilsrentner Krätzl und das "Lehramt der Theologen"

Manchmal haben auch Bischöfe nicht mehr alle Tassen im Schrank. An der Theologischen Fakultät Luzern schwadronierte jüngst der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl (82) als "Konzilszeuge" zum V2-Jubiläum über V2 und stellte, so berichtet aktuell Kirche heute, fest: "Es gibt zwei Lehrämter und zwei Wächterämter, die Bischöfe und die Theologen". Leider habe man diese Gegenseitigkeit nach dem Konzil wieder aufgegeben. Zuvor war sie erst gar nicht vorhanden.


Das "Lehramt der Theologen"!  Krätzl habe, so ist dem Artikel auch zu entnehmen, "in der ersten Session 1962 erlebt, wie Bischöfe Theologen, die zuvor zensiert worden waren, zu ihren Beratern gemacht und sich mit ihnen angefreundet hätten". Da dürfte vor allem Karl Rahner SJ gemeint sein, den der Wiener Kardinal König, Krätzls Weihebischof, in Rom beim Konzil anschleppte - garantiert nicht zur gesteigerten Freude von Kardinal Ottaviani. Doch zurück ...


... zum "Lehramt der Theologen". Ich lasse da gerade mal einige aktuelle Namen vor meinem geistigen Auge Revue passieren ... will ich sowas als "Lehramt"? Und worüber sollen die dann mit den Schnulli-Episkopen, die sich bei solchen Theologen mit Konzilsgeistplattitüden einschleimen, eigentlich wächteramtsmäßig noch wachen? Über theological correctness, heretical united? Und warum fällt es zunehmend schwer, solche Konzilsrenter vom Kaliber Krätzl noch ernst zu nehmen? Ich krieg die Krätze ...

Samstag, 17. März 2012

My weekly Wochenschau ... Woche 11

Sonntagabend ... kann man beim Zähneputzen Karies kriegen? Ja, wenn einem DRadio Kultur zeitgleich erzählt, daß sich Hans Küng und Thomas Gottschalk im Berliner Kino Babylon getroffen haben. Da trifft also der Stutzer den eitlen Gecken oder der eitle Geck den Stutzer und beide reden über Gott, die Welt und über Jesus, der sich, so die Welt einen Tag später, laut Küng nicht für den Sohn Gottes gehalten habe. Also könnte mir dieser Jesus doch eigentlich egal sein, Weltverbesserer kommen und gehen. Gilt auch für Hans Küng.


Also ist mir lieber Küng egal. Montagmorgen im Bus ... der Reporter von DRadio Kultur war fies genug, Küngs neues Buch mehr oder weniger als Neuauflage jener Kapitel über Jesus Christus zu denunzieren, die Küng in den Siebzigern bereits in Christ sein veröffentlicht hat. Seltsam, daß sich keiner so recht drüber aufregt. Wenn Benedikt XVI. Jesus-Bücher schreibt, fehlt im Chor der Kritik schließlich auch nie das Verdikt, der Papst bewege sich im Rahmen einer Annodunnemal-Exegese. Oder hat sich da seit vierzig Jahren sowieso nichts mehr getan? Lässt sich Unglaube eigentlich steigern? 


Dienstag ... 28 Tote, davon 22 Schulkinder beim Busunglück in der Schweiz. Glauben wird da ungemütlich ... Psalm 43 zur Non:
Erwach! Was schläfst Du, Herr? Wach auf! (Verwirf uns nicht für immer!) Warum verhüllest Du Dein Angesicht, denkst nicht an unsere Pein und Not? Gebeugt zum Staub ist unsere Seele, zu Boden unser Leib gedrückt ... 
Mir fällt eine Passage aus Rahners Schrift Von der Not und dem Segen des Gebetes ein, tröstet zwar auch nicht wirklich, vermittelt aber eine Ahnung. Gott halte sich wenigstens jetzt nicht hinterm Berg und nehme sich der Opfer und deren Angehöriger an.


Mittwoch ... die Badische Zeitung berichtet, Erzbischof Zollitsch habe mit einigen Kirchzartener Feuerwehrmännern Benedikt XVI. eine Freiburger Papstbank vorbei gebracht. Die Kommentare der üblich Verdächtigen halten sich diesmal zumindest zahlmäßig erstaunlich in Grenzen, mein Lieblings-Atheist fällt sogar voll und ganz aus. ... abends: "Wer Reval raucht, frisst kleine Kinder" heißt es landläufig. Ich aber sage: Wer Reval raucht, wird ausgeplündert, zumindest in der Kneipe ... "Gibts die noch? Kann ich mal?" und so fort. Demnächst besser Luckys oder so, oder aufhören, worauf ich allerdings allein schon diverser Tugendwächter wegen (ganz gleich, ob fromm bestallt oder nur gesundheitsapostolisch wahnbewegt) keinen Bock habe. 


Donnerstag ... wieder im Bus, der letzte Morgenkurs direkt ins Industriegebiet gibt Gas, als gerade jene Straßenbahn einrollt, in der auch ich gelegentlich sitze, wenn ich spät dran bin. Heute war ich freilich zeitig zum Umsteigen da. Irgend ein Hiphop-Azubi belagert trotzdem meinen Stammplatz im Heck. Von einem anderen Sitz habe ich genau den richtigen Blickwinkel, um plötzlich eine Frau zu erspähen, die dem (im wahrsten Sinn des Wortes) schon weit fortgekommenen Bus hinterherrennt. Ich kenne sie vom Sehen, sie nimmt auch oft diese Linie und die Bahn davor. Stimmbänder spannen, durch den Bus gebrüllt, und, Wunder? Der Fahrer hält an. Ich gehe nach vorn, es gelingt mir, ihn zum Warten zu überreden und dazu, die Frau auch außerhalb einer Haltestelle einsteigen zu lassen. Den Hinweis, er hätte die Bahn abwarten können, verkneife ich mir, obwohl er tatsächlich zu früh losgefahren ist. 


Vielleicht ist es manchmal besser, an das Gute zu appellieren, als mit Vorwürfen zu operieren oder gar Versagen zu thematisieren. Beim Aussteigen ruft mir die Frau dankbar zu, ich hätte "ihren Tag gerettet". Und vielleicht hat die Aktion auch mein wieder mal zerstreutes Morgengebet wett gemacht? Jedenfalls fand ich das unterwegs sehr erquicklich.


Freitag ... wer rettet eigentlich meine Tage? Nachmittags ist mein Tagwerk etwas aus dem Ruder gelaufen, das Ergebnis einer Mischung aus Inkompetenz meinerseits und Inkompetenz der anderen Seite. Ein glücklicher Start ins Wochenende sieht danach jedenfalls anders aus. 


Samstag ... das Leben ist zu schade für Fertiggerichte am laufenden Meter, also habe ich ein Rezept ausprobiert, Duvcek-Reis oder so ähnlich und den Fisch dazu, der seit Mittwochabend im Kühlschrank vor sich hin taute und den ich gestern schon essen wollte. Eigentlich bin ich etwas zögerlich bei verderblichen Lebensmitteln, aber nachdem diese Woche rauskam, welche unanständig hohen Mengen an Essen hierzulande weggeschmissen werden, habe ich den Fisch doch noch gebraten und lebe bislang noch. Was mir überdies die Möglichkeit verschafft, weiterhin zu bloggen, nachdem mich so viele schöne Kommentare auf der Vorgängerseite dazu ermuntert haben - Danke!!!


Also weiterbloggen ... da mich Konzept und Design der alten Seite zuletzt nicht mehr recht überzeugten und gewünschte Änderung dort nicht realisierbar schien, bin ich nun hierher gezogen. Pro Spe Salutis soll künftig optisch frischer, einen Deut subjektiver und etwas persönlicher daherkommen; zudem stimmen nun Seitenadresse und Blogname überein.  


In aller Kürze: Hier meldet sich Andreas aus Freiburg, beschäftigt in der, sagen wir mal, Kommunikationsbranche, noch immer Organist im Nebenjob bei den "Tridentinern", eher katholisch-konservativ gebacken und inter mundanas varietates hin und wieder angefressen ... Allen Lesern, neuen wie alten, ein herzliches Willkommen!


Sonnabend, die Glocken haben den Sonntag längst eingeläutet ... Lætare!
Gibt uns Christus das Angenehme, dann wollen wir es hinnehmen als Erquickung unterwegs, auf daß wir, wenn Gott ruft, in der Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte gen Horeb, den Berg Gottes, wandern (sel. John Henry Kard. Newman).