Sonntag, 16. Dezember 2012

Zeichen des Adventes

"... unter dem Kreuz des Willens
Gottes ..." - Kreuz am Chorgittes,
Dom St. Blasien, Schwarzwald
Das Kreuz des Herrn schwebt also unsichtbar auch über dem Advent und ist nach altchristlicher Anschauung das "Zeichen des Adventes" (Mt 24, 3), das "Zeichen des Menschensohnes" (Mt 24, 30). Es wird dann für die Gläubigen das Zeichen des Triumphes, für die Bösen das der Verdammnis sein. In diesem Leben aber muß das Kreuz das Zeichen der Buße sein. Daher der Bußcharaker des Adventes im Abendlande. Durch das Kreuz muß unser Wille gereinigt und mit dem Willen Gottes vereinigt werden. Täglich beten wir ja im Vaterunser von dem Advent des Reiches: "Es komme dein Reich"; und wir fügen hinzu: "Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erde". Dieses Gebet wird endgültig erfüllt am Tage Christi, wo Gott seine Herrschaft über alles durchsetzt. Jetzt müssen wir noch darum ringen, daß der Wille Gottes sich an uns selbst und an der Welt erfülle. Wenn wir unter Opfern darum gekämpft haben, dann wird der Advent Gottes auch unser Sieg sein. Was auf Erden oft schwer zu tragen war, weil wir die Ratschlüsse Gottes nicht kannten, das offenbart sich dann als die Liebesführung des Herrn.
Stehen wir auf Erden unter dem Kreuze des Willens Gottes, so wird unser Leben ein beständiger Anstieg bis zur Erscheinung der Gottesherrschaft. Wie die Adventssonntage dem Weihnachtsmysterium sich nähern und gleichsam zur Epiphanie hinaufsteigen, so ist dann unser Leben kein Hinschwinden in irdischem, natürlichem Wachsen, Blühen und Verblühen, sondern ein Entgegengehen zum Bräutigam hin, der sich in seiner Herrlichkeit nähert. "Der Herr ist nahe!" (Phil 4, 5). Schon jetzt strahlt sein Licht zu uns herüber, erfüllt uns mit neuer Hoffnung und ungeahntem Leben, erhebt uns jetzt schon über die Niederungen der Erde, läßt uns schon hienieden an dem Leben Gottes teilhaben.
Odo Casel OSB: Der Advent als Lebensform des Christen in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [1952]. S. 36 f. - hier der vorgängige Teil dieses Textes.

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