Montag, 17. Dezember 2012

Weisheit

O Sapientia,
qu
æ ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
Veni
ad docendum nos viam prudentiae.

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O Weisheit,
die du hervorgetreten bist aus dem Mund des Höchsten,
die du alles umfassest von einem Ende zum anderen
und es ordnest machtvoll und sanft:
Komm
und lehre uns den Weg der Klugheit!

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(Antiphon zum Magnificat in der Vesper am 17. Dezember).
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Die Weisheit Gottes, die wir heute adventlich anrufen, ist das Kreuz - das Zeichen des Menschensohnes, das Zeichen dessen, der kommen wird (vgl. Mt 24, 30). Vielleicht erinnert uns das Wort von der Sapientia prodiens, von der "hervortretenden Weisheit", nicht von ungefähr an zwei andere große Texte aus dem Gebet der Kirche: 
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Da ist - Verbum supernum prodiens der "hervortretende Logos", der im Fronleichnams-Offizium (Laudes-Hymnus) besungen wird; der sein Werk am Abend des Lebens vollendet und sich selbst im Kreuzesopfer schenkt zum Heil unter den Zeichen von Brot und Wein. Und es war Venantius Fortunatus, der in jenem anderen großen Hymnus, der bis heute das Stundengebet der Passionszeit prägt, das "Hervortreten" des Kreuzes beschwor: Vexilla regis prodeunt, fulget crucis mysterium ... die Feldzeichen des Königs treten hervor, aufblitzt des Kreuzes Mysterium!
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Das Kreuz - der Gekreuzigte - ist die Weisheit, die aus dem Mund des Höchsten hervortritt:
Zeichen fordern die Juden, die Griechen suchen Weisheit! Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten - den Juden ein Ärgernis und Torheit den Heiden. Den Berufenen aber, Juden wie Griechen: Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit (1 Kor 1, 22 ff.).
Das Kreuz, aufragend in die Höhe, hinabgreifend in die Tiefe und mit seinen Armen unsere Welt, Juden und Heiden erschließend, ist das alle Enden umfassende Zeichen, welches die verwundete Schöpfung neu ordnet und orientiert - machtvoll uns als Zeichen des Kommenden, sanft uns als Zeichen der Tilgung der Schuld. Denn das Erbe der aus dem Lot geratenen Kreatur, das wir allein nicht hätten überwinden, der Sold der Sünde, den wir aus uns heraus nicht hätten begleichen können: All das ist erlassen und getilgt im Kreuz: Gottes Kraft und Gottes Weisheit!
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Wir bitten, daß diese Weisheit uns den Weg der Klugheit lehre, daß das "Zeichen des Menschensohns" uns Leitstern sei, damit unsere Wege münden in jenen Weg, zu dem sich einst die klugen Jungfrauen im Gleichnis (Mt 25, 1-13) aufgemacht haben: Der Bräutigam kommt! Ihm entgegen!
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O Weisheit,
die du hervorgetreten bist aus dem Mund des Höchsten,
die du alles umfassest von einem Ende zum anderen
und es ordnest machtvoll und sanft:
Komm
und lehre uns den Weg der Klugheit.

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