Samstag, 8. Dezember 2012

Tochter Adams in der Fülle der Gnade

Maria, die unbefleckt empfangene Jungfrau
Wandbild über dem Altar der Maria-Lourdes-Kirche, Zürich
Dies ist der Morgen einer neuen Schöpfung! Wieder geht Gott das Risiko ein, wieder setzt er auf den Menschen, all den Widerfahrungen zum Trotz, die wir Entmutigung nennen könnten, in der Regel aber Geschichte zu nennen pflegen. Doch Erlösung vollzieht sich nicht am Menschen vorbei, sondern nur mit dem Menschen, unter Mit-Wirkung des Menschen, bis hin zum Kreuz, in dem Gott die menschliche Natur bis in die Tiefe erleidet, um sie österlich zu verwandeln.
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Daß Maria vom ersten Augenblick ihrer Existenz an von dem Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist nicht ihr Verdienst, sondern ein Geschenk Gottes im Blick auf dieses Werk der Erlösung: ein Geschenk an Maria und ein Geschenk an uns, ein Geschenk propter nostram salutem, um unseres Heiles willen. Die unbefleckte Empfängnis Mariens ist (mehr noch nicht, aber auch nicht weniger) der erste Strahl der Menschwerdung Gottes, der auf diese verwundete Erde fällt, und das Lob, das wir darob anstimmen, gebührt Gott.
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Aber: Dieser Strahl hätte wieder verlöschen können. Die Freiheit von der Erbsünde setzt keinen Automatismus der weiteren Heiligkeit in Gang. Maria mußte die Regungen der Gnade in ihr Leben einbinden - die menschliche Freiheit ist hierbei zugleich Voraussetzung und Gefährdung, und das in vielfacher und mitunter auch ungewöhnlicher Hinsicht:
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Wie gefährdet der Heilsplan sein konnte, rückt Benedikt XVI. in seinem jüngsten der drei Bücher über Jesus von Nazareth in den Blick, wenn er auf die spätere Verkündigung des Engels zu sprechen kommt und einen kurzen Satz aus einer Predigt des hl. Bernhard von Clairvaux zitiert, der nahelegt, daß sich Maria (aus Demut!) im entscheidenden Augenblick durchaus anders (nämlich falsch!) hätte verhalten können - in jenem Augenblick, da die Macht und das Handeln Gottes gebunden war ...
... an das unerzwingbare Ja eines Menschen. So zeigt Bernhard, wie Himmel und Erde in diesem Augenblick der Frage an Maria gleichsam den Atem anhalten. Wird sie ja sagen? Sie zögert ... Wird ihre Demut sie hindern? Dies eine Mal - so sagt Bernhard zu ihr - sei nicht demütig, sondern hochgemut! Gib uns dein Ja! (Jesus von Nazareth, Band 1, S. 46)
Maria hat es gegeben. Und das Lob, das wir darob anstimmen, gilt nun auch ihr, welche die Fülle der Gnade nicht nur passiv im Anfang der neuen Schöpfung - ihrer Erschaffung - geschenkt bekommen, sondern diese Fülle aktiv in ihrem Leben "er-halten" und "ent-faltet" hatte.
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Ich glaube übrigens nicht, daß Maria deswegen, wie das manchmal in frommem Eifer vorgetragen wird, vom ersten Atemzug an ein in jeder Hinsicht rundweg perfekter Mensch war. Man sollte den Umstand, daß sie sich vor jeder Sünde bewahrte, nicht überdehnen. Auch sie mußte lernen, ringen, aushalten, suchen und fragen, konnte irren und falsch liegen - insofern steht sie ganz auf unserer Seite und nur insofern kann sie auch eine Vorbildfunktion für uns einnehmen. Maria ist eine Tochter Adams und bleibt eine Tochter Adams, und gerade deswegen dürfen wir in Hoffnung zu ihr aufschauen: Zu ihr, der Erst-Erlösten und Erst-Vollendeten!
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O Maria, ohne Erbsünde empfangen -
bitte für uns, 
die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen. Amen.

Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

Über die Bäume des Paradieses

"Und der Baum des ewigen Lebens, wie er in Erscheinung getreten ist durch den Willen Gottes, befindet sich im Norden des Paradieses, sodass er die Seelen der Reinen unsterblich mache, die hervorkommen werden aus den Gebilden der Armut zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons. Die Farbe des Baumes des Lebens aber gleicht der Sonne. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen denen der Zypresse. Seine Frucht gleicht einem Bund von Weintrauben, wobei sie weiß ist. Seine Höhe geht hinauf bis in den Himmel.
Und neben ihm befindet sich der Baum der Erkenntnis, wobei er die Kraft Gottes hat. Seine Herrlichkeit gleicht dem Mond, wenn er sehr leuchtet. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen Feigenblättern. Seine Frucht gleicht guten, appetitanregenden Datteln. Dieser nun befindet sich im Norden des Paradieses, sodass er die Seelen aus dem Schlaf der Dämonen erwecke, damit sie zum Baum des Lebens kommen und von seiner Frucht essen und so die Mächte und ihre Engel verurteilen."

Diese wundervolle Poesie (Die Schrift ohne Titel / Über die Bäume des Paradieses) ist nicht in der Bibel zu lesen; sie wurde erst 1945 als Bestandteil der "Schriften von Nag Hammadi" (wieder-)gefunden, die im Nachhinein betrachtet als der wertvollste archäologische Fund aller Zeiten anzusehen sind, denn sie beinhalten mit dem Philippusevangelium (NHC II,3) das vergessene Wissen der Urchristen (Gnostiker = Wissende) und mit dem Thomas-Evangelium (NHC II,2) die wahre und ebenso vergessene Erkenntnis des Jesus von Nazareth – und damit den Schlüssel zur Überwindung der Erbsünde und der Verwirklichung des "Himmels auf Erden"! Doch beschäftigen wir uns zunächst mit den "Bäumen des Paradieses", die in der Genesis nicht näher beschrieben sind. "Apfelbäumchen" sind es nicht, aber auch die Zypresse (immergrüner Nadelbaum) und der Feigenbaum (Laubbaum, der seine Blätter im Winter abwirft) sind wiederum nur Symbole für etwas sehr viel Grundlegenderes. Wörtlich übersetzt aus dem Althebräischen heißt der Baum des (ewigen) Lebens "Baum, der Frucht ist und Frucht macht". Es gibt keinen Baum in der Natur, der gleichzeitig "Frucht ist und Frucht macht", aber der Geldkreislauf in einer Volkswirtschaft ist der Gewinn und macht wieder Gewinn! Der Baum der Erkenntnis ist eigentlich der "Baum, der Frucht macht". Das machen zwar viele Bäume in der Natur, aber von der Hypothese, dass es sich bei den "Pflanzen" in der Genesis um natürliche Gewächse handelt, können wir uns jetzt verabschieden. Der Baum der Erkenntnis (von Gut und Böse) ist der Zinsgeldverleih und seine "Frucht" ist der Zins, genauer: der Urzins (Silvio Gesell, 1916) bzw. die Liquiditäts(verzichts)prämie (John Maynard Keynes, 1935)!

Ab jetzt lassen sich alle anderen Bilder und Metaphern der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis 11,9), die nicht zum Zweck des Moralverkaufs gegenständlich-naiv uminterpretiert wurde, stringent und lückenlos erklären:

Die Rückkehr ins Paradies

Pro Spe Salutis hat gesagt…

@ Stefan Wehmaier

Mhh, ich sag jetzt mal auf den ersten groben Blick: Eine kirchliche Druckerlaubnis wird man dafür schwerlich bekommen ...