Mittwoch, 19. Dezember 2012

Sproß aus Jesse

O Radix Jesse
qui stas in signum populorum, 
super quem continebunt reges os suum, 
quem gentes deprecabuntur: 
Veni 
ad liberandum nos, iam noli tardare!
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O Sproß aus Jesse,
der du gesetzt bist den Völkern zum Zeichen,
vor dem Könige ihren Mund zügeln
und den die Völker anrufen werden:
Komm
uns zu befreien und zögere nicht länger!
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(Antiphon zum Magnificat in der Vesper am 19. Dezember)
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Die heutige O-Antiphon entwächst der messianischen Friedensvision, welche der Prophet Jesaja verkündet:
Dann sprießt ein neues Reis aus Jesses Stumpf; ein Schößling bricht hervor aus seiner Wurzel. Auf ihn läßt sich der Geist der Herrn herab, der Geist der Weisheit, des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Kenntnis und der Furcht des Herrn ... 
Er richtet in Gerechtigkeit die Armen und spricht nach Recht den Elenden des Lands das Urteil ... Gerechtigkeit ist seiner Hüften Gurt, Aufrichtigkeit der Gürtel seiner Lenden. Der Wolf liegt bei dem Lamm; der Panther lagert bei dem Böcklein ... Nichts werden sie beschädigen, verletzen auf meinem heiligen Berg, soweit er reicht. Denn, wie den Meeresboden Wasser decken, so wird das Land voll von des Herrn Erkenntnis. 
An jenem Tag steht Jesses Wurzelsproß als aufgestecktes Zeichen für die Völker da, und wird von Heidenvölkern aufgesucht; wo er weilt, der Ort ist herrlich (aus Jes 11).
Die Prophetie schaut die Erneuerung von Davids Königtum. Aus Jesse, dem Mann aus Bethlehem und Vater Davids, werde ein neues Reis sprießen, ein neuer Herrscher hervorgehen. Anders als die Könige der Erde, seien sie Könige in Israel oder unter den Völkern, wird dieser Herrscher Gerechtigkeit und Frieden verbürgen - ihm werden sich die Geknechteten zuwenden, denn "wo er weilt, der Ort ist herrlich".
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Dieser Herrscher ist Christus, der Gottmensch, auf dem das Pneuma ruht. Eine verwandte Jesaja-Stelle (Jes 61, 1) steht im Zentrum der Predigt Jesu in der Synagoge zu Nazareth:
Man reicht ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er rollte das Buch auf und stieß auf die Stelle, wo es heißt: "Der Geist des Herrn ruht auf mir. Er hat mich gesalbt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Er hat mich gesandt zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, den Gefangenen die Befreiung anzukündigen, den Blinden das Augenlicht, Bedrückte in Freiheit zu setzen, das Gnadenjahr des Herrn auszurufen". Dann rollte er das Buch zusammen, gab es dem Diener zurück und setzte sich. Aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er sagte zu ihnen: "Heute ist dieses Schriftwort, das ihr soeben vernommen habt, in Erfüllung gegangen" (Lk 4, 17-21).
Seit der Menschwerdung Gottes wächst dieses Reich, aufgestiegen aus dem Stamm jenes Jesse, zu dem Gott einst Samuel sandte, nachdem er sich unter dessen Söhnen einen König erwählt hatte (vgl. 1 Kön 16, 1). Es ist kein Reich mehr von dieser Welt, aber unsere verworrene, oft so leidtragende und von der Sünde entstellte Zeit wird, so glauben wir, einmal in dieses Reich einverwandelt und geheilt werden.
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Das Harren der Schöpfung - dem diese Antiphon gleichsam eine Stimme gibt - sei, schreibt Paulus, ein Harren auf die Offenbarung der Kinder Gottes: "Doch bleibt der Schöpfung die Hoffnung, daß sie von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei und an der herrlichen Freiheit der Gotteskinder teilnehmen wird" (Röm 8, 21). Wir bitten, daß er seine Kinder, seine Schöpfung, daß er uns befreie und nicht länger zögere! Denn uns ist verheißen: Wo er - der Kyrios - weilt, ... 
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... dieser "Ort ist herrlich".
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O Sproß aus Jesse,
der du gesetzt bist den Völkern zum Zeichen,
vor dem Könige ihren Mund zügeln
und den die Völker anrufen werden:
Komm
uns zu befreien und zögere nicht länger!

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Lasset uns singen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_Ros_entsprungen

(die vierte Strophe von Layriz ist allerdings arg mit dem Hammer geklopft...)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wußte bislang garnichts von den weiteren Strophen ... Danke!