Sonntag, 2. Dezember 2012

Sonntäglicher "Arbeitsplatz" ...

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Erbaut 1931 von der Orgelbau Willisau AG ist die Orgel von St. Antonius ein recht hochwertiges Beispiel für die Gattung der sogenannten "Kompromißorgeln", die eine Brücke schlagen zwischen den romantisch-orchestralen Instrumenten, wie sie in der Generation zuvor noch bevorzugt wurden, und den neobarocken Schöpfungen, welche vor allem ab den 1950er-Jahren bestimmend wurden. Die "Orgelbewegung" (auch so eine ad-fontes-Veranstaltung wie die liturgische Bewegung ... inklusive teils berechtiger und teils überzogener Anliegen) hat sich bei diesem Instrument schon soweit durchgesetzt, daß zum Beispiel auf Sub- und Superoktavkoppeln verzichtet worden ist.
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Nachdem wir diese Orgel bislang nur an Hochfesten nutzen durften und ansonsten auf ein elektronisches Surrogat zurückgreifen mußten, steht diese Perle seit vergangenem Sonntag dauerhaft zur Verfügung ... was das Herz des Organisten natürlich erfreut!

Kommentare:

Joseph hat gesagt…

Und nicht nur das Herz des Organisten. Die assistierenende Gemeinde findet es auch eine Bereicherung...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Solange die "Gemeinde" nicht dem Organisten assistiert ... mmhh, obwohl, bei der Intensität des Gesanges könnte sie - und jetzt meine ich wirklich alle - der Orgel tatsächlicher besser "assistieren" ... ;-)

Übrigens noch einen Gruß an die Frau Gemahlin, hatte ich ganz vergessen!

Alexander hat gesagt…

Du? Organist?

Juergen hat gesagt…

Gut, daß nur der Spieltisch photographiert wurde. Das Prospekt (und die Kirche) sind ja nun nicht so superschön…

Pro Spe Salutis hat gesagt…

So ist es, Alex - ich bin der Herr der Pfeifen ... ;-)

Jürgen, ich muß jetzt doch mal eine Verteidigung dieses Kirchenbaus schreiben. Gerade der in die Betonverstrebung eingegliederte Freipeifenprospekt ist eine, wie ich finde, sehr gekonnte und ansehnliche Lösung ... :-)

Alexander hat gesagt…

Mann oh Mann! Ich hatte in Musik immer eine fünf, in Mathe eine eins. Man hat mir sogar das mitsingen verboten. Doch. Ehrlich. Ich kann Kurven einer mathematischen Funktion zuordnen, die ich nur kurz gesehen habe. Aber sie singen kann ich nicht.

Du bist soeben in meiner Achtung um 100 Punkte gestiegen.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Da ich meinerseits keine Kurven irgendwelchen mathematischen Funktionen zuordnen kann und noch heute gelegentlich Analysis-Alpträume habe, in denen mich mein ehemaliger Mathematiklehrer mit irgendwelchen Vektoren malträtiert, kann ich die Sache mir der Achtung und den 1oo Punkten durchaus erwidern ... :-)

Alexander hat gesagt…

Wir ticken grundverschieden. Die Frauen hatten die musikalischen Typen immer lieber. Ich brauchte längere Gespräche, um die Weiber ins Bett zu bekommen. ;)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Nun ja, über diese Zeiten sind wir wohl weg: Du bist zwischenzeitlich verheiratet und ich eine Art vir caelibatus ... ;-)

Wolfram hat gesagt…

Auch ich bin, obgleich Musiker, erschreckend ;) monogam.

Übrigens, wo ist die größte Pfeife an einer Orgel?

Der Spieltisch ist richtig was für Männer, mit hundertfünfzig Schaltern. Bis zur mechanischen Schleiflade hatte es auch die Orgelbewegung damals noch nicht gebracht (deren Anfangsgeschichte im Elsaß, aus dem Konflikt zweier Garnisonkirchen, übrigens außerordentlich amüsant zu lesen ist), denn das wurde erst nach 1945 wieder so richtig interessant. Kemper hat Siegen-Martini noch auf elektrische Taschenladen gestellt, Siegen-Nicolai (wo die Ladegast-Orgel verbrannt war) dagegen wenige Jahre später auf Schleifladen - leider mit einer bodybuildernötigen Mechanik, die erst bei der Renovierung vor etwa 20 Jahren für Normalsterbliche halbwegs spielbar wurde.

Meine freudige Anteilnahme zur Freude, dieses Instrument jetzt regelmäßig zum Klingen bringen zu dürfen!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wann der Prediger fragt, wo die größte Pfeife an der Orgel sei, so müsse er sich in Acht nehmen, daß der Oganist nicht an diese evangelischen Aufbauten aus Altar, Kanzel und Orgel denkt und eine Antwort gibt, die einem Schuß gleichkömmen wollte, der alsdann nach hinter losgegangen ist ... ;-)

Wolfram, das Gruseligste ist mir der Neobarock der 50er- und 60er-Jahre: Dünne Achtfüße, prustende Vierfüße, jede Menge quengelige Aliquoten, zugespitzte Mixturen, ein verschlafener Subbass und als Krönung eine meckrige Vox humana obendrauf *schüttel* ...

Wolfram hat gesagt…

Die Antwort ist einfach: immer auf der Orgelbank. :P

Brrr, Suppen-Orgeln und ce nom que je ne saurais entendre, das ist für mich ein Geisterbahn-Ersatz.
Und umgekehrt die schönen Violen, abgesägt, um einen prötigen Nasard draus zu machen oder einen "Choralbaß", der mit einem Prinzipal nur ansatzweise die Form, aber nicht Mensur und Klang teilt... ich glaube fast, das größere Verbrechen waren die Umbauten bestehender Orgeln.