Freitag, 21. Dezember 2012

Sonne der Gerechtigkeit

O Oriens
splendor lucis æternæ
et sol justitiæ:
Veni 
et illumina sedentes in tenebris
et umbra mortis!
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O Aufgang,
Glanz ewigen Lichtes
und Sonne der Gerechtigkeit:
Komm
und erleuchte, die im Dunkel sitzen
und im Schatten des Todes!
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(Antiphon zum Magnificat in der Vesper am 21. Dezember)
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Der Advent ist weit mehr als eine stimmungsvoll und besinnliche Vorbereitung auf die Weihnachtsnacht. Nimmt man die liturgischen Texte dieser Zeit (jene der außerordentlichen Form des römischen Ritus) ernst, so weisen Sie mindestens ebenso deutlich - wenn nicht sogar mit höherer Dringlichkeit - auf das zweite Kommen des Kyrios Christus hin. Dies gilt einmal mehr für den "biblischen" Rückhalt der heutigen O-Antiphon, einer Stelle aus dem Buch des Propheten Maleachi:
Ja seht! Es kommt der Tag; der flammt gleich einem Ofen auf. Die Frevler und die Missetäter all sind Stoppeln und sie verzehrt der Tag, der kommt, spricht der Heeresscharen Herr. Von ihnen bleibt nicht Zweig noch Wurzel übrig.
Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, erstrahlt die Sonne der Gerechtigkeit und Heilung liegt in ihren Strahlen.
Ich sende euch Elias, den Propheten, zu. Bevor der Tag des Herrn erscheint, der große, schreckliche, sucht er das Herz der Väter für die Kinder, und das Herz der Kinder für die Väter wieder zu gewinnen. Sonst muß ich, wenn ich komme, das Land zum Untergang verdammen (Mal 3, 19-20, 23-24).
Man ist heute schnell bei der Hand, das christologische Prädikat "Sonne der Gerechtigkeit" auf eine allzu säkular gedachte Rechtsetzung zu verengen. Wenngleich der Christ aufgerufen ist, in der Welt an einer "gerechten Gesellschaft" zu bauen, so darf doch nie vergessen werden, daß diese Zielsetzung ihre Orientierung aus dem Reich Gottes empfängt und erst im Reich Gottes zur Vollendung gelangen wird - dessen "Gerechtigkeit" nicht allein die menschlichen Verhältnisse, sondern den gesamten aus den Fugen geratenen Kosmos wieder geraderückt und auf die Schönheit des Anfangs zurückführt.
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In dieser Weltzeit befinden wir uns auf der Seite der Gefährdung. Unsere Entscheidung für das Reich Gottes ist immer wieder wankelmütig; das pneumatische Leben der Gleichgestaltung mit dem Kyrios ist zwar - verborgen - im Wachsen begriffen, kann aber aus unserer Entscheidung heraus jederzeit vertrocknen. Behalten wir im Auge, daß "aus der Sonne der ersten Ankunft der Blitz der zweiten Ankunft für all jene" werden kann, "die sich der Sonne Christi entziehen"- ein "greller, fressender, tötender Blitz" (Odo Casel OSB, Quelle hier).  
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Als Kinder Adams sitzen wir in dieser unserer Zeit eher im Dunkel als im Licht und tun gut daran, den "Schatten des Todes", der zum Schatten eines ewigen Todes werden kann, durch das Licht der Gnade erhellen zu lassen und durch Glaube, Hoffnung und Liebe selbst zu erhellen - im Vertrauen darauf, daß jene, die Gottes Namen fürchten, Angst nicht haben müssen, denn ihnen wird erstrahlen ...
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... "die Sonne der Gerechtigkeit".
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O Aufgang,
Glanz ewigen Lichtes
und Sonne der Gerechtigkeit:
Komm
und erleuchte, die im Dunkel sitzen
und im Schatten des Todes!

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