Donnerstag, 20. Dezember 2012

Schlüssel Davids

O clavis David
et sceptrum domus Israel: 
qui aperis, et nemo claudit; 
claudis, et nemo aperit: 
Veni
et educ vinctum de domo carceris, 
sedentem in tenebris!
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O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israels,
der du öffnest, und niemand schließst
uns schließest, und niemand öffnet:
Komm
und führe den Gefesselten, der im Schatten 
des Todes sitzt, aus dem Kerker.
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(Antiphon zum Magnificat in der Vesper am 20. Dezember)
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Beim Propheten Jesaja steht zu lesen, wie Gott einen gewissen Schebna seines Amtes enthebt und dieses auf Eljakim überträgt:
So hat der Herrscher, der Herr der Heeresscharen, gesprochen: Geh hinein zu diesem Verwalter, zu Schebna, der über den Palast gesetzt ist: ... Ich will dich aus deinem Amt stoßen, und man wird dich von deiner Stellung herabstürzen. Und es wird geschehen an jenem Tag, da werde ich meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, berufen, und ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden und mit deinem Gürtel fest umgürten und deine Vollmacht in seine Hand legen. Er wird den Bürgern von Jerusalem und dem Haus Juda ein Vater sein. Ich will ihm auch den Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen, so daß, wenn er öffnet, niemand zuschließen kann, und wenn er zuschließt, niemand öffnen kann (Jes 22, 15, 19-22).
Das "Schlüsselamt", von dem hier die Rede ist, war kein unbedeutendes. Schebna war für die Organisation des Hofes und auch dafür, wer Zugang zum König erhielt und wer nicht, verantwortlich. Eine hohe Aufgabe. Gerade jener Vers, der vom Öffnen und Schließen handelt und der in diese O-Antiphon eingegangen ist, beleuchtet den großen Einfluß, den der "über den Palast" gesetzte Verwalter ausüben konnte: Er war der "Schlüssel Davids" und - mit dem Amt waren weitreichende Befugnisse in Vertretung der Königs verbunden - das "Zepter" des Hauses Israels.
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Das Bild wurde auf Christus übertragen, der seine Abschiedsreden im Johannesevangelium - Abschied nach der ersten Ankunft! - damit beginnt, den Zugang zum Vater und seine Wiederkunft zu versprechen: 
Euer Herz zage nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, dann hätte ich es euch gesagt. Ich gehe ja hin, euch eine Stätte zu bereiten. Wenn ich dann hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, so komme ich wieder und nehme euch zu mir, damit auch ihr dort seid, wo ich bin ...
... Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich (Joh 14, 1-6).
Die Bitte, der Herr möge "den Gefesselten, der im Schatten des Todes sitzt, aus dem Kerker" herausführen, erinnert uns an die Erlösungsnot und die Erlösungsfähigkeit des Menschen. Wird der Mensch, werden wir das Angebot Gottes annehmen? Ein Blick in das Jesaja-Buch verrät, warum Gott Schebna seines Amtes enthoben hat. Der Rahmen betrifft auch uns und unsere Zeit und den Willen zur Umkehr. Jerusalem feierte unter Schebnas Augen besinnungslose Feste und hört nicht auf den Ruf Gottes - lieber lassen sich die Menschen vom flüchtigen und faden Glück des Augenblicks ganz "gefangen" nehmen:
An jenem Tage ruft der Herr, der Heeresscharen Herr, zum Weinen und zum Klagen auf, zum Haareausraufen und zu Trauerkleidung. Da gibt es aber eitel Lust und Freude und Rinderwürgen, Schafeschlachten, und Fleischverzehren, Weinvertilgen, und Schmausen, Zechen: "denn sei es, daß wir morgen sterben, sei's, daß wir in Verbannung ziehen müssen" (Jes 22, 12 f.).
Bitten wir, daß wir in diesen Tagen über alles Feiern nicht den Sinn des Festes vergessen und daß Gott uns und unsere Welt aus der Gefangenschaft einer vermeintlichen Selbstverwiesenheit löse.
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... denn "niemand kommt zum Vater als durch mich".
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O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israels,
der du öffnest, und niemand schließst
uns schließest, und niemand öffnet:
Komm
und führe den Gefesselten, der im Schatten
des Todes sitzt, aus dem Kerker.

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