Sonntag, 2. Dezember 2012

Nabelschaualarm am ersten Adventabend

Ob meines etwas spöttischen Eintrags  vom gestrigen Abend über eine Veranstaltung reformfreudiger Katholiken (hierwurde ich flugs in einem Kommentar gescholten:
gibt es zu Beginn eines neuen Advent nichts anderes zu tun als sich an sowas abzuarbeiten, das a) uralt und b) untypisch für die amerikanische katholische Kirche ist? Heißt das Motto nicht "Ad te levavi animam meam" - übrigens heute in beiden Formen des römischen Ritus??
Ich habe dann kurz geantwortet, dem Bett entkrochen noch leicht verschnarcht, nicht übermäßig nett und keineswegs einfallsreich, weswegen ich die Sache nochmals aufgreife, weil doch der ein oder andere interessante Aspekt drinsteckt. Ehe jetzt aber jemand nölt, daß man am Abend des ersten Advent nichts Besseres, nichts Höheres, nichts Geistlicheres im Schild führen mag ... hier verweise ich auf eine spirituelle Ballettaufführung, einfach weiterklicken und an den Flüssen Babylons mitweinen ... Danke aber, daß Sie vorbeigeschaut haben!
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Zurück zum Kommentar. Was also fällt auf?
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Erstens: Er ist anonym. Und wenn ich die Kommentare, die auf dieser Seite hinterlassen werden, einmal Revue passieren lasse, dann ergeben sich grob vier Gruppen: Einige stimmen zu, einige hinterfragen sachlich, andere nölen halbwegs mit Grund und andere nölen einfach vor sich hin. 
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Nun sind nölende Kommentare durchaus legitim, denn ich nöle schließlich auch hie und da in den Beiträgen - und wie man in den Wald ruft, so schallt es bekanntlich zurück. So weit, so gut. Was aber auffällt: Die nölenden Kommentare sind fast ausnahmslos anonym, und ich glaube nicht, daß die alle ebenso ausnahmslos wirklich nirgendwo ein Profil oder einen Blog hegen, das oder den man nicht seinerseits heimsuchen könnte, um sich zumindest ein Bild über die Gedankenwelt des Anderen zu verschaffen. Ich unterstelle mal: Einige kneifen da. Wenn mir das eines Tages zu bunt wird, werde ich anonyme Kommentare unterbinden.
gibt es zu Beginn eines neuen Advent nichts anderes zu tun als sich an sowas abzuarbeiten, das a) uralt und b) untypisch für die amerikanische katholische Kirche ist?
Ich gebe zu, der 93-jährige Jesuit, der am 17. November, also vor rund zwei Wochen, diese skandalöse "Messe" mit veranstaltet hat, ist fortgeschrittenen Alters. Das kann man dann meinetwegen "uralt" nennen, eher noch, als eine Nachricht zum Beispiel "uralt" ist, die meinethalben zwei Wochen auf dem Buckel hat, und also ist all das für mich kein Grund, diese gerade mal zwei Wochen alte Geschichte ad acta zu legen. Überdies legt mir meine - zugegebenermaßen keineswegs repräsentative! - persönliche Erfahrung nahe, daß es gelegentlich ein Mangel an Anerkennung im Alter ist, wenn Priester jenseits von Jugendfrische und Mannesalter anfangen, sich für ebenso merk- wie unwürdige Veranstaltungen herzugeben. Das aber ist nur eine Mutmaßung.
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Daß das typisch sei "für die amerikanische katholische Kirche", habe ich ohnehin nirgendwo behauptet. Die Frage, was die Leute sich alles zusammenreimen, wenn sie einen fremden Text lesen, scheint mit hier aber erwägenswert.
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Richtig liegt mein anonymer Kommentator natürlich mit seiner Mahnung, am ersten Advent die Erhebung der Seele zu Gott nicht zu vergessen. Werfen wir abschließend einen Blick auf den heute die "beiden Formen des römischen Ritus" einenden Introitus:
Ad te levavi animam meam: Deus meus, in te confido, non erubescam: neque irrideant me inimici mei: etenim universi, qui te exspectant, non confundentur.
Dir halte ich meine Seele entgegen! Mein Gott, auf dich vertraue ich und werde nicht beschämt. Nicht lachen sollen über mich meine Widersacher, denn alle, die auf dich warten - sie werden nicht zuschanden.
Und so warten wir weder auf Women Priests noch werben wir für die Durchsetzung von GLBT Rights oder mißbrauchen Testament und Tisch des Herrn für sonstige plumpe Propaganda - warten wir einfach auf ... Ihn!

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