Dienstag, 18. Dezember 2012

Meßpanier und Warnschutzkleidung. Oder: Alarm in Altrosa

Am vergangenen Sonntag Gaudete kam Pater Alex mit dem nebenstehenden Meßgewand daher. Altrosa, denke ich mir, das Ganze, farblich jedenfalls passend zum Tag. So weit, gut, schön.
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Nun bin ich, Alte-Messe-Molch hin oder her, kein großer Freund dieser "barocken" Zuschnitte; selbige deuchen mich immer eine Schrumpfvariante der Kasel - auf Schönheit dekorierte Zweckmäßigkeit, die Arm- und Beinfreiheit verschaffen soll, indem man im Laufe der Zeit immer mehr weggeschnippelt hat. Ganz schlimm, wenn die Frontseite überdies als rechte Baßgeige überbetont ist, weil das irgendwie strunzkatholisch sein soll. Oft ist hinten nicht einmal ein Kreuz eingestickt oder daherbordürt, sondern nur ein Stab. Liturgische Symbolsprache? In solchen Fällen Fehlanzeige ... man kann sich an den Blümchenmustern der Stoffe laben, sollte dann aber nicht ob der dekorbereinigten Pferdedecken maulen, die sich in der ordentlichen Form des römischen Ritus einer gewissen Beliebtheit erfreuen.
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Während der eucharistischen Konsekration ist der Ministrant in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gewiesen, das Meßgewand am unteren Saum zu halten und bei den Kniebeugen etwas anzuheben. Ein nicht übermäßig groß gewachsener Zelebrant sei, so ward mir glaubhaft berichtet, in diesem heiligen Augenblick Hals über und samt Kopf im Ausschnitt abgetaucht, so standfest erwies sich das Meßpanier. Ich hätte mich, wäre ich zugegen gewesen, wahrscheinlich vor Lachen geschüttelt. Mit einer gotisch geschnittenen Kasel wäre das jedenfalls nicht passiert.
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Das von Pater Alex beigebrachte Gewand ließ mich zumindest grinsen, denn - ohne der guten Seele, die es gestiftet hat, zu nahe treten zu wollen - angesichts des eingenähten Etiketts "Stiftung ASF" kam mir unweigerlich das in den Sinn, was Freiburger für gewöhnlich mit der ASF verbinden. Wahrscheinlich werde ich in jeder leuchtenden Warnschutzkleidung künftig einen Hauch Altrosa wahrnehmen ...

Kommentare:

sophophilo hat gesagt…

"dekorbereinigten Pferdedecken"
ROFL

Das rettet meine Tag. Danke!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ob der Hochsprache hab ich jetzt leider nicht verstanden, was im Falle des abgetauchten Zelebranten nun eigentlich schiefgelaufen ist…

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Sophophilo, die "Pferdedecken" sind allerdings nicht auf meinem Mist gewachsen - das war schon mal eine Weile ein geflügeltes Wort in der Blogozese: Johannes von Kathermometer hat es, glaube ich, in die Welt gesetzt ... ;-)

Braut des Lammes, das Meßgewand war so steif wie eine Rüstung und blieb quasi "stehen", so daß der Kopf des Zelebranten bei der Kniebeuge im Ausschnitt verschunden sein soll ... bei einer Celebratio ad Dominum sieht das dann schon ziemlich dämlich aus ... :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

LOL – der fast kopflose Nick…

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Sehr schön. Aufwendig und hochwertig verarbeitet.
Um Lichtjahre besser als die Fetzen, die die nom Priester tragen.

Liebe Grüße
Anni