Montag, 10. Dezember 2012

Kurzes Kosen statt Schmuddel?

Maria als Mädchen mit Anna und
Joachim - Pfarrkirche St. Jakobus,
Eschbach im Schwarzwald
Im Umfeld des Festes der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau ist mir eines dieser glückseligen Märlein untergekommen, bei denen nie recht abzuschätzen ist, ob man breit wie ein Pfannkuchen grinsen oder sich eher die Haare raufen sollte. Es ging um die Empfängnis Mariens im Schoß der heiligen Mutter Anna.
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Diese Empfängnis war, da sind wir uns alle einig, etwas ganz Besonderes. Etwas so Besonderes, was wir dieses Besondere im Dogma bekennen und Gott darob loben und die Heilige Jungfrau ehren. Manch einem ist das aber noch nicht besonders genug, wie mir scheint.
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Maria wurde, so ward mir berichtet, natürlich nicht wie die anderen Adamskinder in der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau empfangen, sondern indem Joachim seine Frau Anna umarmte. In den Bedeutungshintergrund übersetzt: Durch keuschestes kurzes Kosen und nicht durch penetranten Schmuddel, weil man sich "sowas" - den Eindruck werde ich nicht los - nie und nimmer gottgewollt vorstellen kann ... oder mag ... oder darf. Diese Empfängnis sei, so wurde ich weiter informiert, überdies genau wie weiland im Paradies verlaufen, womit mir das Argument aus Gen 1, 28 vorsorglich entzogen war; Gen 2, 24 f. ist mir auf die Schnelle leider nicht eingefallen. Aber wahrscheinlich hätte es auch dafür eine höchst "aloysische" Erklärung gegeben.
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Die Quelle dieses Märleins würde ich in erbaulichem Schrifttum irgendwo zwischen dem (vermutlich nicht von ungefähr) apokryphen Jakobusevangelium und diversen "Privatoffenbarungen" verorten. Wenn solche Geschichtlein weitere Kreise ziehen, dann muß man sich freilich nicht wundern, wenn gerade in der heute so brennenden Frage nach einer sittlich angemessenen Integration von Sexualität in die individuellen und kollektiven Biographien Meinereiner und all die katholischen Mitbrüder und - schwestern als "leibfeindlich" taxiert werden, um sie dann als "verklemmt" ignorieren zu können.

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Leibfeindlichkeit kann man der Bibel wahrlich nicht unterstellen - na ja, es gibt da einen gewissen Paulus, der meint, lieber Witwenstand als Heirat, aber wenn die Begierde... - und der Zusammenhang von Sünde und geschlechtlicher Zeugung ist nicht biblisch. Der ist erst nachträglich auf die Parthenogenese Jesu aufgepfropft worden. Vielleicht schon von Leuten, die ständig an Sex dachten, aber sich das nicht zugeben wollten und darum alles, was auch nur im entferntesten daran erinnert, als Sünde brandmarkten...

Die Märlein über die Kindheit Mariens sind tatsächlich: Märlein. Genau wie die diversen "Kindheitsevangelien", die doch arg nach "le petit Nicolas" klingen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Also manchmal denke ich, es ist mehr Fluch als Segen, daß das Fest hierzulande im Volksmund „Unbefleckte Empfängnis“ genannt wird.

Zu den apokryphen Schriften: es ist oft nicht ganz klar, nach welchen Kriterien Schriften dem Kanon zugeschlagen wurden oder auch nicht. Insofern wäre ich zögerlich, das Protoevangelium des Jakobus als„vermutlich nicht von ungefähr apokryph“ zu bezeichnen. Im übrigen läßt es sich gar nicht zu solchen Details aus. Das Wunderbare an der Empfängnis Mariens ist, daß, wie bei der Empfängnis des Täufers und der Jesu selbst, Engel von der Empfängnis künden. Die Botschaft des Engels an Anna ist das, was auch die Kirche lehrt (daß Maria auf natürliche Weise empfangen und geboren wurde): Du wirst empfangen und gebären, und man wird von deiner Nachkommenschaft reden auf dem ganzen Erdkreis. Als nächstes hören wir von Anna: Jetzt weiß ich, daß Gott der Herr mich reichlich gesegnet hat,
denn siehe, die Witwe ist nicht mehr Witwe, und ich, die Kinderlose, siehe, ich habe im Leibe empfangen.
Details des Ehelebens zu beschreiben wäre allerdings unwürdig.