Sonntag, 2. Dezember 2012

Herabsteigen, um empor zu heben

Christus als Kyrios
Chorfenster in der Pfarrkirche
St. Konrad zu Freiburg
 Jene neuen Gedanken, die sich als wahrhaft fruchtbringend und dauerhaft bewähren, sind in der Regel alte, ja uralte Gedanken, "Urworte" der Menschheit oder vielmehr der sich der Menschheit offenbarenden Gottheit, die nie ihre Kraft verlieren, sondern nur vorübergehend von scheinbar neuen Ideen, die aber auch nur alte Irrtümer sind, überschüttet worden sind.
Immer wieder tauchen die alten Felsen aus dem Strome der Zeit empor und zeigen ihre unzerstörbare Größe. Der "Advent" war lange Zeit zu einer stimmungsmäßigen Vorbereitungszeit auf das reichlich verweltliche Weihnachtsfest herabgewürdigt worden, voll von Sentiment und frommer Sehnsucht, aber ohne klare Gedanken und feste Willensantriebe. Wenn er uns heute wieder unendlich mehr besagt, so geht das auf verschiedene neue oder vielmehr alte Erkenntnisse zurück, die uns wieder aufgeleuchtet sind.
Zur volleren Erfassung des Adventes halfen verschiedene Momente mit. Zunächst und scheinbar mehr äußerlich die Erforschung der Wortbedeutung von Advent. Durch die mit der Philologie verbündete Religionsgeschichte und speziell durch die Erforschung des antiken Herrscherkultes können wir uns jetzt wieder den Glanz vergegenwärtigen, der für die alte Welt über dem Wort "Advent" lag. Advent ist das lateinische Wort für das griechische Epiphanie, Parusie, Epidemie - alles Wörter, die die lichtvolle Erscheinung einer Gottheit zu sichtbarer Gegenwart oder doch wenigstens zu erkennbarer Auswirkung ihrer Macht bedeuten und die dann auch auf die Ankunft des göttlich verehrten Königs, Kaisers und Retters umgedeutet wurden.
Hinter dem Wort steht also die Gegenwart des Göttlichen, und zwar eine Gegenwart, die sich helfend, rettend, heilend, befreiend, beglückend, erleuchtend äußert. "Heil" ist deshalb mit dem Advent verbunden. Die Gottheit tritt aus ihrer Verborgenheit hervor und offenbart dem kurzlebigen und bedrängten Sterblichen ihr Licht, ihre Kraft, ihre Macht, ihre beistehende Güte. So deutet schon das Wort "Advent" auf eine gewisse Verleiblichung, Vermenschlichung des Göttlichen, das aber nur deshalb zu den Irdischen hinabsteigt, um sie zu sich emporzuheben.
 Odo Casel OSB: Der Advent als Lebensform des Christen in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [1952]. S. 25 f.

1 Kommentar:

Alexander hat gesagt…

Das gefällt mir schon besser als dieses lästige Friedensgelaber der Nachkonziljähren Küng-Versteher.

Leben ist Kampf. Frieden finden wir im Himmel, nicht auf Erden.