Mittwoch, 5. Dezember 2012

Er ist da, und er ist am Kommen

"Gesegnet ist der Kommende"
Christus zieht in Jerusalem ein - Detail am
Hochaltar der Kirche St. Georg, Freiburg
.
... Zwiefach ist das Leben des Christen: Nach außen unter dem Kreuze, nach innen in der Glorie. Beides aber gehört zum Begriffe des Adventes.
Der Advent ersehnt die Ankunft und besitzt im festen Glauben und der sicheren Hoffnung schon das Ersehnte; denn Christus ist erschienen, und zugleich ist seine glorreiche Ankunft die Sehnsucht der Kirche.
Klemens von Alexandreia sagt von dem vollkommenen Christen: "Er freut sich an den gegenwärtigen Gütern, hat aber auch Freude an den verheißenen, da diese schon gegenwärtig sind. Denn sie sind ihm nicht verborgen, als ob sie noch abwesend wären, da er durch seine Erkenntnis sie schon erlangt hat, wie sie sind. Durch diese Gnosis überzeugt davon, wie ein jedes der zukünftigen Dinge ist, besitzt er diese schon" (Stromateis VII 47, 4). Man sieht den Kaiser von weitem; er ist da, und er ist am Kommen. Wir rufen Christus zu: "Gesegnet ist der Kommende", und wir begrüßen ihn im Mysterium als den, der gekommen ist.
Damit haben wir schon die neutestamentliche Eschatologie berührt, d. h. die Lehre von den "letzten Dingen", die bei den alten Christen nicht nur Tod, Gericht, Himmel und Hölle umfaßt, sondern in erster Linie die glorreiche Ankunft der Gottesherrschaft auf Erden verkündet, die mit der Ankunft Christi im Fleische begonnen hat und sich bei seiner Ankunft in Herrlichkeit vollenden wird. Die alte Christenheit wartete mit atemloser Spannung und heißer Sehnsucht auf die volle Offenbarung der Königsherrlichkeit Christi bei seiner Parusie. 
Sie ist der Triumph Gottes und damit der Gerechtigkeit, der Wahrheit und Liebe; sie ist die Vernichtung der widergöttlichen Welt und die ewige Erhöhung der Ekklesia der Auserwählten.
Odo Casel OSB: Der Advent als Lebensform des Christen in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [1952]. S. 27 f. - hier der vorgängige Teil dieses Textes.

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Heiliger Sankt Bultmann, er hat GNOSIS gesagt!!!

(ich bin ja schon weg!) :D

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Das ist doch wieder mal typisch für die Sankt-Bultmann-Konfessioner, kaum lesen die "Gnosis", und sofort funkeln die unorthodoxen Augen ... wie die Donatisten, wie die Donatisten! ;-)

Wolfram hat gesagt…

hihihihi

Aber daß das Wort "Gnosis" in dem Text nicht eine kleine Provokation an die damals herrschende (Johannes-)Exegese und ihre Gnostiker-Vernarrtheit ist, das wirst du mir nicht ausreden können. Da ein Fremdwort einzubauen und noch dazu quasi "falsch", weil nicht im Sinn der Fachleute... das kann kein Zufall sein, jeder normale Mensch hätte "Erkenntnis" gesagt.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich fürchte, Du interpretierst hier doch ein wenig zuviel theologische Scharmützeleien rein. Zum einen ist das ja nur ein Klemens-Zitat; ohne daß ich das prüfen jetzt könnte, hat Casel den Ausdruck wahrscheinlich direkt übernommen und quasi unübersetzt gelassen. Dahinter steckt allerdings Methode, denn auch sonst behält er gerne griechische Termini bebehält, um sie - und eigentlich ist der Begriff Terminus hier schon falsch gewählt - vor einer Engführung im deutschen Verständnishorizont zu bewahren.
Wer da wo und warum seinerzeit von wegen Gnosis theoretisiert und exegiert hat, scheint mir daher eher nachrangig.