Sonntag, 23. Dezember 2012

Emmanuel

O Emmanuel
Rex et legifer noster,
exspectatio Gentium, 
et Salvator earum: 
Veni 
ad salvandum nos, 
Domine, Deus noster.
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O Emmanuel,
unser König und Gesetzgeber,
Erwartung der Geschlechter
und deren Heiland:
Komm,
uns heil zu machen,
Herr, unser Gott!
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(Antiphon zum Magnificat in der Vesper am 23. Dezember)
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Die Grundstruktur ähnelt der O-Antiphon des gestrigen Tages (hier). Erneut handelt es sich geradezu um eine Epiklese - um ein Herabflehen des Höchsten, damit der Mensch Aufnahme finde in die Sphäre eben dieses Höchsten und somit heil werde: Komm, uns heil zu machen!
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Diesmal ist das Flehen jedoch nochmals intensiviert, denn der Name, mit dem der erhabene Logos über den Menschen angerufen und auf den Menschen herabgerufen wird, dieser Name soll den Logos bei seinem Wesen packen: Emmanuel - "Gott mit uns". Wenn nämlich Gottes Name Wesensentäußerung ist, wie bereits bei einer der vorangehenden Antiphonen (hier) vermerkt, dann kann Gott, offenbart als Emmanuel, dann kann dieser Gott keinen Rückzieher machen ...
Dann ließ der Herr zu Achaz weiter sagen: Nun fordere ein Zeichen von dem Herren, deinem Gott, sei's, daß du tief die Bitte, sei's, daß du hoch sie stellst! Achaz entgegnete: Ich stelle keine Bitte, ich will den Herrn doch nicht versuchen. Da sagte er (Jesaja): Hört, die ihr zu dem Davidshaus gehört! Ist's euch noch nicht genug, mehr, als die anderen zu sein, daß ihr auch mehr noch, als mein Gott, sein wollt? Trotzdem gibt euch der Herr von selbst ein Zeichen: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und ihn Emmanuel benennen - Gott mit uns (Jes 7, 10-14).
So wie Gott einst gesagt hat, daß er da sein werde, als der er dasein werde (vgl. Ex 2, 14), so hat er sich hier als jener offenbart, der mit uns ist. Der Name spricht zu uns durch den Propheten und spricht zu uns durch die Jungfrau. Durch den Namen aber spricht der Logos.
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In seiner Menschwerdung wird der Logos die menschliche Natur sich zueignen und diese, nachdem er sie bis in die letzte Tiefe des Todes durchschritten hat, in seine Herrlichkeit aufnehmen, so daß er wahrhaft unser Kyrios wird, aus Gott gezeugt und doch auch aus den Menschen genommen. Das Gesetz, welches dieser König geben wird, ist das Gesetz der Gnade, das Urwort aber dieses Gesetzes ist das Kreuz, der neue Baum des Lebens. Hier erfüllt er als Heiland die Erwartung, die Hoffnung aller Geschlechter: heil zu werden. Gestern, heute, am Ende der Zeit.
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O Emmanuel,
unser König und Gesetzgeber,
Erwartung der Geschlechter
und deren Heiland:
Komm,
uns heil zu machen,
Herr, unser Gott!

1 Kommentar:

sacerdos viennensis hat gesagt…

Danke für die schönen Betrachtungen.