Freitag, 7. Dezember 2012

Die Glorie des Herrn war noch verborgen

Die Flucht nach Ägypten: "... die
erste Ankunft ... in Schwäche und
Unscheinbarkeit" - Glasfenster im
Münster zu Freiburg
So ist das ganze Kirchenjahr eingeschlossen in den Gedanken des Adventes. Der Advent im engeren Sinne aber umfaßt in vorbereitender Weise das Ganze; er führt uns zur Epiphanie, d. h. zur Erscheinung Gottes in dieser Welt hin.
Die Epiphanie aber hat zwei Phasen: die erste Ankunft des Herrn im Fleische der Sünde, in Schwäche und Unscheinbarkeit, die mit seiner Geburt beginnt und am Kreuze endet - "von der Geburt bis zum Zeichen", wie Klemens von Alexandreia einmal sagt (Quis dives salvetur 8, 2); und dann die zweite in der Glorie, jener Glorie, die der Herr durch das Kreuz in der Auferstehung und Himmelfahrt empfing und die uns jetzt im Glauben offenbar ist, der ganzen Welt aber bei der zweiten Parusie sichtbar werden wird.
All dies zusammen ist erst die wahre Epiphanie. Seine erste Ankunft war keine Epiphanie im vollen Sinn, denn die Glorie des Herrn war noch verborgen; er erschien im Fleische der Sünde: "Gott sandte seinen Sohn in der Gleichheit des Fleisches der Sünde" (Röm 8, 3). So war es der Ratschluß Gottes. "Denn es geziemte dem, dessentwegen alles ist und durch den alles ist, da er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Führer ihres Heiles durch Leiden zu vollenden" (Hebr 2, 10).
Erst als der Herr durch das Kreuz die Sünde getilgt hatte, konnte die Glorie der Gottheit auch seine Menschheit ganz durchdringen und ihn zum Pneuma machen: "Der Kyrios ist das Pneuma" (2 Kor 3, 17). Lichtschimmer dieser Herrlichkeit tauchen schon vor der Auferstehung des Herrn zuweilen auf, so bei der Huldigung der Magier, bei der Taufe im Jordan, bei der Verklärung, bei den Wundertaten des Herrn. Da offenbarte sich der Mensch Jesus als der Sohn Gottes und als der Herr Christus.
Odo Casel OSB: Der Advent als Lebensform des Christen in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [1952]. S. 29 f. - hier der vorgängige Teil dieses Textes.

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