Dienstag, 18. Dezember 2012

Adonai

O Adonai 
et Dux domus Israel,
qui Moysi in igne flammæ rubi apparuisti,
et ei in Sina legem dedisti:
Veni 
ad redimendum nos in brachio extento.
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O Adonai, Herr
und Führer des Hauses Israel,
der du Moses im Feuer des brennenden Dornbuschs erschienen bist
und ihm auf dem Sinai das Gesetz übergeben hast:
Komm
uns zu befreien mit ausgestrecktem Arm!
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(Antiphon zum Magnificat in der Vesper am 18. Dezember)
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"Heilig Sein Name" - in diesen Worten (Lk 1, 49) faßt Maria im Magnificat, welches zu dieser zweiten O-Antiphon gesungen wird, die große Ehrfurcht zusammen, die der Alte Bund dem Namen Gottes entgegenbrachte, jenem Namen, der nicht nur Bezeichnung ist, sondern Wesensentäußerung. Gott selbst hat seinen Namen ausgedeutet, als er aus dem brennenden Dornbusch zu Moses sprach (Ex 2, 14):
Da sprach Gott zu Moses: Ich werde da sein, als der ich dasein werde.
So spricht der Ewige, der seine Zeitlosigkeit überschreitet, sich Zeit und Schöpfung zuwendet und dem Menschen seine Nähe zusagt: Geheiligt ist dieser Namen, wie im Himmel, so fortan auch auf der Erde - heilig Sein Name!
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Heilig so sehr, daß es der Mensch später nicht wagte, diesen Namen auszusprechen, ihn auch nur versehentlich der Leichtfertigkeit preiszugeben. Wo der Name Gottes genannt und verkündet, verherrlicht und angebetet wurde, wurde auf das Wort Adonai zurückgegriffen, Kyrios in der griechischen Fassung der hebräischen Bibel; als "Herr" kennt ihn unsere Sprache.
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Die Antiphon weist uns zurück in die Geschichte des Exodus, des Auszuges aus Ägypten. Sie öffnet eben dieses Zeitfenster: Von der Berufung des Moses aus dem brennenden Dornbusch bis zur Übergabe des Gesetzes am Sinai. Noch ist das gelobte Land fern, noch steht dem Volk Gottes eine große Wanderschaft bevor. Darin können wir uns selbst, können wir die Kirche erkennen, die dem Ziel entgegen geht: Dem Kyrios, dem Herrn, ihm, der da sein wird, als der er dasein wird: Christus! Nicht nur wir gehen auf ihn zu. Wir wissen auch: Er kommt uns entgegen - jetzt noch verborgen in den Mysterien und verborgen im Nächsten, einst offenbar am Ende der Zeit.
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Jener Dornbusch, der brennt und doch nicht versehrt wird, ist uns Zeichen der verborgenen Gegenwart Gottes auf unserer Pilgerschaft: Er deutet die Liebe Gottes voraus, die sich verströmt und nie endet. Er deutet auf das unscheinbare Brot, das der Herr bricht für das Leben der Welt (vgl. Joh 6, 51) und dessen es nicht mangeln soll. Er deutet auf das Wasser, das allen Durst für immer stillt und dem, der es trinkt, zur sprudelnden Quelle wird, die ewiges Leben schenkt (vgl. Joh 4, 14). Und er deutet auf die Jungfrau-Mutter, die uns den Heiland geschenkt hat.
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Wir bitten, daß Gott uns im großen Pascha, das wir Tag um Tag auf den Altären vergegenwärtigen, aus dieser Zeit mit ausgestrecktem Arm seinem Kommen und  seiner Verheißung entgegen führe: 
Darum sage den Kindern Israel: Ich bin der Herr und will euch aus den Lasten Ägyptens herausführen und will euch von ihrer Knechtschaft erretten und will euch durch einen ausgestreckten Arm und große Gerichte erlösen (Ex 6, 6).
... heilig Sein Name!
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O Adonai, Herr
und Führer des Hauses Israel,
der du Moses im Feuer des brennenden Dornbuschs erschienen bist
und ihm auf dem Sinai das Gesetz übergeben hast:
Komm
uns zu befreien mit ausgestrecktem Arm!

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