Dienstag, 6. November 2012

Werden, was wir sind?

Christus Kyrios
Gengenbach, ehem. Abteikirche St. Marien
Auch im Geistigen und Religiösen können Genotyp und Phänotyp auseinanderfallen; wie wir vererben können, was wir nicht darstellen, so können wir auch sein, was wir einmal werden und was unseren Überzeugungen und Worten widerspricht. Die sakramentale Prägung, die ich unwissentlich getragen hatte, setzte sich durch. Christus hat das Leiden vergöttlicht. Er hat die Wundmale des Hasses und der Schande als Siegeszeichen der Liebe emporgetragen in das Geheimnis der Gottheit. Sein Kreuz ist aufbehalten in den Himmeln. Es wird ihm voranleuchten, wenn er wiederkommt. Und mit den Wundmalen wird er vor uns, vor den Spielern des ausgespielten Weltendramas, erscheinen. Dieser Anblick wird uns vernichten. Dieser Anblick wird uns retten.
Reinhold Schneider: Verhüllter Tag. Köln und Olten (4) 1956. S. 130.

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