Samstag, 3. November 2012

Soirée: Der Spur der Toten

Der Spur der Toten bin ich nachgegangen;
So hab ich mich und meinen Pfad gefunden
Und leise Kühle auf verborgnen Wunden
Und oft der Schwermut brennendes Verlangen.
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Denn Großem nur vermocht ich anzuhangen,
Und alles Große war dahingeschwunden:
So lebt ich der Entrückung flüchtige Stunden
Und schwerer Jahre unverwindlich Bangen.
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Die Dichter führten mich verschlungne Pfade,
Und Helden winkten mir; ich stand in Träumen
Am Weg der Könige, die nicht wiederkommen;
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Dann zogen Heilige mich ins Reich der Gnade,
Und wo sie starben, in geweihten Räumen,
Hab ich das Kreuz erschauernd angenommen.
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 Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 60.

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