Sonntag, 11. November 2012

Heilquellen - oder die purpurnen Flüsse?

Erholungsort seit fast 2000 Jahren - so sieht sich Badenweiler, seit die Römer dort um 75 n. Chr. an der Kante des Südschwarzwalds auf der Höhe des Markgräflerlands Heilquellen fanden und den Ort Aquae Villae nannten. Ich war noch nie dort - bis heute. Verhältnismäßig gut erhaltene Reste der römischen Therme sind noch zu sehen.
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Da die unterschiedlichsten Grundherren Besitz in Südbaden hielten, ist die Region ein konfessioneller Flickenteppich. In Badenweiler hielt weiland die Reformation Einzug; an den Türen der neuromanischen Pauluskirche konnte man nur rütteln. Die katholische Kirche St. Peter wurde von 1958 bis 1960 errichtet, nachdem die im 19. Jahrhundert für Kurgäste und Hotelangestellte erbaute Marienkapelle sonntags aus allen Nähten platzte. Ich weiß eigentlich nicht, wie ich auf den Gedanken kommen, aber so stelle ich mir sonst eher Stadthallen in NRW vor. ;-)
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Einen Turm gibts allerdings auch; der ist zur Straße hin abgesetzt. Betritt man die Kirche durch eines der Portale, welche die Taufkapelle flankieren, öffnet sich eine eliptische Raumschale mit eher verhaltener Lichteinstrahlung.
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Die Gestaltung des Presbyteriums ist von Joh 12, 32 inspiriert: "Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen".
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Der Rubrizist in mir schüttelt ob der Abwesenheit einer etwas gängigeren Kreuzesdarstellung den Kopf; andererseits ist die Komposition insgesamt recht wirkungsvoll, wenngleich ...
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... ich mich, warum auch immer, an die beiden Thriller Die purpurnen Flüsse erinnert fühlte. Nun gut, die Filme sind jüngeren Datums als die Kirche. Übrigens: Bei so starker Orientierung auf diesen - wahrhaft in der Schwebe gehaltenen -  gekreuzigten und auferstandenen und verklärten Christus ist eine celebratio versus populum wirklich ein Unding. Wenn diese Komposition wirklich das Bibelwort ins Bild setzen soll, dann darf ihr der Priester - streng genommen - nicht den Rücken zu- und sich damit abkehren.
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Ein letzter Blick noch in die eingangs erwähnt Marienkapelle. Der russische Dramatiker Anton Tschechow, der 1904 in Badenweiler verstarb, wurde in diesem kleinen Gotteshaus aufgebahrt.

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