Freitag, 2. November 2012

"Es kommt seinem Leibe, der Kirche, zugute" - Allerseelen

Auf dem Friedhof von Freiburg-Haslach
Gott nimmt uns Menschen unbedingt ernst - was sich unter anderem daran zeigt, daß er uns einen freien Willen gegeben hat und uns dann bis in Tiefe unserer Natur hinein so nahe wie möglich gekommen ist, um sein Geschöpf zu sich zu holen. Gott also nimmt uns Menschen ernst, und darum gibt es keine billige Gnade und keine wohlfeile Tünche. Es bedarf immer auch eines Schrittes, den der Mensch auf Gott hin tut - im Glauben vor allem, den Taten und Werke als aufrichtig erweisen. 
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Aber womöglich auch in Taten und Werken, welche die Sehnsucht des Menschen nach dem Heil - jenseits aller Glaubensakte - insofern zum Ausdruck bringen, als daß der Mensch immer wieder selbst versucht, etwas "heil" zu machen. Von daher scheint es mir gar, daß ein eindeutig zu bekennender Glaube nicht unbedingt immer jene zentrale Rolle spielt, die wir ihm gerne zumessen:
Dann werden die Gerechten ihn fragen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder nackt und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und sind zu dir gekommen? (Mt 25, 37-39).
Der Gedanke tröstet mich - gerade auch, wenn ich das Los von Verstorbenen bedenke, die mir sehr lieb sind und die - alles in allem - gute und auf Gutes hin ausgerichtete, aber nicht im gemeinhin gültigen Sinn "fromme" Menschen waren. Wenn jemand die Macht hat, dieses Gute aufzunehmen und zu verwandeln, dann der den Menschen liebende Gott. 
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Vielleicht ist das ein Zugang zu dem, was wir "Fegefeuer" nennen? Ein Ort, an dem die Seele "gerichtet" wird, sofern diese zu Gott hin offen ist - sofern sie sich öffnen konnte. Denn nicht nur die über die Konsequenzen ihres guten Handelns erstaunten "Gerechten" kommen mit ihren Fragen im obigen Gleichnis zu Wort - auch die anderen erheben ihre Stimme. Wie gesagt: Es gibt keine billige Gnade, die den Menschen und dessen Willen ignoriert, nicht im Schlechten, nicht zum Guten.
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Gott aber will vom Menschen nicht lassen. Und so kann sich selbst die unscheinbarste Knospe, wenn denn nur irgend ausgebildet, sich Gott noch öffnen und erblühen - im Prozess der Läuterung, der freilich ein schmerzlicher ist. Aber das Feuer, das in diesen Seelen brennt, ist ein immer weiter um sich greifendes, sehrendes und reinigendes Feuer, das die Communio zwischen Gott und Mensch in Ewigkeit möglich macht. Es ist das Feuer der Liebe.
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Auch uns wird dieses Feuer Not tun - selbst wenn wir vielleicht den Weg zum Ziel deutlicher sehen und dem Ruf Gottes und der Stimme der Kirche zu folgen versuchen. "Wer kann vor dir bestehen," fragt der Psalmist, "wenn du der Sünden achten wolltest, Herr?" (Ps 129, 3). Doch "beim Herrn ist Gnade und Erlösung viel bei ihm" (v. 7).
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Wir können die Seelen in der Läuterung im Geist der Liebe unterstützen und Ihnen Werke der Barmherzigkeit in Gebet und Opfer tun:
So freue ich mich nun der Leiden, die ich für euch erdulde, und erfülle damit am eigenen Fleische, was am Leidensmaße Christi noch abzutragen ist. Es kommt seinem Leibe, der Kirche, zugute (Kol 1, 24).

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