Donnerstag, 15. November 2012

Die zwei Tische: Wort contra "Brot"?

Dieser Tage las ich in einem Blogeintrag, daß es - sinngemäß - eigentlich keinen großen Unterschied ergäbe, ob man nun eine Heilige Messe mitfeiere oder nur einer Wort-Gottes-Feier beiwohne. Daran mußte ich denken, als ich vorher das folgende Zitat von Reinhold Schneider las ... ein interessanter Gedanke ...
Es genügt nicht, das Wort als Brot des Geistes zu empfangen: wir müssen es essen. So hat es Christus gewollt. Die völlig unbegreifliche und unbeweisbare, über dem Beweis stehende Tatsache der Menschwerdung kann in uns nur wirklich werden im Sakrament und aus dessen Macht. Ist das Sakrament nicht Christi Fleisch und Blut, empfange ich sie nicht, so wird mir die Menschwerdung wahrscheinlich entgleiten.
 Reinhold Schneider: Verhüllter Tag. Köln und Olten (4) 1956. S. 149.

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Darüber kann man weidlich diskutieren. Ich habe weder Zeit noch Lust, die "Wort hören"-Stellen aufzuwiegen gegen die "meinen Leib essen und mein Blut trinken"-Stellen (aber de mémoire, letztere beschränken sich auf die Abendmahlstexte der Synoptiker, den entsprechenden Text im 1Kor und den großen Abschnitt Joh.6, wohingegen erstere zahlreich durch die gesamte Bibel laufen). Mir wäre auch keine Stelle bekannt, wo die Communio an Leib und Blut Christi als conditio sine qua non des Heils bezeichnet wird.
Und schließlich ist die Communio keine Bedingung für eine Begegnung mit dem Auferstandenen, der haut uns auch schon mal ganz anders von unseren hohen Rossen.

Jedenfalls bin ich mit Schneider einig, daß die "Schaukommunion" nix ist - und wie war das mit Fleisch und Blut, und dem völlig sinnlosen Verbot des Laienkelchs? Schneider schließt beides ein...

sacerdos viennensis hat gesagt…

Das Problem liegt ja darin, dass in den Wort-Gottes-Feiern die Hl. Kommunion ausgeteilt wird und damit der Unterschied zwischen Heiliger Messe und Wortgottesfeier verwischt wird. Die Gläubigen werden dadurch in die Irre geführt. Denn nur durch die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers in der Eucharistiefeier vollzieht sich die Erlösung.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram,

Ich denke, man muß Schneiders Satz - was sehr naheliegend ist - von der herkömmlichen Trienter Ausfaltung her verstehen: Das Sakrament (scil. des Altars) ist Fleisch und Blut, Christus unter dem Zeichen des Brotes ganz gegenwärtig, so daß es nicht zwingend notwenig ist, daß auch der Kelch gereicht werde. Da mögen wir gewißlich differieren.

Das Hören des Wortes (verbunden mit dem Bewegen im Herzen) soll und darf nicht gering geachten werden - freilich denke ich, daß die Eucharistie eine ganz andere Ebene einführt: Wir hören nicht nur Gottes, wir empfangen das Wort als (Achtung, Wortkrückenalarm!) "echte", nicht allein "virtuelle" Nahrung für Seele und Leib und als Band der Einheit mit Christus und untereinander. Zudem scheint mir das Testamentum Christi durch die Umstände seiner Einsetzung hinreichend hervorgehoben. Sicher, in der Heiligen Schrift mag nur an einigen wenigen Stellen die Rede davon sein - aber gerade darum ist es das "Besondere" vor dem quasi "Allgemeinen".

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Sacerdos,

hier ist natürlich ein großes Problem angesprochen und die Unterschiede werden gerne auch bewußt bestmöglichst übertüncht. In einer Pfarrei im Umland von Basel wird zum Beispiel nicht mehr zwischen der Heiligen Messe und WGF unterschieden, da heißt es nur noch "Wortgottesdienst mit Kommunionfeier" oder eben "Wortgottesdienst mit Eucharistiefeier".

Wolfram hat gesagt…

zum letzten: *röchel* was ist denn nun was?

zum vorletzten: Ich mag nicht das eine gegen das andere ausspielen, anders als manche meiner calvinistischen oder gar, horribile est dictu, zwinglianisch geprägten Kollegen bin ich der Ansicht, daß eine Feier des Altarsakraments ohne Predigt genauso möglich und geistlich gut ist, wie ein Predigtgottesdienst ohne Altarsakrament. Aufs ganze gesehen, müssen sich die zwei aber ergänzen, und ist nicht die Häufigkeit der Communio entscheidend für das Seelenheil. In gewisser Weise verstoßen wir ja alle gegen Jesu Gebot, "ihr" vielleicht tendenziell mehr gegen den ersten Teil dessen, was ich gleich zitiere ;), "wir" dagegen vielleicht mehr gegen den zweiten:
Nehmet hin und trinket alle daraus, ... Solches tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis.

MC hat gesagt…

Zur Frage des Laienkelchs gilt es, verschiedene Ebenen zu differierren:

1. die historische Ebene: Der Laienkelch wurde im Laufe der Zeit vor allem abgeschafft, weil er schlicht unpraktisch war. In den kleinen Gemeinden der Urkirche noch praktikabel, war es in den größeren Gemeinden immer schwieriger. In der Ostkirche hat man als Lösung beide Sakramente pysisch miteinander verbunden, in der Westkirche den Wein dem Klerikerstand vorbehalten. Dann kamen die Reformatoren, die diese Trennung aufbrechen wollten und deswegen Laienkelch eingeführt haben.

2. die theologische Ebene: die katholische Liturgie ist insoweit kein Widerspruch zum Wort Jesu, als der ganze Christus in beiden Gestalten für sich enthalten ist. Indem wir also seinen Leib nehmen, nehmen wir auch sein Blut. Der Aufnahmeakt des Trinkens ist dabei nachgeordnet, relevant ist die Aufnahme an sich, die nach katholischer Lehre gewährleistet ist.