Samstag, 10. November 2012

Das habe ich nicht im Lotto gewonnen!

Manche Diskussionen über Glauben und Kirche münden ins ganz große Tennis - zumal, wenn die Dispute auf den Seiten jener Schwestern und Brüder im Bloggen stattfinden, die zur Lehre der Kirche ein ebenso locker kritisches Verhältnis hegen wie die Mehrheit der jeweiligen Leser. 
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Hat das Spiel einmal an Fahrt gewonnen, ist es in der Regel nur eine Frage kurzer Zeit, bis der erste Vertreter der Gegenseite mit der Behauptung aufschlägt, man müsse seinen Glauben offenkundig entweder im Lotto gewonnen oder vom Heiligen Geist höchstselbst haben. 
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Als offenbar tumber Springinsfeld der heilen Glaubenswelt habe man wenig bis keine Ahnung von Glaubenswegen, - biographien und -brüchen, geschweige denn vom Zweifel, der einem - weil man zu unbekümmert, unbefangen, unreflektiert oder einfach nur zu doof dazu ist? - niemals heimsuche. Daher sehe man sich, klare Sache, auch niemals gezwungen, den eigenen Blick-"Winkel" und das ganze römische Gedöns auch nur um ein Jota in Frage zu stellen: Heile Weltsicht allenthalben, mit der man den anderen, die das viel kritischer und darob differenzierter sehen, noch päpstlicher als der pratzige Papst auf die Pelle rücke und sie übelst und arrogant inquisitioniere.
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Eingelullt und aufgebrezelt von einem exklusiven, traditionellen und überholten Kirchenbild fehle obendrein das Verständnis für die Anforderungen der Zeit, was im Zweifelsfall mit der Neigung zu traditionellen Liturgieformen und dem sonstigen Pomp vergangener Tage kompensiert werde, ohne daß man erkannt habe, worauf es im Glauben eigentlich ankomme.
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So reden manche (nicht alle!), die sonst gerne von Dialog, Toleranz, Rücksicht und Nächstenliebe schwatzen und die sich tödlich aufregen, wenn ihnen oder ihresgleichen das Prädikat "katholisch" abgesprochen wird, weil das, was sie vertreten und verkünden, der Lehre der Kirche bis in die Haarspitzen widerspricht. Dieselben haben aber wenig Hemmung, anderen verantwortetes Christsein faktisch abzusprechen - denn was bliebe von solchem verantworteten Christsein noch übrig, träfe all das oder auch nur die Hälfte von dem zu, was da tiefgreifend unterstellt wird?
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Meinen Glauben habe ich nicht im Lotto gewonnen - die Sache ist nämlich noch viel mehr doller! Ich werde in Kürze in einem hoch exklusiven und bisher strengstens geheim gehaltenen Report gnadenvoll offenlegen, warum ich selbstverständlich nie auch nur den geringsten Zweifel am Glauben - oder an mir selbst - hege, und warum ich ebenso selbstredend bis zum Erbrechen unfehlstbar bin! Amen.

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