Mittwoch, 7. November 2012

Bedeppert Euch!

Jesus, gelitten, gekreuzigt, begraben. Basta. Der protestantische Theologe Peter Zimmerling hat dieser Tage (hier gelesen) kritisch und zugespitzt angemerkt, daß bei vielen seiner reformationsfrohen Mitchristen der Glaube an Christus auf diese drei Aussagen zusammengeschrumpft sei ... ja, der Jesus ... wenn es ihn denn wirklich gab, möchte man den bereits verdunsteten Glaubensartikel beinahe nachrufen.
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Wer Christus aber allein in die Grenzen von Welt und Natur bannt und über Natur und Welt nichts gelten lässt (und was sollte da überhaupt auch gelten?), der sollte konsequent genug sein, die Botschaft Jesu nur in den Grenzen von Welt und Natur zu denken. Und Hand auf's Herz: Sollte man dann die Botschaft der Bergpredigt wirklich auf die Menschen loslassen und verantworten, daß sich die einen von den anderen dauerhaft zu Deppen machen lassen?
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Aber nein doch! Werden diese Entmythologen antworten, es sollen sich schließlich alle daran halten, und wenn sich alle daran halten, dann ist niemand eines anderen Depp. Ach ja? Träumt weiter!
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Die Bergpredigt läßt sich nur verantworten, wenn Christus nicht nur als irgendein dahergelaufener Rabbi mit ziemlich realitätsfremden Einfällen und Lehren daherkommt, sondern wenn er einst kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten.

Kommentare:

sacerdos viennensis hat gesagt…

Ich befürchte, dass die Aussage von Zimmerling ebenso katholischen Christen gilt. Der Richter der Lebenden und Toten uvm. ist den Katholiken kaum präsent.

Freiburgbärin hat gesagt…

Gut gebrüllt, Löwe.
Aber denkst Du wirklich, dass die Bergpredigt für Menschen gilt?
Ist es nicht so, dass sie nur für Tiere ist? (Ggf. auch für Salatblätter).
Wenn ich die Änderung im Sodomiegesetz genau besehe, dann geht es nicht darum, das ein paar Perverse sich zügeln (von keusch leben rede ich gar nicht) sollen, sondern nur um den Tierschutz. Barmherzigkeit der armen Kreatur.
Und gar Ute, die garnicht gute Schnute, Rank und gar nicht schlank Heiermann, die nachgemachte Katholikin, hat ihr Credo auf ein: Ich glaube an Gott und ein Leben nach dem Tod reduziert.
Ergo, die Bergpredigt interessiert in Zeiten von Menschenrechten, auch auf Mord, niemanden mehr. Um so mehr ein Weltenrichter nur ein Erfindung einiger greiser Katholiken ist. Der Weltenrichter, Christkönig, ist sogar von der Kirche ans Ende der Tage (Ende November) verschoben worden, da wo er kein Unheil mehr anrichten kann.

Wolfram hat gesagt…

Wer ist Zimmerling? (Für mich eine ERinnerung aus der Studienzeit. Mitstudenten haben den in alle Himmel gehoben, aber ich bin ihm nie realiter begegnet.)

Mal Spaß beiseite, und auch den bärigen Zynismus:
solche provokativen Aussagen aus dem Zusammenhang zu reißen grenzt schon an Lüge. Der Zusammenhang ist aber offensichtlich ein Aufruf, christliche Inhalte besser und neu zu vermitteln und nicht jedes Komma an den Grundaussagen zu diskutieren und in Frage zu stellen. Das aber ist ein Vorwurf, der sich nicht an die Gemeinschaft der Gläubigen richten muß, sondern an die universitäre Elite. Solche unsäglichen Projekte wie die ungerächte Bibel kommen nicht aus der Gemeinde, sondern von dem Feminismus heillos ausgelieferten Universitären und Kirchenfunktionären.
Allerdings muß man auch sehen, daß Zimmerling für die Evangelischen ungefähr so repräsentativ ist wie Küng für die Katholischen. Die GGE ist doch arg pfingstlerisch angehaucht.
Aber man kann halt von allen noch was lernen, denn solche Randgruppen entstehen ja, weil der Mainstream gewisse Aspekte vernachlässigt - so der Pietismus, weil die persönliche Glaubensbindung an Christus nicht mehr vermittelt wurde, sondern eher Gott als Prinzip, und eben die Pfingstlerei, weil der Heilige Geist vergessen wurde. Und das ganze evangelische Lager, weil... ?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram, wie Sacerdos oben schon anmerkte, läßt sich Zimmerlings Aussage natürlich nicht nur auf die (oder eben genauer: so manche) Evangelischen beschränken. Meine Quintessenz aus der Geschichte zielt dann ohnehin, dies aber kann der außenstehende Leser zugebenermaßen nicht merken, auf den in katholischen Kirchen heute so gern verkündeten Shakehands-Jesus.

Wolfram hat gesagt…

Ach ja, das ist der Erbe vom Jesulein süß... *seufz*

Unseren Weg durch den Advent gehen wir heuer übrigens mit der Apocalypse. Weil ich, man sehe mir die flapsige Ausdrucksweise nach, das Krippengör irgendwo nicht mehr sehen kann, das den Weltenrichter verdeckt.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Na ja, Wolfram, klingt jetzt fast schon wieder nach dem Extrem der Gegenseite ... :-)

Aporopos "Jesulein süß" ... ich überlege bereits geraume Zeit, inwieweit bestimmte vom 19. bis ins 20. Jh. hinein prägenden Frömmigkeitsphänomene durchaus das zugesoftete Jesusbild unserer Tage mit bedingt haben könnten. Grob skiziert: Inwiefern führte ein in Wort, Bild und Tönen verkitschtes Gottesbild zum Hippie-Heiland unserer Tage?