Montag, 8. Oktober 2012

Soirée: Geschlechterverhältnisse

Obwohl jeder der Männer die Ereignisse in der Version seiner Frau erfuhr, waren sie sich doch einig darüber, daß die Dummheit und Streitsucht der Weiber an allem schuld sei. Viele ließen diese Ansicht zwar daheim nicht verlauten - teils aus Augst vor ihren Frauen, teils, weil sie die Gegenwart anderer Männer brauchten, um sich über die eigenen Ansichten klar zu werden -, alle aber waren, wie gesagt, im Grunde einer Meinung: es ist ein Jammer mit diesen Weibern!
Henri Queffélec: Gott braucht die Menschen (dt. von Hermen von Kleeborn).

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Ich weiß noch nicht, wie ich das Buch an den gestrengen Augen der Pfarrfrau und Finanzministerin vorbeischmuggeln werde - aber du hast mir da einen Floh ins Ohr gesetzt.
Nur werde ich es nicht auf deutsch lesen, ich sitze ja schließlich an der Quelle. ;)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Kannst Du mir eigentlich verraten, was eine "Karabassen" genau ist? Wenn ich dem Buch glaube, scheint das eine Bezeichnung für bretonische Pfarrhaushälterinenn zu sein ...?!?

Wolfram hat gesagt…

Ich würde eher sagen, "carabassen" ist eine bretonische Bezeichnung für Pfarrhaushälterinnen (wer hat noch den schönen Begriff "Zölibatesse" geprägt?), denn Tante Gugel kennt den Begriff nur in ganz wenigen Belegen und verweist sofort auf "carabasse", was aber dem Anschein nach eine geographische oder geologische Bezeichnung ist.
Die (zwei!) zu findenden Belege aber lassen tatsächlich auf eine Pfarrhaushälterin schließen und stammen aus dem niederbretonischen Bereich, wo die keltische Sprache noch bis vor kurzem verbreitet war und heute wieder gepflegt wird.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Zölibatesse ... ;-)

Danke für die Information. Ich Esel! Jetzt habe ich nochmal nachgeschlagen bei der ersten Stelle, bei der die "Karabassen" (es scheint sich in der dt. Fassung also um eine "Versingularisierung" zu handeln) vorkommt, und was habe ich da überlesen?
Zitat: "... und auf ein Zeichen von Thomas begann die alte, asthmatische, schnurrbärtige frühere Karabassen (Pfarrersköchin) mit lauter Stimme ein Paternoster. Aber ach, kein Priester kam aus der Saktistei ..."

Wolfram hat gesagt…

Nein, das ist kein Übersetzungsfehler im Buch, da hab ich mich ungenau ausgedrückt. "la carabassen" scheint ein keltisches Wort zu sein - ich kann aber nicht bretonisch...
nur findet Tante Gugel, das könnte wohl doch nicht gemeint sein, und schlägt deshalb x-tausend Fundstellen für "la carabasse" vor, was aber, wie gesagt, was geologisches oder geographisches ist.
Siehste, ist das also auch geklärt. :D Ich vermute, die Verwendung solcher Begriffe soll das Lokalkolorit unterstreichen.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Danke!

Die Stelle habe ich jetzt einfach in einen Blogeintrag umgemünzt ;-) War aber gemein genug, die Erklärung wegzulassen. Die Karabassen wird Dir ja gewiß auch im Original begegnen.
Ich werde mir mal noch das ein oder andere Buch von Queffélec heranschaffen - auch wenn bei diesem der Ausgang fast ein wenig zu rasch eintritt, als hätte der Autor plötzlich weniger Lust gehabt und die Sache schnell zu Ende bringen wollen. Bin mal gespannt, wie es Dir gefällt. Ich kannte bislang nur den Film und habe es mit Gewinn gelesen.