Dienstag, 16. Oktober 2012

Sankt Gallus, ein Bär und das Brot

Der hl. Gallus - Pfarrkirche
St. Gallus, Lenzkirch-Kappel
Auffällig viele Kirchen im Breisgau und im Schwarzwald stehen unter dem Patronat des hl. Gallus, dessen Festtag heute ist - Erinnerung an Zeiten, da die Abtei St. Gallen hierzulande Grund und Boden hielt.
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Gallus zählt zu den bedeutenden Heiligen der iro-schottischen Mission hier im Südwesten. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts in Ulster geboren, kam er mit dem hl. Kolumban dem Jüngeren um das Jahr 610 an den Bodensee. Nach nicht ganz glücklichen Missionsversuchen wandte sich Kolumban nach Italien, Gallus aber zog es als Einsiedler in die Bodenseeregion. Er errichtete in der Mühleggschlucht eine Klause, in welcher er fortan lebte und - fast hundertjährig - starb. Weiter Eremiten siedelten sich an; die Abtei St. Gallen erwuchs daraus.
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Einen furchtbaren Bären soll der Heilige in Christi Namen in den Griff bekommen und ihm aufgetragen haben, Feuerholz heran zu schaffen. Den Bären hat der Heilige danach - je nach Lesart der Legende - mit einem Brot und der Mahnung, sich nie mehr blicken zu lassen, von dannen geschickt ... nach anderer Überlieferung aber habe er den Bären behalten und ihm jeden Tag ein Brot versprochen, wenn er keinen Ärger mache und die anderen wilden Tiere abwimmle. Die Ikonographie hat sich für den Bären als ständigen Begleiter des hl. Gallus entschieden; manchmal hält der Heilige überdies ein Brot in seiner Hand.
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Gallus war nie Bischof und nie Abt. Er blieb stets, was er sein wollte: Ein einfacher Einsiedel. Der Stab, den er auf vielen Bildern trägt, war ein Geschenk seines Mentors Kolumban - besser gesagt: eine Versöhnungsgabe. Die Weigerung des Gallus, Kolumban nach Italien zu begleiten, führte zu einer Entzweiung; denn Kolumban sah für sich und seine Mönche das Ideal christlichen Lebens in einer Verbindung aus Mission und Pilgerschaft. Als Konsequenz wurde dem "abtrünnigen" Gefährten Gallus die Feier der Heiligen Messe verboten. In einer Vision soll Gallus wenige Jahre später vom Tod des Kolumban erfahren haben; der Stab des Freundes wurde ihm hernach überbracht und mit ihm die Erlaubnis, wieder die Messe feiern zu dürfen. Kolumban hatte - womöglich erst auf dem Sterbebett - seine Entscheidung revidiert: Heilige sind eben auch nur Menschen - und Menschen können trotz mancher Menscheleien Heilige werden, wie man meinen möchte ...

Kommentare:

Freiburgbärin hat gesagt…

Selbstverständlich ist die zweite Lesart der Legende die wahre.
Ohne Bären im Leben zurecht zu kommen ist durchaus schwieriger als mit.
Das weiß ich aus Erfahrung.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Es handelt sich aber wohlgemerkt nicht um einen Stoff- oder Steiffbären: Der Gallibär war ein rechtes Kalibär und hat auch keine Bilder gefälscht, das aber nur nebenhär ...

Freiburgbärin hat gesagt…

Da hast Du Recht. Bedauerlicherweise werden lebendige Bären in Etagenwohnungen nicht gern gesehen.