Samstag, 13. Oktober 2012

Papstmesse in St. Peter

Antonio Kardinal Cañizares Llovera wird also das Pontifikalamt im außerordentlichen römischen Ritus in St. Peter am 3. November feiern. Insgeheim hegten manche ja die Hoffnung, Benedikt XVI. würde zelebrieren. Das wäre natürlich wundervoll gewesen. Streng genommen kann aber der Heilige Vater nicht einfach ein gregorianisches Hochamt im Petersdom feiern wie ein Kardinal. Die Hohe Messe des Papstes in St. Peter hatte eine eigene liturgische Ausprägung, die wohl zu berücksichtigen wäre. Das fängt bei den liturgischen Gewändern an ...
Zwei Kleidungsstücke sind dem Papst vorbehalten, das Subcinctorium, ein mit einem Lamm und einem Kreuz besticktes Zierstück, das links am Cinculum befestigt wird, und der Fanone, ein rot und gold verziertes Schultergewand aus weißer Seide, das nach der Albe angelegt, mit seinem Kragen aber über der Kasel ausgebreitet wird.
Auf ihrem Weg zum Hochaltar hält die Prozession an. Dann erteilen die drei jüngsten Kardinalpriester dem Papst jeweils den Friedenskuss. Nach Stufengebet, Confiteor und Inzensation erhält der Papst von den drei diakonalen Kardinälen den Friedenskuß und begibt sich zur großen Kathedra in der Apsis. Epistel und Evangelium sind jeweils lateinisch und griechisch zu singen. Zum Offertorium wird über den Altar ...
...vom Subdiakon ein großes, mit Gold verziertes Tuch gebreitet, auf das erst später das Korporale gelegt wird. Ein besonders auffälliger Ritus ist die sogenannte Praegustatio (...). Der päpstliche Sacrista reinigt am Kredenztisch die Patene, den Kelch und die Kännchen, und der päpstliche Mundschenk gießt in einen anderen Kelch Wein und Wasser und kostet davon. Dann erst füllt er die Messekännchen, die er einem Akolythen gibt, damit sie zum Altar getragen werden. Der Kardinaldiakon legt am Altar drei Hostien auf die Patene und gibt zwei davon dem Sacrista, der, zum Papst gewendet, beide genießen muß. (...) Dann gießt der Diakon Wein und Wasser in den Meßkelch und reicht ihn ebenfalls dem Sacrista zum Genuß.
Der Papst verläßt nach der Händewaschung die Cathedra und feiert das Hochamt bis zum Friedensgruß wie jeder andere Bischof. Nun ...
... begibt sich der Papst (...) zur Kathedra zurück. Der Zeremonienmeister hat über die Patene (...) den zwölfstrahligen Asteriskus, einen sternförmig gestalteten Deckel, gelegt, und so nimmt sie der Diakon, hebt sie empor, zeigt sie dem Volk und übergibt sie dem Subdiakon, der sie kniend in Empfang nimmt, um sie zum päpstlichen Thron in der Apsis zu tragen. Dann nimmt der Diakon den Kelch, erhebt ihn und trägt ihn ebenfalls in die Apsis. (...) Stehend genießt der Papst die Hälfte der heiligen Hostie und trinkt mit Hilfe der Fistula (eines goldenen Röhrchens) aus dem Kelch. Dann teilt er den Rest der Hostie in zwei Teile und reicht den ersten dem stehenden Diakon, den zweiten dem knienden Subdiakon. Hierauf tauscht er mit beiden den Friedenskuß.
Es gibt noch einige weitere Eigenheiten. So tritt am Ende der Erzpriester von St. Peter mit zwei Domherren vor den Papst und überreicht ihm eine seidene Börse mit 25 Silberstücken: "die gewohnte Summe für die gut gesungene Messe".
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Johannes Pinsk / Carl Johann Perl: Das Hochamt. Sinn und Gestalt der Hohen Messe. Bonn o.J. (nach 1938). S. 186 ff.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Heißt es nicht "außerordentliche Form des römischen Ritus" anstatt "außerordentlicher römischer Ritus"?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Streng genommen: Ja.