Donnerstag, 18. Oktober 2012

Das eine Opfer und die vielen Messen

Jene eine Tat auf Golgotha ist ein für allemal geschehen, ist, wie jede andere geschichtliche Tat, als solche in der Vergangenheit versunken. Sie kann unmöglich wieder zur Wirklichkeit werden. Sie kann auch nicht wiederholt werden; denn dann müßte Christus ja nochmals sterben; aber er ist ein für allemal durch sein Opfer in die ewige Verklärung eingegangen und sitzet zur Rechten des Vaters. 
Soll sie aber doch für die Gläubigen, die nicht unter dem Kreuze standen, wirklich gegenwärtig sein, so kann das nur geschehen im Mysterium, das heißt in ritueller Symbolhandlung. 
Hier tritt also die Liturgie als notwendig ein. Liturgie ist Symbol, rituelle Begehung göttlicher Tat. Im Symbol ist es möglich, die eine Tat, nicht nach ihren zufälligen geschichtlichen Einzelheiten, sondern in ihrem ewigen Kerne wiederhinzustellen, so daß sie vor unserem Auge sich vollzieht; freilich, unser äußeres Auge sieht nur den Ritus, das Glaubensauge aber sieht dahinter die Wirklichkeit. Das Mysterium besteht also aus Äußerem und Innerem, Bild und Inhalt, Begehung und Wirkung, Feier und Gnade.
Odo Casel OSB: Mysterium der Ekklesia. Von der Gemeinschaft aller Erlösten in Christus Jesus. Aus Schriften und Vorträgen. Ausgewählt u. eingeleitet von Theophora Schneider. Mainz 1961. S. 221.

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Hör auf mit sowas, ich werd mir noch kryptokatholische Züge entdecken... :P

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Antworten wir doch mal im Stil des Orakels von Delphi: Tu Dir keinen Zwang an ... ;-)

Freiburgbärin hat gesagt…

Hier irrt Odo. Die Eucharistie ist kein Symbol, sie ist Sakrament, die unmittelbare Anwesenheit Gottes. Sakrament und kein Ritus, der dem Menschen die Macht gibt, über Gottes kommen und gehen zu entscheiden. Bemerkenswert erscheint mir auch, das Odo Casel Gott seiner Schöpfung unterordnet, was einmal war kann nicht noch einmal geschehen.
Er vergißt ganz das Geheimnis des Glaubens, das Wunder der Wandlung: Jesus ist wahrhaft auf dem Altar gegenwärtig. Er opfert sich – so wie einst auf Golgotha – aufs Neue für die Sünden der Menschen dem himmlischen Vater auf.
So ganz nebenbei: Eine völlig durchgeknallte Weiterspinnung dieses Symbolgedankens kannst Du bei L. Boff, kleine Sakramentenlehre, nachlesen. Da wird eine Kaffeetasse zum Sakrament – soweit ich mich noch erinnere. Na ja, das Proseminar ist fast 35 Jahre her.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wo schreibt Casel, die Eucharistie sei Symbol? Wo? Da steht: Die Liturgie ist ein Symbol ... das ist ja wohl mehr als nur ein kleiner Unterschied.

Ferner: Wenn du alles von Casel gelesen haben solltest (was ich von mir, gleich vorweg, nicht behaupten kann), dann magst Du einklagen können, was Casel alles "vergessen" hat.

Solches an einem (!) Zitat zu entfalten, dürfte noch nicht einmal in einem Proseminar vor 35 Jahren als argumentativ vertretbar durchgegangen sein.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

"Bemerkenswert erscheint mir auch, das Odo Casel Gott seiner Schöpfung unterordnet, was einmal war kann nicht noch einmal geschehen".

Könnte mit Blick auf das Opfer Christi vielleicht daran liegen, daß Casel irgendwann mal irgend so einen Hebräerbrief eines gewissen Herren Paulus gelesen hat, vor allem das 9. und 10. Kapitel und besonders Hebr 10, 14).

Wolfram hat gesagt…

Hebr. 10, 11-14 übersetzt von Klaus Berger:
Jeder Priester steht Tag für Tag am Altar und bringt in seinem Dienst vielfach dieselben Opfer dar, die jedoch nie die Sünden beseitigen können. Jesus aber hat ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und hat sich für immer an Gottes rechte Seite gesetzt, wo er darauf wartet, daß ihm seine Feinde als Fußschemel unter seine Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er alle die für immer zur himmlischen Vollendung vor Gott geführt, die er heilig und zu Gottes Eigentum gemacht hat.


Die Autorschaft des Paulus gilt übrigens als ziemlich unwahrscheinlich.

*stichel* Aber wie kann man denn die Schrift gegen die Tradition anführen? :P

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Jetzt versuchen mir auch noch diese Donatisten in den Rücken zu fallen ... grrr ... und Deinen neues Blogeintrag kann ich auch nicht lesen ... grrr ... grrr ...

Aber schön, daß die Übersetzung des Kryptokatholen Berger gewählt wurde.
;-)

Wolfram hat gesagt…

Ich habe mir sagen lassen, Berger sei Pseudoprotestant - aber das sind sicher Feinheiten. :D Und Berger habe ich nicht ohne Grund ausgewählt.

Es stimmt ja auch, daß manche Handschriften den Hebräerbrief als Paulus' angeben. Aber manche schreiben ihn, horribile est dictu, einer Frau zu!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Solange nicht Frau Helen Schlüngel-Straumann ihn geschrieben hat ... ;-)