Sonntag, 28. Oktober 2012

Christkönig

Mittelschrein des Hochaltars
Pfarrkirche Christkönig, Titisee im Schwarzwald
So unaussprechlich groß ist die werbende Liebe Gottes, die er uns immer wieder im Mysterium anbietet. Und trotzdem gibt es viele, ja die große Masse, die vor dieser Sonne die Augen verschließen, vor dieser Wärme sich in die kalte Höhle der Selbstsucht verkriechen. Der Stolz ist finster und kalt; er will lieber in den selbstgemachten Höhlen des Hasses und des Hochmuts hausen als in der Sonne Gottes zu wandeln. Lieber will der Mensch sein eigener Herr sein als durch den "Sohn der Agape" (Kol 1, 13) geliebter Sohn des Vaters zu werden.
So wird dann notwendigerweise aus der Sonne der ersten Ankunft der Blitz der zweiten Ankunft für all jene, die sich der Sonne Christi entziehen. Wundern wir uns nicht, daß seit der Menschwerdung Gottes das Leid auf Erden nicht geringer geworden ist, daß gerade heute die Ströme des Leides die Welt überfluten. All das ist nur die Kehrseite der Agape. Gottes Liebe ist ein gewaltiger Glutstrom; aber denen, die sie ablehnen, wird sie zum "fressenden Feuer" (Is 33, 14). Aus dem milden, lebenweckenden Sonnenlicht wird ein greller, fressender, tötender Blitz.
Die Menschen werden nach den drastischen Worten der Heiligen Schrift "trocken vor Furcht und Angst" (Lk 21, 26); so kann der Blitz in sie hineinfahren und sie zur Flamme des Zornes entfachen. Sorgen wir dafür, daß uns die zweite Ankunft des Herrn nicht im Blitz erscheine, weil wir die Liebe Gottes vernachlässigten, ihr nicht aus ganzem Herzen entsprachen, sondern lieber den Weg der Selbstsucht gingen. Vielmehr wollen wir in der Milde der göttlichen Sonne tun, was die Schrift sagt: "Schauet auf und erhebet eure Häupter; siehe es naht eure Erlösung!" (Lk 21, 28).
¶ Odo Casel OSB: Advent der Gnade und Advent des Zornes (zum ersten Adventssonntag 1943) in: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. (Imprimatur 1952). S. 90.

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