Sonntag, 28. Oktober 2012

Christkönig wieder wegpacken ...

Beim Rasieren heute in der Früh deckte mich das Radio mit einem Adenauer-Zitat aus den ganz frühen Jahren der Bundesrepublik ein. Sinngemäß stellte der erste Bundeskanzler den Deutschen zwei Alternativen vor: Das künftige Deutschland werde entweder durch einen marxistisch-materialistischen Geist oder durch christliche Werte geprägt, wie sie das Programm der CDU formuliere. Wahrscheinlich hat der Alte im Traum nicht dran gedacht, wie sehr die CDU im Lauf der Zeit verludert. Was etwa ist heute in diesem Staat noch nicht von Adornos "Kritischer Theorie" infiziert? Selbst die allermeisten "Konservativen" (sowohl die, die behaupten, sie seien "konservativ", als auch jene, die das tatsächlich von sich glauben) denken, reden und brüten allein in jenen umschränkten Winkeln, die ihnen vom linken Meinungsdiktat im Rahmen der politischen Korrektheit gestattet werden, von einer Reaktion darauf kaum eine Spur, von der Reaktion erst recht nicht. 
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Der folgende Satz mag aufschrecken: Zum Glück gab es das Dritte Reich ... nicht, weil's  so schön gewesen wäre oder man es - Gott bewahre! - wiederhaben wollte, sondern weil wir diese Negativfolie zwischenzeitlich dringend auch brauchen, um uns diese Demokratie schön zu saufen trotz der Selbstverständlichkeit, mit der in diesem Land seit Jahren abgetrieben, mehr und mehr selektiert, von Staats wegen gegendert, öffentlich entschämt und gehurt und gelogen und geheuchelt wird.
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Wie lange werden wir es uns noch leisten können, den Christkönigsgedanken nur zu feiern?

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Ganz genau so ist es!!
Danke.

Wolfram hat gesagt…

Wenn ich deine Frage richtig verstehe, geht es darum, nur zu feiern - oder praktisch zu leben, (auch) abseits der Feiertage.

Dazu sagt ein gewisser Saulus aus Tarsus, genannt Paulus: "euer ganzes Leben sei ein Gottesdienst". Sit.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram, ich denke, das kann auch unter dem Vorzeichen eines Rückzuges ins Private geschehen, solange das Öffentliche zumindest dem Bereich der Adiaphora zugerechnet werden kann. Meiner Ermessens stellt sich die Frage, ob angesichts der Zeit dieser "Gottes-Dienst" nicht viel mehr und deutlicher auf das Öffentliche ausgedehnt werden müsste.

Wolfram hat gesagt…

Die Trennung von privat und öffentlich ist biblisch nicht vorgesehen und meiner Ansicht nach auch unpraktikabel. Mein privater Mensch gehört Jesus, mein öffentlicher Mensch aber dem Mammon? Kann doch nicht sein, da wird man ja zu einer völlig gespaltenen Persönlichkeit. (Es gibt zwar hierzuland Häuser, die außenseits wie Scheunen aussehen und innenseits wie Betsäle, aber das liegt daran, daß gewisse Leute, die wir nicht näher benennen wollen, anderen Leuten nicht zugestehen wollten, auf ihre Weise zu Jesus Christus zu beten.)

Insofern: ja, ja und ja zum öffentlich sichtbaren Gottesdienst, auch und sogar gerade weil das Zeugnis manchmal zum martyrion werden kann.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram, ich wollte auch keiner Trennung von privat und öffentlich das Wort reden, sondern nur zum Ausdruck bringen, daß es "Verfasstheiten" gibt, die einem, weil soweit in Ordnung, gewissermaßen "egal" sein können, es aber einen Punkt gibt, an dem man den Dingen nicht mehr ihren Lauf lassen darf.

Die Kirchen und Gläubigen hierzulande, darauf zielt der Beitrag ab, haben sich meines Ermessens zu sehr von den gesellschaftlichen Verhältnissen und deren Entwicklung einlullen lassen. Es hilft wenig, wenn im GG einer "Verantwortung vor Gott" Tribut gezollt wird, wenn selbiges GG mehr und mehr mit Füßen getreten wird und sich dieser und andere Sätze als Papiertiger erweisen.

Jedoch scheut man sich, die Frage nach der aktuellen Faktizität der "freiheitlich-demokratische Grundordnung" zu stellen - lieber schluckt man die Beruhigungspille, daß es sich dabei ja grundsätzlich um einen zivilisatorischen Fortschritt handle im Vergleich zum Vorherigen. Das war es auch einmal, aber ist es das noch?

Das Christkönigsfest ist in seiner eigentlichen Aussage ein guter Anlass, die Zeitströmungen auf Vereinbarkeitden mit dem Anspruch des Glaubens abzuklopfen und politischen Kompass ggf. zu korrigieren, eben gerade, weil man den eigenen Glauben nicht von der Welt abkoppeln, sondern Salz der Erde sein soll - wenn man sich denn besinnen wollte.