Freitag, 28. September 2012

Welches Schweinder'l und welchen Jesus hätten's denn gern?

Welches Schweinder'l hätten's denn gern? Das Blaue? Gerne. 
Und welchen Jesus wollen's denn heute haben? 
Den markinischen oder den aus der Logienquelle 
oder darf Johannes auch mit rein spielen? 
Verstehe ... also sozusagen den Jesus der Geschichte 
und nicht den Christus des Glaubens. Ja? 
Aber ich bitt' Sie! Gerne.
Dazu ein Zitat:
Die Wirklichkeit Christi wird uns durch das Wort bzw. das Gedächtnis der Apostel vermittelt; aller Apostel, von Markus bis Johannes. Und nicht so, daß die Echtheit der Jesusgestalt in dem Maße abnähme, als das Zeugnis später liegt. Der zeitliche Abstand eines Lukas von Markus bedeutet nicht, daß der Theologe Anlaß hätte, mißtrauisch zu werden. Die dazwischen vergangenen Jahre haben vielmehr einen Abstand geschaffen, der dem Berichtenden einen neuen Blick auf Christus geöffnet hat; sie haben eine Zeit der Nachfolge und des betenden Umgangs gegeben, in welcher neue Erfahrung von seiner Wirklichkeit gewonnen worden ist, so daß der von Christus Kündende nun sagen kann, was vorher noch nicht möglich bzw. an der Zeit war.
Wenn die Forschung vom Johannesevangelium zu den früheren Evangelien zurückgeht, dann dringt sie damit nicht zu echteren Schichten der Christuswirklichkeit vor, sondern nur zu solchen, die sich dem Blick eher dargeboten haben. (...)Wenn es gelänge, sämtliche Berichte zur Seite zu schieben und einen unmittelbaren Blick auf Jesus Christus zu gewinnen, wie Er auf Erden war, dann würde dem Betrachter nicht etwa ein "einfacher" geschichtlicher Jesus, sondern eine Gestalt von erschütternder Größe und Unbegreiflichkeit entgegentreten. 
Der Fortgang in der Darstellung des Jesusbildes bedeutet keine Zutat der Verkündenden, sondern die schrittweise Entfaltung dessen, was "von Anfang an war" - vorausgesetzt allerdings - und damit steht und fällt alles - daß der Gotteswille, der in Christus die erlösende Wahrheit des ewigen "Wortes" zur Offenbarung gebracht, auch gewollt und bewirkt hat, daß diese Wahrheit überhaupt zu den Späteren gelange.
So zu ihnen gelange, daß sie in der Schlichtheit des gläubigen Vertrauens aufgenommen werden könne, und es keiner kritischen Sondertechnik bedürfe, sie aus dem Wortlaut der Verkündigung herauszulösen.
Romano Guardini: Die menschliche Wirklichkeit des Herrn. Beiträge zu einer Psychologie Jesu. Würzburg 1958. S. 16 f.

1 Kommentar:

Wolfram hat gesagt…

Zumal Johannes inzwischen wieder deutlich früher datiert wird als in den Fünfzigern - man hat nämlich Handschriftfragmente gefunden, die älter waren als die Datierung der Theologen...

Ich schätze Guardini sehr.