Mittwoch, 5. September 2012

Terror hier, Terror da

Am 5. September 1793 lief die Französische Revolution einmal mehr zur Höchstform auf. Beseelt von Menschenrecht und Bruderliebe und Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit beschloß die Nationalversammlung Terrormaßnahmen zur Unterdrückung konterrevolutionärer Aktivitäten - die Stunde der Grande Terreur hatte geschlagen. In den darauf folgenden acht Monaten fielen ungefähr 35.000 bis 40.000 Menschen diesem Beschluß zum Opfer.
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Auf den Tag genau 125 Jahre später, am 5. September 1918, erlässt der Rat der Volkskommissare in Russland ein Dekret Über den Roten Terror - und schafft damit Konzentrationslager für Klassenfeinde und erlaubt obendrein sofortiges Erschießen eines jeden Zeitgenossen, der weißgardistischen Organisationen angehört oder in Verschwörungen, Aufstände oder Erhebungen verwickelt ist. Massenexekutionen werden durchgeführt, gefoltert wird nebenher auch noch. Die Schätzungen der Opferzahlen reichen von 250.000 bis zu einer Millionen Toten - je nachdem, was man alles dem Roten Terror zurechnet. Jedenfalls wurde Mitte der 1930er-Jahre mit dem Großen Terror die nächste Stufe gezündet; spätestens ab dann kann man wieder beginnen, die Opferzahlen von vorn zu zählen (diesmal gehen diese wirklich in die Millionen).
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1983 erscheint alsdann bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft die deutsche Übersetzung einer Monographie zur Französischen Revolution aus der Feder des marxistischen Historikers Albert Soboul (1914-1982). Dieser sieht (hier zitiert nach Wikipedia) in der Grande Terreur 
"im wesentlichen ein Instrument zur Verteidigung der Nation und der Revolution gegen die Rebellen und Verräter". Zwar seien die Aristokraten und ihre Anhänger durch den Terror ausgeschlossen worden, doch hätten sie ohnehin "nicht in die Gesellschaft eingeordnet werden" können. Durch den Terror sei die Autorität des Staates wieder aufgerichtet worden, er habe bei der "Entwicklung des Gefühls nationaler Solidarität" über alle Klassenegoismen hinweg geholfen und vor allem durch die gewaltsame Durchsetzung der notwendigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen zum Sieg der Revolutionäre in den Koalitionskriegen und damit zur "Rettung der Nation" beigetragen.
"Aus der Geschichte lernen" müssen und sollen, so siehts jedenfalls aus, stets nur die Anderen - nicht aber das linke Gesindel aus Geschichte und Gegenwart.

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Klar: Nur linker Terror ist guter Terror!

Wolfram hat gesagt…

Ist das zweite Datum denn in den Gregorianischen Kalender übertragen worden? Sonst stimmt "auf den Tag genau" nicht so recht...

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram, ich nehme mal an ... habs aus der Wikipedia.