Montag, 10. September 2012

Mörike am Abend oder: Mein Lieblingsgedicht

Morgenländer hatte jüngst nach den Lieblingsgedichten seiner Leser gefragt und die ganze Sache mit einer Verlosung verknüpft. Was an mir vorbeigegangen ist; mein Augenmerk fiel erst zum Wochenende drauf - die Idee aber finde ich wunderbar, selbst wenn man die Bedenken des Morgenländers nicht von der Hand weisen kann, daß es das Lieblingsgedicht schlechthin für die Wenigsten gibt ... zu groß und üppig sind die Füllhörner der Euterpe und Erato, der Thalia und Kalliope und Polyhymnia, als daß man sich für Eines nur entscheiden wollte.
.
Auch ich kenne mannigfach in Verse gesetzt Schönes. Aber es gibt ein Gedicht, daß mich besonders fasziniert und anrührt: Margareta von Eduard Mörike. Um genau zu sein: Angetan haben es mir vor allem die zweite und die dritte Strophe, auf welche Romano Guardini irgendwo in einem seiner Bücher in einer üppigen Fußnote verweist. 
.
Daß es zu dem Gedicht eine erste Strophe gibt, habe ich erst bemerkt, nachdem ich mir eine kleine Ausgabe der Gedichte Mörikes besorgt hatte. Und während die beiden letzten Strophen für sich stehen könn(t)en und unmittelbar zu mir sprechen, ist mir der Sinn der ersten Strophe bis heute nicht wirklich aufgegangen (allerdings habe ich mich auch nie besonders darum bemüht, sondern angenommen, dahinter stecke irgendein biographisches Moment). Hier nun die vollständige Fassung:
.
Margareta
.
Ach, muß der Gram mit dunkelm Kranz
Noch erst unschuldge Schläfe schmücken?
So hoher Sinn in ungetrübtem Glanz,
Er würde minder uns entzücken?
Ich weiß es nicht, nur dies weiß ich allein:
So gleichst du dir, und also sind wir dein.

.
Könnt ich, o Seele, wie du bist,
Dich in den reinsten Spiegel fassen,
Was all dir einzig eigen ist,
Als Fremdes dir begegnen lassen!
Ja, fiele nur aus diesem Aug ein Blick,
Wie er uns traf, ins eigne Herz zurück:
.
Von selgen Schauern angeweht,
Scheu nahtest du dem namenlosen Bilde,
Wie einem Rätsel, das um Lösung fleht,
Daß eins im andern sich auf ewig stillte;
Doch ach, kaum hast du halb dich selbst erkannt,
Verkennst du dich, und hast dich abgewandt!
.
Kleine Anregung meinerseits - wer immer auch ein Lieblingsgedicht hat, könnte es vielleicht auf seinem Blog veröffentlichen? Ich meinesteils fände das sehr interessant ...

1 Kommentar:

chiqitac hat gesagt…

Meins ist da:
http://chiqitacs.blogspot.de/2012/09/lieblingsgedicht.html